Kalifornien in den 80er-Jahren. Das bedeutet Freiheit, Sex und Rebellion. Mittendrin ein vierzehnjähriges Mädchen, das zwischen ihrer Hippie-Künstlerin-Mutter in L. A. und dem Professoren-Vater in Berkeley hin- und herpendelt. Schmerzhaft wird sie sich der Lügen und Exzesse der Erwachsenen bewusst und antwortet darauf, wie es nur ein Teenager kann. Auf der Suche danach, wo sie hingehört und wer sie werden wird, probiert sie Outfits, Identitäten und Drogen und rast mit uns durch ein Leben zwischen erster Liebe und absoluter Verunsicherung.
Kundinnen und Kunden meinen
3.5/5.0
Sascha Malz
aus Niedersachsen
5/5
24.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
SCHRILL UND TROTZDEM GEFÜHLVOLL
California Girl - Tamar Halpern - Deutsch: Sophie Zeitz - Diogenes Verlag - 2023 - 304 Seiten - Rezensionsexemplar
„Mom beginnt die Lüge, indem sie von der Zeit erzählt, als meine Eltern verheiratet waren. Darüber redet sie fast nie, außer um zu erklären, dass sie mich bekamen, um ihre Ehe zu retten, und sich scheiden ließen, als ich drei war. Im Gegensatz zu meinem Vater (der mir alles erzählt –abwarten) ist sie eine sparsame Geschichtenerzählerin.“
Die vierzehnjährige Tamy erzählt ihre Geschichte, die in den 1980er Jahren spielt und voll ist, von den pubertären Gefühlen eines Teenagers - der in zwei Welten aufzuwachsen gezwungen ist, da Mutter und Vater geschieden sind.
Mit ihrer Hippie-Künstler-Mutter lebt sie in L.A. - mit ihrem (Physik)-Professoren-Vater in Berkeley. Tamy muss sich also in zwei Welten aufhalten - zudem muss sie Freunde, Schule, die erste Liebe und den Freiheitsdrang ihrer Jugend unter einen Hut bringen - was ihr schließlich mehr schlecht als recht gelingt.
Die ganze Story ist geprägt vom Gefühlschaos einer Heranwachsenden, die sich in (leichte) Drogen und Musik rettet. Was sie erzählt, ist eigentlich der normale Verlauf eines jungen Lebens. Sie lernt, sich abzukapseln und sich gleichzeitig mit verschiedenen Menschen und Situationen zu engagieren. Dabei passieren eigentlich keine großen Dinge, jedoch ist für einen Heranwachsenden letztlich alles groß und bedeutsam. Und dies wird hier in einer so erfrischenden und mitreißenden Sprache erzählt, dass man fast selbst mit heranwächst.
Manchmal vielleicht etwas drüber und etwas zu schrill - letztlich aber extrem gefühlvoll, so dass man einfach weiterlesen und mitlesen möchte.
Die „Fußnoten“ am Ende wären (meiner Meinung nach) nicht notwendig gewesen - aber das ist nur ein winziger Kritikpunkt.
Meiner Meinung nach ein Coming of Age Roman, der durchaus von seiner Eindringlichkeit mithalten kann, mit „Der Fänger im Roggen“ - nur eben in einer anderen Zeit.
