Albanien 1989: der letzte stalinistische Außenposten in Europa, ein isoliertes Land. Es herrschen Mangelwirtschaft, Geheimpolizei und das Proletariat. Für die zehnjährige Lea Ypi ist dieses Land ihr Zuhause – ein Ort der Geborgenheit, der Hoffnung und der Freiheit. Alles ändert sich, als in Tirana Enver Hoxhas Statue vom Sockel stürzt. Jetzt können die Menschen wählen, wen sie wollen. Aber die neue Zeit zeigt bald ihr unfreundliches Gesicht, und die Aussicht auf eine bessere Zukunft löst sich auf in Arbeitslosigkeit und Massenflucht. Als das Land im Chaos zu versinken droht, beginnt Lea sich zu fragen, was das eigentlich ist: Freiheit.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
22.07.2025
Buch (Taschenbuch)
Total ergreifend und interessant
Ich hätte dieses Buch vor meiner Wanderreise nach Albanien lesen sollen, um einiges mehr von Land und Leuten zu verstehen. Lea gibt uns einen Einblick in ihre Erlebnisse als Kind und Jugendliche und die Zerrissenheit der Menschen aufgrund der Entwicklungen. Die Familiengeschichte hat mich beeindruckt und sehr bewegt.
Bewertung
5/5
14.06.2025
Buch (Taschenbuch)
mitreißende Denkschrift
rundum 10/10 Buch, sehr nahbare, mitreißende Geschichte, sehr gut gelungen ist die Nahbarkeit am Geschehen durch persönliche Eindrücke, Tagebucheinträge sowie innere Gedanken, die geteilt werden. Diese Frau ist sowohl schriftlich als auch persönlich (habe sie getroffen bei einer Lesung) absolut reflektiert, einfühlsam und intelligent. Ebenfalls herausstechend ist ihr sehr gut lesbarer Schreibstil und die philosophischen Untermalungen. Eine absolute Empfehlung um auch einen Einblick in ein Balkanland Albanien zu erhalten, welches nicht in der EU ist und oft vergessen wird.
Bewertung
5/5
11.01.2024
Buch (Taschenbuch)
Ein fantastisches Buch
Es war das beste Buch, das ich 2022 gelesen habe. Es ist berührend, es überrascht und man lernt die Sehnsucht nach einem Land, das die meisten in Westeuropa nicht auf dem Schirm haben.
Bewertung
5/5
06.06.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
“Frei” — frei zu denken, frei zu schreiben
Lea Ypi gelingt es überzeugend, sich in die Welt eines Mädchens und Teenagers in Albanien um die Wende in den späten 1980er / frühen 1990er Jahre zu versetzen. Die totalitäre, real-sozialistische Geschichte des Landes wird “en passant” und durch die kindlichen bzw. jugendlichen Augen Lea Ypis vermittelt, wobei sie nie den Anspruch an die “absolute Wahrheit” erhebt.
Während Lea Ypis Familie aufgrund von ihren “Biografien” zahlreiche Geheimnisse vor dem Kind hütet, entdeckt man mit dem Heranwachsen des Kindes, was der albanische Staat seinen Staatsbürgern und -bürgerinnen (und damit der Familie Ypi) über Jahrzehnte antat. Dies alles in “wohlwollender Absicht”, aber in perfider stalinistischer Manier — allgegenwärtige Bespitzelung und Denunziation, politische, wirtschaftliche und geisteswissenschaftliche Abschottung, Mangel durch Planwirtschaft und verbohrte Autarkie-Bestrebung. Einzig das sie fordernde staatliche Schulsystem bietet der jungen Lea ein Sprungbrett ins Erwachsenwerden, wobei auch hier die unter dem Radar gehaltene staatskritische Geisteshaltung der Eltern und der geliebten Grossmutter zur Reife der Autorin erheblich beitrugen.
Erst im letzten Viertel dringt die Autorin als studierte und lehrende Philosophin durch, als sie dem Vater Erklärungen für sein Verhalten in den Mund legt. So, wie Lea Ypi das beschreibt, kann es gewesen sein — und wenn es erfunden ist, ist es gut erfunden und noch besser eingebettet. Das ist schriftstellerische Freiheit!
Alles in allem ist “Frei. Erwachsenwerden am Ende der Geschichte” ein sehr lesenswertes Buch — für diejenigen, die sich anschliessend vertiefter mit der Geschichte Albaniens auseinandersetzen wollen, wie auch für diejenigen, die sich “bloss” für den Blick einer in einem totalitären Staat heranwachsenden Frau interessieren.
Bewertung
Book Circle Community
4/5
15.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Persönliche und politische Ebenen überzeugend miteinander verknüpft
„Frei“ erzählt die autobiografische Geschichte von Lea Ypis Kindheit in einem sozialistischen Regime und der damit verbundenen Erfahrung von ideologischer Indoktrination, politischer Unterdrückung und politischer Umwälzung. Sie wuchs in den 1990er Jahren in Albanien auf und erlebte die Umbrüche nach dem Fall des Kommunismus sowie den Bürgerkrieg 1997, der beeindruckend durch ihre Tagebucheinträge untermalt werden. Das Buch bietet eine einzigartige, sehr persönliche Perspektive auf das Thema Freiheit, Identität und die Herausforderungen in einer politischen Transformation. Die persönliche Erzählweise aus der persepktive eines Kindes bzw. eines Teenagers berührt und hat mich emotional abgeholt. Die Sprache ist klar und gleichzeitig einfühlsam. Der Begriff Freiheit ist von zentraler Bedeutung. Ypi hinterfragt nebst der politischen auch die individuelle Dimension: Was bedeutet es, frei zu sein? Diese Fragen werden von Ypi sowohl durch persönliche Erlebnisse als auch durch philosophische Überlegungen beleuchtet. Diese Verknüpfung gelingt überzeugend und regt zum Nachdenken an.
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