Lisa kann keine Kinder bekommen, wird verlassen, rastet aus. Laura fiebert ihrer Hochzeit entgegen, dem Höhepunkt jedes weiblichen Lebens. Barbara ist verloren seit sie Witwe geworden ist, ein kleiner Hund hilft. Verena erbt eine Luxusvilla mit Seeblick, sie steigt auf. Jolie wird entlassen und schwanger. Petra findet die Liebe und zieht um. Tina hat große Angst und trifft eine Entscheidung. In ihrem zweiten Roman feiert Jovana Reisingers die Frauen, die sie nach Frauenzeitschriften benennt. Sie zeigt auf, welchen Rollenzwängen und welcher Gewalt Frauen in unserer Gesellschaft unterworfen sind. Und es werden Tipps, Tricks und Geschlechterstereotype verhandelt. Es ist ein Text über weibliche Wut und Ausdauer mit teils bösem Humor, der jedoch nie seine Protagonistinnen verurteilt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
aus Dresden
5/5
16.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Weibliche Performance?!
„Hing sein P*nis leblos in der Gegend rum, konnte er ihr in vier Sprachen erklären, dass ihr Mundgeruch, ihre schlechte Figur, ihre ungeschickten Hände oder ihre fehlende Motivation der Grund dafür waren.“
Jovana Reisinger, 1989 in München geboren, macht nicht nur Filme und Musikvideos, sondern auch Kunst – und manchmal schreibt sie. Im Frühjahr ist ihr zweites Buch erschienen: „Spitzenreiterinnen“ ist ein Episodenroman, der seine neun Protagonistinnen nach den bekanntesten Illustrierten in Deutschland benennt und damit bereits den Grundstein für ihr Leben legt – geprägt von permanenter Beurteilung und Bewertung.
Lisa kann keine Kinder bekommen und wird von ihrem Freund verlassen. Laura fiebert ihrer Hochzeit entgegen, dem Höhepunkt jeder weiblichen Existenz – wie sie sehr genau weiß. Verena, ihre beste Freundin, die im „Spiel des Lebens“ eigentlich zurückliegt, verbessert ihren „Marktwert“ durch das Erbe einer Villa am Starnberger See. Barbara tröstet sich mit einem Hündchen über den Tod ihres Mannes hinweg. Jolie wird ungewollt schwanger. Petra findet die Liebe und zieht um. Emma freut sich. Aber Tina hat panische Angst – und trifft eine Entscheidung. Vorhang auf für diese Frauen, die auf der Bühne ihres Lebens stehen und doch nur für die Männer in ihrer Gegenwart performen – aber weibliche Klischees wollen schließlich bedient und gesellschaftliche Erwartungen erfüllt werden, oder? Da hilft es auch kaum, dass eine erzählerische Distanz zu den Männern der Geschichte aufgebaut wird und sie nur mit Buchstaben benennt werden. Sie sind nur Kulisse und geben doch alle Eckpunkte des weiblichen Lebens vor.
Reisinger schafft es scheinbar mühelos, den Schwermut von strukturellem Sexismus in satirische Komik zu verwandeln und den subtilen Terror der Frauenwelt zum Zweck der Kritik zu karikieren. „Spitzenreiterinnen“ ist damit ein ebenso komisches wie schreckliches Buch. Eine Hommage an das Frausein, eine Ode an die Menschen des schwachen Geschlechts – und ein Faustschlag für alle, die die Ironie dahinter verstehen. So golden wie die Schrift auf dem Einband, glänzt für mich dieses feministische Literaturhighlight – unbedingte Leseempfehlung!
miriam.cologne
4/5
07.10.2025
Immer diese Erwartungen
Ein Buch, bei dem es ein bisschen gedauert hat, bis ich begeistert war. Die unterschiedlichen Frauenfiguren, jede benannt nach einer Frauenzeitschrift, sind von patriarchalen Erwartungen geprägt – sei es durch den Wunsch nach Beziehungen, Selbstoptimierung oder die Suche nach Anerkennung. Die Männer sind dabei fast abwesend, was die Dominanz dieser Strukturen noch deutlicher macht. Manche Handlungsstränge fand ich aber zu übertrieben. Ist das alles mehr Klischee, weil es in Bayern auf dem Dorf spielt? Am Ende hat mir das Buch richtig gut gefallen, auch wenn mehr vom Gefühl hängenbleibt als von der Handlung.
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