Der verlassene jüdische Friedhof S¿ubice gehört zu Frankfurt an der Oder, liegt aber auf polnischem Staatsgebiet. An diesem besonderen Ort begegnet die Archäologin Mi-Ra zum einen dem Friedhofswärter Artur, zum anderen Horatio Beeltz, einem seltsamen, aus der Zeit gefallenen Verleger, der nicht nur alles über die Gegend weiß ¿ sondern erstaunlicherweise auch viel über Mi-Ra und Artur. Mi-Ra hat ihre traumatische Kindheit bloß halb überwunden; Artur lebt nach dem Tod seiner kleinen Tochter wie betäubt in einer nahezu wortlosen Ehe. Dann eröffnet ihnen Horatio Beeltz Ungeheuerliches: Er habe auf dem Friedhof in S¿ubice einen Zeitriss entdeckt, über den es möglich sei, in die eigene Vergangenheit zu reisen. Falls sich Mi-Ra und Artur dazu entschieden, könnten sie an bestimmten Stellen in ihrem früheren Leben eine andere, vielleicht bessere Entscheidung treffen und den Dingen eine neue Wendung geben ¿
Berni Mayer zeigt in seinem originellen, ebenso lakonisch wie elegant erzählten Roman, dass es nicht immer die offensichtlichen Fehlentscheidungen sind, die die Welt ins Unglück stürzen, und dass es manchmal Umwege braucht, um die Wunden zu heilen, die das Leben schlägt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Bewertung
5/5
01.05.2023
eBook (ePUB)
Sollte man seine eigene Vergangenheit ändern können?
Seit ein paar Monaten habe ich meinen eigenen Blog mit dem Namen Zeitreisenzauber. Hier geht es um Geschichte, Ahnenforschung und mein Leben. Und dann entdecke ich dieses Buch in dessen Klappentext es heißt: „(...) Er habe auf dem Friedhof in Slubice einen Zeitriss entdeckt, über den es möglich sei, in die eigene Vergangenheit zu reisen. (...)“ Zeitreise und eigene Vergangenheit als Thema in einem Buch? Ich wusste, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss und kann nur sagen, dass es sich gelohnt hat.
Dieses Buch erzählt die Lebensgeschichten dreier wunderbarer Protagonisten, die einen immer wieder zum Nachdenken anregen. Neben den Lebensgeschichten geht es um die Themen Zeit, Grenzen und eigene Begrenzung. Doch auch, wenn Zeitreisen den Inhalt des Buches bestimmen, so ist es ein zeitgenössischer Roman und kein Werk der Science-Fiction.
Dieses Buch überschreitet nicht nur die Grenzen von Raum und Zeit, sondern spielt in Deutschland und Polen, bewegt sich zwischen Frankfurt an der Oder und Warschau. Damit werden Länder- und Ortsgrenzen überschritten. Wir begleiten in dem Buch die drei Hauptfiguren, die Archäologin Mi-Ra, den Friedhofswärter Artur und den Verleger Horatio Beeltz. Sie alle führen völlig unterschiedliche Leben, doch egal wie unterschiedlich sie sind, so gibt es Punkte, die sie eint: Jeder hat irgendein Interesse an dem Friedhof Slubice in Frankfurt an der Oder und jeder trägt sein eigenes Trauma mit sich. Was wäre nun also, wenn es einen Ort gäbe, an dem Zeitreisen möglich wären und wie verlockend wäre es, wenn man in die eigene Vergangenheit reisen könnte, um die Fehler in der eigenen Biografie zu korrigieren?
Was mich an dem Buch begeistert hat, sind die vielen Fragen, die es in mir geweckt hat. Ich habe viel über Zeitreisen nachgedacht und auch darüber, was es bedeuten könnte, wenn man in die eigene Vergangenheit gehen und Fehler „korrigieren“ könnte. Was hätte dies für Auswirkungen und Folgen auf das eigene Leben? Was würde dies mit unserer Persönlichkeit und mit unserem Charakter machen, wenn wir aus den gemachten Erfahrungen nicht mehr lernen könnten, weil wir diese korrigiert hätten? Aber es waren auch einige Theorien zu Zeitreisen dabei, wie z.B. das Großvaterparadoxon, welches mich neugierig und zum nachdenken angeregt hat.
