Ich habe den zweiten Band von Knausgårds Trilogie nach dem dritten Band gelesen. Aber das ist kein Problem, da er hauptsächlich in den 1980er Jahre in Bergen spielt. Der knapp zwanzigjährige Syvert entdeckt, dass sein Vater vor seinem Tod ein Verhältnis mit einer Russin hatte. Wieder schafft es Knausgård den Alltag eines suchenden Jugendlichen so zu beschreiben, dass man selbst die Zubereitung eines Spiegeleis mit Spannung liest. Die zweite Hälfte des Romans erzählt die Geschichte von Alevtina, Syverts Stiefschwester, von deren Existenz er nichts wusste und ihrem Treffen in Moskau 30 Jahre später, als der ominöse Morgenstern auftaucht. Spannend ist, wie diese beiden grundverschiedenen Menschen zueinander finden und Knausgårds Dialogkunst ist so groß, man merkt fast nicht, dass die beiden sich auf Englisch unterhalten. Nur Vasilisas Essay über die russisch-sowjetische Forschung den Tod zu besiegen, fällt meiner Ansicht ab. Wollte der Autor damit sein mystisches Thema von der Unsterblichkeit wissenschaftlich untermauern?
Ein faszinierendes, beeindruck…
Circlestonesbooks.blog am 24.04.2023
Bewertungsnummer: 2799981
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein faszinierendes, beeindruckendes Leseerlebnis „Denn es fällt leicht zu glauben, Sehnsucht wäre, was nicht ist, wäre was fehlt, aber das stimmt nicht, die Sehnsucht ist etwas in sich, und auch das ist wertvoll.“ (Zitat Seite 964) Inhalt Syvert Løyning, neunzehn Jahre alt, hat gerade seinen Militärdienst beendet und fühlt sich irgendwie antriebslos, unschlüssig, wie sein Leben nun weitergehen soll, ein Studium wäre eine Möglichkeit. Obwohl es schon neun Jahre her ist, dass Syverts Vater bei einem Autounfall gestorben ist, sucht Syvert innerlich immer noch nach ihm, er weiß viel zu wenig über seinen Vater, und seine Mutter weicht allen Fragen aus. Die erste Antwort erhält er daher nicht von seiner Mutter, doch damit beginnt seine Suche. „Er hatte mir seine Version von Vaters Leben präsentiert. Ich selbst hatte eine andere Version.“ (Zitat Seite 192) Er findet in den Sachen seines Vaters Briefe in russischer Sprache, geschrieben von einer Frau namens Asja. Er lässt die Briefe übersetzen, liest sie und schreibt schließlich selbst einen Brief, der eines Tages bei der Wissenschaftlerin Alevtina in Moskau landet und auch für sie einige Überraschungen bereithält. Thema und Genre In diesem Roman geht es um Familie, zwischenmenschliche Beziehungen, Konflikte, Schicksal, um die Themen Endlichkeit und Unendlichkeit, die Frage nach Vergangenheit, und Zukunft, vor allem jedoch um die philosophischen Fragen nach der Bedeutung und dem Sinn des Lebens in allen Facetten. Charaktere Der unsichere, junge Syvert mit seinen vielen Gedanken und Fragen über die Zusammenhänge des Lebens verändert sich, als er beginnt, Antworten zu suchen. Lisa und sein etwas ungewöhnlicher Sommerjob tragen zu dieser Entwicklung bei. Alevtina und Vasilisa studieren Literaturwissenschaft, doch während Alevtina anschließend Biologie studiert, weil sie die grundsätzlichen Zusammenhänge in der Natur faszinieren, wird Vasilisa Schriftstellerin. Sie hätte ein Vorwort schreiben sollen, doch aus dem Text entsteht die Idee für einen Roman. „Der Gedanke ist, dass die Ewigkeit begonnen hat. Das ist es, was sich verändert hat. Die Zukunft ist verschwunden, und die Ewigkeit hat begonnen.“ (Zitat Seite 625) Handlung und Schreibstil Es sind Syvert, Vasilisa und Alevtina, die ihre Geschichte erzählen. Sie tun dies in langen Abschnitten, jeder beinahe schon ein Roman. Daraus ergibt sich eine immer fließende, aber niemals hektisch geschilderte Handlung, die uns von der ersten bis zur letzten Seite in ihrem Bann zieht und ohne Längen durch die Geschichte führt. Der Autor ist ein wunderbarer Erzähler, die Gedanken, die sich jede seiner Figuren über das Leben und die Fragen des Lebens macht, fügen sich nahtlos in den Handlungsbogen ein, nehmen uns mit auf weite Gedankenreisen und führen uns doch immer wieder zurück in die Gegenwart der Figuren, zu ihrer Geschichte. Zwei weitere Erzählfiguren fügen sich mit kurzen Abschnitten in die Handlung ein, spontane Entscheidungen, die Leben verändern. Fazit Ein vielseitiger, beeindruckender, faszinierender Roman, der mich begeistert hat.
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