Port Angeles, Trinidad. In den sonnendurchglühten Gassen mischt sich das vielstimmige Geschrei der Händler mit Vogelgezwitscher und Verkehrslärm; es riecht nach Gewürzen und reifen Früchten. Unter stillen, schattigen Bäumen ruht Fidelis, der jahrhundertealte Friedhof der Insel. Hier arbeitet Emmanuel als Totengräber. Der junge Rastafari hat sein Zuhause verlassen, um seinen Vater zu finden. Als er Yejide trifft, hat das Schicksal ihre Wege längst fest miteinander verflochten. Und so beginnt dort, wo das Leben endet, eine magische Liebesgeschichte.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Mikka Liest
aus Zwischen den Seiten
5/5
24.05.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der junge Rastafari Darwin…
Der junge Rastafari Darwin lässt seinen Glauben und seine Überzeugungen hinter sich, um als Totengräber zu arbeiten. Auf dem Friedhof trifft er auf Yejide, die von ihrer Mutter die Fähigkeit geerbt hat, mit den Toten zu kommunizieren und ihre Seelen ins Jenseits zu begleiten. Beide sind komplexe Charaktere, deren respektive Handlungsbögen über die sich entspinnende Liebesgeschichte hinausreichen – und einander dennoch spiegeln. So sucht Darwin nach seinem Vater, der die Familie vor langer Zeit verließ, während Yejides Beziehung zu ihrer zornigen, verbitterten Mutter zutiefst konfliktgeladen ist. Der Tod ist allgegenwärtig in dieser Geschichte, die doch so bunt und voller Leben ist. Ein Widerspruch? Nein, denn Darwin und Yejide verkörpern das ganze Kaleidoskop des Umgehens damit: Trauer, Wut, Schmerz, Angst – aber auch Versöhnung, Hoffnung, Liebe und Akzeptanz. Yin und Yang: Tod und Leben sind Gegensätze, die sich nicht bekämpfen, sondern ergänzen; eine Ganzheit, die Ayanna Lloyd Banwo in wunderschönen Worten zelebriert. Die Sprache klingt, die Sprache singt in Worten voller Liebe und Wärme … Die spirituelle Ebene der Geschichte speist sich aus trinidadischen Mythen und Schöpfungsgeschichten. Und so fügt sich das Thema Tod harmonisch ein in den Themenkomplex des Romans: Es geht auch um Liebe, es geht um Familie, es geht um Gemeinschaft. Passenderweise sind die Charaktere für sich genommen schon überzeugend und stark, doch ihr volles literarisches Potenzial entfalten sie erst im Zusammenspiel. Im Original ist der Roman in Kreolisch-Englisch geschrieben, was eine gänzlich andere ‚Klangfarbe‘ erzeugt, die die Atmosphäre und die lebendige Darstellung der Schauplätze ergänzt und ihnen eine zusätzliche Dimension verleiht. Die deutsche Übersetzerin Michaela Grabinger erzeugt, insofern es möglich ist, einen ähnlichen Sog mit Sprachrhythmus und Takt, was sicher keine einfache Aufgabe war! «… und sie kommen über sie wie die Flut, wie ein brennendes Haus, wie Erde, die nach Regentagen den Berg hinunterdonnert, zu schwer, um ihre Form zu bewahren. Und sie spürt, dass sie die Arme weit öffnet, den ganzen Friedhof umfasst und noch mehr. Der Regen prasselt auf ihren Kopf, und die Fluten steigen an ihren Beinen hinauf, und sie hält alles in ihren Armen: Ich seh euch. Ich seh das Unrecht, das man euch angetan hat. Ich trink euren Schmerz, bis ich voll davon bin, trink euren Kummer, bis ich voll davon bin, trink eure Freude, bis ich voll davon bin, trink euren Tod, bis ich voll davon bin. Ich schmeck euer Fleisch, ja, ihr wart Fleisch, ich kann es sehen, ich weiß es. Ihr habt geliebt, ja, ich weiß, habt getötet, ich weiß. Du warst hier, ja, ich weiß, und du und du, ihr wart hier. Niemand hat eure Gräber kenntlich gemacht, aber wer zur Erde zurückkehrt, den macht sie kenntlich. Ihr seid nicht vergessen, nein, ihr seid nicht vergessen, nein, ihr seid nicht vergessen, nein, ihr seid nicht vergessen …» «Als wir Vögel waren» ist ein atmosphärisch dichtes und kulturell reichhaltiges Debüt; die mystische und kulturelle Tiefe der Geschichte entwickelt eine ungeheure Sogwirkung – wenn man sich darauf einlässt. Ich habe das Buch geliebt!
Bewertung
aus Horn-Bad Meinberg
5/5
23.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mein Buchhöhepunkt 2023
Es gibt wenige Bücher, denen es auf Anhieb gelungen ist mich so intensiv zu berühren wie das hier vorliegende von Ayanna Lloyd Banwo. Es ist eines, wo 5 Sterne definitiv nicht ausreichen, zehn wären das mindeste.
Inhaltlich geht es um zwei junge Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Die junge Schamanin Yejide, die die Gabe besitzt, Verstorbene auf den Weg in die andere Welten zu begleiten und wo die Gabe von Mutter zu Tochter weiter vererbt wird. Und der junge Emmanuel, der sein Heimatdorf verlassen hat, um Geld zu verdienen und eine Arbeit als Totengräber gefunden hat. Über eine mystische Vision erkennen Yejide und Emmanuel einander und finden sich dann auch auf den Friedhof in der Realität. Wird es eine gemeinsame Zukunft geben können?
