Eines Tages erhält Jana, Zukunftsforscherin aus Freiburg, ein Paket von einem ihr unbekannten Mann. Der Busfahrer Johan schickt ihr einen Kalender zurück, den sie in einer Telefonzelle in Neumünster vergessen hat. Es entspinnt sich die intensive Korrespondenz zweier Fremder. Während Johan der verlorene Kontakt zu seiner Tochter aus der Bahn geworfen hat, reißt sein Paket bei Jana ebenfalls alte Wunden auf. Bald finden die Schreibenden heraus, dass ihre Biografien nicht nur ungeahnte Parallelen haben, sondern auch eine ganz konkrete Überschneidung in der Vergangenheit. Könnte ihnen das die Chance eröffnen, sich mit dem Schicksal zu versöhnen?
Zwei Jahre lang schrieben sich Anne von Canal und Heikko Deutschmann als Jana und Johan – ohne je etwas anderes abzusprechen als den Anfang: Der eine findet etwas, was die andere verloren hat. Alles Weitere überließen sie den Figuren und der Zeit. Entstanden ist ein wendungsreicher, zuweilen komischer, vor allem aber zutiefst berührender Briefwechsel.
Kundinnen und Kunden meinen
3.7/5.0
Bewertung
5/5
24.02.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Anfangs dachte ich, mich erwartet...
Anfangs dachte ich, mich erwartet ein Roman nach "Gut gegen Nordwind" - Vorbild. Aber dieses Buch ist wesentlich intensiver, klüger, ernsthafter und fast schon philosophisch. Kein Schmöker sondern eine Bereicherung!
LiteraTüren
5/5
18.01.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Anne von Canal & Heikko Deutschmann: I get a bird
In der Einfachheit steckt nicht selten Genialität. Wie einfach es ist, zu zweit ein gutes Buch zu schreiben, zeigen Anne von Canal und Heikko Deutschmann in „I get a bird“.
Die Handlung ist schnell umrissen. Johann schickt Jana ein Paket mit Fundstücken, die er in einer Telefonzelle entdeckte. Daraus entsteht eine Korrespondenz zwischen zwei Menschen, die auf den ersten Blick verschiedener nicht sein könnten.
Nun, das Paket in Johann weckt in Jana Erinnerungen, denen sie sich möglicherweise in der Vergangenheit nicht ausreichend stellte. Johann hingegen, scheint mehr Vorfälle aufzuarbeiten zu haben. Nicht ohne Grund ist er an eine Tagesklinik für psychisch Kranke angebunden.
Aus der Korrespondenz gehen Gemeinsamkeiten zwischen Jana und Johann hervor, die sogar sehr konkret sind. Gemeinsamkeiten sind ein gutes Stichwort: Auch dieses Buch entstand durch die Kommunikation zwischen zwei Menschen.
Die Autorin und der Autor haben die Handlung beinahe unabhängig voneinander vorangetrieben. Allein der Anfang war gesetzt. Auf diese Weise entstand ein authentisch wirkender Briefroman mit überraschenden Wendungen, wie sie vielleicht nur durch zwei verschiedene Autorinnen und Autoren hervorgebracht werden können.
Ebenfalls ist der im Vorwort vertretene Einfall, auf der Grundlage von Bildern zu schreiben. Älteren Bildern, die offen sind, für eine neue Ein- und Zuordnung. Bilder sind ein Zugang zu dieser Welt.
Wir haben gelernt, dass sich guter Stil unter anderem durch kleine Neuigkeiten auszeichnet. Bei von Canal und Deutschmann sind es insbesondere die „neuen“, dezent gesetzten Adjektive, die wie beim „bedenkengeplagten Blick“ zu überzeugen wissen.
umgeBUCHt Blog
aus Weeze
4/5
24.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein humorvoller und berührender Briefroman
Briefromane mag ich gern, von Anne von Canal wollte ich immer mal etwas lesen und dass dieser Roman im mare Verlag erschienen ist, einem von mir hochgeschätzten Verlag, von dem mich bislang noch kein Buch enttäuschte, gab wohl den entscheidenden Ausschlag dafür, dass ich mich für dieses Buch interessierte. Kein Fehlgriff, denn ich habe bis zum Schluss immer wieder gern zu „I get a bird“ gegriffen, um die Protagonisten besser kennenzulernen und zu erfahren, was es mit ihrer Geschichte auf sich hat.
Eines Tages erhält Jana (Jahrgang 1971), eine als Fahrradkurier jobbende Zukunftsforscherin aus Freiburg, ein Paket von einem ihr unbekannten Mann. Der in einer Tagesklinik behandelte Busfahrer Johan (Jahrgang 1972) schickt ihr einen Kalender zurück, den sie vor drei Jahren in einer Telefonzelle in Neumünster vergessen hat. Es entspinnt sich eine immer intensiver werdende Korrespondenz zweier Fremder.