SimoneF
5/5
07.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
"California Girl" ist ein…
"California Girl" ist ein polarisierender Coming-of-Age-Roman. Die 14-jährige Timey wächst in den 1980ern als Scheidungskind auf, pendeln zwischen de gegensätzlichen Welten von Berkeley in Nordkalifornien und L.A. in Südkalifornien. Sie nimmt alles mit, was die Jugend damals bietet, Sex, Drogen, Rebellion. Sie büchst nachts aus, raucht Gras, klaut und probiert sich auf der Suche nach ihrer Identität aus. Um den Roman wirklich zu verstehen, sollte man mit den Besonderheiten Süd- und Nordkaliforniens der 80er Jahre vertraut sein. Da mir das Wissen hierzu fehlt und ich auch einer jüngeren Generation angehöre, fand ich nie richtig in das Buch hinein. In jedem Fall empfehle ich, das letzte Kapitel "Fußnoten" zuerst zu lesen, da es einige interessante Einblicke und Erklärungen zum Kontext der 80er in Kalifornien bereithält. Die Protagonistin Timey blieb mir leider fremd und ich konnte ihr gegenüber keine Sympathie aufbringen. Ihr ständiger Graskonsum störte mich, und auch mit ihrer rebellischen Haltung konnte ich nichts anfangen. Es gab keine Figur im Buch, die ich sympathisch, vertrauenserweckend oder reif gefunden hätte, und ich fragte mich stellenweise, warum ich das lese. Stilistisch traf Tamar Halpern den Ton einer Teenagerin sehr gut, und das Buch liest sich flüssig und lebendig. Insgesamt haben diese Geschichte und ich jedoch nicht zusammengefunden, doch ich könnte mir vorstellen, ein Buch der Autorin zu einem anderen Thema zu lesen.
hallobuch, Silke Schröder
aus Hannover
5/5
27.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine wunderbare Coming-up-Ages-Story
Tamar Halpern erzählt “California Girl” wie eine autobiografische Geschichte. Die 1980er Jahre waren das letzte Jahrzehnt ohne digitale Medien – quasi der letzte historische Moment, bevor jeder Schritt in unserem Leben digital aufgezeichnet und veröffentlicht werden konnte. So gab es Raum für jede Menge Grenzüberschreitungen im positiven Sinn: Graffitis ohne Kameraüberwachung, Herumknutschen ohne TikTok-Videos, Leben ohne Social Media, sondern einfach Social Analog. Doch zugleich bedeutete dies auch: jede Menge Dunkelzonen für negative Übergriffe, seien es sexuelle, rassistische oder gesellschaftliche. Tamar Halpern ist mit “California Girl” eine wunderbare Coming-up-Ages-Story gelungen, die frei und unbekümmert über diese beiden Seiten, über Licht und Schatten, Schmutz und Brillanz im Leben eines Teenagers der damaligen Zeit erzählt.
In Anschluss an ihre Schein-Autobiografie hat die Autorin jede Menge Fußnoten und Erklärungen beigefügt, die so unterschiedliche Themen wie Geburtenkontrolle und Swinger-Kultur, Anrufbeantworter und die “Just say no”-Kampagne aufgreifen, um zu zeigen, wie weit viele gesellschaftliche Debatten damals noch von unseren heutigen Verhältnissen entfernt waren – und wie alt diese Diskussionen bereits sind.
Kaffeeelse
4/5
02.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Timeys Weg
Timey, ein vierzehnjähriges Mädchen pendelt in den 80er Jahren zwischen ihren geschiedenen Eltern in Los Angeles und Berkeley hin und her. Und ebenso pendelt sie in ihrem Leben hin und her. Sie begehrt auf, sie probiert aus, sie will sich finden. Und dies geschieht in ihrem eigenen Tempo. Sehr langsam, wie ich finde, aber gut sie ist vierzehn, dies darf man nicht vergessen. Rotzig im Ton, was mir sehr gefällt, dann wieder tiefsinnig, dann wieder recht künstlerisch, so kommt dieses Buch rüber. Was das Lesen nicht unbedingt immer einfach macht. Aber nicht nur das Lesen ist teils etwas holprig, nicht so in einem Fluss, auch eine Verbindung zur Hauptfigur wird durch die Gesamtkomposition etwas erschwert. Denn Timey müsste mich eigentlich erreichen, dies passiert nur recht wenig und ich glaube hier nicht, dass dies hier an mir und meiner Wahrnehmung der Hauptfigur lag.
