Das Erbe seines Vaters hat Lukas Bärfuss ausgeschlagen: Es waren vor allem Schulden. Die markante Nase seines Vaters hat er dagegen schon an seinen eigenen Sohn weitervererbt. Den Genen entkommen wir nicht, doch wie steht es um ein auf Privatvermögen zielendes Erbrecht, das uns, obwohl kaum hundert Jahre alt, wie ein Naturgesetz vorkommt? Wie steht es um die Verantwortlichkeit jenseits der familiären Bindung, wie steht es um die Teilhabe der Nachgeborenen, deren Schicksal wir bestimmen mit dem, was wir ihnen hinterlassen, unser Erbe, unseren Müll? Antworten werden sich nicht finden lassen, solange das planende Denken vor dem Wegfall aller Selbstverständlichkeiten die Augen verschließt, solange es sich einer Enttäuschung verweigert, die uns die wichtigen Fragen erst ermöglichen würde: Wollen wir weiter so leben wie bisher? Und wenn nicht: wie dann?
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
5/5
27.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Jeder Satz sitzt
Neugierig auf die autobiografische Geschichte habe ich begonnen zu lesen, mein erstes Buch von Lucas Bärfuss. Ich habe es in einem Rutsch zu Ende gelesen, fasziniert von den Verknüpfungen und Kreisen die er zieht, hochpolitisch gleichzeitig persönlich betroffen, verletzt und dennoch dem Vater in Würde begegnend. Das Buch ist ein Gewinn und macht mich neugierig auf Weitere von ihm. Mein Respekt für einen funkelnden Geist, einen großen Intellektuellen.
Birkatpet
aus Wesseling
3/5
20.11.2024
eBook (ePUB 3)
Tiefgründig
In "Vaters Kiste" verarbeitet Lukas Bärfuss die Geschichte seines verstorbenen Vaters und reflektiert ihre schwierige Beziehung. Nach dessen Tod entdeckt der Erzähler eine Kiste mit persönlichen Gegenständen und Dokumenten, die ihn auf eine Spurensuche in die Vergangenheit führt. Diese Kiste, die auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, enthüllt nach und nach die versteckten Seiten eines Lebens, das vom Scheitern, von Träumen und innerer Einsamkeit geprägt war.
Bärfuss gelingt es, durch eine klare und sachliche, aber dennoch eindringliche Sprache eine Atmosphäre zu schaffen, die tief unter die Oberfläche geht. Der Text wirkt introspektiv und fordert die Auseinandersetzung mit der Frage, wie sehr man die eigenen Eltern wirklich kennt und inwiefern ihre Lebensentscheidungen die eigenen beeinflussen.
Die Erzählung ist keine einfache Lektüre, sondern eine stille, nachdenkliche Erkundung von Verlust, familiären Bindungen und der Suche nach dem eigenen Platz im Gefüge der Familiengeschichte. Für Leser, die Interesse an autobiografisch geprägten und emotional tiefgründigen Geschichten haben, bietet "Vaters Kiste" eine eindringliche Reflexion über Herkunft und Erinnerung.
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