Berlin 2003: Die Reste der hedonistisch-anarchischen Neunziger sind noch deutlich spürbar, aber am Horizont taucht bereits eine neue Zeit auf: mit höheren Mieten, mehr »Unbedingtheit« und viel schlechterer Laune. Wolfgang Schneider ist zwanzig und heißt trotzdem Wolfgang Schneider. Schon bald kann er die Menschen in seiner neuen Heimatstadt nicht mehr ernst nehmen. Leider rutscht er schnell in todernste Milieus ab: Er wird Kleindarsteller bei einem egomanischen Theaterregisseur, bei dem viel geschrien wird, tritt einer kommunistischen Hochschulgruppe namens »SacK und Klit« bei und gerät in die Berliner Kunstszene der Nullerjahre. Dabei fragt er sich zunehmend: Warum halten sich bloß alle für so wichtig? Durch ein Missverständnis freundet er sich mit dem fast achtzigjährigen Vicco von Bülow an. Dieser erkennt in dem jungen Studenten ein Talent, von dem dieser noch gar nichts weiß. Außerdem ist er der Einzige, der sich selbst überhaupt nicht ernst zu nehmen scheint, dafür aber erstaunlich gut gelaunt ist.Tilman Birr entwirft in seinem zweiten Roman ein hochkomisches Berlin-Panoptikum der frühen Nullerjahre.Mit seinem Protagonisten fragt er sich: Muss man wirklich jeden ernst nehmen, der ernst tut? Seinem Helden zur Seite steht niemand Geringeres als Vicco von Bülow, der Mann, den wir alle als »Loriot« kennen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
rallewu
aus Niedersachsen
5/5
18.02.2024
Buch (Paperback)
Wunderbarer Humor, herrliche Situationskomik
Wolfgang Schneider ist gerade mal Anfang Zwanzig und heißt wirklich so - was haben sich seine Eltern dabei bloß gedacht? Das ist schon schlimm genug, aber Wolfgang kommt auch noch aus der westfälischen Provinz und langweilt sich dort unendlich. Die Lösung - zum Studium in die pulsierende Hauptstadt. Also zieht Wolfgang nach Berlin und beginnt ein Studium - allerdings ohne sich wirklich für das Studienfach zu interessieren. Er läßt sich treiben, lernt die Stadt, ihre Ur- und ihre zugezogenen Einwohner kennen und fragt sich schon bald: "Was geht hier eigentlich ab?"
Wolfgang stellt fest, dass es gar nicht so einfach ist, in einer Stadt mit dreieinhalb Millionen Einwohnern echte Bekanntschaften oder gar Freundschaften zu knüpfen. Und das Geld reicht natürlich auch nicht, so dass Wolfgang skurille Nebenjobs annimmt und plötzlich und ungeplant zum gefragten Performance-Künstler avanciert. Wolfgang ändert seinen Namen, taucht ein in eine Welt, die Offenheit und Toleranz predigt, in Wahrheit aber seine ganz eigenen festgefahrenen Regeln folgt.
Tilman Birr hält mit dem Buch "Wie sind Sie hier reingekommen?" der selbsternannten Berliner Toleranzgesellschaft auf humorvolle Weise den Spiegel vor. Brüllend komische Dialoge wechseln sich mit nachdenklich machenden Passagen ab. Ein herrlich witziges Buch, das zwischen den Zeilen sehr viel mehr bietet als nur Humor. Absolute Leseempfehlung - vor allem für junge Menschen, die ohne klare Zukunftsvorstellung in Berlin studieren möchten.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
4/5
20.07.2026
Buch (Paperback)
Oft laut gelacht
Ich habe das Hörbuch gehört und bin richtig froh, dass ich nicht zur gedruckten Ausgabe gegriffen habe. Tilman Birr liest selbst und macht daraus eine echte Vorstellung. Er wechselt mühelos die Stimmen und Dialekte, singt, nuschelt, schreit, imitiert und legt so viel Energie in die Figuren, dass ich mehr als einmal laut lachen musste.
Wer Loriot kennt und mag, sollte dieses Hörbuch unbedingt hören. Der Humor trifft genau den richtigen Ton und die Dialoge sind so pointiert, dass ich oft an die großen Loriot Momente denken musste. Dazu kommt eine herrlich absurde Geschichte, die von einer schrägen Situation in die nächste springt und dabei nie ihren Charme verliert.
Den fünften Stern gibt es nicht ganz, weil die Handlung zum Ende hin etwas nachlässt. Das ändert aber nichts daran, dass ich mit dem Hörbuch großartig unterhalten wurde und es jedem empfehlen würde, der klugen, trockenen Humor liebt.
yellowdog
4/5
03.01.2024
Buch (Paperback)
Tilman Birr zeigt in seinem…
Tilman Birr zeigt in seinem Roman „Wie sind Sie hier reingekommen“ ein Porträt eines jungen Mannes. Wolfgang Schneider ist 20 und zum Studieren nach Berlin gekommen. Er ist noch orientierungslos Das ist ein Hauptthema des Romans. Als Leser folgt man Wolfgangs staunenden Blick auf die Umgebung. Eigentlich mag ich es nicht, wenn die Protagonisten in einem Roman Deppen sind. Aber Tilman Birr nutzt die Form des Schelmenromans und so funktioniert es. Jedenfalls überwiegend. Ab und zu gibt es Nebenfiguren, die wie Stereotypen wirken. Aber das soll wohl so sein. Oft sind die Passagen wirklich witzig. Ich mag besonders die Theaterpassagen. Abschließend muss ich noch das originelle Cover erwähnen, das zum Schalk des Autors passt.
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