Es läuft gut für Eddie Russett: Seine Rotsicht ist exzellent, er wird mit etwas Glück auf der Farbskala nach oben heiraten, und sein Leben plätschert angenehm ereignislos dahin - bis zu dem Tag, an dem er sich unrettbar verliebt. Denn Jane ist nicht nur geheimnisvoll und wunderbar stupsnasig, sie ist auch komplett farbenblind und gehört damit der gesellschaftlichen Unterschicht an: eine Graue! Jane hebt Eddies geordnete Welt aus den Angeln: Plötzlich hat er einflussreiche Feinde, wird mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert, und zu allem Überfluss versucht seine Angebetete auch noch immer wieder, ihn umzubringen. Denn Jane hütet ein hochexplosives Geheimnis, und Eddie weiß bereits zu viel ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Hunny
5/5
26.02.2024
Buch (Taschenbuch)
"Munsell ist Mumpitz!" Eine spannende Dystopie mit tollen Charakteren.
Früher gab es Gefängnisse. Heute bestehen die Mauern aus Angst, Tabus und Unwissenheit.
Im Roman "Grau" von Jasper Fforde geht es um Eddie Russett, ein Roter, der zusammen mit seinem Vater in die Randzone Ost-Karmin reist. Dort wurde er zur Stuhlzählung verdonnert und muss sich in Demut üben. Auf dem Weg dorthin geschieht das erste bedeutsame Ereignis welches ihn in Ost-Karmin unter anderem zu Jane führt. Ein Mädchen in seinem Alter, welches ihm jedoch nicht gerade freundlich gesonnen ist. Nein, sie versucht ihn regelrecht um einen Kopf kürzer zu machen. Es folgen weitere Unregelmäßigkeiten in einer Welt in der doch alles per Gesetz geregelt ist und es keine Unstimmigkeiten geben dürfte. Diesen geht Eddie erst allein, später zusammen mit Jane auf den Grund.
Weltenaufbau:
... Munsells Wege sind ungergründlich...
Die Welt in der Eddie lebt ist eine Dystopie. Sie ist sehr interessant aufgebaut und man könnte meinen wir steuern auf ein ähnliches Leben zu. Allem voran der Social Score - etwas das wir vielleicht auch noch erleben werden. Man kann sowohl positives als auch negatives Feedback erhalten und ganz unwichtig ist das nicht, denn davon werden die Privilegien die man hat abhängig gemacht. Davon und vom Stand der Meriten, der Währung in dieser Welt. Unter anderem ist jeder Mensch mit einer Postleitzahl auf der Brust, sowie einem Strichcode im Nagelbett gekennzeichnet. Das wichtigste für den sozialen Status ist allerdings welche Farbe man sehen kann. Es gibt die Farben Rot, Blau, Grün und Gelb. Diejenigen, die keine Farben sehen können, das sind die Grauen. Die Hierarchie habe ich nicht ganz im Kopf behalten aber diejenigen mit den meisten Privilegien sind die Purpurnen - sie sehen einen bestimmten Anteil an Rot und Blau und gelten dann als Purpur.
Das einzige was mich dann doch ein wenig irritiert hat, war die Flora und Fauna. Einerseits war da das letzte Kaninchen, welches mich vermuten ließ es gäbe in dieser Welt gar keine Tiere mehr, andererseits liefen Giraffen und Ziegen einfach so durch die Gegend. Von Vögeln und Affen war auch die Rede. Oh und von den furchtbaren Schwanattacken! Sonderlich gestört hat es mich dann aber doch nicht.
Charaktere:
Die Handlung des ersten Buches erstreckt sich lediglich über vier Tage. Wir lernen die wichtigsten Bewohner von Ost-Karmin kennen und ich finde sie allesamt gut dargestellt. Tommo ist eine der ersten Personen mit der sich Eddie anfreundet. Dieser bleibt sich charakterlich bis zum Ende treu und hat mich durchaus hin und wieder wütend gemacht. Der Protagonist Eddie wird zunehmend neugieriger, stellt viele Fragen und lässt sich durch Rückschläge nicht beirren. Jedes Mal wenn er etwas Neues herausfindet, merkt man förmlich wie es in seinem Köpfchen rattert und sein gesamtes Weltbild auf den Kopf gestellt wird. Dennoch muss er mit seinem neu erlangten Wissen vorsichtig umgehen, denn es ist absolut unerwünscht und per Gesetz verboten in der Vergangenheit zu schnüffeln. Auch Jane geht eine positive Veränderung durch und blüht in Eddies Gegenwart regelrecht auf.
