"... der Junge wird Euch mit seinen sieben Jahren die Fantasie lehren wie ein Michelangelo die Farbe..."
Paris 1821, am Institut National des Jeunes Aveugles, Frankreichs nationaler Blindenanstalt: Es ist die "Nachtschrift" eines gewissen Charles Barbier, die den blinden Louis Braille in tiefes Grübeln versetzt. Fasziniert streicht der Junge mit den Fingerkuppen über die erhabenen Zeichen und stellt sich die eine Frage: Ist diese Schrift, die ursprünglich als Geheimschrift für das Militär ersonnen war, etwa das Vehikel in die Freiheit? Und siehe da - nach anfänglichen Schwierigkeiten gelangt er zu sechs einfachen erhabenen Punkten. Sie sind - so wird ihm bewusst - der Schlüssel zu all dem Wissen, das in den Büchern der Sehenden schlummert und nach dem er unendlich dürstet.
Ein atmosphärischer Roman über das Leben eines beeindruckenden Mannes, dessen Erfindung so vielen die Welt eröffnet: Louis Braille.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
bolie
aus Langscheid
5/5
01.04.2024
eBook (ePUB)
Im Mai 1816 leben im Dorf…
Im Mai 1816 leben im Dorf Coupvray 453 Einwohner. Einer davon ist der 7jährige Louis Braille. Ein aufgeweckter Junge, der trotz seiner Beeinträchtigung eine Schule besuchen durfte. Das war damals nicht selbstverständlich. Louis war blind und das Wort bzw. die Maßnahme „Integration“ gab es damals noch nicht. Gut, dass der Abbé sich für ihn einsetzte. Er beriet sich mit dem Grundschullehrer und Louis wurde eingeschult. Was macht ein aufgeweckter, intelligenter Junge, der so gerne lesen und schreiben möchte? Das aber nicht vermag, da er blind ist? Er erfindet eine Schrift, die bis heute hervorragende Hilfe für ebenfalls Betroffene ist. Dabei hatte es Louis Braille keineswegs immer leicht sich zu behaupten. Das schildert der Autor in „Eine Fingerkuppe Freiheit“ ausführlich und eindringlich. Beim Lesen des Titels stellte sich für mich die Frage, was Freiheit bedeutet? Ist es das Recht auf freie Meinungsäußerung oder freie Berufswahl? Nein, für mich heißt es in erster Linie, dass ein Mensch ohne körperliche Einschränkungen durchs Leben gehen darf. Im Anhang steht: „Das vorliegende Werk ist eine Hommage an diesen genialen Erfinder“. Das beschreibt in einem Satz, was ich beim Lesen empfand. Auch der Kampf von Braille, bis seine Schrift von sehenden Gelehrten anerkannt wurde, berührte mich. Schon damals war es also nicht selbstverständlich, dass Genies als solche anerkannt wurden. Meine Empfehlung gilt ohne Einschränkung. Und bitte beachten, dass dieses Buch auch in Blindenschrift angeboten wird.
Bewertung
aus Uhlstädt-Kirchhasel
5/5
17.03.2024
eBook (ePUB)
Faszinierendes Werk!
Ein Buch, das eine faszinierende Geschichte erzählt über einen bewundernswerten Menschen: Louis Braille.
Man kennt den Namen und sein Werk - Allgemeinbildung - , aber durch dieses Buch wird einem erst gewahr, welch emotionale Geschichte eigentlich hinter der Erfindung der Blindenschrift steckt.
Einzigartig und sehr sensibel sowie detailreich wird hier feinfühlig die Lebensgeschichte eines wunderbaren Jungen erzählt, der trotz seines Schicksals so viel Kraft und Ehrgeiz in seine Ideen und Ziele gelegt hat bis es ihm gelungen ist, nach einigen Rückschlägen und Widerständen etwas Bedeutendes für die Menschheit zu schaffen bzw. für eben jene, die, wie er zu einer "Randgruppe" zählen, denen sonst bis zu seiner grandiosen Erfindung wenig Beachtung und Chancen eingeräumt wurden.
Der ruhige und tiefgründige Erzählstil geht einem ans Herz und lässt das Geschehen vor dem inneren Auge aufblühen.
Auch das äußere Erscheinungsbild macht einen hochwertigen Eindruck.
Ein Buch, das seinen Preis allemal wert ist und sich in die Sparte anspruchsvoller Literatur erhebt!
Gertie G.
aus Wien
5/5
14.03.2024
eBook (ePUB)
Eine späte Hommage
Dieser historische Roman, der sich mit Louis Braille und seiner Erfindung der 6-Punkt-Blindenschrift beschäftigt, hat mir sehr gut gefallen. Zum einem, weil Thomas Zwerina als Späterblindeter quasi ein Vermittler zwischen den beiden Welten ist und zum anderen, weil er Louis Brailles Verdienst würdigt.
