Mark Halyard arbeitet als Umweltverträglichkeitskoordinator bei der Brahmasamudram Mining Company, die im Tiefseebergbau tätig ist und versehentlich den Lebensraum eines wenig bekannten Putzerfischs, des Gemeinen Lumpfischs, vernichtet hat. Um die Zerstörung des Planeten einzudämmen, sind Unternehmen gesetzlich verpflichtet, für viel Geld Auslöschungszertifikate zu erwerben, falls sie an der Ausrottung einer Spezies mitwirken. Allerdings hat sich Halyard mit Leerverkäufen von Lumpfisch-Zertifikaten verspekuliert. Nachdem er auf fallende Preise gewettet hat, stellt ein mysteriöser Hackerangriff auf diverse Biobanken, in denen Gewebeproben und Genomdaten gefährdeter Arten gespeichert werden, das System auf den Kopf. Alle Back-ups für den Gemeinen Lumpfisch sind futsch, und der Preis für Lumpfisch-Zertifikate geht durch die Decke. Halyards einzige Hoffnung ist, mithilfe der Lumpfisch-Expertin Karin Resaint irgendwo ein Exemplar des Fischs aufzutreiben, damit die Spezies nicht als ausgerottet gilt ... Ned Beaumans neuer Roman ist Literatur mit hohem Drehmoment, ein Buch voller Kapriolen, rasant und mit großer Fabulierfreude erzählt. Noch nie wurden die wichtigen Themen unserer Zeit so humorvoll auf den Punkt gebracht wie hier.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Maria
aus Düsseldorf
5/5
07.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vielleicht das beste 2024 gelesene Buch
In der nahen Zukunft...
"in der der gesamte Planet wütend und angewidert wirkte"
unterstreichen die zynisch-unterhaltsamen Momente noch das, was die Protagonistin das "schwarze Loch" nennt:
"Es war ein Verstoß wie kein anderer je zuvor, ein Vergehen, das auf keiner existierenden Skala gemessen werden konnte. Die Vielfalt des Lebens auf Erden war (soweit man wusste) das Majestätischste im ganzen Universum, und der Mensch war (soweit man wusste) als einziges Lebewesen in der Lage, das Majestätische daran zu begreifen, zu würdigen, und doch war der Mensch auch derjenige, der dieses Majestätische auslöschte, nicht absichtlich, sondern achtlos, beiläufig, und dabei ließ er nichts zurück außer ein paar Scans und Proben, die sich niemand jemals wieder ansehen würde."
Die Protagonistin ist zur Klassifizierung der Intelligenz des gemeinen Lumpfisch angestellt, denn es wird mit Auslöschungszertifikaten zur Ausrottung von Spezies gehandelt, wie heute schon mit CO2-Zertifikaten.
Intelligente Spezies auszurotten kostet mehr Zertifikate.
Als die Biodatenbanken gehackt und komplett gelöscht werden, in denen alle Informationen über bereits ausgerottete Lebewesen gespeichert wurden, um sie so wenigstens etwas erhalten, treibt dies die Zertifikatspreise in die Höhe und bringt eine Führungskraft in Bedrängnis, der auf sinkende Preise wettend, die firmeneigenen Zertifikate verkauft hatte, während seine Firma aus Versehen bereits den gemeinen Lumpfisch ausgerottet hat.
Und so treiben er & sie durch eine Welt, in der privatisierte Naturschutzgebiete zu Gifmülldeponien geworden sind und der Wahnsinn von Milliardären mit zu viel Macht & immer mehr biotechnologischen Möglichkeiten neue Blüten treibt um die letzten der Art zu finden.
Voll von kreativem Witz bleibt am Ende die Ungeheuerlichkeit der Zerstörung durch uns düster, depressiv in der Seele hängen.
Bewertung
aus Breitenfurt
5/5
13.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine wilde Reise in die nahe Zukunft -'Extinction Credits' als (Schein-)Lösung des Artensterbens
Die Prämisse des Buches ist, dass die weltweite Beratungsindustrie es geschafft hat, analog zu der bestehenden CO2-Bepreisung und CO2-Zertifikate Handel einen ähnlichen Mechanismus betreffend der Vernichtung von Tierspezies einzurichten.
Der Autor denkt dieses Konzept zu Ende und stößt auf vielfältige Möglichkeiten sich durch geeignete Manipulationen zu bereichern, ohne dass durch diese 'Extinction Credits' wirklich Spezies gerettet werden.
Spannend geschrieben. Der Autor kommt ständig auf neue Ideen, wie skrupelose und kreative Menschen, oft auch mittels High-Tech Methoden, das System austricksen können.
In den Dialogen werden spannende ethische Fragestellungen rund um das Artensterben aufgerissen, die durchaus zum Nachdenken anregen können.
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