Obwohl sie mit dreißig mehrere international beachtete Romane veröffentlicht hat, stellt Kristin Valla mit Anfang vierzig fest, dass niemand – nicht einmal sie selbst – sie noch als Schriftstellerin betrachtet. Inzwischen ist sie Mutter geworden, ihr ehemaliges Arbeitszimmer in der kleinen Osloer Wohnung zum Kinderzimmer, und im Kreise anderer Kreativer fragt schon längst niemand mehr, woran sie gerade arbeitet. So fasst sie den Entschluss, sich den verlorenen Schaffensraum zurückzuerobern, und begibt sich auf zwei parallele Reisen. Die erste führt sie – auf der Suche nach einem eigenen Arbeitsdomizil am Meer – nach Südfrankreich, die zweite auf die Spuren berühmter Literatinnen wie Daphne du Maurier, Selma Lagerlöf, Toni Morrison oder Chimamanda Ngozi Adichie, für die das Recht auf einen eigenen Raum zum Schreiben alles andere als selbstverständlich war.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Christopher Bahn
Book Circle Community
5/5
10.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schreibende Frauen
Ein tolles Buch der Autorin über ihre Existenz als Schriftstellerin, die sie nach längerer Pause wieder aufgenommen hat. Sie vergleicht sich mit anderen berühmten Autorinnen, die wie sie an den Rand gedrückt wurden und keinen Raum zum Schreiben hatten, den sie sich wortwörtlich und im übertragenen Sinne nimmt. Sehr interessant und informativ über die Probleme von Frauen beim Schreiben bis heute.
Adele
aus Bremen
5/5
03.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Drei Reisen
Dieses Buch ist eine wunderschöne Reise und das auf so viele Arten! Eine Reise nach Frankreich, die die Autorin unternommen hat, um dort ein Haus, einen Ort für ihr Schreiben zu finden. Eine Reise in die Vergangenheit und Gegenwart weiblicher Autorinnen, die alle, ähnlich wie die Autorin, einen Ort nur für sich erworben, geschaffen und eingenommen haben, um ihrer Kreativität nachzugehen und diesen Teil ihres Seins komplett entfalten zu können. Und - Ein Raum zum Schreiben- ist auch eine Reise der Autorin zu sich selbst, der Schriftstellerin Kristin Valla.
Mit Anfang 40 muss Kristin Valla mit Überraschung und einer gewissen Bitterkeit feststellen, dass sie zwar zwei erfolgreiche Romane vor über 10 Jahren veröffentlicht hat, seitdem jedoch von Ehe, Kindern und der Erwerbsarbeit als Journalistin so eingenommen war, und das durchaus nicht unglücklich, dass ihr dieser Teil von sich, die Schriftstellerin, auf seltsame Weise abhanden gekommen zu sein scheint. Diese Erkenntnis löst einen vollkommen unerwarteten Prozess aus, in dem die Autorin schließlich einen Kredit aufnimmt und sich auf die Suche nach einem Ort zum Schreiben, einem Ort nur für sich macht.
Die Reflexionen Vallas und Beschreibung der Reise, der Hausbesichtigungen und schließlich ihrer Einnahme des neuen Ortes, wechseln sich immer wieder ab mit Gedanken und Szenen zu anderen Schriftstellerinnen aus Vergangenheit und Gegenwart, die vor ähnlichen Herausforderungen wie sie selbst standen. In den Überlegungen der Autorin wird deutlich, wie sehr selbst aufgeklärte Frauen noch immer von gesellschaftlichen Strukturen geprägt sind, die sie in ihrer eigenen freien Entwicklung bremsen. Die Reise(n) an der uns Valla teilhaben lässt, ist nicht weniger als eine Dekonstruktion dieser Strukturen, Schicht für Schicht legt die Autorin ihre wahren Bedürfnisse und Wünsche frei, und dies in erster Linie für sich selbst! Dass sie damit nicht allein ist, zeigen die Verweise auf andere Schriftstellerinnen und ihre Herausforderungen als (schreibende) Frauen. Die Hürden bei der Suche und dem Einrichten, Renovieren und Einnehmen des Hauses, spiegeln dabei oft auch die gesellschaftlichen Hürden, denen sich Valla und viele Schriftstellerinnen vor ihr gegenüber sahen.
