Teil 3 der fulminanten »Morgenstern«- Reihe vom literarischen Weltstar und SPIEGEL-Bestsellerautor Karl Ove Knausgård
Die neunzehnjährige Line verliebt sich in Valdemar, den Frontmann der sagenumwobenen Band »Das Urteil«, und wird in eine geheime, faszinierende und beängstigende Welt hineingezogen. Der Polizist Geir ermittelt in einem makabren Dreifachmord, aber über die Theorie, die er am Ende aufstellt, kann er mit niemandem sprechen. Die Künstlerin Tove erschafft Bilder, die von den untergründigen Strömungen aus Sexualität und Tod in den Märchen inspiriert sind. Eines Tages hört sie eine Stimme, die zu ihr spricht und etwas von ihr will. Und der Bestatter Syvert ist zunehmend beunruhigt, weil immer mehr Tage vergehen, ohne dass Todesfälle gemeldet werden.
Ungekürzte Lesung mit Thomas Loibl
16h 58min
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Der dritte Band greift…
Hamaru aus Nürtingen am 26.07.2024
Bewertungsnummer: 2873427
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Der dritte Band greift Episoden aus dem ersten auf und erzählt sie aus der Perspektive einer anderen Person. Das ist keineswegs langweilig, obwohl praktisch noch einmal die drei gleichen Tage geschildert werden. Es geschehen jedoch nicht mehr so viele mysteriöse Vorfälle, was dem Roman gut tut. Der Knausgård-Sound, die Mischung aus hyperrealistisch und magisch, entwickelt so einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann.
Philosophisch, mystisch, episch, spannend
Bewertung am 07.07.2024
Bewertungsnummer: 2238617
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Im dritten Teil seiner MORGENSTERN-Reihe knüpft Knausgard dicht an den ersten an. Fast hat man das Gefühl, als habe sich nichts verändert. Immer noch steht der neue Stern hell am Himmel. Seit ein paar Tagen ist im ganzen Land niemand mehr gestorben. Was zunächst wie ein Zufall scheint, kann mit jedem weiteren Tag immer weniger einer bleiben. Hat es mit dem Stern zu tun? Hat sich das Totenreich geöffnet?
Es beginnt mit Tove. Einer Psychose. Einem Haus am Meer, wo die manisch-depressive Künstlerin mit ihrer Familie den Sommer verbringt. An einem dunstigen Morgen streift Tove schlaflos im Zwiegespräch mit einer bedrohlichen inneren Stimme durch die norwegische Landschaft. Ist es die Ankündigung einer neuen Psychose? Oder ist SIE vielleicht die Einzige, die spürt, dass die Welt aus den Fugen gerät?
Kapitel für Kapitel reiht Knausgard seine Ich-ErzählerInnen auf. Die Pfarrerin Kathrine, die an Gott zweifelt, ihr Ehemann Gaute, der sich in ein Gefängnis aus Wut und Eifersucht einschließt, die Teenagerin Line, die sich in den (rechten?) Black-Metal-Sänger Valdemar verliebt, oder der Kommissar, der einen grausamen Dreifach-Mord aufklärt und ein Doppelleben führt. Die Vielstimmigkeit dieses Romans beleuchtet multiperspektivisch die dunklen Ecken der modernen Gesellschaft. Aus den Stimmen wird ein Kanon, der den Versuch wagt, eine Wahrheit einzukreisen. Doch welche? Was ist mit der Wahrheit, die im Unbewussten liegt? Und was ist Bewusstsein? Vielleicht verrät es die verstörende Ich-Perspektive eines Hirntoten, der nach allen medizinischen Erkenntnissen frei von Bewusstsein sein müsste.
Sie alle sind einsam in ihren Welten, in ihren inneren Gefängnissen und doch verbunden, zumindest darin, dass sie den Bezug zu etwas verloren haben. Zur Natur. Zum Ursprünglichen, zu ihrer Intuition. Wozu auch immer. Offene Enden und unbeantwortete Fragen bleiben genug. Aber wir haben ja Zeit. Noch vier Bände.
Manche hier stellten fest, dass ihnen der rote Faden fehlen würde. Ich sehe ihn unter der Oberfläche. Er wird durch die Präsenz des Morgensterns gegenwärtig und im Umkreisen der großen Fragen von Sein und Nichtsein, Gedanken und Bewusstsein, Gut und Böse, Glaube und Aberglaube, Leben und Tod und vor allem dem Dazwischen gehalten.
Knausgard ist das Kunststück gelungen, dass ich diesen dritten Band bisher für den besten halte. Auch wenn sich die Zeit nicht weiterbewegt hat, treibt er philosophisch auf höchstem Niveau sanft voran und entwickelt für mich über weite Strecken den unheimlichen Sog eines Psycho- oder Mystery-Thrillers.
Wieder ist es die Detailtiefe seines lebendigen Erzählens, sind es die großen Bilder, die er malt, die pointierten Dia- und Monologe und das gesunde Maß an philosophischem und wissenschaftlichem Stoff zum Nachdenken, warum ich ihm einfach gern zuhöre.
Ich weiß, dass er polarisiert. Wenn man seine opulente Erzählweise, seine Freude am Philosophieren und Abschweifen nicht mag, wird man vermutlich nicht einen der drei Bände durchhalten. Knausgard selbst sagt im Hinblick auf die angekündigten insgesamt SIEBEN: „Man muss nicht das ganze verdammte Ding lesen.“
Also macht was Ihr wollt, aber ich bleibe Fan und kann Teil 4 schon jetzt kaum erwarten.
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