„Ich erzähle Ihnen von meinem Alltag, weil ich hoffe, dass es Sie aus dem Konzept bringt, von etwas zu lesen, das weder mit Ihnen noch mit diesem Päckchen zu tun hat. Ich will einen Raum schaffen für die fällige Entschuldigung. Einen tatsächlichen Raum. Ich möchte, dass Sie sie hören, sie wahrnehmen.“ (S. 13)
Während Johan der verlorene Kontakt zu seiner Tochter aus der Bahn geworfen hat, reißt sein Paket bei Jana ebenfalls alte Wunden auf. Bald finden die Schreibenden heraus, dass ihre Biografien nicht nur ungeahnte Parallelen haben, sondern auch eine ganz konkrete Überschneidung in der Vergangenheit. Allmählich werden ihre Gedanken klarer, sie reagieren immer mehr auf einander und lernen sich immer besser durch den Briefkontakt kennen.
„Alles, was ich erzähle, beinhaltet gleichzeitig auch alles, was ich nicht erzähle. Alles, was ich beschreibe, ist bereits eine Interpretation, selbst wenn ich eisern auf Kommentare verzichte. Egal, was und wie ich es am Ende formuliere – es ist doch meine Geschichte, meine Auswahl, meine Sicht. Subjektiv verzerrt.“ (S. 177)
Doch sie philosophieren nicht nur über die Begebenheiten in ihrem kleinen Mikrokosmos am Rande der Gesellschaft, sondern erreichen durch das Schreiben einander und finden wieder den Kontakt zu ihren eigenen Lebensgeschichten, die auch für den Leser dieses Briefromans nach und nach begreifbar werden.
Abgebildet werden 5 Monate Briefwechsel der Protagonisten, tatsächlich schrieben sich die beiden Autoren jedoch zwei Jahre lang für diesen Briefroman, ohne je etwas anderes abzusprechen als den Anfang. Alles Weitere überließen sie den Figuren und der Zeit. Entstanden ist ein wendungsreicher, gelegentlich humorvoller, vor allem aber berührender Briefwechsel.
Anne von Canal, geboren 1973, ist Autorin und Übersetzerin. Ihre schriftstellerische Arbeit wurde mit einem Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds und zahlreichen internationalen Aufenthaltsstipendien ausgezeichnet. Bei mare erschienen ihre Romane „Der Grund“ (2014) und „Whiteout“ (2017) sowie der Inselband „Mein Gotland“ (2020).
Heikko Deutschmann lebt als Schauspieler, Autor und Filmemacher in Berlin. Seiner Leidenschaft fürs Lesen und Vorlesen verdanken sich zahlreiche preisgekrönte Hörbücher. „I get a bird“ ist das erste Buch, das er unter eigenem Namen veröffentlicht.
SalMar
3/5
24.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Geniale Idee, spannende Entwicklung, aber (für mich) unnahbare Protagonisten
Jana und Johan haben sich nie getroffen und doch kommt durch einige Zufälle ein Briefwechsel zustande, der zunächst kühl und zögerlich beginnt, aber mit der Zeit tiefe Einblicke in die Gedanken der Protagonisten liefert.
Die Idee, dass zwei Autoren lediglich einen Ausgangspunkt abstimmen und dann unabhängig voneinander eine Geschichte abwechselnd weiterspinnen, noch dazu als Briefroman, hat mich schlichtweg begeistert. Die Entwicklung im Buch finde ich auch richtig toll – wie sich der Briefwechsel intensiviert und die Geschichten der beiden ineinander verflechten, das ist spannend und ein kleines Meisterwerk.
Allerdings bin ich mit beiden Protagonisten, die hier ja auf jeden Fall Dreh- und Angelpunkt der Geschichte sind, einfach nicht warm geworden. Insbesondere Johan war mir einfach zu viel, zu extrem. Vielleicht hatte ich hier aber auch einfach falsche Erwartungen an das Buch bzw. die Figuren.
Es ist auf jeden Fall keine leichte Lektüre und fordert dem Leser, trotz der wenigen Seiten, einiges ab. Jemandem, der genau das sucht, würde ich das Buch (mit der vorstehenden Einschränkung) dann doch empfehlen.
SalMar
3/5
24.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Geniale Idee, spannende…
Geniale Idee, spannende Entwicklung, aber (für mich) unnahbare Protagonisten Jana und Johan haben sich nie getroffen und doch kommt durch einige Zufälle ein Briefwechsel zustande, der zunächst kühl und zögerlich beginnt, aber mit der Zeit tiefe Einblicke in die Gedanken der Protagonisten liefert. Die Idee, dass zwei Autoren lediglich einen Ausgangspunkt abstimmen und dann unabhängig voneinander eine Geschichte abwechselnd weiterspinnen, noch dazu als Briefroman, hat mich schlichtweg begeistert. Die Entwicklung im Buch finde ich auch richtig toll – wie sich der Briefwechsel intensiviert und die Geschichten der beiden ineinander verflechten, das ist spannend und ein kleines Meisterwerk. Allerdings bin ich mit beiden Protagonisten, die hier ja auf jeden Fall Dreh- und Angelpunkt der Geschichte sind, einfach nicht warm geworden. Insbesondere Johan war mir einfach zu viel, zu extrem. Vielleicht hatte ich hier aber auch einfach falsche Erwartungen an das Buch bzw. die Figuren. Es ist auf jeden Fall keine leichte Lektüre und fordert dem Leser, trotz der wenigen Seiten, einiges ab. Jemandem, der genau das sucht, würde ich das Buch (mit der vorstehenden Einschränkung) dann doch empfehlen.
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