Ein Raum zum Schreiben ist ein ebenso persönliches, wie kluges Buch!
Bewertung
5/5
21.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Beeindruckend
Ein beeindruckendes Buch. Eigentlich sind es zwei Bücher – ein Roman über eine Frau, die einen Rückzugsort zum Schreiben sucht und ein Sachbuch über große Autorinnen, die das ebenso gesucht und auf ihre Art und Weise gefunden hat.
Beide Bücher wurden miteinander verschränkt. Es erfolgte immer zuerst ein Teil des Romans, wo man der Protagonistin sehr nah war und danach gab es kurze Passagen über jeweils eine Autorin, die in einer ähnlichen Situation war und wie sie das erlebt hat.
Der Roman war flüssig erzählt und man konnte mit der Hauptfigur mitfühlen, bei allen Auf und Abs. Schön und sehr interessant fand ich die Bezüge zu den anderen Autorinnen, wo ich auch unbekannte Autorinnen kennengelernt habe bzw. mehr von bekannten Autorinnen gehört habe. Hier wurde meine Leseliste deutlich länger. Super finde ich hier auch, dass es einen ausführliche Literaturliste gibt.
Die Gestaltung des Buches und auch der Schreibstil haben mir sehr gut gefallen.
Ein Buch, um in das schreibliche Schreiben bzw. der großen Autorinnen der letzten 200 Jahre einzutauchen. Interessant auch zu sehen, dass heute Autorinnen häufig noch immer (fast) die gleichen Probleme haben, wir früher.
Cindy
aus Schwalmtal
5/5
13.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Ort zum Sein
igentlich ist die Protagonistin erwachsen, hat Kinder und bereits zwei Bücher veröffentlicht. Eigentlich ist sie Autorin. Bis sie merkt, dass aus ihr ein Dekoartikel geworden ist, etwas, was man gut irgendwo dazustellen kann.
Also macht sie sich auf die Suche, nach dem, was sie verloren glaubt und da sie Autorin ist, natürlich in Verbindung zu und mit anderen Autorinnen, indem sie ihre eigene Geschichte mit denen berühmter Schriftstellerinnen abwechselt, immer begleitet von Virginia Woolf und ihrem Buch bzw. Essay: Ein Zimmer für sich allein.
Während ich mit der Protagonistin durch Frankreich reise und einen Ort suche, der für die Autorin ihr Schreibort werden kann und sie erlösen soll, erfahre ich mehr über die Bedingungen, in denen die Autorinnen vergangener Jahrhunderte Schreiben mussten oder durften. Von Virgina Woolf, über Buchi Emecheta und George Sand oder Selma Lagerlöf bis weit in die Vergangenheit zu Christine de Pizan.
Während ich mit der Protagonistin ihr Haus renoviere, erfahre ich Einblicke in andere Häuser und Schreibgewohnheiten.
Mancher mag dieses Kreisen um einen Ort als langatmig empfinden, aber wie oft ist man schon um einen Text herumgekreist, sei es ein schwieriger Brief, eine Geschichte oder eben ein eigenes Buch.
Während bei der Renovierung so einiges schiefgeht, tauche ich tiefer in kurze Einblicke anderer Schicksale ein um mir am Ende eine Antwort zu geben die bereits zu Beginn hindurchschimmerte und die man erkennen kann, wenn man den Titel von Virgina Woolfs Essay genau liest.
Dennoch habe ich das Buch sehr genossen und gebe, trotz einiger kleinerer Fehler in Rechtschreibung und Grammatik, 5 Sterne, wohlwissend, dass es kein Buch für jedermann ist.
