Über den schwarzen Winkel hasten Am Mittag die Raben mit hartem Schrei. Ihr Schatten streift an der Hirschkuh vorbei Und manchmal sieht man sie mürrisch rasten. O wie sie die braune Stille stören, In der ein Acker sich verzückt, Wie ein Weib, das schwere Ahnung berückt, Und manchmal kann man sie keifen hören Um ein Aas, das sie irgendwo wittern, Und plötzlich richten nach Nord sie den Flug Und schwinden wie ein Leichenzug In Lüften, die von Wollust zittern. Fenster, bunte Blumenbeeten, Eine Orgel spielt herein. Schatten tanzen an Tapeten, Wunderlich ein toller Reihn. Lichterloh die Büsche wehen Und ein Schwarm von Mücken schwingt, Fern im Acker Sensen mähen Und ein altes Wasser singt. Wessen Atem kommt mich kosen? Schwalben irre Zeichen ziehn. Leise fließt im Grenzenlosen Dort das goldne Waldland hin. Flammen flackern in den Beeten. Wirr verzückt der tolle Reihn An den gelblichen Tapeten. Jemand schaut zur Tür herein. Weihrauch duftet süß und Birne Und es dämmern Glas und Truh. Langsam beugt die heiße Stirne Sich den weißen Sternen zu.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Helga Rom
aus Innsbruck
5/5
28.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch für's Leben
Die Gedichte von Rainer Maria Rilke heben einen Schleier von unserem Alltag und lassen uns auf eine größere Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit blicken. Rilkes Gedichte lassen immer wieder neue Aspekte erkennen - bei jedem Lesen taucht man tiefer in seine Welt ein. Diese Ausgabe des Insel Verlages vereinigt das Gros von Rilkes Schaffen in einem wertvollen Leinenband. Unbedingt kaufen und Zeile für Zeile aufsaugen!
C. Welser
aus Salzburg
5/5
05.09.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein poetischer Gedankenstrom
Rilkes Gedichte dürfen in keiner Bibliothek fehlen und mit dieser Gesamtausgabe erhält man sie komplett von seinen ersten Zeilen bis zu seinen letzten. Egal ob man sie chronologisch liest oder sporadisch durchblättert, dieser Dichter lässt sich immer wieder neu entdecken und es finden sich Zeilen für eine jede Lebenslage. Sprachgewaltig und berührend beeinflusste er soviele Literaten seiner und der nächsten Generation, dass man bei ihm beginnen sollte wenn man andere verstehen möchte.
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