»Gibson ist so stark wie immer: Mit jedem Satz erschafft er eine Welt.« The New York Times Flynne und Wilf leben auf zwei Seiten des »Jackpots«, der Apokalypse, die gegen Ende des 21. Jahrhunderts große Teile der Menschheit hinweggerafft hat. Jahrzehnte liegen zwischen ihnen, doch als ein Mord geschieht, nimmt Wilf Kontakt zu Flynne auf … Flynnes Heimatdorf liegt an der amerikanischen Ostküste, wo sie ihr Geld in einem 3D-Kopierladen verdient. Dort lebt auch ihr Bruder Burton, der heimlich Computerspiele testet, um seine spärliche Veteranenrente aufzubessern. Flynne springt eines Tages für ihn ein und findet sich in einer virtuellen, dunkelfremden Welt wieder, die an London erinnert. Sie ahnt nicht, dass diese Welt die Zukunft ist, in der Wilf lebt, ein PR-Mann, der Promis betreut und ein Problem hat, als eine seiner Kundinnen ermordet wird. Flynne ist die einzige Zeugin des grausamen Verbrechens – und wird von Wilf mithilfe eines Peripherals über den Zeitsprung hinweg kontaktiert. Dadurch wird sich Flynnes Welt ein für alle Mal ändern, während Wilf erfahren muss, dass die Vergangenheit einen langen Schatten hat und die Zukunft kein Spiel ist.
Das Buch zur Serie THE PERIPHERAL! »Beängstigend, plausibel. Gibson ist nicht nur ein einzigartiger und brillant begabter SF-Romanautor, sondern auch ein sozialer und psychologischer Visionär« The Times »Inspirierende, grandios erzählte Science-Fiction von Altmeister William Gibson.« Neue Presse »Ein raffiniert erdachter, mitreißend umgesetzter Thriller.« Kieler Nachrichten »Gibsons besondere Fähigkeit liegt darin, die Zukunft als ästhetisches Kunstwerk in Szene zu setzen ... dann entwickelt der Roman einen so unglaublichen Sog, dass es schwerfällt, das Buch zur Seite zu legen.« Der Freitag
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
Bewertung
5/5
04.11.2026
Buch (Taschenbuch)
Habe das Buch vor und nach der Serie gelesen. Das Buch ist um einiges besser.
Peripherie ist ein vielschichtiger Science-Fiction-Roman, der zwei Zeitebenen miteinander verschränkt und dabei die Grenzen zwischen virtueller Realität und physischer Existenz, technologischem Fortschritt und gesellschaftlichem Zerfall auslotet. Gibson entwirft eine Zukunft, die weniger durch spektakuläre technische Erfindungen als durch ihre sozialen und politischen Konsequenzen beunruhigt. Während die eine Welt von ökonomischer Prekarität, militarisierter Gewalt und der Macht privater Technologieunternehmen geprägt ist, hat die andere einen Großteil der Menschheit durch eine Katastrophe verloren. Beide Gesellschaften verbindet eine Gegenwart, in der technologische Möglichkeiten und menschliche Ohnmacht in einem eigentümlichen Missverhältnis stehen.
Was ist der Inhalt?
Flynne Fisher lebt in einer amerikanischen Kleinstadt an der Ostküste. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind prekär, Arbeitsplätze rar. Sie verdient ihr Geld in einem 3D-Druckladen und gelegentlich mit Aufträgen als Computerspielerin. Ihr Bruder Burton, ein ehemaliger Marineinfanterist, bezieht eine Veteranenrente wegen neurologischer Schäden, die er während seines Einsatzes in einer Spezialeinheit erlitten hat. Um sein Einkommen aufzubessern, testet er heimlich Computerspiele. Als er Flynne bittet, eine seiner Schichten zu übernehmen, glaubt sie, an einer virtuellen Simulation teilzunehmen. Tatsächlich steuert sie jedoch eine Drohne in einer anderen Zeit und beobachtet dabei einen grausamen Mord. Eine Frau wird auf spektakuläre Weise getötet, ihre Leiche beseitigt. Flynne ist die einzige Zeugin.
