Rings um die Hacienda Rosa Blanca von Hacinto Yañez in Mexiko wird nach Öl gebohrt, was aber die Farm, die ganz im Einklang mit der Natur bewirtschaftet wird, bisher wenig beeinträchtigt hat. Ihre Bewohner führen ein gutes und bescheidenes Leben, die Farm ist ihnen Heimat und Leben. Doch alles ändert sich, als ihr Besitzer ermordet wird und sich Chaney C. Collins, Präsident der Condor Oil Company, die Farm widerrechtlich aneignet, denn die Ölgesellschaft ist eine Firma mit gewaltigem Appetit…
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Der Roman „Die weiße Rose“…
MaWiOr aus Halle am 20.04.2024
Bewertungsnummer: 2854138
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Roman „Die weiße Rose“ von B. Traven (1882-1969) spielt in den 1920er Jahren in Mexiko und schildert das Schicksal der indigen Bewohner der Hacienda Rosa Blanca. Bisher führen sie ein harmonisches und bescheidenes Leben im Einklang mit der Natur. Rings um die Farm „Die weiße Rose“ wird bereits nach Öl gebohrt, einzig diese Parzelle gehört noch nicht den amerikanischen Ölgesellschaften. Doch dann wird der Farmverwalter Hacinto Yanez ermordet und Chaney C. Collins, Präsident der Condor Oil Company, eignet sich die Farm widerrechtlich an, denn hier werden reiche Ölreserven vermutet. Als die „uneinsichtigen Bewohner“ nicht verkaufen wollen, entpuppt sich Collins als ein skrupelloser Geschäftsmann aus protestantischer Ethik und kapitalistischer Gewinnsucht. Es ist eine Geschichte von David und Goliath. Mit schonungsloser Offenheit und scharfer Kritik macht Traven die Mechanismen des Kapitalismus und der freien Marktwirtschaft deutlich. Und so endet der Roman mit dem Schlussatz: „was kümmert uns der Mensch? Wichtig ist das Öl.“ Travens Sprache ist direkt, kräftig und dynamisch, aber nicht ohne poetische Schönheit. Der Roman erschien im Oktober 1929, wenige Tage vor dem Schwarzen Freitag, dem Börsencrash, der die Welt-wirtschaftskrise auslöste. Die Diogenes-Ausgabe ist mit einem Nachwort des Schriftstellers Jan Brandt ausgestattet, der die gesellschaftlichen und autobiografischen Hintergründe des Romans noch näher beleuchtet.
interessant und wichtig, leider nicht so richtig fesselnd
Bewertung aus Oberursel am 08.07.2024
Bewertungsnummer: 2239523
Bewertet: eBook (ePUB)
Der Autor selbst ist ja schon über 50 Jahre tot, und dieses Buch soll „ein Stück Weltliteratur“ sein, habe ich irgendwo mal gelesen, also dachte ich, die aktuelle Neuauflage ist die Gelegenheit eine Wissenslücke nachzuholen. Man muss also immer so im Hinterkopf haben: dieses Buch ist schon ein bisschen älter.
Also, hierum geht es: wir sind in Mexiko, auf der von Indianern bewirtschafteten Farm „die weiße Rose“. Es läuft alles gemächlichem Tempos nach althergebrachter Manier, und der Chef, der Patriarch, als erster unter Gleichen, sorgt für seine Arbeiter wie in der erweiterten Großfamilie. Es herrschen die alten Wertvorstellungen, und das Leben ist hart, einfach, aber stressfrei und jeder kennt jeden. Problem: genau auf dem Grund und Boden der weißen Rose vermutet, nein weiß man ganz sicher, sind enorme Ölquellen. Die will die Condor Oil Company abgreifen, koste es, was es wolle. Und als der Verwalter der weißen Rose ermordet wird, schnappt Condor Oil widerrechtlich zu....
Ich breche den Inhalt jetzt mal kurz runter; während wir als Leser die einzelnen Figuren beider Lager natürlich kennenlernen, geht es im Prinzip um Kritik am Kapitalismus. In schwarz-weiß-Malerei werden sowohl die eine als auch die andere Seite dargestellt. Die bösen weißen Kapitalisten gegen die guten, armen stolzen Indianer und ihre alten Werte. Was ich prinzipiell gar nicht so schlecht finde, weil: wenn man es runterbricht, landet man auch genau dort. Es geht um Werte und Moral, und auch um die Grauzonen dazwischen. Aber irgendwie war mir das alles beim lesen doch ein wenig zu naiv dargestellt. Ich fand die Darstellung des Kapitalismus am Vorabend der großen Depression zwar irgendwie spannend und teils auch schwarz-humorig dargestellt (hey, es waren ruchlose Zeiten Und die Chefs der großen Firmen: welche Klischees. Die armen Männer mussten neben ihren Ehefrauen und anspruchsvollen Töchtern ja auch noch ein paar nicht minder anspruchsvolle Geliebte finanzieren, das kostete ja auch Kraft und Geld....Geld, das man dann beispielsweise den Indigenen wieder auspressen konnte.....). Aber ja, generell auch irgendwie naiv. Mir fällt kein anderes Wort ein. Oder ich als Leserin bin zu naiv, um den Subtext zu verstehen. Kann ja auch sein.
Der Stil ist auch ein bissel speziell; sehr erzählerisch, sehr dialogarm, very Anfang 20. Jahrhunderts. Hab ein wenig gebraucht, um reinzukommen in die Story.
Ich hab das Buch nicht an einem Stück gelesen, dafür hat es mich dann doch zu wenig gefesselt, aber man kann es ganz gut häppchenweise lesen, es liest sich - wenn man sich einmal drauf eingelassen hat – ganz gefällig.
Was sag ich jetzt abschließend dazu? Hat mich ja jetzt nicht wirklich gefesselt. Aber als Stück Zeitgeschichte interessant. Und trotz aller Naivität ist das ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Es geht immer nur ums Geld, und gerade das ist, finde ich, brandaktuell. Follow the money, und es tun sich Erklärungen auf. Prinzipiell also guter Erzählstoff, aber ich glaube, das hätte ich lieber als Film gesehen. Gibt es verfilmt (glaube ich) leider nicht, aber man könnte hier bildtechnisch aus dem Vollem schöpfen.
Das Büchlein selbst ist übrigens (wie bei Diogenes auch nicht anders erwartbar) wunderbar gestaltet im Hardcover mit Leinen, und tollem Cover.
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