Bewertung
5/5
11.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Voraussetzungen des weiblichen Schreibens: Ein wunderbar warmherziges, inspirierendes Buch über das Schreiben selbst
Kristin Vallas neuer Buch "Ein Raum zum Schreiben", aus dem Norwegischen Übersetzt von Gabriele Haefs, ist im März 2025 im mare Verlag erschienen und erstreckt sich auf etwa 270 Seiten.
Vom Stil an Rebecca Solnit, Deborah Levy (insbes. „Real estate“) oder partiell an Melissa Febos erinnernd, ist auch dies ein Werk mit einer weiblichen Protagonistin, die Stärke, Unabhängigkeit und eigene Schaffenskraft entweder bereits verkörpert oder im Verlaufe ihres Daseins und Handeln anstrebt. Wie so viele andere Autor*innen fokussiert sich auch dieses Werk auf die Frage, wie Frauen eine zentrale Rolle und angemessenen Raum in ihrem eigenen Leben einnehmen können, und spezifisch wie sie Raum zum Schreiben finden können.
Die Autorin Kristin Valla, die hier autobiographisch (ggf. mit autofiktionalen Elementen?) zu schreiben scheint, ist auf der Suche nach ihrem eigenen Raum – einem, in dem Sie nach dem Mutterwerden und -sein und den damit einhergehenden veränderten Lebensstrukturen und -notwendigkeiten wieder ihre schreibende und schriftstellerische Arbeit aufnehmen kann: Warum haben Kinder eigene Kinderzimmer, aber erwachsene Frauen keine eigenen Räume in eigens bewohnten Wohnräumen? Ihre Suche nach einem eigenen Raum führt Valla dabei ins malerische, zugleich bescheidene Südfranzösische Gemeinde Roquebrun, in der nur knapp 600 Einwohner*innen leben. Dort findet und erwirbt sie ein typisch südfranzösisches Häuschen, allerdings sehr heruntergekommen und stark renovierungsbedürftig. Ihr Verhältnis zu dem Haus ist dabei ein organisches, liebevolles: Das Haus ist für sie nicht einfach nur ein Gemäuer, welches ihr als ein Dach über dem Kopf fungiert, sondern scheint als eine eigene Entität, welche verstanden und welcher Liebe und Aufmerksamkeit entgegengebracht werden muss, um das eigentümliche innere Wesen behutsam herauszuschälen und nicht nur in einem nach Gutdünken gestalteten Haus zu wohnen, sondern bedacht in Gemeinschaft mit dem Haus zu leben.
Über das ganze Buch hinweg stellt Valla sich und den Lesenden kluge und kontemplative Fragen nach der Wirkung von Raum und seiner Ausgestaltung bzw. Einrichtung auf das Gefühl während des Aufenthalts, Fragen nach dem, was man braucht, um Kreativität oder überhaupt Kontemplation ausüben zu können. Dies sind nicht nur interessante oder literarisch wirksame, sondern soziale und politische Fragen: Schon Virginia Woolf griff diese Fragen vor knapp einem Jahrhundert im Jahr 1929 in ihrem bedeutenden wie berühmten "Ein Zimmer für sich allein" auf, in welchem sie verfechtet, dass und warum eine Frau zum Schreiben über Geld und ein eigenes Zimmer verfügen muss. Alles ist politisch, das (vermeintlich) Private ist politisch, und so auch die Verteilung von Räumen, ob nun gesamtgesellschaftlich auf der Makro-Ebene oder innerhalb einer Kernfamilie auf der Mikro-Ebene. Schreiben ist politisch, und ebenso die Voraussetzungen dafür.
Dies macht Valla im Verlaufe des Buches auch immer wieder durch Exkurse kenntlich, die literaturhistorisch verschiedene Autorinnen der letzten Jahrhunderte und ihre Schreibräume oder Häuser in den Blick nehmen und wie der äußere Raum den Schreibprozess wie das Schreibprodukt beeinflusst haben.
Eines der besten und wundervollsten Bücher, welches ich in der ganzen letzten Zeit gelesen habe!
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