Das Cover dieses Buches ist wunderbar schlicht gehalten. Die Sprache des Buches ist lakonisch und das Buch durchgehend gut geschrieben. Der Autor erzählt die Geschichte „einfach so vor sich hin“, was aber keinesfalls negativ oder langweilig ist, sondern sehr zur Geschichte passend. Wer jedoch einen spannenden Roman sucht, ist hier schlecht beraten. Wer sich hingegen ein Buch wünscht, worüber es sich nachzudenken lohnt, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.
Bewertung
3/5
22.04.2023
eBook (ePUB)
Die Grenzen der Zeit
Die Grenzen der Zeit
„Das vorläufige Ende der Zeit“ hat ein interessantes Setting in Frankfurt an der Oder und dem dortigen jüdischen Friedhof Słubice. Der Friedhof gehört zum polnischen Staatsgebiet und es geht immer wieder auch über die Grenze nach Polen, nach Warschau. Es geht auch über andere Grenzen: Über Zeitgrenzen, auch über die Grenzen im zwischenmenschlichen Bereich, über kulturelle Grenzen und Ländergrenzen.
Die drei Hauptfiguren sind alle auf ihre Art ungewöhnlich, der Verleger, die Archäologin, der Friedhofswärter. Sie alle verbindet natürlich der Friedhof. Mir hat der Roman direkt gefallen, als ich den Klappentext und die ersten Seiten gelesen habe. Danach nicht mehr so sehr. Nicht, dass das Buch schlecht geschrieben wäre, denn das ist es nicht, aber so viel mehr als das, was in Klappentext steht, gibt das Buch auch nicht her.
Ich hatte an ganz vielen Stellen das Gefühl, als könnte man noch so viel mehr aus den Figuren, dem Handlungsort und der Handlung selbst herausholen. Es klingt ja alles sehr nach einem Fantasyroman, das ist „Das vorläufige Ende der Zeit“ aber nicht. Was okay ist, aber ich weiß nicht so recht, was es sonst ist. Die Wendungen, die der Roman genommen hat, konnte man weitgehend voraussehen, es wird sehr unaufgeregt erzählt, sehr zurückhaltend und obwohl man auch Gedanken, Gefühle und Inneneinsichten der Figuren immer wieder erhält, blieben sie mir doch allesamt fremd. Die Hauptidee, dieses "Was wäre wenn...?"-Gedankenspiel war mir auch zu seicht umgesetzt. Da steckte nichts Neues darin, nichts, was man nicht auch schon aus der Wissenschaft oder aus anderen Romanen kennt.
Ich finde es schade, dass das Buch mir nicht gefallen hat, denn ich denke, dass das Thema eigentlich einiges hergibt. Anfang und Ende des Buchs haben mir auch richtig gut gefallen. Das dazwischen plätschert leider nur dahin.
Ines Zappen
aus Genthin
5/5
31.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein faszinierender und ungewöhnlicher Roman.
Ein faszinierender und ungewöhnlicher Roman. Was, wenn es möglich wäre, alles rückgängig zu machen und das Leben in eine andere Richtung zu lenken? Auf einem verlassenen jüdischen Friedhof treffen sie aufeinander, die Archäologin Mi-Ra und der Friedhofswärter Artur. Auch wenn sie unterschiedlicher nicht sein könnten, etwas verbindet sie. Beide tragen schwer an einem vergangenem Schmerz, der sie nicht loslässt. Doch dann erzählt ihnen ein geheimnisvoller älterer Herr namens Horatio Beeltz von der Möglichkeit, alles rückgängig zu machen und das Leben in eine andere Richtung zu lenken...Ein intensiver Roman darüber, dass uns auch die Entscheidungen, die wir bereuen, zu den Menschen machen, die wir sind, tröstlich, weise und pointiert erzählt. Der Autor Berni Mayer ist schlicht und ergreifend ein wunderbarer Erzähler.
