Für Sascha beginnt das letzte Schuljahr. Abhängen im Abbruchhaus und immer gefährlichere Mutproben mit seinen Kumpels: Sieht so der Rest seines Lebens aus? Und dann passiert etwas. Etwas, das alles zerschlägt, was war, und alles infrage stellt, was noch sein kann. Sich weiter wegducken — unmöglich. Rau im Sound der Straße, darunter voller Herz: Johannes Herwig erzählt in seinem neuen Roman von einer Freundschaft, die scheinbar über allem steht, und von der Schwierigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Für die, an denen einem was liegt — und für sich selbst.
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4.0/5.0
Bewertung
4/5
18.02.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schuld ertragen?
In "Halber Löwe" geht es um Schuld und Freundschaft. Sascha, der Protagonist, lebt mit Mutter und Schwester zusammen in der Nach-der-Wende-Zeit im Osten Deutschlands. Sozial ist er Teil der Unterschicht, was ihn auch mit seiner Freundesclique eint. Seine Freunde: Engel, Jörn und Timm. So könnte man sie nennen. Wäre da nicht die eine Bedingung, die sie erst zu einer Clique machen: Mutproben bestehen. Je waghalsiger, desto besser. An sich fand ich das Konzept und auch die Charaktere ziemlich spannend. Abgeholt hat mich die Beziehung von Sascha zu seiner Familie. Diese hat auch einen großen Teil des Romans ausgemacht. Die anderen Charaktere kamen dann irgendwie auch noch vor. Hier kommt jetzt auch ein Spoiler: Ein neu eingeführter Charakter mit Namen Marcel taucht auf der Bildfläche auf und ist dann auch gleich wieder verschwunden. Zwar ist er ziemlich wichtig für die Geschichte, allerdings kommt er mir hier nur wie das Mittel zum Zweck vor. Auch anderer Charaktere wie Phillip scheinen wichtig, nur um dann wieder in der Versenkung zu verschwinden. Johannes Herwig hat viele kleine Geschichten aufgemacht, von denen ich auch dachte, dass sich manche verwirklichen. Um es auf den Punkt zu bringen, vieles wurde nicht vertieft, was ich persönlich Schade finde. Auch die alles entscheidende Schuldfrage wurde nicht wirklich behandelt. Sascha hätte nachforschen können was Marcel anbelangt. Vielleicht wäre dann die Einsicht gekommen, dass er es nicht wirklich schuld ist. Und es heißt nicht, nur weil er jemanden vergeben kann, dass andere das auch bei ihm können. Da wurde mir auch zu viel reingeworfen. Wie vermutlich auch in diese Rezension. Ich lese gerne die Bücher von Johannes Herwig. Allerdings nur weil ich sein erstes Buch "Bis die Sterne zittern" geliebt habe. Leider kommt "Halber Löwe" nicht so wirklich da ran.
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