In Garner County heißt es, junge Frauen hätten die Macht, Ehemänner aus ihren Betten zu locken und Jungen in den Wahnsinn zu treiben. Um ihnen diese Kräfte auszutreiben, werden sie für ein Jahr aus ihrem Dorf verbannt. Wer zurückkommt, wird verheiratet oder landet im Arbeitshaus. Doch es kommen nie alle lebend zurück. Und so ist Tierney nur in ihren Träumen frei, umgeben von Rebellinnen. Als ihr eigenes Gnadenjahr beginnt, spürt sie, wie tief der Hass verwurzelt ist. Ihr wird klar, dass nicht die brutalen Wilderer, die ihnen auflauern, die größte Gefahr darstellen. Es sind die Mädchen, die mit ihr im Lager sind.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
5/5
12.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfach. Nur. Genial!
Beurteile ein Buch niemals nach dem Cover, passt bei diesem Buch perfekt: Jungen Frauen wird zugeschrieben, dass sie Magie in sich besitzen. Dafür werden sie für ein Jahr in die Wildnis in eine Art Camp geschickt, um diese zu verlieren. Doch nie kommen alle Lebend zurück...
Es ist ein Buch voller Dunkelheit, Hass und dem Kampf nach Überleben. Ein Buch, welches aufzeigt, wie Unterdrückung und Manipulation wirken kann. Erschreckend und gruselig, aber gleichzeitig ein Suchtfaktor!
Bewertung
aus Köln
5/5
12.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schockierende und spannende Dystopie über ein patriarchalisches Herrschaftssystem, in dem ein gefährlicher Aberglaube herrscht, und eine starke Heldin, die dagegen aufbegehrt
Als Tierney James 16 Jahre alt ist, beginnt ihr Gnadenjahr. Wie alle Mädchen in ihrem Alter wird sie von Wächtern in ein Camp außerhalb der Stadt gebracht, wo sie ihre Magie verlieren sollen. Diese Magie der geschlechtsreifen Frauen sei dafür verantwortlich, Männer in Versuchung zu führen und in den Wahnsinn zu treiben. Nach dem Gnadenjahr werden die Mädchen, die vorab von einem Freier einen Schleier erhalten haben, verheiratet, während die anderen als Mägde in Haushalten, auf den Feldern oder schlimmstenfalls verstoßen in den Außenbezirken arbeiten müssen. Aber nicht alle werden das inzwischen 47. Gnadenjahr überleben. In der Wildnis sind die Mädchen auf sich alleingestellt und es sind nicht nur die Wilderer, die nach ihren Körpern lechzen, um von ihren magischen Fähigkeiten profitieren zu können, sondern die Mädchen selbst, die sich das Leben - frei von den Regeln von Garner County - zur Hölle machen.
Die Idee hinter der Geschichte erinnert an "Der Report der Magd" von Margaret Atwood, ist allerdings eher auf jugendliche Leser*innen ausgerichtet, aber ähnlich schonungslos und brutal geschildert.
Der Roman wird aus der Sicht der 16-jährigen Tierney erzählt, die die mittlere von insgesamt fünf Töchtern eines Arztes ist. Sie hinterfragt das System in Garner County, das Frauen als Hexen verteufelt, massiv in ihren Rechten einschränkt und mit willkürlichen Bestrafungen an Leib und Leben bedroht. Sie versteht nicht, dass die Frauen, die den Männern in ihrer Anzahl weit überlegen sind, nicht aufbegehren und das System zu ihrem eigenen Schutz stürzen. Ihr Traum ist es nicht, Ehefrau zu werden und sich einem Mann unterzuordnen. Im Gegensatz zu allen anderen Mädchen zieht Tierney die Feldarbeit vor, aber es ist nicht ihre Entscheidung.
Das System, das in dem dystopischen Garner County herrscht, ist erschreckend genug, aber das Gnadenjahr übertrifft alle Vorstellungen der Mädchen, die bisher nur ahnen konnten, warum nie alle wieder aus dem Camp zurückgekehrt sind. Neid, Argwohn, Eifersucht und Hass herrschen unter den Mädchen und die Situation im Camp führt bald zur Eskalation. Die Mädchen sind indoktriniert und glauben daran, dass sie magische Fähigkeiten haben, die sie in diesem Jahr tunlichst verlieren müssen, um befreit und gerettet zu werden. Wie sie versuchen, diese Magie herauszukitzeln und was die einzelnen schier kopflos dafür tun müssen, ist gnadenlos.