Bewertung
5/5
17.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein mysteriöser Zeitriss, spannende Ideen und offene Fragen
Ein Riss in der Zeit und drei Charaktere, die mit der Vergangenheit und Gegenwart hadern. Kosmologe Horatius Beeltz lädt kurzerhand Friedhofswärter Artur und Journalistin und Archäologin Mi-Ra ein, eine Zeitreise zu wagen. Auf dem jüdischen Friedhof in Słubice nehmen die beiden halluzinogene Pilze und stellen sich jeweils ihrer Vergangenheit.
Obwohl am Anfang unklar ist, wohin die Geschichte den Leser führen wird – oder vielleicht gerade deshalb - zieht die Geschichte einen in ihren Bann. Mit vielen Details, einem starken Ortsbezug zur Gegend in und um Słubice/Frankfurt Oder sowie liebevoll gebastelten Charakteren, ist es leicht, den Zugang zu finden und schon bald mitzudenken. Was ist die Zeit? Welche Konzepte von Zeit gibt es? Wo und in welchen Kontext ist unsere Wirklichkeit? Wie und warum treffen wir Entscheidungen? Und was können wir daraus lernen?
Geschrieben ist das Buch in einem stets nüchternen, jedoch nie humorlosen Ton und liest sich so flüssig, als würde man selbst durch die Zeit gleiten. Ich habe die Geschichte sehr genossen und bin nur am Ende über einige vielleicht etwas zu schnell gekappte Handlungsstränge gestolpert.
Ein besonderes und ernstes Buch am unteren Ende der Science-Fiction, das mich überzeugt hat und noch ein paar Fragen offen lässt.
Miro
aus Wels
5/5
06.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Riss in der Zeit
Horatio Beeltz hat sich der Suche nach Zeitrissen verschrieben. Zusammen mit der kosmologischen Gesellschaft, ein eher geheimer Club, ist er überzeugt, dass die 4. Dimension ebenso begangen werden kann, wie die anderen. Man muss nur einen Eingang finden.
Und diesen entdeckt er überraschend auf einem alten jüdischen Friedhof in Slubice.
Verunsichert, ob er diese Reise antreten soll, sucht er sich erst mal zwei Probanden, als "Testpersonen". In Artur und Mi-Ra wird er schnell fündig. Beide haben traumatische Erfahrungen hinter sich, die ihre aktuelle Wirklichkeit stark beeinflussen. Um ihre Gehirne auf diesen Trip gehen zu lassen, gibt er ihnen spezielle Pilze. Das Psilocybin soll ihren Geist erweitern, damit sie die Reise in die Vergangenheit antreten können.
Beide fragen sich, ob dies echt sein kann, oder nur ein Trick und ein einfacher Pilztrip. Und beide müssen sich ihren Erfahrungen stellen und sich fragen, ob sie sie wirklich ungeschehen machen wollen und was das für Auswirkungen auf ihre Gegenwart haben wird.
Mit diesem Buch begeben wir uns auf eine spezielle Reise und als Leser*in sollte man einer Brise Surrealismus nicht abgeneigt sein. Doch Berni Mayer erzählt uns auch zwei Lebensgeschichten, die mit ihren Ecken und Kanten und Erfahrungen sehr berührend sind.
Gleichzeitig regt der Autor Gedanken über die eigene Vergangenheit an und die Idee, einmal getroffene Entscheidungen zu widerrufen. Ein spannender Ansatz und mache Antworten finden wir auch im Text.
Mich hat das Buch hervorragend unterhalten. Ich fand die Reise spannend, anregend, einfühlsam und berührend. Ein rundherum liebevoller Roman, der ruhig auch einen Blick in die Zukunft hätte werfen können.
Dennoch kann ich das Buch uneingeschränkt allen empfehlen, die offen sind für ein bisschen Magie in der Realität.
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