Jim spielt den Dummen. Es wäre zu gefährlich, wenn die Weißen wüssten, wie intelligent und gebildet er ist. Als man ihn nach New Orleans verkaufen will, flieht er mit Huck gen Norden in die Freiheit. Auf dem Mississippi jagt ein Abenteuer das nächste: Stürme, Überschwemmungen, Begegnungen mit Betrügern und Blackface-Sängern. Immer wieder muss Jim mit seiner Schwarzen Identität jonglieren, um sich und seinen jugendlichen Freund zu retten. Percival Everetts »James« ist einer der maßgeblichen Romane unserer Zeit, eine unerhörte Provokation, die an den Grundfesten des amerikanischen Mythos rüttelt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
aus Bielefeld
5/5
15.01.2026
eBook (ePUB)
Fesselnd
Ein beeindruckendes und leider viel zu kurzes Buch, das man, wenn man anfangen hat, nicht mehr aus der Hand legen möchte. Eine Perspektive, die nachdenklich macht. Zum Teil brutal, manchmal komisch, auf jeden Fall ergreifend. Unbedingt lesenswert!
Elina Z.
5/5
09.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ausgezeichnet
Die Geschichte wird aus der Perspektive des Sklaven Jim erzählt. Wir kennen bereits Jim aus Mark Twains berühmten Roman über Huckleberry Finn. Und ja, Huck spielt hier auch eine Rolle. Er und Jim begeben sich auf eine Reise entlang des Mississippi bis ihre Wege sich irgendwann mal trennen.
In diesem Roman erhält Jim eine Stimme, eine Möglichkeit, seine Geschichte zu erzählen. Das Hauptthema ist Kampf um die Freiheit und wozu ein Mensch fähig ist, dies zu erlangen. Es gibt zahlreiche Werke über dieses Thema, aber „James“ ist ein eigenartiges Buch mit einer interessanten Darstellungsweise und einer ausgeprägten Sprache.
Manchmal wirkt die Story komisch und konstruiert, besonders das Ende. Dennoch bleibt der rote Faden die ganze Zeit beibehalten und der Leser versteht sofort, welche Message der Autor liefern möchte.
Everett hat bereits einige Literaturpreise für diesen Roman bekommen, unter anderem den Pulitzer-Preis 2025. Also, „James“ ist ein ausgezeichnetes und lesenswertes Buch, das all die Aufmerksamkeit und Erfolg berechtigt verdient hat.
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
5/5
17.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Toll!
„Wenn man die Hölle als Heimat kennt, ist die Rückkehr in die Hölle dann eine Heimkehr?“ (S. 293)
JAMES
Percival Everett
Als der Sklave Jim ohne seine Frau und Tochter nach New Orleans verkauft werden soll, fasst er einen verzweifelten Entschluss: Er flieht. Doch statt wie die meisten „Entflohenen" in den freien Norden zu fliehen, schlägt er eine unerwartete Richtung ein – in den Süden. Dort, so hofft er, wird man ihn nicht suchen.
Unterwegs trifft er auf Huckleberry Finn, genannt „Huck“, der seinem gewalttätigen und trunksüchtigen Vater entflohen ist. Gemeinsam brechen sie auf – Jim mit dem Ziel, Geld zu verdienen, um seine Familie freizukaufen. Doch schnell zeigt sich, wie aussichtslos dieses Vorhaben ist: Ein schwarzer Mann, der sich nur nachts fortbewegen kann, und ein weißer Junge fallen überall auf. Zudem kann ihm Huck nicht helfen, da ein Minderjähriger rechtlich keine Sklaven besitzen darf.
Auf ihrer gemeinsamen Flucht geraten die beiden in gefährliche Situationen, begegnen Betrügern und müssen zahlreiche Ungerechtigkeiten ertragen. Doch gerade diese Herausforderungen schweißen sie enger zusammen.
Ob es Jim gelingt, seine Familie zu retten, müsst ihr selbst lesen.
Percival Everett erzählt Mark Twains Klassiker Die Abenteuer des Huckleberry Finn noch einmal – diesmal aus der Sicht von Jim, dem Sklaven. In der Ich-Perspektive schildert er schonungslos und eindringlich die Grausamkeit der Sklaverei: wie Männer ausgepeitscht, Frauen vergewaltigt und Menschen wie Vieh behandelt werden.
Ein zentrales Element des Romans ist die Sprache: Everett rückt die authentische Sprechweise der Sklaven im 19. Jahrhundert in den Mittelpunkt. Diese unterscheidet sich stark vom damaligen Südstaaten-Englisch. Der Übersetzer Nikolaus Stingl erläutert im Anhang des Buches, wie er diese sprachlichen Besonderheiten ins Deutsche übertragen hat – meiner Meinung nach mit großem Erfolg.
Fazit:
Ein kraftvolles, wichtiges und berührendes Buch, das ich euch sehr ans Herz lege.
5/5
Bewertung
5/5
27.06.2025
eBook (ePUB)
Die selbe Geschichte anders erzählt
Percival Everett erzählt die bekannte Geschichte aus der Sicht des Sklaven Jim. Dieser Perspektivwechsel macht es sehr spannend und man erlebt alles noch mal anders.