Fazit:
Obwohl ich fälschlicherweise dachte hier auf einen klassischen Fantasy Roman gestoßen zu sein, wurde ich von Anfang bis Ende sehr gut unterhalten. Ich habe mich in keiner Weise gelangweilt, es war spannend, ich habe mitgefiebert, gelacht und nicht jede Wendung kommen sehen. Eddie war ein unglaublich liebenswerter Protagonist, ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen und fühlte mich stellenweise genauso betrogen und hintergangen wie er. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und Jane war zum Glück nicht überstürzt, sie wurde langsam aufgebaut und keineswegs nervig.
Mir hat auch sehr gut gefallen, dass das Ende einen nicht völlig abrupt dastehen lässt. Es wurde ein Handlungsstrang abgearbeitet und man kann nun darüber nachdenken wie die Protagonisten im nächsten Band weiter ihre Ziele verfolgen werden.
Bewertung
5/5
23.02.2024
Buch (Taschenbuch)
Farbenblind
"Grau" ist ein Fantasyroman des renommierten britischen Schriftstellers Jasper Fforde. Darin erzählt uns Edward Russett, während er im Verdauungssack eines fleischfressenden Yateveobaumes sitzt und darauf wartet verdaut zu werden, seine Geschichte. In den Yataveobaum ist Eddie hineingeraten, weil Jane Grey, die Frau in die er unsterblich verliebt ist, ihn hineingeschubst hat. Dieser Anfang sagt schon viel über den Roman aus. Er sprudelt über vor Ideenreichtum. Andererseits bedient er sich aber auch durchaus bei heutigen Gesellschaftsformen. Denn Eddie lebt in einer diktatorischen Gesellschaft bei der die Farbsichtigkeit alles bestimmt. Nur Menschen mit ausgeprägter Fähigkeit Farben sehen zu können, sind dazu bestimmt in der Hierarchie aufzusteigen. Es herrscht eine rigorose Bürokratie mit den unsinnigsten Vorschriften und eine entsprechend verbreitete Korruption. Farbenblinde, so genannte Graue, sind die unterste Schicht und dazu bestimmt schwer zu arbeiten und ausgebeutet zu werden. Eddie ist ein Roter und zwar einer mit einer hohen Farbsichtigkeit. Damit steht seiner Karriere nichts im Weg, außer vielleicht seine Liebe zu Jane. Die ist grau und damit nicht gesellschaftsfähig. Dennoch verfügt gerade sie offensichtlich über viel verborgenes Wissen und ungewöhnliche Fähigkeiten. Jane ist gefährlich! Und dann ergibt es sich, dass Eddie ausgerechnet mit Jane auf eine Mission in die verlorene Stadt Hoch Safran reisen muss aus der noch niemand zurückgekehrt ist. Das Buch ist ein Muss für jeden Fan von dystopischen Fantasy-Geschichten mit einer Prise Humor und gesellschaftskritischen Untertönen.
sonnenseiten_des_lesens
4/5
20.05.2024
Buch (Taschenbuch)
Großartige Unterhaltung in einer fiktiven Alternativwelt mit liebenswerten, skurrilen Protagonisten.
Titel: GRAU
Autor: Jasper Fforde
Verlag: Eichborn-Verlag
Seitenzahl: 560 Seiten
Übersetzer: Thomas Stegers
Hinweis: Aufgrund der Spoiler-Gefahr bezieht sich die Inhaltsangabe in erster Linie auf den ersten Band GRAU. Meine Meinung und das Fazit gelten allerdings für die beiden Bücher - GRAU und ROT - gleichermaßen.
