So, kommen wir also zu Band III. Nachdem im ersten Band »Die Pranken des Löwen« die Vorgeschichte und im zweiten Band »Das Herz des Löwen« die Geschichte von Robert Fitzooth, dem späteren Earl von Huntingdon, als Teilnehmer des dritten Kreuzzuges unter Richard I., genannt Löwenherz, erzählt wurde, geht es in »Das Blut des Löwen« nun in eine andere, aber nicht minder spannende Richtung.
Diesmal verlagert Mac P. Lorne die Handlung stärker auf die politischen und persönlichen Konflikte nach den Kreuzzügen. Robin und Marian leben inzwischen im Auftrag Eleonores in der Gascogne und beschützen Richards unehelichen Sohn Fulke. Schon diese Ausgangslage macht klar, dass es hier nicht einfach nur um Abenteuer im klassischen Sinne geht, sondern um Macht, Loyalität, Gefahr und die Frage, wie man sich in einer zunehmend bedrohlichen politischen Lage behauptet. Genau daraus zieht der Roman seine Spannung.
Mit der Zeit entwickelt sich der Kampf um Leben und Tod weiter, denn Johann Ohneland, der inzwischen König des Angevinischen Reiches ist, versucht seine Macht zu festigen – und scheitert dabei auf gefährliche Weise. Wieder einmal muss Robin nach England zurückkehren, um das Land aus den Klauen des Bösen zu befreien. Hierbei bekommt er Hilfe von unerwarteter Seite, was der Geschichte noch einmal zusätzliche Dynamik verleiht. Gerade solche Wendungen machen den Reiz dieser Reihe aus, weil sie die bekannte Robin-Hood-Sage immer wieder um historische und erzählerische Facetten erweitern.
Was mir an »Das Blut des Löwen« besonders gefällt, ist die Mischung aus Abenteuerroman, historischer Einbettung und dramatischer Zuspitzung. Die Handlung bleibt über weite Strecken spannend, weil sie nicht nur die bekannten Motive aufgreift, sondern sie in einen größeren politischen Zusammenhang stellt. Dadurch wirkt das Ganze reifer, dichter und zugleich auch ernsthafter als eine bloße Nacherzählung der Legende.
Auch dieser dritte Band zeigt wieder sehr schön, wie konsequent Mac P. Lorne seine Robin-Hood-Reihe aufgebaut hat. Die Bücher stehen zwar in einem gemeinsamen Zusammenhang, entwickeln aber jeweils eigene Schwerpunkte und verleihen der Geschichte dadurch Tiefe und Breite. Genau das macht die Reihe so hörens- oder lesenswert: Man bekommt nicht einfach nur den altbekannten Mythos, sondern eine über mehrere Bände ausgearbeitete historische Erzählung, die den Stoff neu beleuchtet.
Wie schon die ersten beiden Bände kann ich auch »Das Blut des Löwen« sehr empfehlen. Wer die Reihe bisher mochte, wird auch hier wieder bestens bedient. Die Geschichte ist spannend, unterhaltsam und gut erzählt, und sie führt die Reihe auf überzeugende Weise weiter.
Robin Hood wird lebendig
Eliza am 06.11.2023
Bewertungsnummer: 2062973
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Historische Fakten verknüpft mit einer Abenteuergeschichte. Robin Hood wird durch diesen Roman wieder lebendig. In der Handlung geht es um Robin Hood, der zusammen mit Marian in der Gascogne lebt um seinen „Ziehsohn“ Fulke, den illegitimen Sohn von König Richard, vor dem grausamen König Johann ohne Land zu schützen versucht. Doch bald droht Gefahr für Fulke. Somit zieht Robin mit Fulke nach Spanien zu den Mauren. Dort kommt es zu Konflikten. Fulke sowie Robins Heimat sind in Gefahr. Wird es Robin mit seinen Verbündeten schaffen seine alte Heimat zu schützen und gegen König John bestehen?
Von Robin Hood haben viele Lesenden bereits einmal gehört. Allerdings nicht so facettenreich wie dieser Charakter hier dargestellt wurde. Obwohl er ein starker Kämpfer mit Schwert und Bogen ist beweist er doch viel mehr als nur Kampfeskunst. Er beweist politisches Geschick, ist barmherziger Freund der Armen und Schwachen sowie überzeugt mit einer besonderen Weitsicht gewisse Prozesse vorauszuahnen. Ich war von seinem facettenreichen Charakter sehr begeistert. Auch seine Frau Marian ist sehr vielfältig. Als Frau ist sie ihrer Zeit voraus und ist mehr als die Frau von Robin, sondern beweist mehr als nur einmal, dass sie ihren eigenen Kopf hat und vor Gefahren fast genauso wenig zurückschreckt wie ihr Gatte. Neben Fulke, den Gefährten von Robin wie Little John oder Bruder Tack abgesehen sorgen die zahlreichen Nebendarsteller für Abwechslung und unterschiedliche Charaktertiefen in der Handlung. Die Erzählung umspannt ungefähr 14 Jahre und ist trotz mancher Zeitsprünge gut und verständlich lesbar. Gehoben und mit einer mittelalterlichen Sprachfärbung versehen ist der der Schreibstil des Autors angenehm. Aufgrund vieler kleinen Teilhöhepunkten ist diese Erzählung bis zum Schluss sehr spannend und sorgt für Kurzweile. Dem Autor war es wichtig die historischen Fakten so darzustellen, wie sie niedergeschrieben sind. Dies ist ihm sehr gut gelungen. Trotzdem wirkt diese Geschichte sehr lebendig und ich als Leser hatte eine helle Freude mit diesem Roman. Ein Personenverzeichnis, eine Zeittafel, ein Glossar sowie eine Bibliographie sind die zusätzlichen Infos, die der Autor bzw. Verlag den Lesenden zur Information zur Verfügung stellt. Das Fazit ist sehr positiv. Wer einen lebendigen und vielseitigen Robin Hood erleben möchte und das in einem historisch sehr gut recherchierten Kontext wird in diesem Roman viele Wünsche erfüllt bekommen.
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