Mai im Mostviertel: Im Garten der Schallaburg wird die Skikaiserin Simone Schnell nach einer Modenschau tot aufgefunden - erdrosselt mit einer Dirndlschürze. Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere hatte die berühmte Sportlerin mit zwei Jugendfreundinnen ein modernes Trachtenlabel gegründet. Rasch rückt die Modekonkurrenz ins Visier der Ermittlungen, doch auch ehemalige Teamkollegen und Familienmitglieder neideten der jungen Frau den Erfolg. Der Fall ist von höchster Brisanz, und als ein zweiter Mord geschieht, geraten Major Brandner und Inspektorin Lindner gehörig unter Druck.
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4.0/5.0
NiWa
4/5
31.07.2025
Buch (Taschenbuch)
Dirndlmord im Mostviertler
Die bekannte Schallaburg im Mostviertel wird zum Tatort. Die einst skifahrende Dirndl-Designerin Simone Schnell wird tot aufgefunden. Rasch ergibt sich ein Knäuel an Vermutungen, das es mit akribischer Polizeiarbeit aufzudröseln gilt.
„Mostviertler Kaiserin“ ist bereits der sechste Fall für Major Brandner. Auch diesmal bleibt sich Helmut Scharner treu, denn der Krimi überzeugt mit ehrlicher Ermittlungsarbeit, viel Gespür für die Region und einem angenehm unaufgeregten Erzählstil.
Der Mord an der „Skikaiserin“ Simone Schnell, die nach einer Modenschau auf der Schallaburg, mit einer Dirndlschürze erdrosselt, aufgefunden wird, gibt nur wenige Hinweise preis. Schwierig ist zudem, dass die Ermordete äußerst prominent ist und damit im Blickpunkt des öffentlichen Interesses steht.
Ich mag an der Reihe, dass es kaum künstlich erzeugte Spannung und selten Effekthascherei gibt, weil mir diese ruhige, glaubwürdige Entwicklung besonders liegt. Die Ermittlungen schreiten Schritt für Schritt voran, Indizien werden sorgfältig geprüft und emotionale Spannungen in Gesprächen mit oder zwischen Beteiligten werden fein beobachtet sowie glaubhaft dargestellt. Dabei stoßen Brandner und Lindner nicht nur auf Widerstände, sondern auch auf menschliche Abgründe. Dennoch kommt der Autor ohne großes Drama aus, indem er zu einer authentischen Intensität greift, die wie das echte Leben wirkt.
Ermittlungstechnisch steht Major Brandner erneut im Mittelpunkt. Die private Komponente seines Lebens wird auch in diesem Band nur am Rande behandelt, was ich sehr begrüße. Für mich reicht es vollkommen, wenn das Familienleben als Hintergrundrauschen vorhanden ist, ohne überhandzunehmen. Zudem ist Brandner ein Ermittler, der sich nicht, wie viele seiner Kriminalroman-Kollegen, im Elend einer zerstörten Existenz suhlt.
Zum zweiten Mal ist Annika Lindner an seiner Seite, die sich in der Zusammenarbeit immer mehr öffnet. Als junge Frau hat sie es nicht so einfach, sich in ihrer Rolle als Ermittlerin durchzusetzen. Manchmal liegt es an ihrem Umfeld, dann wieder an ihrer Einstellung. Man merkt ihr oftmals ihre Unsicherheit im Umgang mit beruflichen Situationen an, was sie, angesichts ihrer wenigen Dienstjahre, ebenso glaubwürdig macht.
Im Fall um die Mostviertler Kaiserin kommt es zu einer Konfrontation mit dem Bruder der Toten, der ausgesprochen unangenehm ist. Durch ihn zeigt der Autor auf bedrückende Weise, wie nachhaltig Männer Frauen unter Druck setzen können. Egal, ob es offene Drohungen, Herabwürdigung oder sexuelle Belästigung ist.
Neben der soliden Krimi-Handlung lebt "Mostviertler Kaiserin" einmal mehr von seiner tiefen regionalen Verankerung. Die Schallaburg als Tatort bringt einen Hauch historischen Flairs in den Fall, doch die eigentliche Ermittlungsarbeit spielt sich größtenteils in den Städten Amstetten und St. Pölten ab. Gerade die Passagen, die in meiner Heimatstadt Amstetten angesiedelt sind, fand ich gelungen. Ich wusste genau, wo wir uns befinden. Das ist wohl ein echter Mehrwert für Leser:innen mit Ortskenntnis. Das Kommissariat in St. Pölten wird ebenso atmosphärisch eingebunden und trägt zur regionalen Verortung des Romans bei.
Sprachlich bleibt Scharner seinem Stil treu. Er schreibt souverän, klar, mit einem Hauch trockenem Humor, der für mich besonders gut funktioniert. Es ist kein vordergründiges Witzeln, sondern ein verstecktes Augenzwinkern, das sich unaufdringlich durchzieht und dem Ton des Romans eine eigene Note verleiht.
Für Leser:innen, die realistische Regionalkrimis mit stimmigen Charakteren mögen, ist dieser Krimi bestens geeignet. "Mostviertler Kaiserin" ist für mich ein weiterer gelungener Band einer Reihe, die mir mit jedem Teil mehr gefällt. Schon jetzt freue ich mich, wenn in „Mostviertler Bauern“ der nächste Fall zwischen der Donau und dem Ötscher gelöst wird.