Inhalt: Worum es geht, ist tatsächlich gar nicht so einfach zu erklären, denn ob der Komplexität der geschaffenen Welt offenbart sich ihre eigene Natur erst nach und nach. Wir befinden uns 500 Jahre “nach einem besonderen Ereignis” und die Menschheit lebt nach den Regeln Munsells. Um Demut zu lernen, muss Edward Russett seinen Vater, seines Zeichens Mustermann, nach East Carmine begleiten und Stühle zählen. Dort angekommen, verliebt sich Eddie unsterblich in Jane Grey. Dass sie mehrfach versucht, ihn umzubringen, ist nicht sein größtes Problem. Schlimmer noch ist, dass sie eine “Graue” ist, während er dem roten Farbspektrum angehört. In Chromatacia herrscht eine Art Kastensystem. In seinem zwanzigsten Lebensjahr legt jeder Bewohner seinen Ishihara-Test ab, aus welchem sich ergibt, welcher Farbschicht man angehört. So sind z. B. Menschen mit einer Grausicht in der Gesellschaft ganz unten angesiedelt. Diese Personengruppe ist komplett farbenblind. Als sich dann auch noch herausstellt, dass Jane leicht grünsichtig ist, kommt eine Beziehung mit Eddie gar nicht mehr in Frage, da es sich um Komplementärfarben handelt. Das Land wird von einer Präfektur geführt, wobei jede Farbe einen eigenen Präfekten stellt. Die Währung heißt Meriten und jeder Einwohner hat einen Strichcode auf dem Fingernagel. Löffel werden nicht mehr hergestellt, demnach erzielen diese auf dem Beigemarkt einen hohen Wert. Die Bewohner fürchten sich vor Mehltau, dem schon viele von ihnen zum Opfer gefallen sind, und sie haben Angst vor Schwänen und Kugelblitzen. Sobald man sich daneben benimmt, muss man zum Reboot und die wenigsten Betroffenen kommen von dort zurück. Hier und da trifft man auch schon einmal auf einen nackten Apokryphen [...] da er nicht existiert, kann er ja auch schlecht da sein - selbst wenn doch [...] S. 75. Letztendlich stellt sich unseren Protagonisten die Frage, was ihre Welt ist, wo sie ist und sogar wann sie ist. Eddie und Jane finden tatsächlich Hinweise auf diese Fragen und ab diesem Moment befinden sie sich in großer Gefahr.
Meinung: Ich bin seit Anbeginn ein großer Fan der “Thursday Next”-Reihe von Jasper Fforde. Als dann der Eichborn Verlag jüngst seine Geschichten GRAU und ROT veröffentlicht hat, war nichts nahe liegender, als endlich noch einmal in eine der verrückten Welten Ffordes einzutauchen. Und, was soll ich sagen?! Ich habe nicht zu viel erwartet, denn der Einfallsreichtum des Autors hat mich wieder einmal brillant unterhalten und in eine fiktive Welt mit äußerst liebenswerten und skurrilen Personen geführt. Wie man vielleicht merkt, einmal angefangen über die von dem Autor erschaffene Welt zu berichten, lässt sie einen so schnell nicht mehr los. Bald ist man nämlich wieder voll und ganz in der Geschichte drin. Allerdings ist es auch so, dass man einfach in die bestehende Welt geschubst wird und es demnach zunächst etwas schwer fällt, diese zu durchschauen. Da aber auch Eddie und Jane ihre Welt nach und nach besser kennen lernen und wir sie auf ihrem Weg begleiten, erschließt sich das Worldbuilding allmählich. Ganz gemächlich durchblickt man den Weltenaufbau und hier hält Jasper Fforde so einige Überraschungen für uns parat.
Fazit: Wieder einmal habe ich mich Jasper Fforde sei Dank blendend amüsiert. Ich bewundere seine Phantasie und mag die Dialoge, die er erschaffen hat. Das Worldbuilding ist ebenfalls großartig. Wenn ihr Lust auf Alternativweltgeschichte habt, kann ich euch den britischen Schriftsteller unumwunden ans Herz legen. Wobei Thursday Next meine große Heldin bleibt! Daher gibt’s von mir 4,5 Sterne.
A.Basan
aus Garbsen
4/5
07.02.2024
Buch (Taschenbuch)
Groteske Dystopie
Ich bin ein großer Fan der Thursday Next-Reihe und musste deshalb "Grau" unbedingt lesen, auch wenn das Buch ein schon bisschen älter ist.
