literaturbine (ehemalige Buchhändlerin Osiander) aus Speyer am 11.05.2023
Bewertungsnummer: 1939691
Bewertet: Hörbuch-Download
Sörensen, Kriminalkommissar mit einer Angststörung, wohnt und leitet das Kommissariat in Katenbüll, einem Dorf hinter einem Deich in der Nähe der Nordsee. Ruhe und wenig Aufregendes macht das Leben in dem Örtchen aus. Als bei einem Fest ein Auto in die Menge rast und mehrere Menschen sterben, beginnen Sörensen und sein Team wieder zu ermitteln.
Dies ist der 4. Band mit diesem liebenswerten und wunderbar schrulligen Kommissar, der immer das Herz auf der Zunge trägt, in jedes Fettnäpfchen tritt und ein großes Herz hat. Dazu kommt noch eine große Portion Humor, dass man als Hörer und Leser viel zu lachen hat.
Autorenlesungen sind selten gut, das muss ich so ehrlich sagen aber Sven Stricker liest seine Bücher hervorragend, da seine Stimme in ihrer Unaufgeregtheit einfach zu Sörensen passt. Ein Hör- und Lesevergnügen!
Sörensen sieht Land
Sabine aus Köln am 29.04.2026
Bewertungsnummer: 3123461
Bewertet: Hörbuch-Download
Auch wenn in Katenbüll vermeintlich die Uhren sehr langsam ticken, kehrt einfach keine Ruhe ein: Diesmal wird die beschauliche Nordsee-Idylle durch einen Amoklauf erschüttert, der viele Opfer fordert. Während Sörensen und sein Team versuchen, das Unfassbare aufzuklären, rückt ausgerechnet Malte, der ehemalige Praktikant, auf unangenehme Weise ins Zentrum der Ermittlungen. Und auch privat hat Sörensen kaum Luft zum Atmen: Sein Vater taucht plötzlich auf und trägt ein Geheimnis mit sich herum, während die Angststörung einfach nicht verschwindet und Sörensen immer wieder anpiekst.
Der Kriminalfall ist in sich abgeschlossen, dennoch wird gerade in diesem Band sehr klar, wie wichtig die Vorkenntnisse der Vorgänger sind. Ohne die wird man nicht in den kompletten Genuss dieses Teils kommen können.
Das Buch knüpft nahtlos an die bisherigen Geschehnisse an, und ich fand es schön, alte Bekannte wiederzutreffen: Jenny, die sich von Katenbüll trennen will, Käse-Käthe, deren lautes Mundwerk nur kurz verstummt, Oberbürgermeisterin Dietz, natürlich auch Malte und vor allem Sörensen.
Sörensen ist wirklich ein nahbarer Charakter! Ich mag seine ungeschickte, fast tapsige Art, die diesmal vor allem im Umgang mit Jenny deutlich wird. Sein offener Umgang mit der Angsterkrankung macht ihn für mich menschlich und greifbar. Er ist kein Superheld, sondern ein zweifelnder Mann mit trockenem, oft ironischem Humor. Aber auch die anderen Charaktere, egal ob „alte Bekannte“ oder neue Gesichter, sind sehr gut gestaltet jeder bekommt eine eigene Geschichte, und von mir dann auch ein „eigenes Gesicht“.
Der Kriminalfall selber ist sehr gut durchdacht – zunächst scheint offensichtlich, wer für den Amoklauf bzw. die Amokfahrt verantwortlich ist, nur Sörensen und seiner haftenden Art, das Offensichtliche nicht glauben zu wollen, ist zu verdanken, dass er immer wieder neue Aspekte entdeckt und so schließlich den wahren Täter finden kann. Ich hatte keine Idee, wer es denn wirklich gewesen sein könnte, fand aber auch das Motiv etwas weit hergeholt. Aber – es ist nicht immer verständlich, warum Menschen handeln, wie sie es tun, und so sehe ich das auch in diesem Fall. Das heißt aber nicht, dass die Auflösung zu konstruiert ist, sie ist durchdacht und in sich schlüssig.
Der Schreibstil von Sven Stricker ist sehr besonders und hat mich auch diesmal wieder abholen können. Es ist beeindruckend, wie er die Waage zwischen Tragik und Komik halten kann – während ich in dem einen Moment auflachen muss, bleibt mir im nächsten Augenblick das Lachen direkt im Halse stecken.
Und auch diesen vierten Band hat der Autor wieder selbst eingelesen: Seine Stimme ist für mich inzwischen untrennbar mit Sörensen verbunden. Sie ist besonders und hat einen hohen Wiedererkennungswert – und Sven Stricker weiß einfach, die unterschiedlichen Stimmungen gut einzufangen.
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