Die Geschichte wird von der Autorin voller Tiefgang und Intensität erzählt, der mensch sich als Leser*in nicht wirklich entziehen kann. Es geht um mythisch - magische Traditionen, die Verbundenheit mit der eigenen Familie und den Ahnen, Heilung, seiner eigenen Aufgabe zu folgen, aber auch eigene Wege zu gehen. Und natürlich um eine tiefe Form von Liebe, die sich mit Worten nicht beschreiben lässt. Danke für dieses wundervolle Buch.
Elaine
aus Horn-Bad Meinberg
5/5
23.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mein Buchhöhepunkt 2023 Es…
Mein Buchhöhepunkt 2023 Es gibt wenige Bücher, denen es auf Anhieb gelungen ist mich so intensiv zu berühren wie das hier vorliegende von Ayanna Lloyd Banwo. Es ist eines, wo 5 Sterne definitiv nicht ausreichen, zehn wären das mindeste. Inhaltlich geht es um zwei junge Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Die junge Schamanin Yejide, die die Gabe besitzt, Verstorbene auf den Weg in die andere Welten zu begleiten und wo die Gabe von Mutter zu Tochter weiter vererbt wird. Und der junge Emmanuel, der sein Heimatdorf verlassen hat, um Geld zu verdienen und eine Arbeit als Totengräber gefunden hat. Über eine mystische Vision erkennen Yejide und Emmanuel einander und finden sich dann auch auf den Friedhof in der Realität. Wird es eine gemeinsame Zukunft geben können? Die Geschichte wird von der Autorin voller Tiefgang und Intensität erzählt, der mensch sich als Leser*in nicht wirklich entziehen kann. Es geht um mythisch - magische Traditionen, die Verbundenheit mit der eigenen Familie und den Ahnen, Heilung, seiner eigenen Aufgabe zu folgen, aber auch eigene Wege zu gehen. Und natürlich um eine tiefe Form von Liebe, die sich mit Worten nicht beschreiben lässt. Danke für dieses wundervolle Buch.
Bewertung
5/5
14.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Reise in die Mystische Welt der Karibik
Mit ihrem Debütroman lässt Ayanna Lloyd Banwos den Leser in die farbenfrohe Welt von Port Angeles, Trinidad eintauchen. Schon das Cover lädt den Leser in diese mystische Welt ein.
Die Perspektive wechselt zwischen Yejide und Darwin, zwei jungen Menschen auf der Suche nach ihrer Bestimmung.
Darwin ist ein junger Rastafari, der auf dem Land in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist. Die Rastafaris meiden den Tod, dennoch nimmt Darwin aus finanzieller Not einen Job auf dem Stadtfriedhof Fidelis an.
Yejide stammt aus einem vollkommen anderen Kulturkreis, der Tod gehört für sie zum Leben und ihr ist es bestimmt für Ruhe in der mystischen Welt zwischen den Lebenden und Toten zu sorgen.
Während beide Protagonisten mit Ihrem Schicksal hadern, führt das Schicksal Sie am Tor von Fidelis zusammen. Es beginnt eine wunderschöne, sanfte Liebesgeschichte.
Der Roman beinhaltet eine Liebesgeschichte, Elemente eines Krimis sowie zahlreiche mystische und religiöse Begebenheiten. Es ist definitiv keine leichte Lektüre für zwischendurch und man muss sich darauf einlassen und dem Buch seine volle Aufmerksamkeit schenken.
Durch ihre Bildhafte Sprache schafft die Autorin einen gelungenen Kontrast zwischen der lebhaften, pulsierenden Stadt und der Stille des Friedhofs. Die mystische Liebesgeschichte zieht den Leser sofort in ihren Bann.
Das Buch bekommt von mir eine klare Leseempfehlung.
Lisa
5/5
13.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mystik gepaart mit einer mitreißenden Liebesgeschichte, in exotischem Setting
Ehrlich gesagt bin ich ohne große Erwartungen in „Als wir Vögel waren“ von Ayanna Lloyd Banwo gestartet und wurde von der Geschichte nun umso positiver überrascht. Die Genre-Mischung ist schon etwas Besonderes, ich persönlich mochte die Vermischung wirklich sehr gerne, kann mir aber vorstellen, dass dies nicht für Jede:n etwas ist. Aber auch sprachlich ist der Roman einfach nur ein Genuss! Poetisch, bildgewaltig und äußerst feinsinnig, versteht die Autorin ihre Leser:innen gefangen zu nehmen und zu verzaubern. Ein Teil des Charmes liegt dabei sicherlich im außergewöhnlichen karibischen Setting, aber auch die authentischen Charaktere und die mystische Rahmenhandlung sorgten bei mir für Faszination. Die Geschichte ist thematisch finde ich sehr ausgewogen, baut zum Ende hin sogar richtig Spannung auf und punktet dann auch nochmals mit genau der richtigen Brise Dramatik. Abwechselnde Erzählperspektiven der beiden Hauptfiguren, sorgen darüber hinaus für vielschichtige Einblicke in dortige Gesellschaftsstrukturen, wobei ich mich in beide Sichtweisen gut hineinversetzten konnte. Alles in allem bin ich von „Als wir Vögel waren“ rundum begeistert und freue mich schon jetzt auf weitere Werke der Autorin! Gerne vergebe ich in diesem Fall verdiente 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung!
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