Bei "Grau" handelt es sich um eine groteske Dystopie, bei der die Menschheit nach dem Vermögen ihrer Farbwahrnehmung hierarchisch gegliedert ist. Jeder Charakter muss sich einem Ritual unterwerfen, in dem der Grad seines Farbensehens und damit sein Platz in der Gesellschaft verbindlich festlegt wird. Dabei trachtet jede Familie danach, durch geschickte Heiratspolitik die eigene Sippe chromatisch nach oben zu befördern. Und Krankheiten werden nicht durch einen Arzt geheilt, sondern durch einen Mustermann, der mit Farben hantiert. Nebenbei gilt es, eine Menge abtruser Vorschriften und Verbote zu beachten.
Der Roman sprüht nur so vor originellen, aberwitzigen Ideen.und Anspielungen (z.B. wenn Indiana Jones in dem Wahrnehmungskasten gezeigt wird). Dabei ist die Beurteilung der Menschen nach ihrer Farbwahrnehmungskompetenz gar nicht so absurd, wie es zunächst scheint. Denn heute beurteilen wir Menschen immer noch rein äußerlich nach ihrer Hautfarbe, was wohl kaum weniger absurd ist.
Aber bei aller Originalität hat das Buch auch einige Längen. Spannung will trotz massivem Foreshadowing nicht so recht aufkommen. Der Autor lässt sich in seiner Kreativität öfter hinwegtragen und verliert sich in Einzelheiten, wo der Leser doch eher nach einem großen Spannungsbogen sucht. Weniger wäre da manchmal mehr gewesen.
Bewertung
aus Leipzig
5/5
15.05.2024
eBook (ePUB)
Ereignisreiche Dystopie
Ereignisreiche Dystopie
"Grau" ist der erste Teil einer dystopischen Roman-Trilogie von Jasper Fforde. Das Buch spielt in einer Welt, in der die Menschen Farben nicht mehr sehen können. Außer die Elite, die sich teure Operationen leisten kann, um Farben wieder sehen zu können.
Wir begleiten Eddie Russett. Er hat die Rotsicht und erhofft sich, auf der Farbskala nach oben heiraten zu können. Doch es kommt anders. Er verliebt sich in Jane. Eine Graue - denn sie ist komplett Farbenblind. Und so beginnt eine Geschichte, die alles auf den Kopf stellt. Denn in einer Welt, in der die Fähigkeit, Farben zu sehen, ein Privileg der Elite ist, entfaltet sich eine Geschichte voller Geheimnisse und unerwarteter Wendungen.
Das Buch erforscht wichtige Themen wie soziale Hierarchie, Individualität und die Bedeutung von Farben in unserer Wahrnehmung der Welt. Fforde kreiert eine faszinierende Welt, in der die Gesellschaft von strengen Regeln und Überwachung geprägt ist. Sein Schreibstil ist humorvoll und gleichzeitig tiefgründig, und er schafft es, komplexe Ideen auf eine unterhaltsame Weise zu präsentieren.
"Grau" ist ein Buch, das sowohl zum Nachdenken anregt als auch spannende Unterhaltung bietet. Es ist ein einzigartiger Beitrag zum Genre der dystopischen Literatur und zeigt Ffordes Talent für originelle und einfallsreiche Welten.
Auch wenn ich zu Beginn etwas Probleme hatte, die Komplexität zu verstehen und die Welt und die Regeln nachvollziehen zu können, war es nach einer Weile ein wirklich tolles Leseerlebnis.
Ich finde Dystopien immer sehr faszinierend. Denn sie lassen den Leser darüber nachdenken, was sein könnte. Wie könnte die Welt aussehen, wenn sich in der Vergangenheit auch nur eine Sache anders entwickelt hätte? Wenn Kriege anders ausgegangen wären oder kein Komet die Dinos ausgelöscht hätte. Wie würde unsere Welt wohl heute aussehen? Und genau das schafft Fforde für mich. Eine Welt erschaffen, die eigentlich so fern ist und doch so nah sein könnte.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für dein Feedback
Wir nutzen dein Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte habe Verständnis, dass wir dir keine Rückmeldung geben können. Falls du Kontakt mit uns aufnehmen möchtest, kannst du dich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.