Tierney ist eine intelligente, freiheitsliebende und sympathische Rebellin, die von ihrem Vater viel gelernt hat, was ihr das Überleben in der Wildnis erleichtert. Dennoch ist es verwunderlich, was sie alles körperlich und auch psychisch aushalten kann, ohne sich selbst und die anderen Mädchen aufzugeben.
Der Roman ist so bildhaft und lebendig dargestellt, dass man unweigerlich mit Tierney, aber auch den anderen Gnadenjahrmädchen, mitleidet. Auch die Vorstellung eines Garner County, in der eine Minderheit von Männern eine Mehrheit von Frauen kleinhält und unterdrückt, ist nicht abwegig, sondern durchaus vorstellbar. Gespannt verfolgt man Tierney Überlebenskampf im Gnadenjahr, wobei eine Wendung auch noch für einen Hauch Romantik sorgt und Hoffnung schenkt, dass es selbst für Menschen aus Garner County noch die Chance auf eine freie Liebe geben kann.
"The Grace Year" ist eine schockierende und spannende Dystopie über ein patriarchalisches Herrschaftssystem, in dem ein gefährlicher Aberglaube herrscht, und einer starken Hauptfigur, die für Mut, Verstand, Rebellion, Freundschaft und Liebe steht. Das Ende, das Raum für eigene Interpretationen zulässt, ist passend gewählt für einen Ort, in dem man niemandem trauen kann, in dem es aber trotz allem zarte Bande gibt, die die Möglichkeit bieten, zu wachsen und früher oder später eine Veränderung herbeizuführen.
faanielibri
5/5
20.01.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was für eine Dystopie! Grausam und brutal, aber auch sehr einnehmend und fesselnd.
Ich habe viel von ‚The Grace Year‘ von Kim Liggett erwartet, da die Meinungen eigentlich fast durchwegs begeistert waren. Ich habe dann auch ein dystopisches Highlight bekommen, beklemmend, brutal und unglaublich spannend. Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich dennoch, auch wenn mir die Geschichte definitiv im Gedächtnis bleiben wird.
Ich weiß nicht, was das Erschreckendste an diesem Buch ist. Vielleicht die Rolle der Frau? Die keine andere Aufgabe hat als die zu dienen. Entweder in einem Arbeitslager oder, sollte sie das „Glück“ haben, von einem Mann als Braut ausgewählt zu werden, ihrem Zukünftigen. Kinder bekommen, das Heim putzen und pflegen und der Willkür des Mannes ausgeliefert sein. Der hat sich in eine andere verkuckt? Kein Problem, da wird die Ehefrau als besessen bezichtigt und hingerichtet. Es ist teilweise schon sehr drastisch beschrieben, aber gerade diese erniedrigende Darstellung der Frau ist das, was mich so wütend gemacht hat. Denn das ist mitnichten dystopisch, denn viele Frauen müssen Demütigungen ertragen, die Willkür ihrer Männer, deren Eigentum sie sind.
Oder war das titelgebende Gnadenjahr das Erschreckenste? Mädchen eines bestimmten Alters werden ein Jahr in ein Camp gesteckt, um ihnen ihre Magie auszutreiben. Denn Männer verhexen, damit sie böse Sachen machen wie rumhuren oder sich verführen lassen, das geht ja gar nicht! Vielleicht war auch der Umgang der Mädchen untereinander das Erschreckendste, die Gruppenbildung, die Ausgrenzung, die Boshaftigkeit der Mädchen im Camp. Ich kann es nicht genau sagen, aber die Mischung aus allem macht dieses Buch zu einer spannenden und fesselnden Reise in menschliche Abgründe. Denn wie schon gesagt, trotz des dystopischen Settings sind die Handlungen der Figuren mitnichten unrealistisch, im Gegenteil. Wie oft sieht man, dass die Unterdrückten selbst unterdrücken, sobald sie ein bißchen Macht bekommen? Wie oft liest man über Fälle häuslicher Gewalt oder ist sogar selbst Opfer? In wie vielen Teilen der Welt sind Frauen nicht viel wert und werden dementsprechend behandelt?
Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt.
Doch obwohl ich von der Idee hinter der Geschichte begeistert bin und sie mich gefesselt hat, habe ich ein paar Kritikpunkte. Mir war z.B. die Liebesgeschichte viel zu oberflächlich. Es ist wohl viel Zeit vergangen, damit sich die beiden Liebenden kennen- und lieben lernen können. Doch diese Zeit bekommt der Leser nicht mit. Sonst wird viel Zeit auf Beschreibungen verwendet, doch hier war ich völlig in der Luft hängend. Somit konnte ich die Gefühle nicht nachvollziehen und eine Schlüsselszene ließ mich deshalb weitestgehend kalt. Das ist schade.
Dann hätte ich gerne noch mehr Beschreibungen der Welt bekommen. Ich weiß immer noch nicht, wie das County, in dem die Geschichte spielt, zu anderen Orten der Welt steht. Welche Welt ist es? Unsere? Eine alternative? Ich brauche Worldbuilding, sonst bin ich unzufrieden! Hier ist es jetzt nicht so schlimm, denn es ist irrelevant für die Geschichte. Aber ich will es wissen!
Letzter Kritikpunkt gilt nicht der Geschichte, sondern dem Untertitel. „Ihr Widerstand ist die Liebe“. Ernsthaft? Klingt nach 0815 und wird der brutalen und grausamen Geschichte kein bißchen gerecht. Denn das erwarte ich bei einem derart schmalzigen Untertitel auf keinen Fall. Also, nicht beirren lassen, du bekommst keine kitschige Romantasygeschichte!
Trotz der Kritikpunkte gibt es für ‚The Grace Year‘ die volle Punktzahl, denn die Geschichte ist so gewaltig und eindringlich, dass die lange im Gedächtnis bleibt. Und vielleicht gibt es ja irgendwann mal eine Fortsetzung, das Ende würde eine solche geradezu anbieten. Denn wo Menschen unterdrückt werden, ist auch Hoffnung. Hoffnung auf Freiheit, auf Veränderung, auf eine bessere Welt. 5 Sterne.
Bewertung
5/5
08.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich brauchte etwas, um in die...
Ich brauchte etwas, um in die Geschichte zu kommen, aber dann hat sie mich wirklich gepackt! Nichts für Zartbesaitete und wer eine harmlos-romantische Liebesgeschichte sucht, ist hier fehl am Platz. Für Leser, die hervorragende Spannung suchen, aber genau richtig.
lilli_bücher
aus Mannheim
5/5
28.07.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Emotional, brutal und beeindruckend
The Grace Year hat mich wirklich total umgehauen! Es ist eine emotionale und zugleich brutal geschriebene Geschichte, die aber dennoch ein Hauch von Hoffnung durchzieht.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und man konnte sich die „Welt“, in der Tierney lebt bildlich vorstellen.
Die Protagonistin ist eine superstarke Frau/Mädchen, die sich nicht in ihre vorgeschriebene Rolle, die alle Feministinnen die Haare raufen lässt, zwängen lässt. Womit wir eigentlich schon mitten in der Handlung wären, denn alle 18(?) jährigen Mädchen im Gardener County werden wie im Klappentext geschildert in die Wildnis geschickt, was der Geschichte eine Spur Tribute von Panem Feeling verleiht, denn schon zu Beginn bilden sich zwei Fronten zwischen den Mädchen und einiges läuft schief.
Alles ist meiner Meinung nach immer sehr, sehr anschaulich geschrieben, und auf relativ brutale und realitätsnahe Weise dargestellt.
Einige Wendungen und besonders das Ende haben mich kalt erwischt und teilweise schockiert, insofern, dass ich mir nicht vorstellen konnte, wie kurzsichtig und abergläubisch manche Figuren handeln. Das klingt möglicherweise nach einem Kritikpunkt, soll es aber gar nicht sein, weil es dennoch zur Geschichte gepasst hat und immer noch realistisch war.
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