Diese andere Zeit liegt rund siebzig Jahre in der Zukunft. Wilf Netherton arbeitet in London als PR-Berater und betreut unter anderem die exzentrische Künstlerin und Prominente Daedra West. Auch seine Gesellschaft hat eine Katastrophe hinter sich: den sogenannten Jackpot, eine Kette aus Klimakrise, Hungersnöten, Pandemien und politischen Zusammenbrüchen, der ein Großteil der Menschheit zum Opfer gefallen ist. Die Überlebenden haben eine technologisch hochentwickelte Zivilisation errichtet, in der eine kleine wohlhabende Oberschicht ein komfortables Leben führt. Roboter und künstliche Körper übernehmen zahlreiche Tätigkeiten. Die Vergangenheit ist für die Privilegierten zu einer Art Freizeitbeschäftigung geworden. Wilfs Freund Lev Zubov, Spross einer mächtigen russischen Oligarchenfamilie, gehört zu den Menschen, die sich für sogenannte Stubs interessieren. Dabei handelt es sich um alternative Zeitlinien, die sich ab dem Moment des ersten Kontakts von der ursprünglichen Geschichte abspalten. Mithilfe eines leistungsfähigen Computersystems in China können Daten zwischen den Zeitlinien übertragen werden. Eine tatsächliche Zeitreise findet nicht statt. Stattdessen lässt sich ein künstlicher Körper, ein Peripheral, in der Vergangenheit steuern. So kann Flynne mit ihrem Bewusstsein in einem menschenähnlichen Roboterkörper in Wilfs London auftreten.
Der Mord, den Flynne beobachtet hat, erweist sich als Ausgangspunkt einer weitreichenden politischen und wirtschaftlichen Auseinandersetzung. Die ermordete Frau, Aelita, hatte offenbar Zugang zu Informationen und Technologien, die für mehrere Interessengruppen von erheblichem Wert sind. Wilf und Lev versuchen herauszufinden, wer hinter dem Verbrechen steckt. Flynne wird dabei zur unverzichtbaren Zeugin. Doch die Ereignisse bleiben nicht auf die Zukunft beschränkt. Die dortigen Machtkämpfe greifen zunehmend in Flynnes Gegenwart ein.
In ihrer Heimatstadt gerät sie in die Gewalt des örtlichen Drogenunternehmers Corbell Pickett, der versucht, sie an die Hintermänner des Mordes auszuliefern. Burton und sein Freund Conner, ein körperlich schwer versehrter Kriegsveteran, greifen ein. Währenddessen werden aus der Zukunft erhebliche finanzielle und technische Ressourcen mobilisiert, um Flynne und ihre Angehörigen zu schützen. Die Kleinstadt wird zum Schauplatz eines Konflikts, dessen eigentliche Dimensionen ihre Bewohner zunächst kaum begreifen.
Auch Wilfs Welt ist keineswegs so friedlich und zivilisiert, wie sie zunächst erscheint. Hinter dem kultivierten Lebensstil der Oberschicht stehen oligarchische Machtstrukturen, politische Intrigen und eine erhebliche soziale Ungleichheit. Die Möglichkeit, in alternative Vergangenheiten einzugreifen, eröffnet neue Formen des Kolonialismus: Die Menschen der Zukunft können andere Zeitlinien wie Entwicklungsgebiete behandeln, in denen sie nach Belieben Einfluss nehmen und ihre Interessen durchsetzen.
Die beiden Zeitebenen entwickeln sich zunehmend parallel. Was in Flynnes Gegenwart geschieht, hat Auswirkungen auf die Zukunft, während die Zukunft mit ihren technischen und finanziellen Möglichkeiten die Verhältnisse in der Vergangenheit verändert. Flynne und ihre Verbündeten werden in eine Auseinandersetzung hineingezogen, die weit über die Aufklärung eines Mordes hinausgeht.
Eine Zukunft ohne Zukunft?
Gibson entwirft zwei Gesellschaften, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Hier die heruntergekommene amerikanische Provinz mit ihren prekären Arbeitsverhältnissen, Drogenökonomie und Kriegsveteranen, dort das mondäne London einer technologisch perfektionierten Nach-Jackpot-Gesellschaft. Doch die Unterschiede sind weniger grundlegend, als es zunächst scheint. Beide Welten werden von ökonomischen Interessen, Gewalt und Machtkonzentration bestimmt. Der technologische Fortschritt hat die gesellschaftlichen Probleme nicht beseitigt, sondern ihnen lediglich neue Erscheinungsformen gegeben. Besonders beklemmend ist die Vorstellung, dass die Menschen der Zukunft ihre eigene Vergangenheit als eine Art Experimentierfeld betrachten. Die sogenannten Stubs sind für sie keine gleichberechtigten Welten mit lebenden Menschen, sondern verfügbare Parallelgesellschaften. Der technische Zugriff auf die Vergangenheit wird damit zu einer neuen Form des Imperialismus. Gibson entwickelt hier eine bemerkenswert konsequente Analogie zwischen Zeitreise und Kolonialismus: Wer über die überlegene Technologie verfügt, kann andere Wirklichkeiten ausbeuten, ohne sich für deren Bewohner verantwortlich fühlen zu müssen.
