Der Bestseller aus Großbritannien - ausgezeichnet mit dem British Book Award 2023
Steven Smith kann fast alle schlechten Dinge in seinem Leben auf Edith Twyford zurückführen. Als Kind fand er eines ihrer Bücher, bedeckt mit seltsamen Symbolen. Er zeigte es seiner Lehrerin Miss Trout, die überzeugt war, dass es den Schlüssel zu einem Code enthielt. Kurz darauf verschwand Miss Trout spurlos – und mit Smithy ging es bergab. Nun, da er nach langer Zeit aus dem Gefängnis entlassen wurde, beschließt er, dem Geheimnis von damals nachzugehen. Wurde Miss Trout ermordet? Hatte sie recht mit dem Code? Und wird er heute noch verwendet? Bald wird klar: Der Twyford-Code hat große Macht, und Smithy ist nicht der Einzige, der versucht, ihn zu lösen ...
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Herausfordernde Lektüre, bei der nichts so ist, wie es scheint
Renas Wortwelt am 30.12.2024
Bewertungsnummer: 2374572
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Steven Smith ist oder besser war Analphabet, das Lesen und vor allem das Schreiben fällt ihm immer noch schwer. Also verwendet er die Sprachaufzeichnungsfunktion eines Handys, um seine Geschichte festzuhalten. Doch wem erzählt er sie?
In vielen Aufzeichnungen, teils in Form von Tagebucheinträgen, teils in Mitschnitten von Gesprächen oder Telefonaten, berichtet Smithy, wie er genannt wird, von seinen Erlebnissen auf der Suche nach dem Geheimnis des Twyford Codes. Gerade erst nach vielen Jahren aus dem Gefängnis entlassen, erinnert sich Steven Smith an Ereignisse aus seiner Kindheit, als er einen Kurs für Kinder mit Schreib- und Leseschwäche besuchte, bei Miss Trout. Nachdem er eines Morgens ein Buch der Schriftstellerin Edith Twyford gefunden und es seiner Lehrerin übergeben hatte, fuhr diese mit der kleinen Schülergruppe auf einen Ausflug, an dessen Ende, so erinnert er sich, Miss Trout verschwunden war und nie wieder auftauchte.
Dies alles lässt ihm keine Ruhe und er beginnt zu recherchieren, er will unbedingt herausfinden, was damals mit Miss Trout geschah. Dazu sucht er die damaligen Klassenkamerad:innen auf und mehr oder weniger willig sind diese bereit, ihm zu helfen. Jetzt aber beginnen die Geheimnisse erst recht, wird das Ganze immer mysteriöser. Immer mehr Ungereimtheiten entdeckt Steven, immer mehr Ungewöhnliches scheint mit dem Verschwinden der Lehrerin in Verbindung zu stehen. Denn die Autorin Twyford scheint eine Spionin im Zweiten Weltkrieg gewesen zu sein, aber war sie das wirklich? Und wenn ja, für wen? Welche geheimen Botschaften versteckt sie in ihren Kinderbüchern? Und sind seine Freunde immer ehrlich? Was erinnern sie noch von damals?
Unterstützung bekommt Steven von der Bibliothekarin Lucy, die von seiner Neugier und seiner Suche nach der Wahrheit angesteckt wird.
Vieles, was er herausfindet, erinnert ihn an seine Vergangenheit. Und so zeichnet er mit dem Handy viele seiner Erinnerungen auf. Aus seiner Zeit als Kind, aufgezogen von seinem älteren Bruder, nachdem erst die Mutter und dann der Vater spurlos verschwanden. Aus seiner Zeit als Mitglied der Gang von Andy Harrisson, die für ihn eine Ersatzfamilie war.
Nach und nach scheint es Steven und Lucy zu gelingen, mehr und mehr des Twyford-Codes zu entschlüsseln. Nach und nach finden sie Spuren zu Orten und zu noch mehr Geheimnissen. Und nach und nach wird klar, dass sie nicht allein sind, dass sie verfolgt und bedroht werden.
