Der fünfzehnjährige Andrew Aziza, genannt Andy Africa, lebt mit seiner Mutter im Norden Nigerias. Nachts träumt er von Blondinen, tagsüber hängt er mit seinen Jungs ab, schreibt Gedichte und diskutiert mit der schlauen Fatima über Mathematik und Black Power. Auf einer Gemeindefeier verliebt er sich hoffnungslos in das erste weiße Mädchen, das er zu Gesicht bekommt: Eileen. Es knallt, und zwar in alle Richtungen. Während die beiden von Verlaine und Kafka schwärmen, steuert ein gewalttätiger Mob mit Macheten auf die Kirche zu.
Stephen Buoro erzählt in seinem funkelnden Debüt von den langen Schatten des Kolonialismus, von Afrofuturismus und Weltliteratur, von einer Jugend voller Hoffnungen und großem Schmerz. Und mittendrin « superhero poet» Andy, der sein Glück sucht: in der Liebe und auf seinem gefährlichen Weg nach Europa.
«Die funkensprühende Dringlichkeit dieser Prosa reißt einen mit, Buoros Sprachbilder sind so lebendig wie die Szenen, die er beschreibt. Sein Roman hat die Kraft, eine ganze Generation von Superhelden zu inspirieren.» The Times
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
HeRu
aus Regensburg
4/5
11.10.2023
eBook (ePUB 3)
Dramatisch und lyrisch
Andrew Aziza, auch bekannt als Andy Africa lebt mit seiner Mutter im Norden Nigerias in recht armen Verhältnissen. Über seinen Vater weiß er nichts, da seine Mutter ihm diese Information verweigert. Er hat eine Vorliebe für blonde Mädchen, obwohl er noch nie einem begegnet ist. Eines Tages begegnet er Eileen, der Nichte des örtlichen Pfarrers. Sie ist der Inbegriff seiner Traumfrau: ein Mädchen mit platinblonden Haaren und weißer Haut.
Der Coming of Age Roman zeigt sehr deutlich mit welchen Problemen die Jugend in Nigeria zu kämpfen haben und was sie letztendlich dazu bewegt ihr Land zu verlassen. Das Leben ist geprägt durch eine politisch angespannte Situation (Religionskonflikt) und Armut.
Zwischen Tradition und den Einflüssen der westlichen Welt und deren Schönheitsideale ist es oft nicht einfach die eigene Identität zu akzeptieren.
Dies macht auch die Faszination für das Unbekannte aus, weswegen Andy sich in das blonde Mädchen Eileen verliebt, obwohl sie offensichtlich sehr diskriminierend ist. Man muss hier aber erwähnen, dass die Liebesgeschichte eher im Hintergrund steht.
Das Buch ist sehr komplex geschrieben. Anfangs ist der Schreibstil etwas ungewohnt. Einerseits wird viel Jugendsprache genutzt, wenn Andy sich mit seinen Freunden unterhält. Anderseits wird die Lyrik verwendet, um Andys Gefühle, Gedanken und seinen inneren Konflikt darzustellen. Dies wird verstärkt durch die ich-Perspektive des Buches.
Dramatischer Coming of Age Roman über Freundschaft, Identität, Kolonialismus, Futurismus und Lyrik.
Bewertung
4/5
26.09.2023
eBook (ePUB 3)
Eine Jugend in Afrika
Andrew Aziza, den alle Andy Africa nennen, lebt mit seiner Mutter im Norden Nigerias. Er liebt sie, aber innerlich schämt er sich für sie, weil sie ungebildet und arm ist. Über seinen Vater schweigt sich die Mutter aus. Nachts träumt er von blonden Mädchen, auch wenn er die nur aus dem Fernsehen und von den Raubkopien westlicher Filme kennt. Doch dann begegnet ihm Eileen, die Nichte des örtlichen Pfarrers, die platinblonde Frau seiner Träume. Während er sich beim örtlichen Kirchenfest in sie verliebt, rast ein auf Rache sinnender muslimischer Mob auf die Kirche zu und verändert sein Leben dramatisch.