Kommissar Brandner im Mostviertel:
1) Mostviertler
2) Mostschlinge
3) Mostviertler Jagd
4) Mostbarone
5) Mostviertler Grafen
6) Mostviertler Kaiserin
7) Mostviertler Bauern
Jürg K.
4/5
09.03.2024
Buch (Taschenbuch)
Spannender Krimi bis zum Schluss
Dies ist der sechste fall von Kommissar Brandner. Die Skikaiserin Simone Schnell wird nach einer Modeschau im Garten der Schallaburg tot aufgefunden. Nach ihrer Karriere hat sie mit zwei Freundinnen ein Trachtenlabel gegründet. Dieser Fall hat höchste Brisanz, als ein zweiter Mord passiert, geraten Major Brandner und Inspektorin Lindner gehörig unter Druck. Als Leser wird man von Beginn an in das Geschehen miteinbezogen. Man liest und liest und dabei wird die Neugierde immer mehr geweckt. Wie und wer hat ein Interesse daran die Skikaiserin aus dem Weg zu räumen? Bei diesem Fall gibt es einige Verdächtige, die in Frage kommen könnten. Für mich ein spannender Regionalkrimi der wunderbar geeignet ist mitzuraten. Das Lesen ist beste Unterhaltung und interessant. Dieses Buch empfehle ich gerne weiter.
tinstamp
aus Hürm
4/5
03.03.2024
Buch (Taschenbuch)
Mord auf der Schallaburg
Bewertung: 4 1/2 Sterne
Helmut Scharners neuer Mostviertel Krimi spielt wieder unmittelbar vor meiner Haustür. Diesmal wird auf der - von mir fünf Kilometer entfernten - Schallaburg gemordet. Ob ich bei meinem nächsten Besuch dort besonders vorsichtig sein muss?
"Mostviertler Kaiserin" ist der sechste Fall von Kommissar Brandner, der jedoch auch ohne Vorkenntnisse der anderen Bände gelesen werden kann.
Nach der aktiven Rennkarriere als Skifahrerin hat Simone Schnell gemeinsam mit ihren Jugendfreundinnen Alexandra und Martina das Trachten-Modelabel "Schnell und chic" gegründet. Während sie, die berühmte Skikaiserin, das Gesicht des Labels und für das Marketing zuständig ist, ist Alexandra Lanz Geschäftsführerin und erledigt alles Finanzielle. Martina Herzog ist die Designerin der modernen Trachten. Die Modenschau im Terrakottenhof des Renaissance-Schlosses Schallaburg soll ihre Kollektion bekannter machen und ins rechte Licht rücken. Doch nach der Vorführung wird die ehemalige Olympiasiegerin erdrosselt im Schlosspark aufgefunden. Tatwaffe: eine Dirndlschürze.
Major Brandner und seine junge Kollegin Annika Lindner werden zum Tatort gerufen. Die Aufregung ist groß! Die Presse sorgt für Wirbel und die Landeshauptfrau möchte eine möglichst schnelle Aufklärung des Mordes an der beliebten "Nationalheldin". Leopold und Annika geraten gehörig unter Druck, denn wirkliche Hinweise gibt es nicht. Die Liste der Verdächtigen ist dafür umso länger.
An erster Stelle steht "Bauer Trachten", die direkten Konkurrenten, die bereits Jahre in Amstetten ansäßig sind und nun in kurzer Entfernung von ihrem Geschäft den neuen Laden von "Schnell und chic" vor die Nase gesetzt bekommen. Es gibt aber auch die eine oder andere Kollegin aus dem ÖSV-Team, die Simone Schnell den Erfolg missgönnen könnte und selbst in den Ski-Olymp aufsteigen möchte...vorallem, wenn es ums Werbeeinnahmen geht. Außerdem gibt es da noch ihren Bruder Andreas, der sich ihr gegenüber zurückgesetzt fühlt und das Geld, welches ihre Eltern in Simones Skikarriere gesteckt haben, zurückhaben möchte.
Helmut Scharner hat, mit der nun zum zweiten Mal eingesetzten Annika Lindner, eine großartige Partnerin für Major Brandner erschaffen. Die auffällige Kollegin, mit ihrer tätowierten Rose am Kopf und der schwarzen Kleidung, ist erfrischend und hat etwas andere Ermittleransätze als Brandner. Ihre Figur ist sehr bildhaft und lebendig dargestellt und vermittelt den jungen Typ Frau, die sich nichts mehr gefallen lässt. Brandner, Familienvater von zwei Töchtern im Teenageralter, tut dies sichtlich gut.
Die von mir des öfteren kritisierten Gedankengänge der Ermittler, die in kursiver Schrift zu lesen sind, sind etwas eingeschränkt worden, was mir wesentlich besser gefällt.
Die wechselnden Perspektiven und die getrennt geführten Ermittlungen sorgen ebenfalls für Spannung und Dynamik.
An jeden Kapitelanfang steht das Datum und der jeweilige Ort, denn Brandner und Lindner sind in einigen Teilen des Mostviertels unterwegs. So kann man ihnen immer folgen und als Mostviertlerin kenne ich natürlich auch alle Locations, was es für mich noch interessanter macht.
Fazit:
Ein spannender Regionalkrimi unweit meiner Heimat, der zum Miträtseln einlädt. Die Regionalkrimis des Autors werden meiner Meinung immer besser und ich freue mich schon auf den nächsten Fall für Brandner und Lindner.
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