Ester, Putte und »ich« gründen an einem langweiligen Tag ein Beerdigungsinstitut. Für alle toten Tiere, die sonst keiner beachtet, wollen sie die besten Beerdigungen der Welt ausrichten!
Mit einer toten Hummel fängt alles an. Ester will sie begraben. Auf einer Lichtung, zu der nur der geheime Pfad der Kinder führt. Ester ist fürs Schaufeln zuständig, »ich« für ein Gedicht am Grab und der kleine Putte soll dazu weinen. Aber e i n e Beerdigung ist natürlich nicht genug. Jetzt werden noch mehr tote Tiere gebraucht. Ester greift zum Telefon … Ulf Nilssons Geschichte über dieses ganz ernsthafte Spiel zu Leben und Tod ist so präzise wie humorvoll. Jeder wird sich darin selbst entdecken und dabei unsentimental an den befreienden Umgang mit dem Tod zu Kinderzeiten erinnert. Auf wunderbar subtile Weise vervollständigen Eva Erikssons atmosphärische Bilder dabei die Geschichte.
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Tierbeerdigungen
Daggy am 11.08.2024
Bewertungsnummer: 2265095
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Vorneweg geht Ester mit der Kiste, in der das tote Tier liegt, danach geht der Junge, der uns von diesem Tag berichtet und am Ende ist Esters kleiner Bruder Putte, den Spaten trägt.
Weil es langweilig ist und weil Ester eine tote Hummel findet, kommen die Kinder auf die Idee Tiere zu beerdigen. Zunächst möchte der Junge nicht helfen, doch denn schlägt er vor, er könne ja ein Gedicht für das Tier sprechen. Ester findet das zunächst nicht so gut, lässt ihn dann aber gewähren. „Ein kleines Leben in der Hand, plötzlich weg, tief, tief im Sand.“ Ist sein ersten beeindruckende Werk. Das winzige Grab ist mit Blühten geschmückt und hat ein Holzkreuz. Dann machen sich die zwei auf und suchen andere tote Tiere, die sie bestatten können. Putte unterstützt die beiden dabei, so finden sie zunächst eine Spitzmaus. Putte wundert sich, dass das Tier nur so da liegt und als er erfährt, dass alle mal sterben werden, ihn eingeschlossen, fängt eine Lippe an zu zittern. Er wird dann getröstet, dass er erst stirbt, wenn er ein alter Opa sei. Trotzdem muss er bei der Beerdigung weinen. Der Ich. Erzähler findet „Wahrscheinlich waren wir die Nettesten auf der ganzen Welt.“
So beginnt das nächste Kapitel mit dem schönen Satz „an diesem traurigen Sommertag hatten wir viel Spaß.“ Und so ist es auch, diese Buch ist nicht traurig, sondern voller Humor.
Die Kinder spielen Bestatter zu sein, wie sie auch Kaufladen spielen. Der Tod, hier gibt es ja nur tote Tiere, gehört zu ihrem und unser aller Leben dazu.
Ich mag diese Geschichte mit seinen skurrilen Ideen und den wundervoll altmodischen Bildern.
Lebensnahes Bilderbuch!
WortGewand aus Krefeld am 10.12.2025
Bewertungsnummer: 2674826
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
In seinem lebensnahen Bilderbuch "Die besten Beerdigungen der Welt" führt Ulf Nilsson dem Thema Tod und seiner Sprachlosigkeit heran. "Die ganze Welt ist voll von Toten" stellen die mutige Ester, ihr kleiner Bruder Putte und der nicht ganz so beherzte Ich-Erzähler fest. Sie beziehen sich dabei auf verstorbene Tiere, um die sich niemand kümmert. Die Kinder machen aus diesem traurigen Umstand ein aufregendes Kinderspiel. Aus einer spontanen Idee entsteht ein florierendes Bestattungsinstitut, dass die besten Beerdigungen der Welt anbietet. Endlich geschieht etwas, obwohl dem Erzähler bei der Sache nicht wohl ist. Doch es bleibt keine Zeit lang darüber nachzudenken, denn das Mädchen ist nicht mehr zu bremsen. In Büschen und Sträuchern suchen sie aus Spaß am Spiel nach toten Tieren, auf die nun eine Erdbestattung wartet.
So ganz überblickt der Kleine mit der roten Mütze nicht, was die Großen meinen, aber das macht nichts. Immerhin stellt er die richtigen Fragen. Einfallsreich, ernsthaft und voller Elan widmen sich die Kinder nun ihrer wichtigen Aufgabe. Beerdigungen AG heißt die neu gegründete Firma. Die nötigen Utensilien, wie Holzkreuze, Schachteln für Särge, Grabsteine und fertige Blumen, die für die Bestattungsrituale benötigt werden, besorgen die drei. Jeder der gestorben ist, muss natürlich auch einen Namen haben, denn was soll man sonst auf den Grabstein schreiben. Auch für Putte entstehen neue Konflikte. An diesem ereignisreichen Sommertag wird viel geredet, gearbeitet und geweint, aber: "Am nächsten Tag machten wir dann etwas ganz anderes."
Niemand möchte seine Kinder traurig machen. Kinder möchten sprechen. Erwachsene, wenn möglich lieber schweigen, wenn es um das Thema Tod geht. Irgendwann kommen die Fragen. Kinder erfahren im Alltag, dass Lebewesen nicht unsterblich sind. Durch die Wahl der Tierfigur entsteht eine gewisse Distanz. Der Autor nimmt dem Beerdigungsritual und der Trauerarbeit damit das Geheimnisvolle und Außerordentliche. In seiner Geschichte stehen Lebensfreude und Traurigkeit gleichberechtigt nebeneinander. Er betont die Neugier der Kinder, ihre Intensität im Spiel, ihre Unbefangenheit und die Freude an der Nachahmung ernster Rituale der Erwachsenen. Dieses Buch bildet eine gute Basis für Gespräche. Durch die skeptische Sicht des Ich-Erzählers findet man Zugang zu der ungewöhnlichen Thematik. Die Kinder spielen, sie streiten, finden ihre Stärken in der Gruppe und erleben einen spannenden Tag.
Die schwedische Illustratorin Eva Eriksson unterstreicht die Leichtigkeit. In fast jeder Illustration sind die drei Freunde, mit ihren unterschiedlichen Empfindungen zu beobachten. Text und Illustrationen harmonieren wunderbar miteinander.
Dieses Buch nicht nur für Kinder da. Bilderbücher über den Tod haben es schwer. Es hält perfekt die Waage zwischen Leichtigkeit und Tiefe. Niemand kann sagen, was denn kindgemäß ist und befriedigende Antworten, wie es nun ist, wenn man tot ist, kann auch niemand geben. Vielleicht hilft sie auch ein wenig dabei, den Tod als etwas Natürliches zu akzeptieren. Beim Umblättern der letzten Seite hat man plötzlich eine Ahnung, wie es sich mit dem Leben und dem Tod verhalten könnte.
Völlig unsentimental wird hier über den Tod erzählt und Beerdigungen zelebriert. Und das mit einer kindlichen Respektlosigkeit, das dem Ganzen jedes Mystische nimmt. Ja – es wie im wirklichen Leben zum Alltäglichen macht. Es ist ein wunderbares Bilderbuch, das auf sehr einfühlsame Weise das Thema Tod und Sterben behandelt. Die Balance von der Leichtigkeit und Tiefe der Geschichte haben mich gleichermaßen begeistert.
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