Dank eines kirchlichen Stipendiums kann Andy eine Privatschule besuchen – doch seine Mutter kann sich kein Fleisch leisten. Andy schreibt Gedichte, die hier immer wieder einfließen, – doch seine Stadt mit über 100.000 Einwohnern hat nicht mal eine Bibliothek. In seiner Heimatstadt Kontagora fliegen Müll und Plastiktüten durch die Straßen – die Hauptstadt dagegen sieht aus wie geleckt. Das ganze Buch strotzt von Gegensätzen, dass mir beim Lesen schnell klar wurde, in welcher inneren Spirale Andy feststecken muss.
Ein eindrücklicher Coming of Age Roman über die Zerrissenheit der Jugend in Buoros Heimatland, der mich schwer beeindruckt hat. Er zeigt, wie junge Afrikaner sich fühlen müssen, die einerseits nach alten Traditionen erzogen werden, aber von westlichen Medien und Vorstellungen überschüttet werden, die die Folgen der Kolonialisierung tragen, denen Religionen aufgezwungen wurden, die aber auf der Suche nach ihren Wurzeln, ihrer Identität sind. Und wie sich das anfühlt, wenn man zwischen den Stühlen sitzt, politisch instabile Machtverhältnisse Landstriche in die Armut stürzen, das Leben perspektivlos ist, all das zeigt Buoro sehr eindringlich, sehr facettenreich. Was also ist das Schicksal Afrikas? Die Flucht oder ein Ausharren »wie in einem langen Gebet«?
Dieses Buch ist in einem wahnsinnigen Tempo geschrieben, denn die Ereignisse überschlagen sich ab einem gewissen Punkt und bestärken Andy darin, dieses Land, »diesen ganzen beschissenen Kontinent« zu verlassen. Die Liebesgeschichte mit Eileen steht also nicht im Fokus, sondern erscheint Andy als einzige Lösung der Misere. Könnte er durch sie seinen Hass auf seine Hautfarbe überwinden?
Andy ist ein lustiger, intelligenter Kerl, der als Erzähler seine Leserschaft mit viel Charme, Bissigkeit und Selbstironie einfängt. Doch so lustig einige Teenager-Episoden daherkommen, so traurig und dramatisch sind andere Ereignisse, die in den wenigen Wochen nicht nur sein Leben für immer verändern.
Es fällt mir echt schwer, dem Buch annähernd gerecht zu werden, da es so überaus komplex ist, dass sich viele Themen erst nach und nach erschließen. Da hilft wirklich nur, es selbst zu lesen.
Einen Kritikpunkt habe ich, der aber nicht in meine Bewertung einfließt. Wenn ich etwas nicht verstehe, dann mache ich mich parallel zum Lesen gern schlau und hier habe ich sehr viel gegoogelt. Allerdings haben mich die ganzen Ausführungen zu Permutation, Animismus und Anifuturismus komplett überfordert. Aber wie gesagt, das ist mein Ding und hat dem Verständnis der Geschichte keinen Abbruch getan.
Über das Ende habe ich lange nachdenken müssen, denn ich hätte mir gern ein besseres, schöneres gewünscht. Aber nun glaube ich, dass es tatsächlich nur dieses eine Ende geben konnte. Im Original heißt das Buch »The Five Sorrowful Mysteries of Andy Africa«, was sich auf den Kreuzweg von Jesus bezieht, und sich in den Kapitelüberschriften widerfindet, und somit das Ende erklärt. Buoro hat hier ein richtig gutes, opulentes literarisches Debüt abgeliefert, das mich nachhaltig beeindruckt hat.
Ronja
aus Essen
5/5
30.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hallt lange nach
Ein sehr berührendes Buch. Ich habe es vor über einem Jahr gelesen und denke immer noch sehr oft daran. Kann es wärmstens weiterempfehlen und würde gerne sehr bald mehr vom Autor lesen!
yellowdog
4/5
12.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Literatur aus Afrika
Es ist die Stimme eines 16jährigen aus Nigeria, der den Ton dieses Romans ganz und gar bestimmt.
Andrew, Spitznamme Andy Africa, lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter zusammen, die sich weigert, den Namen seiens Vaters zu verraten.
Andy ist fasziniert von weißen, blonden Mädchen, auch wenn er in echt noch nie eins gesehen hat. Davon abgesehen ist er ein intelligenter Junge.
Dann lernt er mit Eileen tatsächlich ein blondes Mädchen kennen und seine Gefühle fließen über.
Andy Africa (Originaltitel The five sorrowful mysteries of Andy Africa)
ist ein Stück sehr lebendige, zeitgenössische Literatur aus Afrika.
