Lieben in modernen Zeiten – kühn, bewegend, klug Als Jack und Elizabeth 1993 ein Paar werden, spricht alles gegen sie. Doch der junge Fotograf mit den bäuerlichen Wurzeln und die Psychologiestudentin aus gutem Hause heiraten – und erleben in der vibrierenden Kunstszene Chicagos aufregende erste Jahre. Doch nicht alles läuft glatt. Inmitten von Achtsamkeitsseminaren, polyamourösen Bekanntschaften und schrillen Immobilienträumen droht ihre Ehe zu scheitern. Und schließlich müssen sich diese nicht mehr ganz so jungen Träumer den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen, wenn sie nicht das Wertvollste verlieren wollen: einander. Von den Absurditäten moderner Technologie bis zur perfekten Kindererziehung legt Nathan Hill unser Leben bloß und stößt auf tiefe Wahrheiten über Liebe, Intimität und Nähe. Tiefsinnig gelesen von Uve Teschner – dem Sprecher von »Geister«.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
122 Bewertungen
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
1 Sterne
(0)
Liebe und Placebo
Lianne am 13.07.2024
Bewertungsnummer: 2243379
Bewertet: Hörbuch-Download
Wellness ist so viel mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Jack, Fotograf beziehungsweise Künstler aus einfachen Verhältnissen und Elisabeth, die Physiologin aus reichem Hause wurden ein Paar. „Kommst du?“ - der erste Satz zwischen den beiden, als würden sie sich schon ewig kennen und das Gefühl von Liebe auf den ersten Blick, die aber durch den Alltag immer wieder verschwindet. Während Jack sich wirklich stets bemüht, wendet Elisabeth alle ihre gelernten Wissen erreiche bei ihrem Sohn an, macht Tests, versucht ihm beizubringen, wie man sich korrekt verhält. Im Laufe der Geschichte erfährt man so viel über die Vergangenheit ihrer beider Familien. Witzigerweise erkenne ich erst jetzt, beim Schreiben der Rezi, dass Homz ein Bindeglied zwischen ihnen ist (sind sie etwa doch aus dem selben Holz geschnitzt? Könnte das Holz, mit dem sein Bater am Ende Geld macht, jenes alte Holz sein, dass ihre Vorfahren einst verkauft hatten und zu Reichtum erlangten? Wenn ich es nochmal lese, werde ich auf diese Verbindung genauer achten) und auch Feuer ist ein wiederkehrendes Thema. Zwischen Placeboeffekten und Verkaufsstrategien pendelt die Liebe nicht nur zwischen ihnen beiden, sondern der Gesellschaft. Wirklich toller Roman. Allerdings waren mir die Erklärungen aus der Vergangenheit oder zu Studien manchmal etwas zu langatmig.
Dennoch eine klare Leseempfehlung.
"Das war der einzige Wirkstoff: Glaube."
drawe aus Landau am 23.02.2024
Bewertungsnummer: 2138245
Bewertet: Hörbuch-Download
Mein Hör-Eindruck:
Elizabeth und Jack, jung, dem lieblosen Elternhaus entflohen, die Zukunft vor Augen, jeder in einer winzigen Ein-Zimmer-Wohnung in einer Künstlersiedlung – was für eine wunderschön erzählte Liebesgeschichte! Er stammt aus einer kleinen Farm in der Prärie von Kansas, sie dagegen aus einer gewissenlos reich gewordenen Familie. Aber die Gegensätze sind unwichtig, die Liebe fegt sie hinweg. Das Herz des Lesers geht auf, man möchte nochmals 20 sein!
Einige Jahre später sieht die Sache anders aus. Jack ist Kunstdozent und fabriziert die immer selben fotografischen Kunstwerke, und Elizabeth arbeitet als Neuphysiologin im Institut „Wellness“. Hier testet sie die Wirkung von unterschiedlichsten Placebos an Patienten, die nicht wissen, dass sie Teil einer Versuchsreihe sind. Sie erkennt: das Placebo erhält seine Wirkung durch die Erzählung, die damit verbunden wird.
Und damit ist der Roman beim Thema: Was ist Wahrheit? Was ist Realität, und was ist Künstlichkeit? Ist Wahrheit das, was man glaubt?
Dieses Thema dekliniert der Autor immer wieder in verschiedenen Variationen durch. So erzählt er z. B. sehr ausführlich von Jacks Vater, der sich dem damals neuen Internet annähert und bei facebook landet. Hill erklärt in einem längeren Einschub das Funktionieren und vor allem die Auswirkungen der Algorithmen, die die Informationen filtern und passgenau dafür sorgen, dass der Vater immer tiefer in abstrusen Verschwörungstheorien versinkt. Die Diskussionen zwischen Vater und Sohn haben etwas Beklemmendes, weil jeder seine Wahrheit beweisen kann und will der Verschwörungstheoretiker nicht erkennt, dass seine Wahrheit von Algorithmen zusammengestöpselt wurde und nur ein technisches Produkt ist.
Dieses drängende Thema – die Relativität der Wahrheit bzw. der Placebo-Effekt der Wahrheit – handelt der Autor in ganz unterschiedlich getönten Episoden ab. Heitere, satirische und komische sind dabei, wie z. B. der Besuch in einer Art Swingerclub, aber auch sehr beklemmende, wenn Elizabeth Placebos herstellt und verkauft und ihre Patienten bewusst täuscht.
Schließlich muss sich das Paar auch die Frage stellen, ob ihre eigene Beziehung auch nur ein Placebo ist und nur deswegen funktioniert hat, weil sie so fest daran glaubten.
Alle Szenen des Romans werden verwürfelt erzählt, trotzdem verliert der Leser/Hörer niemals den Überblick über die Zusammenhänge. Episode für Episode enthüllen sich dem Leser immer deutlicher diese Zusammenhänge, und hier sind es ungemein eindringliche Szenen von Schuld und Schuldzuweisung, von Egomanie, Leid, seelischer Grausamkeit und Einsamkeit. Szenen, die man nicht vergessen kann.
Nicht zuletzt dank der perfekten Vorlesekunst von Uve Teschner.
Fazit: Ein gewaltiges Panorama, ein Zeit- und Gesellschaftsroman und ein aufwühlender Roman über menschliche Schicksale.
Ganz große Lese-Empfehlung!
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für dein Feedback
Wir nutzen dein Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte habe Verständnis, dass wir dir keine Rückmeldung geben können. Falls du Kontakt mit uns aufnehmen möchtest, kannst du dich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.