Dabei ist der Roman weniger eine klassische Dystopie als ein technologischer Gesellschaftsthriller. Gibson interessiert sich für die konkreten Veränderungen des Alltags: für neue Kommunikationsformen, künstliche Körper, automatisierte Dienstleistungen, Überwachungstechnologien und die zunehmende Verschmelzung von Realität und Simulation. Seine Zukunft erscheint nicht als radikaler Bruch mit der Gegenwart, sondern als deren Weiterentwicklung. Gerade darin liegt ihre Beunruhigung.
Die Erzählweise verlangt allerdings Geduld. Gibson wirft seine Leser ohne größere Erläuterungen in eine Welt, deren technische Begriffe, gesellschaftliche Verhältnisse und Machtstrukturen sich erst allmählich erschließen. Vieles wird beiläufig vorausgesetzt, Zusammenhänge ergeben sich erst nachträglich. Diese erzählerische Methode erzeugt zwar eine bemerkenswerte Unmittelbarkeit, kann aber auch ermüdend sein. Insbesondere die zahlreichen Figuren, Organisationen und politischen Verflechtungen machen es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Dennoch liegt gerade in dieser Überfülle eine besondere Qualität. Gibson entwickelt eine Welt, die nicht aus einer einzigen großen Zukunftsvision besteht, sondern aus zahlreichen ineinandergreifenden technischen, sozialen und kulturellen Details. Seine Vorstellungskraft ist weniger auf spektakuläre Erfindungen gerichtet als auf die Frage, wie Menschen mit ihnen leben, welche neuen Abhängigkeiten entstehen und wer von ihnen profitiert. Seine stärkste Pointe liegt darin, dass die vermeintlich fortgeschrittene Zukunft keineswegs eine bessere Gesellschaft hervorgebracht hat. Sie hat lediglich gelernt, ihre Privilegien effizienter zu verwalten und ihre Macht über andere Wirklichkeiten auszudehnen.
Elke
aus Heiligenhaus
3/5
19.11.2022
eBook (ePUB 3)
Naajaa
Ich verfolge gerade die TV-Serie "Peripherie"
Beginnt man mit dem Buch, wird man direkt in die Story hineingeworfen, ohne große Erklärungen, ohne Glossar, ohne Irgendetwas. Quasi nach dem Motto: Lerne gefälligst schwimmen oder geh unter.
Ich fand mich in einer Story wieder, die fast die gesamte Dauer des Buchs über seltsam starr für mich blieb, denn ich war nicht dabei, ich sah nur zu und fragte mich ständig, was DAS nun wieder sein soll. Begriffe werden genannt, unter denen ich mir nichts vorstellen konnte. Zwar erfragt Flynne Einiges, aber auch nicht alles, da auch ihre Zeit in der Zukunft liegt. Und, die TV-Serie hat nicht wirklich viel mit dem Buch gemeinsam. Zumindest bis jetzt nicht. Die Akteure sind identisch, aber allein schon das Wesen der Personen von Flynne und Burton sind quasi vom Buch ausgehend für die TV-Serie vertauscht worden. Das irritiert ungemein.
Am Ende des Buchs bin ich immer noch etwas ratlos, fühle mich nicht vollständig abgeholt. Sorry, aber mir gefällt eindeutig die TV-Serie besser. Ich gebe also 06/100 oder 55/100 Punkte.
PS: Man sagt, es handele sich um eine Trilogie, aber bisher sind nur 2 Bücher erschienen. Auch im Englischen. Und es ist Jahre her... Ich werde keins der weiteren Bücher lesen.
Bewertung
aus Frankenthal
1/5
20.05.2023
eBook (ePUB 3)
Unglaublicher Schrott für Spieler ..
Unfassbar, da nur für eine extreme Minderheit geschrieben. Spielt man nicht exzessiv Online-Spiele in jüngerem Alter, braucht es 100 Seiten, bis man überhaupt eine "Story" erahnen kann .. absoluter Fehlkauf und dafür noch viel zu teuer.
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