In "Die Frau des Richters" entfaltet Arthur Schnitzler ein vielschichtiges Drama, das sich mit den Themen von Moral, Ehre und den Schattenseiten der menschlichen Beziehungen auseinandersetzt. Die Erzählung ist in einem prägnanten, psychologisch fokussierten Stil verfasst, der einen tiefen Einblick in die inneren Konflikte der Charaktere gewährt. Die komplexe Beziehung zwischen der Protagonistin und ihrem Ehemann, einem Juristen, wird durch Schnitzlers Meisterschaft in der Dialogtechnik lebendig, wodurch eine dichte Atmosphäre entsteht, die den Leser in die gesellschaftlichen Normen und den moralischen Druck der späten Wiener Gesellschaft hineinzieht. Arthur Schnitzler, ein bedeutender Vertreter des fin-de-siècle, lässt in seinen Werken oft die Abgründe der menschlichen Natur und die Herausforderungen gesellschaftlicher Erwartungen aufblitzen. Der Autor, geboren in Wien, erlebte das Aufeinandertreffen von Tradition und Moderne, was sich eindeutig in den Konflikten und Ambivalenzen seiner Charaktere widerspiegelt. Schnitzlers eigene Erfahrungen in der bürgerlichen Gesellschaft machten ihn zu einem scharfen Beobachter der zwischenmenschlichen Dynamik und der moralischen Korruption. "Die Frau des Richters" ist eine fesselnde Lektüre für alle, die sich für die komplexen Interaktionen in der menschlichen Psyche und die sozialen Strukturen des frühen 20. Jahrhunderts interessieren. Schnitzlers tiefgehende Analyse von Ehen, Loyalität und den Drang zur Selbstverwirklichung wird jeden Leser dazu anregen, über die eigenen Werte und die Rolle der Gesellschaft nachzudenken.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
5/5
07.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Abgründe einer Ehe
Schnitzlers Traumnovelle hat mich durch ihre schwebende Atmosphäre sofort in den Bann gezogen. Traum, Begehren, Eifersucht und verdrängte Wünsche gehen so fließend ineinander über, dass man nie ganz sicher ist, was wirklich geschehen ist. Eine kurze, seltsame und zugleich vielschichtige Erzählung über die Abgründe einer Ehe.
Bewertung
5/5
27.03.2026
Hörbuch-Download
Große Empfehlung
Dieses Hörbuch wurde völlig zurecht für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert. Den Text so zu hören, ist etwas völlig anderes, als das Buch zu lesen. Andreas Pietschmann liest sehr ausdruckstark und wandlungsfähig. Toll, wie er die einzelnen Figure zu Leben erweckt. Zusammen mit der verträumt schönen Musik wird man in die Geschichte richtig hineingezogen.
Bewertung
aus Wien
5/5
03.10.2022
Buch (Taschenbuch)
Film noir trifft Literatur
Die "Traumnovelle" von Arthur Schnitzler ist keine 100 Seiten lang, beinhaltet aber mindestens einen zur Gänze ausgeformten Charakter, der so vielschichtig ist, wie viele Protagonisten viel längerer Romane es nicht sind. Fridolin heißt er, und ihn begleitet man durch zwei Tage und Nächte in Wien voller unerfüllter Abenteuer, skuriller Figuren, erotischer Wunschträume und meherer Leichen. Das Ganze ist so dicht und spannend geschrieben wie ein Krimi und so mysteriös wie ein Film noir. Wirklich gut!
Mario Pf.
aus Oberösterreich
5/5
11.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Traum oder doch Realität
Arthur Schnitzlers Traumnovelle beschäftigt sich wie schon der Name vermuten lässt vorwiegend mit Träumen und traumgleicher Realität. Nach den turbulenten, einen seltsamen Traum gleichen, Ereignissen eines Maskenballs sehen sich Albertine und ihr Mann Fridolin gezwungen sich wieder einmal so richtig auszusprechen.
Im Verlauf ihres Gespräches erfolgt die tiefgehende Schilderung ihrer letzten Urlaubserlebnisse, die typisch für Schnitzler eindeutige sexuelle Anspielungen enthalten. Das Gespräch legt auch dar, wie die beiden Ehepartner zueinander stehen und lässt erahnen wie sich die Geschichte schon bald entwickeln wird. Mit dem Versprechen sich solche Erlebnisse in Zukunft immer gleich zu erzählen versucht Fridolin das Gespräch zu beenden, doch Albertine erwähnt noch ein anderes verschwiegenes Erlebnis, dass noch in ihre Jugendzeit zurückreicht. Das Dienstmädchen unterbricht die beiden jedoch, denn soeben hat sie die Botschaft erreicht, dass ein Patient Fridolins, ein wichtiger Hofrat, einen Herzanfall erlitten hat und im Sterben liegt. Fridolin verabschiedet sich von seiner Frau, doch als er beim Hofrat angekommen ist und dessen Tochter ihn empfängt, kann er nur noch den Tod des alten Mannes feststellen. In ihrer Verzweiflung offenbart ihm die Tochter seines verstorbenen Patienten schließlich dass sie ihn liebt, obwohl sie widerwillig mit einem Universitätsdozenten verlobt ist. Sie verrät ihm weiters, dass sie wegziehen werden und wie unglücklich sie mit ihrem zukünftigen Mann jetzt schon ist. Als die ersten Trauergäste, der engere Kreis der Familie, eintreffen muss Fridolin jedoch gehen. Während er durch den Park spaziert ist er so in Gedanken versunken, dass er es gar nicht merkt, wohin ihn seine Schritte führen und plötzlich steht er in einer Gasse. Dort findet er mehrere Dirnen vor, von denen eine ihn in seinen Bann zieht. Sie gehen in ihr Haus, wo sie sich als Mizzi vorstellt. Anders als zu erwarten lehnt er ihre Angebote jedoch ab und bittet sie ihm doch stattdessen etwas zu erzählen. Nachdem er Mizzi wieder verlassen hat, führt ihn sein Weg in ein Kaffeehaus wo er auf einen alten Freund und Studienkollegen trifft, der ihm von einer mysteriösen Veranstaltung berichtet, zu der er als Klavierspieler eingeladen ist. Fasziniert von den Ausführungen seines alten Freundes beschließt Fridolin kurzerhand sich auch auf diese Feier zu schleichen.
Selbst mit anderen Werken Schnitzlers verglichen ist die Traumnovelle ein überaus komplexes Buch, welches viel Freiraum für Interpretationen lässt. Selbst Sigmund Freud soll sich einst Gedanken über dieses Buch gemacht haben und das tut dieses Werk auch heute noch. Ob es nun an diesem Verschwimmen von Realität und Traum liegt oder Schnitzlers Fähigkeit eine Geschichte nicht bloß zu erzählen, sondern tiefsinnig nachempfinden zulassen, ist eine Frage für sich, erfolgreich und faszinierend ist dieses Werk ohnehin.
Manu
aus Wien
5/5
11.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
träumerische Realität oder realitscher Traum
Passion pur ! Leidenschaft in jedem Wort, die Gegenüberstellung von Traum u. Realität, die verborgene Sehnsucht u. Wohllust des einzelnen läßt eine fast unüberwindbare Distanz zwischen dem Ehepaar Fridolin u. Albertine heranwachsen, welche aber letztendlich das Gegenteil bewirkt u. sie zu Innigkeit u. Verbundenheit erlangen welche sie zuvor gemeinsam nie bewußt empfinden konnten.
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