Gottfried Kellers "Züricher Novellen" versammeln Erzählungen, in denen Zürcher Geschichte, bürgerliche Erinnerung und individuelle Lebenswege kunstvoll ineinandergreifen. Von "Hadlaub" über "Der Narr auf Manegg" bis zu "Ursula" entfaltet Keller ein Panorama vom Mittelalter bis zur Reformationszeit, ergänzt durch das politisch pointierte "Fähnlein der sieben Aufrechten". Sein Stil verbindet historische Anschaulichkeit, ironische Distanz und die genaue Beobachtung des poetischen Realismus; Vergangenheit erscheint nicht museal, sondern als Prüfstein moderner Gemeinwesen. Keller, 1819 in Zürich geboren, war nicht nur einer der bedeutendsten Erzähler des deutschsprachigen Realismus, sondern auch ein politisch wacher Bürger seiner Stadt. Die frühe Ausbildung zum Maler, journalistische Erfahrungen, demokratische Überzeugungen und seine Tätigkeit als Zürcher Staatsschreiber prägten seinen Blick auf Institutionen, Charaktere und kollektive Selbstbilder. Die Novellen entstehen aus dieser doppelten Kompetenz: künstlerischer Formkraft und historisch-politischer Vertrautheit. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die historische Erzählkunst ohne pathetische Verklärung schätzen. Keller bietet keine bloße Heimatliteratur, sondern eine kluge Untersuchung von Freiheit, Verantwortung, Erinnerung und bürgerlicher Tugend. Wer verstehen möchte, wie Literatur lokale Geschichte in allgemeine Menschenkenntnis verwandelt, findet hier ein Meisterwerk von anhaltender geistiger Frische.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Odilie
aus Bremen
5/5
10.04.2025
Hörbuch
Ich bewundere diesen Verlag!
Unglaublich finde ich dieses Hörbuch!
Viele Stunden Genuss für Ihre Ohren.
Jede dieser 5 Novellen beschäftigt mich intensiv. Es ist eine Freude den Sprechern zuzuhören.
In den Booklets sind alle Hörtexte abgedruckt. Besonders beeindruckt hat mich im dritten Beibuch das sorgfältige Glossar, das mir wirklich jede Frage beantwortet und mit Hinweisen auf den Gebrauch einzelner Wörter z.B. in der Strauss Oper "Rosenkalavier" einen Verständnisraum öffnet, den ich so nicht erwartet hatte.
Abgerundet wird das Ganze von zwei Essays.
Jetzt wünsche ich uns allen mindestens einen "fünffachen Spiegel der Erinnerung" und ein Leben im "Turme der Freundschaft" ! (Drittes Booklet. S.59 und 60).
Viel Freude wünsche ich Ihnen beim Hören und Lesen.
Dem Verlag danke ich herzlich für diese "Zauberschachtel"!!!
Bewertung
aus Wien
5/5
05.09.2022
eBook (ePUB)
In der Zeit
Keller ist immer noch erstaunlich zeitgemäss. Der grüne Heinrich hat mich in meiner Jugend begleitet. Die Züricher Novellen (müssten korrekt schweizerisch Zürcher Novellen heissen) sind kleine Kunstwerke. Der Höhepunkt ist die Rede des Sohns des Schneidermeisters auf dem Schützenfest. Sie wird in Meinrad Inglins Schweizerspiegel erwähnt, da musste ich mir gleich das Buch von Keller kaufen und "das Fähnlein der sieben Aufrechten" lesen.
Bewertung
aus Zollikerberg
5/5
18.06.2021
Buch (Taschenbuch)
Züricher Novelle Gottfried Keller
Schöne Diogenes Ausgabe, alles in Ordnung, angenehm zu lesen, übersichtlich und einladend
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