"Meinen Vater habe ich einmal gesehen. Das Treffen liegt 25 Jahre zurück."
Nina ist Ende vierzig und lebt getrennt von ihrem Expartner und dem gemeinsamen Sohn Lenny. Zu ihrem Vater hatte sie nie Kontakt. Als Lenny ihm einen Brief schreibt, tritt Hans plötzlich wieder in ihr Leben. Anfangs entsteht überraschend schnell eine Verbindung, doch schon bald stellen sich schmerzhafte Fragen nach der Vergangenheit, Risse treten zutage. Hat ihr der Vater gefehlt, oder war im Gegenteil alles besser so, wie es war? Eine Antwort findet sie für sich, als sie vom tragischen Tod des Bruders erfährt, den sie nie kennengelernt hat.
Ehrlich und empathisch zeichnet Tanja Schwarz Figuren, deren Familienverhältnisse nicht immer einfach, aber schmerzlich vertraut sind.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
MarieOn
5/5
18.11.2024
eBook (ePUB)
Unaufgeregte Geschichte über väterliche Schuld und Verdrängung
Nina, Ende vierzig, hat sich von Ron getrennt. Außerdem ließ sie ihren gemeinsamen Sohn Lenny bei Ron. Diese Entscheidung bricht ihr spätestens jedes zweite Wochenende das Herz, wenn sie Lenny bei sich hat, manchmal auch jedes dritte, wenn Lenny krank ist oder eine Pyjamafeier auf ihn wartet. Es passiert zuweilen auch, dass sie ihn nur einmal im Monat sieht, wenn sie verreisen muss. Sie wollte Lenny nicht aus seiner gewohnten Umgebung reißen und Ron hat ja auch eine Tochter aus erster Ehe. Ihr beruflicher Alltag ist so unstet. Sie hat ihren eigenen Vater zuletzt vor 25 Jahren gesehen, vielleicht für eine Stunde, dabei ging es um Geld. Danach verschwand er wieder, wie zuvor. Und jetzt rollt Lenny, wie ein Überfallkommando über sie weil er seinen Opa kennenlernen will.
Sie schreiben Ninas Vater Hans gemeinsam einen Brief und Hans ruft prompt bei Lenny an. Daraufhin meldet Hans sich bei Nina und sie hört seine Stimme. Die Stimme ist tief, klingt fröhlich, voller Euphorie wieder zu Kontakt zu ihr haben und bringt etwas in ihr zum Schwingen, von dem sie nicht wusste, dass es da ist.
Nina fährt mit ihrem Sohn nach Süddeutschland um ihre Mutter und ihren Vater zu besuchen. Ihre Mutter lebt in einem gerontopsychiatrischem Heim, in dem man ihrer Depression mit Medikamenten beizukommen versucht. Ihr Vater lebt in dem Häuschen seiner zweiten Frau. Hans beantwortet Ninas Fragen geduldig und wenn es ihm zu viel wird, dreht er den Ton des Fernsehers so laut, dass ein Gespräch unmöglich wird. Er erzählt von seinem guten Händchen in punkto Geschäftssinn und von seinem Fleiß, zu dem ja heute kein Junger mehr fähig ist. Die Kopfnüsse seines Großvaters und die Maulschellen seines Vaters lacht er weg …“So war das eben damals“.
Fazit: Tanja Schwarz hat eine diffizile Familiengeschichte geschaffen. Mit unaufgeregter Stimme zeigt sie die Schuld, die Hans auf sich geladen hat und erfolgreich verdrängt. Zuerst sucht die Protagonistin nach Ähnlichkeiten mit ihm, identifiziert sich und glaubt ihm seine Geschichten, in denen ihm alles so mühelos gelang, dem Hans, dem echten Kerl. Dann hört sie sich den anderen Teil der Familie an, von dem sie gar nicht wusste, dass es ihn gibt und Hans Lügen fallen in sich zusammen. Am Ende ist er ein Produkt der Erziehung seines Vaters und Großvaters. Eine Erziehung, die er unhinterfragt auf seinen Sohn übertrug. Dieses Bild des Hans, der toxischen Männlichkeit, ständigen Selbstbeweihräucherung und Selbstbetrugs ist weit verbreitet. Ich finde es großartig, nach vielen ungesunden Mutter-Tochter-Beziehungen, nun eine Vater-Tochter Geschichte lesen zu können, die es in sich hat. Eine ganz und gar gelungene Ich-Erzählung, die sich mit Leichtigkeit lesen lässt.
Bewertung
5/5
23.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der unbekannte Vater, den Nina...
Der unbekannte Vater, den Nina erst spät auf Drängen ihres Sohnes kennenlernt. Die Nähe macht sie glücklich, obwohl sie von inneren Zwängen zerissen ist. Ein überraschendes Debüt!
J. Kaiser
5/5
29.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bewegende Geschichte
Nina wächst ohne ihren Vater auf. Diesen lernt sie erst mit Ende vierzig kennen. Sie fühlt sich bei ihm überraschend nah. Bald einmal aber stellen sich scherzhafte Fragen nach der Vergangenheit. Nina lebt nicht mit ihrem Ex-Partner und dem gemeinsamen Sohn Lenny zusammen. Lenny schreibt ihm einen Brief und so tritt Hans in ihr Leben. Bald stellen sich aber Risse ein. Hat ihr der Vater gefehlt? Eine Antwort findet sie erst als sie vom Tod ihres Bruders erfährt, den sie nie kennengelernt hat. Mich hat die Autorin mit diesem Buch überrascht und das Lesen fand ich sehr spannend. Die Schilderung der Handlung und der Gedanken sind sehr gut beschrieben und vieles kommt der Realität sehr nahe. Für mich war dieses Buch eine echte Überraschung. Es wir mit sehr präzisen Worten Familienverhältnisse, die nicht immer einfach, aber schmerzlich vertraut sind geschildert. Empfehlenswert.
begine
aus Lemwerder
5/5
22.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der unbekannte Vater
Die Schrittstellerin Tanja Schwarz beschreibt in ihrem Roman Vaters Stimme, verzwickte Sternenkonstellationen.
Sie versteht es gut, knallharte Fakten mit Klare berührende Sprache zu erzählen.
Nina kannte ihren Vater lange nicht. Sie ist geschieden und weil sie beruflich viel unterwegs ist lässt sie ihren Sohn Lenny bei ihrem Exmann. Er ist aber auch viel bei ihr. Lenny möchte seinen Opa kennen lernen, also fährt sie mit ihn los.
Da erfährt sie, das sie einen Bruder hatte, was man da hört, kann sie zufrieden sein, das sie mit der Mutter aufwuchs. Die Mutter ist zu einem Pflegefall geworden und sie besucht sie regelmäßig. Da ist mit feinsinniger Sprache erzählt.
Nina macht sich viele Gedanken, ob ihr Leben anders gewesen wäre, wenn sie eher von dem Bruder gewusst hätte.
Die Autorin konnte mich mit diesem lebendigen Roman begeistern.
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