Bewertung
aus Freiberg
3/5
14.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das das Leben in Afrika ist wie ein langes Gebet...
Der Roman "Andy Africa" von Stephen Buoro erzählt die Geschichte des 15jährigen Andrew, genannt Andy Africa, der mit seiner Mutter im Noden Nigerias lebt.
Seinen Vater kennt er nicht, seine Mutter schweigt zu diesem Thema, doch im Laufe der Geschichte tun sich hier einige Abgründe auf, erst gegen Ende erfährt Andy die bittere Wahrheit.
Andy schreibt Gedichte, interessiert sich für Mathematik, hängt mit seinen Kumpels ab und ist mit der schlauen Fatima befreundet. Manchmal denkt er sogar, dass er sie heiraten möchte, aber insgeheim träumt er von Blondinen, auch wenn er noch nie eine getroffen hat. Da begegnet er eines Tages Eileen, der Nichte des örtlichen Pfarrers, sie ist der Inbegriff der blonden Schönheit. Von da an träumt Andy nicht nur von ihr, sondern auch von einem besseren Leben in Europa. Denn inzwischen spitzt sich die Lage in Nigeria zu...
Stephen Buoro schreibt sehr bildhaft und lyrisch, die Geschichte ist ziemlich dramatisch, war mir aber streckenweise etwas zu ausschweifend.
"So oft will ich Ydna sagen, das ist nicht leicht ist zu leben. (Warum sonst hat er sich der Geburt verweigert und ist zurückgegangen?) Tod und Sterben sind einfach. Sogar langweilig. Das Leben ist schwer. Und sinnlos. Das Leben hebt Berge, ohne sie zu berühren, löscht Vulkane ohne einen einzigen Tropfen Spucke. Das Leben wacht auf und findet Haken in deinem Herzen. Wenn du sie entfernst, stirbst du. Wenn du sie stecken lässt, stirbst du auch. Am Ende bohrst du dir immer mehr Haken ins Herz, damit du am Leben bleibst."
"Ich wünschte, sie würde mit mir reden. Nicht, dass ich es nicht genauso mache, wenn Haken mir Löcher in die Brust reißen. Ich sage zu niemandem ein Wort. Alle in unserem Alter sind so. Die meisten Erwachsenen glauben, dass es uns gut geht, das alles relativ problemlos läuft, nur weil wir noch nie versucht haben, uns aufzuhängen."
"Und einen minikurze Sekunde lang wünsche ich mir wieder, ich könnte sie heiraten. Wir würden zusammen Yoga machen, Kochbananen essen, lachen, uns experimentelle Filme ansehen. Aber Musliminnen aus dem Norden heiraten keine Christen aus dem Süden. Eher stößt du im Hinterhof auch ein knutschendes paar Aliens. So eine Ehe ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt, weil, wo soll zum Beispiel die Trauung stattfinden? Und wären die Kinder dann muslimische Christen oder christliche Muslime, nordnigerianische Südniherisner oder südnigerianische Nordnigerianer?"
"Ich erzähle ihr, dass bei uns jeder lernt, an Gott zu glauben. Dass das unsere einzige Möglichkeit ist zu überleben. Weil unser ganzes Dasein aus Unsicherheiten besteht. Und nur eine Superkraft wie Gott diese Unsicherheiten beherrschen kann. Wenn du das Haus verlässt, betest du das bei deiner Rückkehr Strom da ist, hoffst, dass die Sonne dich nicht zu schlimm verbrennst. Draußen betest du, dass du nicht vom Auto überfahren wirst, weil die Straßen voll mit Schlaglöchern sind und die Fahrer keinen Führerschein haben. Wenn dich eins erwischt, betest du, dass die Ärzte nicht gerade streiken, dass die Krankenhäuser alles Nötige für die Behandlung haben. Wenn du stirbst, betest du, dass es deiner Familie gelingt diesen Kreislauf zu entkommen. Du weißt dass sie es - wie du - nicht schaffen werden, dass dein Gebet nicht erhört wird. Aber du betest trotzdem.
"Das das Leben in Afrika ist wie ein langes Gebet", sage ich."
" jeder Augenblick in diesem Land ist ein Fluch. Mama ist an dem Fluch gestorben. Und ich werde auch daran sterben. Außer ich verschwinde."
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