Der Roman "STÖRUNG" beschreibt sieben Tage im Leben eines biederen Berliner Versicherungsangestellten, der plötzlich seinen Job, jede Perspektive und komplett die Nerven verliert. Und je mehr ihn einfach alles um ihn herum zu stören beginnt, wird er selbst mehr und mehr zum Störenfried. Sehr zum Leidwesen anderer Menschen in seinem Umfeld. Eine spannende, zum Teil auch sehr düstere, raue Geschichte, mit schrägem Humor erzählt.
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Eine Perle unter Bohnen - ein genial gut geschriebenes Werk
Bewertung am 30.07.2024
Bewertungsnummer: 2256610
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Hier haben wir mal wieder den Beweis, dass so manches Kunstwerk leider still in einem Meer von immergleichen Büchern vor sich hinschlummert, statt in die Buchläden und Regale der Leser geschwemmt zu werden.
Ich bin so was von begeistert; mit diesem Buch hat sich Karin Suer auf meine Nummer eins des Jahres 2024 katapultiert. In einer unglaublich gezielten, witzigen, ironischen und so intelligent pointierten Sprache, wie ich sie selten gelesen habe, beschreibt die Autorin den Absturz eines kleinen Mannes, wie er bezeichnender und ehrlicher nicht sein kann. Dabei beschreibt sie die Situationen in ihrer absurden Komik derart schonungslos, dass ich so manches Mal lauthals lachen musste.
Wie der Klappentext verrät, geht es um einen völlig normalen Mann, einen ruhigen Single, mit etwas angestaubter Eigentumswohnung mit Kacheltisch, einem geregelten Einkommen und einem Leben, das einem eintönigen Koma gleicht. Als dem Mann von heute auf morgen gekündigt wird, katapultiert ihn die neue Situation aus seinem Brutkasten heraus, hinein in die aberwitzigsten Situationen und Begegnungen.
Die Autorin hält uns mit der Geschichte einen Spiegel vor; uns allen. Denn wir sind alle nur domestizierte Freaks im Kostüm eines Otto-Normalbürgers. Man fragt sich unweigerlich, was man selbst tun würde, und würde man tatsächlich so vernunftbegabt vorgehen, wie man meint?
Darüber hinaus wird dem aufmerksamen Leser klar, dass Merten nicht der Einzige ist, der Aggressionen entwickelt. Wir leben diese Aggressivität jeden Tag in kleinen, fiesen Worten oder Taten aneinander aus, fühlen uns gut dadurch, erniedrigen andere, verachten sie, und sei es nur in Gedanken, um uns für so viel zivilisierter zu halten.
„Störung“ zeigt durch die Begegnung zwischen Merten Hinterwald und seinen Mitmenschen genau die dicken Mauern auf, die die meisten von uns daran hindern, den andern so zu sehen, wie er wirklich ist, wie er sich fühlt und leidet. Nicht umsonst schlüpfen wir im Buch auch in die Rollen einiger anderer Protagonisten, durch deren Augen wir Merten aus anderen, verzerrten Blickwinkeln sehen.
Es ist ein Drama, ja, doch es sind die Sprache und der Wortwitz, die diese Geschichte so unglaublich lesenswert, rasant und urkomisch machen. Würde einer den Stoff verfilmen, wäre es ohne Frage Woody Allen.
Wer Spaß hat an Ungefiltertem, an der rohen, aber genauen Betrachtung, an Deftigem in Wort und dem daraus entstehenden Bild, wird hier definitiv sein Vergnügen finden.
Unbedingt lesen!
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