Sehr spannend und hart wird hier das Leben der Sklaven beschrieben. Der eigentliche Abenteuerroman von Früher bekommt so eine ganz andere Wendung und Sichtweise.
Absolut lesenswert!
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
09.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Mit meinem Bleistift schrieb ich mich ins Dasein. Ich schrieb mich ins Hier."
“Wenn man ein Sklave ist, macht man sich Entscheidungsfreiheit vor, wo es nur geht.”
Man muss nicht zwangsläufig Mark Twains „Klassiker“ mit den Geschichten von Huckleberry Finn kennen, um „James“ von Percival Everett zu lesen, denn dies ist eine ganz neue Geschichte.
Hier kommt der Sklave Jim Ich-Erzähler zu Wort und erzählt aus seiner Perspektive.
Und was niemand wusste: Jim ist nicht dumm, er tut nur so, um gefahrlos zwischen den Weißen überleben zu können. So wie alle anderen Sklaven spricht er in Gegenwart der Weißen nur einen tumben „Sklaven-Slang“, der sie dumm wirken lässt. Die Kinder müssen diese einfältige Sprache lernen; untereinander reden die Sklaven nicht auf diese Art.
“Dich gefahrlos in der Welt bewegen zu können erforderte Beherrschung der Sprache, Geläufigkeit.”
“Die Weißen erwarten, dass wir auf eine bestimmte Weise klingen, und es kann nur nützlich sein, sie nicht zu enttäuschen”, sagte ich.“ Wenn sie sich unterlegen fühlen, haben nur wir darunter zu leiden. Oder vielleicht sollte ich sagen, ‘wenn sie sich nicht überlegen fühlen.’”
Als man Jim nach New Orelans verkaufen will, flieht er mit dem jungen Halbwaisen Huck Richtung Norden, auf dem Weg in die Freiheit. Huck ist auf der Flucht vor seinem saufenden, prügelnden Vater. Und Jim möchte es in einen freien Staat schaffen, dort Geld verdienen und einen Weg finden, um seine Frau und seine Tochter freizukaufen.
Auf ihrer gefährlichen Reise folgt ein Abenteuer dem nächsten, von Überschwemmungen und Stürmen über Begegnungen mit Betrügern und anderen gefährlichen Menschen. Jim muss nicht nur auf sich aufpassen, sondern auch auf den jungen Huck.
Das Buch ist einerseits wirklich fesselnd und spannend, teilweise auch urkomisch – aber andererseits oft auch tragisch und sehr schmerzhaft zu lesen. Die quälende Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit ging mir wirklich nahe. Die Willkür und Brutalität der Aufseher und Sklavenhalter ist sehr authentisch und kaum zu ertragen.
“Ach was, Mann”, sagte der Herzog.“ Das ist kein richtiger Mensch. Der spürt Schmerz nicht so wie wir. Der braucht eine Lektion, die er nicht vergisst. Sonst setzt er sich gleich wieder in den Kopf wegzulaufen. So sind diese Kreaturen nun mal gebaut.”
“Was ich verbrochen habe? Ich bin ein Sklave, Norman. Ich habe eingeatmet, als ich hätte Ausatmen sollen. Was ich verbrochen habe?”
“Easter kniete sich hin und legte mir die Metallschelle um den Knöchel. Es war ein Schrecken aus der Vergangenheit, den ich verspürte. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal gefesselt worden war, aber mein Körper erkannte das Gefühl. Falls ich jemals bereit war wegzulaufen, dann in diesem Augenblick.”
“Ich bin froh, dass ich weggelaufen bin ”, sagte Sammy.
“Wieso?”
“Kommt mir richtig vor.”
Ich nickte.
“Er hat mich vergewaltigt, seit ich klein war”, sagte Sammy.
Ich nickte. “Du bist immer noch klein.”
Man kommt Jim im Laufe seiner Reise sehr nahe, seinen Gedanken und seinen Träumen. Man spürt, wie stark sein Wunsch nach Freiheit und einem selbsbestimmten Leben für sich und seine Familie ist. Jim wird sein eigener Herr und nennt sich von nun an James: „Mein Name gehörte endlich mir.“
“Ich war woanders. Ich war wieder auf der einen noch auf der anderen Seite dieses verdammten Flusses. Ich war nicht auf dem Mississippi. Ich war nicht in Missouri.”
“Mit meinem Bleistift schrieb ich mich ins Dasein. Ich schrieb mich ins Hier.”
„Ich bin der Todesengel, der gekommen ist, um bei Nacht süße Gerechtigkeit zu üben“, sagte ich. „Ich bin ein Zeichen. Ich bin deine Zukunft. Ich bin James.“
Mit „James“ hat Percival Everett ein fesselndes und kluges Buch geschrieben; eine Art Selbstermächtigung - es ist ein Roadtrip in die Freiheit.
“Ich bin kein Nigger”, sagte ich zu ihm.“ Man kann sein, was man sein will. Besonders du. Du kannst weiß oder schwarz sein. Niemand wird dich in Frage stellen.”
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