Ebenso habe ich mir mehr Informationen zur Situation in Berkeley erhofft, aber gut, dies muss einer pendelnden Vierzehnjährigen nicht unbedingt auffallen, die ja mehr mit dem Deuten der Dinge beim jeweiligen Elternteil beschäftigt ist und ebenso mit ihrer Zugehörigkeit kämpft. Dann wird auch nicht jede 14-jährige gleich weit sein und gegen die Ungerechtigkeiten der Welt kämpfen, besonders wenn ihr genügend Ungerechtigkeiten in der näheren Umgebung das Leben schwer machen und sie beschäftigt halten. Von daher finde ich das Buch von Tamar Halpern schon recht stimmig und gelungen.
Nur eben der sich verändernde Schreibstil reißt meiner Meinung die Lesenden etwas aus der Thematik und dies sollte verfeinert werden. Aber nicht falsch verstehen, das Buch hat mir gefallen, auch wenn es mir eine andere Welt in den 80ern gezeigt hat, als ich erwartet hatte. Aber da haben wir es wieder, die unsäglichen Erwartungshaltungen, die einem das Leben schwerer machen. Aber völlig verhindern kann man sie nicht. Und wenn ich von einer Jugend in den 80ern lese, vergleiche ich auf jeden Fall. Dies ist glaube ich auch völlig normal. Und dass nicht jede Jugend in den 80ern Erwartungen erfüllt, ist glaube ich ebenso normal. Denn die Örtlichkeiten und die jeweiligen persönlichen Situationen variieren halt. Und Tamar Halpern gelingt es hier eine stimmige Timey zu zeichnen, deren noch interessantere Jahre sicher noch folgen werden, denn mit 14 hat sicher nicht jeder schon gegen das Unrecht der Welt protestiert und ist mit Pauken und Trompeten durch die Stadt gezogen.
ancla_books4life
aus Schwerte
4/5
05.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Teenie in den 80ern
**** Worum geht es? ****
Die Protagonistin erlebt so einiges mit ihren 14 Jahren, zig mal umgezogen, zig mal neu angefangen. Durch die Scheidung ihrer Eltern durchreist sie das Land jedes zweite Wochenende, Freundschaften hier, Freundschaften dort, aber so richtig zur Ruhe scheint sie nicht zu kommen. Pott und Sex sind mit 15 total angesagt und so lebt sie von einer Party in die nächste und vergisst ganz nebenbei zur Schule zur gehen. Stress mit der Mutter ist also vorprogrammiert und so einiges anderes auch. Kann das gut gehen?
**** Mein Eindruck ****
Die Geschichte wird aus der Sicht der Protagonistin erzählt. Szenisch durchleben wir emotionale Hochs und Tiefs einer 14/15 Jährigen, die sich mitten ins Leben von Drogen und Sex ziehen lässt. Ich habe das Gefühl den Klischees der Zeit näher gekommen zu sein und gleichzeitig eben auch die Auswirkungen auf ein Teenager Leben in der Zeit mitbekommen zu haben. Das Ende hat mich mit dem Verlauf der Geschichte versöhnt. Die emotionalen Achterbahnfahrten der Protagonistin habe ich eher unterschwellig miterlebt. Die szenische Darstellung, die ich in der Regel sehr mag, hat hier die emotionale Ebene abgedämpft. Schock, Wut oder Entrüstung konnte ich trotz der drastischen Geschehen nicht durchleben, dennoch fand ich das Leben der Protagonistin interessant und konnte mich auf die Handlungen und Folgen einlassen. Ich bin ein Teenie der 2000er und auch wenn manche Themen damals anders waren, habe ich mich doch auch an einigen Stellen wieder erkannt.
**** Empfehlung? ****
Jeder macht in seiner Jugend eine eigene Rebellion durch und ich finde als dieses kann das Buch überzeugen, sehr gut unterhalten und eben auch eine Botschaft vermitteln. Eine Leseempfehlung für Fans von szenischen Coming of Age Erzählungen.
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