Louis Braille ist 1809 in der Zeit der Napoleonischen Kriege als jüngster Sohn eines Sattler geboren. Der neugierige Dreijährige sticht sich mit einer Ahle in sein rechtes Auge und die darauffolgende Infektion lässt sowohl das verletzte rechte als auch das linke Auge erblinden. Das hält ihn aber nicht auf, weiter wissbegierig zu sein. Er besucht zunächst die Dorfschule, wo er durch seine Intelligenz und sein phänomenales Gedächtnis auffällt. Von seinem Lehrer und den Eltern gefördert, wechselt er 1819 nach Paris in das Blindeninstitut in der Rue Saint-Victor Nr. 68.
Gemeinsam mit zwei weiteren blinden Zöglingen, Philippe Coltant und Gabriel Gauthier, treibt Louis neben ernsthaften Studien auch allerlei Unfug, und wird von so mancher sehenden Lehrkraft nahezu gehasst, weil er mehr weiß und wesentlich schneller Zusammenhänge begreift.
Als der ehemalige Artilleriehauptmann Charles Barbier, seine eigentlich für das Militär entwickelte Geheimschrift in der vorstellt, ist Louis Braille fasziniert. Allerdings ist diese „Nachtschrift“ genannt, zu kompliziert für den täglichen Gebrauch der Blinden. Louis erstellt ein vereinfachtes System aus sechs Punkten, das zu der später bekannten Brailleschrift führen wird. Er entwickelt auch eine Notenschrift für blinde Musiker.
„Ich lese, ich schreibe, also bin ich.“ wird bis an das Lebensende, Louis Brailles Credo sein.
Doch bis diese, mit den Fingerkuppen tastbare Schrift den Blinden ihre Freiheit beim Lesen und Schreiben bringen wird, vergeht noch geraume Zeit, in der Louis Braille allerlei Anfechtungen durch Mitarbeiter des Blindeninstituts ausgesetzt ist. Vor allem die sehenden Lehrkräfte sind eifrig bemüht, Louis Brailles Errungenschaft zu desavouieren.
Sie fürchten um ihre Anstellung in der Blindenschule. Vor allem sein messerscharfer Verstand ist einigen Lehrkräften ein Dorn im Auge. So sieht er das Scheitern des Experiment mit Barbiers Nachtschrift voraus, weil der Schüler, der dafür ausersehen ist, Chello spielt und deswegen Hornhaut auf den Fingerkuppen hat, und die feinen Erhebungen nicht spüren kann.
Louis Braille wird den weltweiten Siegeszug seiner Erfindung nicht mehr erleben. Er stirbt 1852 an Tuberkulose.
Meine Meinung:
Beim Lesen dieses historischen Romans habe ich das Gefühl, ein Déjà-vu-Erlebnis zu haben. Einige Passagen sind mir sehr bekannt vorgekommen, als ob ich das oder ein ähnliches Buch schon vor Jahren gelesen hätte. Leider habe ich keine Ahnung mehr, welches das gewesen sein könnte.
Der Schreibstil ist fast schon poetisch zu nennen, passt er sich doch dem 19. Jahrhundert an. Das kann viele Leser verwirren oder sogar abschrecken. Mir hat diese Art zu formulieren sehr gut gefallen, lese ich doch manchmal auch Schriften aus dieser Zeit, die gar nicht an die heutige Schreibweise angeglichen sind. Der Autor springt ein wenig in der Zeit, so dass hier achtsam gelesen werden sollte.
Die Nebenhandlungen wie die Eifersüchteleien um die Führung des Institutes werden ausführlich behandelt. Da tritt manchmal das Leben von Louis Braille in den Hintergrund. Allerdings scheint es auch nur wenige Quellen über ihn zu geben.
Autor und Musiker Thomas Zwerina beschreibt die Schwierigkeiten, denen Blinde im 19. Jahrhundert ausgesetzt waren anhand des Pariser Blindeninstituts. Doch gleichzeitig zaubert der Autor mit seiner außergewöhnlichen Sprache stimmungsvolle Bilder von Louis Umgebung. Louis, dessen andere Sinne in einem einzigartigen Spektrum geschärft sind, erlebt die Welt für sich viel intensiver, so als wüsste er, dass ihm nicht viel Lebenszeit bleibt.
Die Zöglinge erhielten eine rudimentäre Ausbildung als Korbflechter oder ähnliches. Viel besser geht es den Kriegsinvaliden aus den beiden Weltkriegen auch nicht. Erst zahlreiche technische Hilfsmittel können den Alltag von Blinden und Sehbehinderten erleichtern. Ich habe anlässlich eines Schulprojektes unserer Sohnes mit dem Bundesblindeninstitutes in Wien Kontakt gehabt. Beeindruckend, wie hier der Alltag gemeistert wird. Inzwischen gibt es „begreifbare“ also taktile Stadtpläne, die ihren Ursprung in der Neugier und dem Wissensdurst von Louis Braille haben.
