Schauplatz Ludwigshafen/Rhein. Im Mai 1939 kommt Ilse Oehler zur Welt. Ihre ersten Lebensjahre: geprägt von Bombenangriffen, Fliegeralarm und Nächten im Bunker. Ihr Elternhaus: pflichtbeflissen und schweigsam. Und so beginnt für die lebenslustige junge Frau ein verzweifelter Kampf um Liebe, Anerkennung, Selbstbestimmung und ein bisschen Freiheit. Bis Ilse um sich herum eine Mauer aus Schweigen baut und die Katastrophe unausweichlich scheint. Ein beeindruckender historischer Roman, hervorragend recherchiert, mit vielen Originalbelegen, Zeitungsberichten und Protokollen aus Ludwigshafen und Mannheim. Ein Schicksal, das exemplarisch ist für viele Kriegskinder und ihren herausfordernden Lebensweg. Und immer offen bleibt die Frage nach der Verantwortung...
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Micha_buecherparadies
aus Riesa
5/5
13.03.2022
Buch (Taschenbuch)
Familiengeschichte
Eine sehr interessante Familiengeschichte, die in der Nachkriegszeit des 2. Weltkrieges spielt und bis in die aktuelle Zeit weiterreicht. Es regt zum Nachdenken an und ich finde das es zumindest zitateweise als Pflichtlektüre in den heutigen Schulen aufgenommen werden sollte.
Von mir definitiv eine Leseempfehlung.
Manuela Hahn
5/5
21.12.2021
Buch (Taschenbuch)
Sei tapfer im Leben
Schauplatz Ludwigshafen/Rhein. Im Mai 1939 kommt Ilse Oehler zur Welt. Ihre ersten Lebensjahre: geprägt von Bombenangriffen, Fliegeralarm und Nächten im Bunker. Ihr Elternhaus: pflichtbeflissen und schweigsam. Und so beginnt für die lebenslustige junge Frau ein verzweifelter Kampf um Liebe, Anerkennung, Selbstbestimmung und ein bisschen Freiheit. Bis Ilse um sich herum eine Mauer aus Schweigen baut und die Katastrophe unausweichlich scheint. Ein beeindruckender historischer Roman, hervorragend recherchiert, mit vielen Originalbelegen, Zeitungsberichten und Protokollen aus Ludwigshafen und Mannheim. Ein Schicksal, das exemplarisch ist für viele Kriegskinder und ihren herausfordernden Lebensweg. Und immer offen bleibt die Frage nach der Verantwortung.
Die Generation Ilses ist die Generation meiner Eltern, genau wie Ilse haben sie als Kinder den Krieg erlebt und die schweren Jahre danach. Karin Lassen lässt uns in ihrem Buch: Sei Tapfer im Leben Die Spuren der Kriegskinder an Ilses Leben teilhaben. Ilse kommt in Ludwigshafen zur Welt und ihre ersten Lebensjahre sind geprägt vom Kriegsgeschehen. Die Autorin erzählt von ganz alltäglichen Dingen, den Schwierigkeiten, die allein die tägliche Versorgung der kleinen Familie für ihre Mutter Hedwig bedeuten und dazu die über allem schwebende Angst.
Die Geschichte spielt ab dem 2. Weltkrieg und wird von der Autorin bis zu Gegenwart erzählt, das Hauptaugenmerk liegt auf Ilse und der Beziehung zu ihren Eltern. Ilse ist eine lebenslustige junge Frau, als sie ungewollt schwanger wird und sich den damaligen Konventionen beugt und heiratet, mangels einer Wohnung zieht sie mit ihrem Mann in die elterliche Wohnung wo es aufgrund der Enge bald zu Spannungen kommt, die Geburt des kleinen Udo verschärft die Situation noch. Nach der unausweichlichen Scheidung zieht Ilse aus und lässt ihren Sohn in der Obhut der Eltern. Ein Fehler wie sich schon bald herausstellt.
Ilses Geschichte ist exemplarisch für die Geschichte vieler Kriegskinder, deren Eltern nur das Beste für ihre Kinder wollten, *sie sollten es einmal besser haben* Ich konnte Ilses Reaktionen und Taten nicht immer nachvollziehen, vor allem konnte ich nicht verstehen, warum sie ihre Eltern als die *Bösen* sah, denn diese haben sich in meinen Augen immer bemüht, ihre Tochter zu unterstützen, auch wenn sie nicht mit Kritik sparten. Ilse empfindet diese Sorge als Kontrolle und Einmischung. Und selbstverständlich haben auch sie Fehler gemacht, in dem sie nie mit ihrer Tochter über den Krieg sprachen, über die Ängste während der Bombennächte. Sie glaubten daran, dass Kinder schnell alles Schreckliche vergessen und verwechselten das mit Verdrängung. Ilse ist eine Meisterin der Verdrängung, ihre Probleme brechen sich allerdings mit ihrem Renteneintritt Bahn.
Zu ihrer Tochter Birgit aus ihrer zweiten Ehe hat Ilse ein, wie zunächst aussieht, gutes Verhältnis, man trifft sich regelmäßig bei Birgit oder in der Stadt zum Kaffeetrinken, doch an Ilses 75. Geburtstag fällt Birgit auf wie gebrechlich ihre Mutter geworden ist und wie schwer ihr das Alltägliche im Leben fällt, natürlich bietet sie ihr Hilfe an, die Ilse rigoros ablehnt, sie wolle ihr nicht zu Last fallen und vor allem nicht kontrolliert und bevormundet werden. Birgit lässt sich immer wieder abwimmeln und es dauert bis sie alles in einem klaren Bild sieht.
Ich könnte euch noch stundenlang von diesem Buch erzählen, die Geschichte erklärt vieles von dem Verhalten der Kriegskindergeneration, sie schweigen und behalten ihre Erinnerungen für sich, sofern sie sich bewusst überhaupt an die Erlebnisse erinnern. Heute weiß man, dass Kriegstraumata behandelt werden müssen (was nichts daran ändert, dass es nicht genügend Therapeuten gibt).
Karin Lassen hat mit dieser Familiegeschichte, vielleicht den Grundstein für Gespräche in den Familien gelegt, deren Eltern noch immer leiden.
Sei tapfer im Leben bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung.
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