»Ein spannender wie ein Krimi geschriebener Roman, den man wegen seines frechen, frischen, respektlosen Tons atemlos bis zum Ende verschlingt.« Dirk Fuhrig, Deutschlandfunk Kultur
Mohamed Mbougar Sarr erzählt in diesem funkelnden Roman von der Suche nach einem verschollenen Autor: Als dem jungen Senegalesen Diégane ein verloren geglaubtes Kultbuch in die Hände fällt, folgt er fieberhaft der Spur des rätselhaften Verfassers T.C. Elimane. Dieser wurde in den dreißiger Jahren als »schwarzer Rimbaud« gefeiert, nach rassistischen Anfeindungen und einem Skandal tauchte er jedoch unter. Wer war er? Voll Suchtpotenzial und unnachahmlicher Ironie erzählt Sarr von einer labyrinthischen Reise, die drei Kontinente umspannt. Ein meisterhafter Bildungsroman, eine radikal aktuelle Auseinandersetzung mit dem komplexen Erbe des Kolonialismus und eine soghafte Kriminalgeschichte. Ein Buch, das viel wagt – und triumphiert.
Mohamed Mbougar Sarr und die Übersetzer:innen Holger Fock und Sabine Müller wurden mit dem Internationalen Literaturpreis 2023 des Hauses der Kulturen der Welt und der Stiftung Elementarteilchen ausgezeichnet. Zudem erhielten die Übersetzer:innen den Paul Celan Preis.
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Ein kraftvoll, vielstimmig komponiertes Werk über das Schreiben, das Vergessen, das Wiederfinden
Bewertung am 26.05.2025
Bewertungsnummer: 2500306
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Als ich dieses Buch entdeckte, war es vollständig verhüllt. Kein Cover, keine Inhaltsangabe – nur eine schlichte Banderole mit einem kryptischen Satz: „Ein Roman über ein vergessenes Buch, das die Welt veränderte.“ Es klang nach Zafón, nach Márquez, nach dem leisen Staunen des magischen Realismus. Ich nahm es mit – und wurde nicht enttäuscht.
Mohamed Mbougar Sarr, geboren 1990 im Senegal, lebt und schreibt zwischen den Kulturen. Sein Roman, ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt, ist nicht weniger als ein literarisches Ereignis: eine kunstvolle, tiefgründige Hommage an die Kraft des Schreibens – und eine Spurensuche nach Erinnerung, Herkunft und Wahrheit.
Inspiriert von der realen Figur Yambo Ouologuem erzählt Sarr von Diégane Latyr Faye, einem jungen Autor in Paris, der der Spur eines verschollenen Romans und seines Autors T.C. Elimane folgt – gefeiert, dann verstoßen, ausgelöscht. Diese literarische Spurensuche führt ihn über drei Kontinente, durch die Kolonialgeschichte, zwei Weltkriege und das Nachleben des Literaturbetriebs – und hinein in das Herz der Literatur selbst.
Was Sarr gelingt, ist selten: ein Roman, der den Glauben an Literatur nicht nur behauptet, sondern selbst ein Beweis dafür ist. Die Geschichte kreist um große Themen – Selbsttäuschung, kulturelle Emanzipation, die Spannung zwischen Schweigen und Schreiben – und das in einer Sprache, die fordernd, poetisch und zutiefst durchdacht ist.
Die ersten Kapitel wirken noch wie ein dichter Nebel aus Stimmen und Fragmenten. Man tastet sich voran, sucht Bedeutung, sucht Halt. Und plötzlich – wird man hineingezogen in diese Welt. Erzählebenen überlagern sich, Dokumente werden zu Figuren, die Zeit fließt rückwärts und vorwärts zugleich. Dies ist kein Buch, das man bloß liest. Es liest einen zurück.
Ja, es ist anspruchsvoll. Die Dichte der Sprache, die häufigen Perspektivwechsel, die literarischen Anspielungen fordern ein waches, aufmerksames Lesen. Doch wer sich darauf einlässt, wird reich belohnt – mit einem Gefühl, das ich liebe: jenem tiefen Eintauchen, bei dem Lesen und Denken eins werden.
Und über allem schwebt diese eine, große Frage, die bleibt wie ein Echo: Leben – oder schreiben? Die geheimste Erinnerung der Menschen ist ein Roman für Leserinnen und Leser, die Literatur nicht nur konsumieren, sondern ernst nehmen – als Erinnerungsspeicher, als Widerstand, als Wahrheitssuche.
Ein literarisches Meisterwerk!
Klaus Effing aus Köln am 21.04.2025
Bewertungsnummer: 2471936
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
„Die geheimste Erinnerung der Menschen“ von Mohamed Mbougar Sarr (ca. 440 Seiten, Hanser Verlag) . Dieser Roman hat mich gefordert! Er ist ein literarisches Rätsel – fordernd, vielstimmig und nahezu einmalig.
In unserem Lesekreis haben wir diesen Roman lebhaft diskutiert – und das aus gutem Grund: „Die geheimste Erinnerung der Menschen“ ist kein Buch, das man einfach so „wegliest“. Es ist ein Werk, das mit literarischen Formen spielt, verschiedene Stimmen und Perspektiven miteinander verwebt und dabei immer wieder unsere Lesegewohnheiten herausfordert. Es ist ein komplexes Buch, das ich evtl. ein zweites Mal lesen werden (das mache ich fast nie!).
Zunächst ist da Diégane Latyr Faye, ein junger senegalesischer Autor im Pariser Exil, der auf die Spur eines geheimnisvollen Romans namens „Das Labyrinth des Unmenschlichen“ stößt – ein Werk, das einst als Meisterstück gefeiert, dann skandalisiert und schließlich aus dem literarischen Gedächtnis getilgt wurde. Der angebliche Autor, T.C. Elimane, verschwand ebenso plötzlich wie sein Buch.
Diégane begibt sich auf eine Art literarische Schnitzeljagd – und genau hier liegt eine der großen Stärken, aber auch Herausforderungen des Buches: Es ist als ob es ein Buch in einem Buch wäre. Während Diégane auf Spurensuche geht, entfaltet sich gleichzeitig ein zweiter Erzählstrang: die Geschichte von T.C. Elimane – erzählt unter anderem von dessen Cousine – und damit auch ein Nachdenken über die Verantwortung von Literatur, Identität und Wahrheit.
Was uns im Lesekreis besonders beeindruckt hat: Sarr meistert es, jeder Stimme einen ganz eigenen Ton zu verleihen – mal sachlich, mal lyrisch, dann wieder fragmentarisch oder essayistisch.
T.C. Elimane selbst blieb für mich aber schwer fassbar – vielleicht sogar absichtlich. Er ist eher Mythos, Spiegel für die vielen Fragen, die sich der Roman stellt: Wem gehört eine Geschichte? Was bedeutet literarischer Erfolg? Wie gehen wir mit kulturellem Erbe um – besonders im Spannungsfeld zwischen afrikanischer und europäischer Perspektive?
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