Autor und Musiker Thomas Zwerina schreibt in seinem Nachwort:
»Eine Fingerkuppe Freiheit« habe ich mit tiefer Verneigung vor der Leistung Louis Brailles verfasst, der bereits im Alter von 12 Jahren mit seinen ersten Überlegungen für seine Schrift begann. Möge sein ungebrochener Erfindergeist der Welt Zuversicht und Hoffnung geben.“
Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser literarischen Hommage an Louis Braille 5 Sterne.
Bewertung
5/5
08.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr toll
Im jahr 2025 feiert die Welt 200 Jahre Brailleschrift.
In seinem großartigen Roman widmet sich der Autor Thomas Zwerina, der selbst mit 13 Jahren sein Augenlicht nahezu vollständig verlor dem Erfinder der Brailleschrift.
Louis Braille, der als Kind durch einen Unfall sein Sehvermögen verloren hat entdeckt die von Charles Barbier für militärische Zwecke ersonnene "Nachtschrift".
Schon als Kind stellt er sich die Frage: Was wenn sich diese erhabenen Punkte auch für blinde Menschen anwenden ließe um ihnen das Lesen und Schreiben zu ermöglichen?
Angetrieben von dem Wunsch nach Würde und Wissen beginnt der Junge Louis Braille eine Blindenschrift zu entwickeln. Sie soll blinden Menschen als Tor zur Welt und als Weg zu ihrer Würde dienen.
Doch er hat nicht damit gerechnet das er auf so viel Widerstand und Unverständnis stoßen wird, nicht gegaubt das es für viele Menschen so wichtig ist den Status quo aufrecht zu erhalten und blinden Menschen den Zugang zu Büchern, Bildung und Würde zu verwehren. Er solle auf keinen Fall die "göttliche Ordnung" durcheinanderbringen und die gesellschaftsstrukturen nicht gefährden da man Blinden doch ihren Platz in der Gesellschaft schon so lange fix zugeschrieben hat. Sie sind am Rand und da sollen sie auch bleiben.
Doch eines wird Louis sicher nicht, sich seinem Schicksal ergeben, sich mit seinem Los abfinden und aufhören für seine Schrift einzustehen. So wird er nicht nur lernen für sich selbst einzustehen sondern auch die Welt ein Stück weit verändern.
Dieser Roman war wirklich sehr interessant und die Entstehung der Brailleschrift mitzuverfolgen war wirklich außerordentlich spannend.
Ein wirklich großartiges Buch über einen Menschen der mit seiner Erfindung die Welt für viele Mesnchen für immer verändert hat. Mich hat dieses Buch wirklich sehr begeistert und ich kann es allen die sich mit dem Thema Brailleschrift, Blindheit und auch Ableismus und Inklusion auseinandersetzen wollen wärmstens Empfehlen. Ein wirklich bereicherndes Leseerlebnis
Bewertung
5/5
09.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Entdeckung einer lebensverändernden Schrift
Liebe Leserin, lieber Leser,
Blindenschrift, auch "Braille-Schrift" genannt, ist, glaube ich, jedem schonmal über den Weg gelaufen, oder? Zumindest hat wohl schon jeder mal davon gehört. Doch wer war dieser Braille eigentlich, der sich diese Schrift ausgedacht hat? Und wie kam er auf die Idee zu seiner bahnbrechenden Erfindung? Genau diese Fragen hat sich auch Thomas Zwerina gestellt und fing irgendwann an, zu recherchieren. Was er rausgefunden hat, hat er zu diesem sehr stimmungsvollen, einfühlsamen Roman verarbeitet. Wir erfahren, wie Louis Braille als Kind durch einen Unfall zwar sein Sehvermögen verlor, nicht aber seinen Lebenswillen oder sein sonniges Gemüt und seine Neugier. Er hatte das unglaubliche Glück, von Menschen umgeben zu sein, die ihn so gut es ging fördern wollten: der Pastor seines Heimatortes, der neue Lehrer der Dorfschule und natürlich seine Familie. Wir begleiten ihn, wie er seine Welt mit seinen anderen Sinnen wahrnimmt ("Das frische Heu riecht manchmal wie ein Bonbon! Wie kann das sein?"). Und wir sind an seiner Seite, als sein Leben eine entscheidende Wendung nimmt: Die Aufnahme in die Blindenschule in Paris. Was ihm dort widerfährt und wie er schlussendlich seine Punktschrift entwickelt und für diese entgegen aller Widerstände der Obrigkeit kämpft, hat Thomas Zwerina sehr lesenswert erzählt.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für dieses kleine, doch inhaltsschwere Buch.
Deine Smoky
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