Bindung ist nicht nur kuschlig und schön, sondern auch extrem anstrengend - nah an den Eltern wie kaum eine andere Autorin spricht Nora Imlau ein Tabu an. So ist Schätzungen zufolge heute jede fünfte Mutter akut ausgebrannt. In ihrem neuen Buch bietet die erfolgreiche Ratgeberautorin nicht nur Lösungen für Eltern, die im Familienalltag am Limit sind, sondern auch für die Mütter und Väter, die gar nicht erst in Überforderung oder gar einen Burnout hineingeraten wollen. Sie zeigt: Bindung ist robust, sie verträgt eine Menge elterliche Unvollkommenheit. Eltern dürfen sich auch mal ausruhen und großzügiger sein mit der Medienzeit - denn je weniger hart sie gegen sich selbst sind, desto leichter wird es ihnen fallen, sanft und freundlich mit ihren Kindern umzugehen, wenn es wirklich drauf ankommt.
Lieber glücklich als perfekt - lösungsorientiert und praxisnah zeigt Nora Imlau, auch anhand vieler persönlicher Beispiele und Informationen aus Psychologie und Wissenschaft, wie es gelingt, das Leben mit Kindern sowohl bindungs- und bedürfnisorientiert als auch entspannt und gelassen zu gestalten. Weil auch mangelnde politische und gesellschaftliche Unterstützung zur Erschöpfung von Eltern beiträgt, formuliert Nora Imlau außerdem Forderungen an eine Gesellschaft, die endlich dazu beitragen muss, den Druck abzubauen, unter dem so viele Familien leiden.
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Plädoyer für mehr Pragmatismus
LiLo am 09.02.2024
Bewertungsnummer: 2127079
Bewertet: eBook (ePUB 3)
“Bindung ohne Burnout” stammt aus der Feder von Nora Imlau. Anliegen und Thema dieses - wie auch früherer Bücher - ist eine auf Respekt und Vertrauen basierende Eltern-Kind-Beziehung und ein liebevoll gelingendes Familienleben.
Dreh- und Angelpunkt ist bei Nora Imlau die bindungsorientierte Erziehung. In “Bindung ohne Burnout” räumt die Autorin allerdings mit den Perfektionsansprüchen und Dogmen auf, welche dieses Thema umschwirren. Pragmatisch wird dargelegt, dass auch Eltern Menschen sind. Menschen mit Bedürfnissen, Stärken und Schwächen und vor allem begrenzten Ressourcen. Totale Aufopferung nützt schlussendlich niemandem - auch nicht unseren Kindern. “Es geht um die Grundhaltung, nicht um jeden einzelnen Moment”.
Imlau gibt den Leser:innen mit dem Ampelsystem ein niederschwelliges Tool an die Hand, um im Alltag die eigenen Kräfte und Ressourcen im Auge zu behalten. Und veranschaulicht mit verblüffend einfachen Beispielen, wie bereits kleine Tricks grosse Wirkung entfalten können - ohne Schaden anzurichten. Im Weiteren plädiert sie für einen pragmatischen Erziehungsalltag und die Entmoralisierung moralisch aufgeladener Lebensbereiche (wie etwa den Haushalt).
Ich fand die Lektüre äusserst interessant und entspannend, musste sogar immer mal wieder ertappt über mich selbst schmunzeln. Geschrieben ist “Bindung ohne Burnout” ausserdem in einer sehr zugänglichen und einfachen Sprache, die Aussagen prägnant auf den Punkt bringt. Auch die wissenschaftlichen Fakten. Manchmal war es mir aber auch etwas zu banal. Und als Mutter, die getrennt vom Kindsvater - und weit weg von familiärer Unterstützung und dem deutschen Angebot lebt - sind auch viele Tipps für mich persönlich nicht brauchbar. Trotzdem hat mir dieser Ratgeber gefallen. Denn weder Social Media noch die Gesellschaft sollte bestimmen, wie gelingende Elternschaft aussieht. Wichtig sind wir: Ich und mein Kind - und das, was uns beiden gut tut.
Ein Buch, das mich als Mutter wieder atmen liess
Namyra (Mitglied der Book Circle Community) am 11.07.2025
Bewertungsnummer: 2536863
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Nach der Geburt meines Sohnes war ich komplett überwältigt und hatte mir fest vorgenommen, alles richtig zu machen. Ich wollte immer verfügbar sein, perfekt funktionieren und für ihn nur das Beste haben und machen. Doch je mehr ich versuchte, allem und allen gerecht zu werden, desto mehr verlor ich mich selbst. In dieser schwierigen Phase war „Bindung ohne Burnout“ von Nora Imlau für mich wie ein Lichtblick – ehrlich gesagt fast lebensrettend.
Dieses Buch hat mir geholfen zu verstehen, dass ich mein Kind liebevoll begleiten kann, ohne mich selbst ständig zu überfordern. Dass es nicht nur okay, sondern notwendig ist, auch auf meine eigenen Bedürfnisse zu achten. Dass eine gute Bindung nicht davon abhängt, immer alles zu geben – sondern davon, wie präsent und authentisch ich im Rahmen meiner Möglichkeiten bin.
Besonders hilfreich ist für mich die Energie-Ampel, die mir zeigt, wann ich mich zurücknehmen darf. An Tagen, an denen ich innerlich schon angespannt bin, erinnert sie mich daran, dass ich nicht das Backbuch rausholen und noch einen Kuchen zaubern muss – sondern dass es völlig in Ordnung ist, in die Bäckerei zu fahren und einen Kuchen zu kaufen. Diese einfache, aber wirkungsvolle Methode hat mir im Alltag unglaublich geholfen, meine Energie und Ressourcen bewusst wahrzunehmen und so einzuteilen, dass ich gar nicht erst in den roten Bereich komme.
Ein weiterer wichtiger Punkt, den das Buch bei mir bewirkt hat, betrifft meine Beziehung zu meinem Mann. Ich habe gelernt, mehr mit ihm zu kommunizieren und direkt anzusprechen, wenn mir etwas zu viel wird oder mich etwas beschäftigt. Ich darf seine Unterstützung annehmen und muss nicht alles allein schaffen. Das hat unsere Partnerschaft gestärkt und mir gezeigt, dass wir gemeinsam den Elternalltag besser bewältigen können.
Was mich an diesem Buch besonders berührt hat: Nora Imlau begegnet ihren Leser*innen mit so viel Verständnis, Wärme und Mitgefühl. Es geht nicht um starre Erziehungskonzepte, sondern um Selbstfürsorge, realistische Erwartungen und eine ehrliche Verbindung zu unseren Kindern. Sie nimmt den Druck raus, der gerade bei bindungsorientierten Eltern oft so präsent ist. Statt Perfektion fordert sie Menschlichkeit – und das fühlt sich wie eine Befreiung an.
Ich greife auch jetzt, nachdem ich das Buch durchgelesen habe, immer wieder zu bestimmten Passagen zurück. Es ist wie ein sicherer Anker, wenn ich in Selbstzweifeln versinke oder mich frage, ob ich „genug“ bin. Und jedes Mal finde ich eine kleine Erinnerung, eine kluge Einsicht, die mich wieder ins Gleichgewicht bringt.
Ich wünsche jeder Mutter – und eigentlich jedem Elternteil – dieses Buch. Nicht als Rezeptbuch für die perfekte Erziehung, sondern als ehrliche, bestärkende Begleitung auf dem oft überwältigenden Weg durchs Elternsein. Für mich war es ein Wendepunkt. Und ich bin sicher, dass es auch anderen genauso viel Kraft geben kann.
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