Das Ganze liest sich überhaupt nicht einfach, man muss sich wirklich hineinlesen in diesen Roman. Erst im Laufe der Zeit gewöhnt man sich an die Erzählweise, die Transskripte der Sprachaufzeichnungen, die viele Worte, die Steven spricht, nicht korrekt wiedergeben, die anstößige Ausdrücke überschreiben. Besonders schwierig ist es, Gesprächen zu folgen, da nur von Sprecher:in 1 und Sprecher:in 2 die Rede ist, man also hochkonzentriert sein muss, um nie zu verlieren, wer denn gerade spricht, insbesondere, wenn es mehr als zwei Sprecher:innen sind. Oft werden die Gespräche durch Hintergrundgeräusche unterbrochen, oft wird Steven beim Sprechen abgelenkt oder er kommt mit der Technik nicht klar.
All das sorgt für hohe Authentizität, aber macht eben die Lektüre hochkomplex und auch ein wenig anstrengend. Dennoch entwickelt die Geschichte trotzdem oder gerade deswegen einen enormen Sog, baut von Anfang an eine große Spannung auf, die stetig steigt. Denn die große Frage, wohin das alles führen kann, schwebt stets über den Seiten.
Dieses Ende, die Auflösung, ist dann wie eine Anti-Klimax. Nichts von dem, was am Ende aufgeklärt wird, war (jedenfalls für mich) während der gesamten Geschichte erkennbar. Von daher ist der Schluss eine absolute Überraschung, vollkommen unvorhersehbar. Andererseits verlangt diese Auflösung eine sehr langatmige, umständliche Erklärung mit zahlreichen Verweisen auf bestimmte Textstellen, die im Vergleich zum bisherigen Romanteil eher ernüchternd wirkt.
Insgesamt ein absolut ungewöhnlicher, wirklich gelungen verschlungener Roman, hochspannend, fesselnd, überraschend und aus all diesen Gründen unbedingt empfehlenswert, auch wenn man ein gewisses Durchhaltevermögen braucht.
Janice Hallett – Der Twyford Code
aus dem Englischen von Stefanie Kremer
Atrium, März 2024
Gebundene Ausgabe, 431 Seiten, 24,00 €
Ein gigantisches Lese- und Rätselvergnügen
Cebra am 15.04.2024
Bewertungsnummer: 2178891
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Inspektor Chris Rilen-Weaverton bittet Professor Mansfield um Mithilfe bei der Verarbeitung eines Skripts, welches mit Hilfe einer speziellen Transkriptionssoftware aus Audiodateien erstellt wurden, die man auf dem Handy des vermissten Steven Smith gefunden hat. Darin spricht der über alles Mögliche, seine kriminelle Vergangenheit, seine Kindheit, seine aktuellen Erlebnisse. Und vor allem über den Twyford-Code.
Ganz sicher hatte Autorin Janice Hallett einen Mordsspaß beim Erfinden und Niederschreiben dieses wahnwitzigen Krimis, so wie auch wir einen Mordsspaß beim Lesen desselben haben. Vorausgesetzt, man liebt Rätsel und Tüfteleien, lässt sich gerne auf intelligenteste Weise an der Nase herumführen und denkt mit Freude um winkligste Ecken.
Erfreulicherweise geht all das mit einer äußerst spannenden Story und fesselndem Erzählstil einher. Vieles ist zunächst völlig unklar und muss sich stückchenweise zusammengereimt werden. Dieses Erhaschen von Informationen ist anstrengend, aber unglaublich interessant.
Nach und nach wächst Steve einem ans Herz, man bangt und hofft mit ihm und lässt sich einfangen von seinem raubeinigen Charme. Live erlebt man seinen Konflikt mit seiner früheren Gangsterbande, das Wiedersehen mit alten Schulfreunden, Telefonate mit unterschiedlichsten Personen, Recherchen in der Bibliothek. Denn Steve hat ein besonderes Ziel: Er möchte einen Code knacken, der ihn zu einem wertvollen Schatz führen soll.
Versteckt ist der Code in den Kinderbüchern der Autorin Edith Twyford, die keineswegs zufällig starke Ähnlichkeiten mit Enid Blyton aufweist. Und auch deren fünf Freunde sind nicht nur in Twyfords kleinen Helden wieder zu erkennen, sondern durchaus auch in Steve und seinen ehemaligen Klassenkameraden.
Überraschend, witzig im besten Sinn, anspruchsvoll in der Konstruktion und sprühend von Einfällen ist dieser Krimi, dabei augenzwinkernd anrührend und verzaubernd. Eins dieser seltenen Bücher, die fünf Sterne nur deshalb bekommen, weil es keine sechs gibt.
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