Ein dramatischer Roman über vier Schwestern und ein großes Familiengeheimnis
Vor über zwanzig Jahren waren Jenni, Mona, Sonja und Kaja das letzte Mal gemeinsam auf Langeoog. Jetzt kehren sie als erwachsene Frauen zur Beerdigung ihrer Mutter zurück auf die Insel. Zuverlässig wie das Rauschen des Meeres und der Geruch von Salz, sind alle Erinnerungen an ihre Sommer auf der Insel wieder da: Zwischen ausgelassene Strandtage, Mutproben und erste Küsse mischen sich die heftigen Auseinandersetzungen ihrer Eltern und die Frage nach Schuld und Sühne. Denn die Schwestern eint ein dunkles Geheimnis, das sie hat verstummen lassen, das keiner von ihnen Ruhe lässt, bis heute nicht …
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
sleepwalker
5/5
25.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Das Schweigen meiner…
„Das Schweigen meiner Schwester“ ist das Debut von Stine Volkmann und ein Buch, das mich auf ganzer Linie überrascht hat. Zugegeben, eine ganze Zeitlang wusste ich nicht, wohin mich die Geschichte führen wurde, nach einer Weile hatte sie mich aber gepackt und nicht mehr losgelassen. Aus dem scheinbar altbekannten Familiendrama wurde nämlich schnell ein Psychothriller und eine wilde Achterbahnfahrt. Aber von vorn. Bis 1998 war die sechsköpfige Detmolder Familie Neumann regelmäßig in den Ferien auf der Nordseeinsel Langeoog. Doch in diesem Jahr ändert sich für die Schwestern Jenni (18), Mo (15), Sonja (13) und Kaja (6) alles. Jenni verliebt sich in den gutaussehenden Alex und macht mit ihm erste zwischenmenschliche Erfahrungen. Mo macht hingegen ihre ersten Erfahrungen mit Alkohol. Für Sonja und Jenni besteht der Urlaub aus Strand, Sand und dem Versuch, von den Älteren akzeptiert zu werden. Vor allem Sonja hat es schwer, denn sie ist mit ihren 13 Jahren kein Kind mehr, wird aber von den Teenagern auch nicht wirklich wahrgenommen. Als Alex plötzlich spurlos verschwindet, bekommt die Urlaubsidylle Risse und auch nach dem Urlaub ist nichts mehr wie zuvor. Alle Familienmitglieder gehen eigene, getrennte Wege, die vorher augenscheinlich harmonische Familie zerbricht. 20 Jahre später treffen sie sich auf der Insel wieder, um gemeinsam ihre nach langer Krankheit verstorbene Mutter beizusetzen. Schon beim ersten Aufeinandertreffen ist die Spannung zwischen den vier inzwischen erwachsenen Frauen greifbar. Ihr Umgang miteinander ist von Sticheleien und unterschwelligen Vorwürfen geprägt. Die Schwestern, zwischen die nie ein Blatt Papier passte und die immer zusammenhielten, sind verfeindet. Eines ist klar: zwischen ihnen steht ein Geheimnis und das muss geklärt werden, sonst werden sie sich nie wieder aneinander annähern können. Aber schaffen die vier es? Und was hat der mysteriöse Fremde mit allem zu tun. Wie gesagt, erst hatte ich das Gefühl, irrtümlich an ein Familiendrama geraten zu sein. Heile Familie mit vier Kindern macht Urlaub auf einer Nordsee-Insel, Familie zerbricht, jeder geht seiner Wege. Aber dann passieren plötzlich Dinge, die das Buch in eine ganz andere Richtung schubsen. Die Mutproben der (prä)pubertären Mädchen werden brutaler, plötzlich scheint die Sommersonne hinter einer stetig präsenten, dunkleren Wolke versteckt zu sein. Dieses ungreifbare, aber persistierende mulmige Gefühl im Magen wurde von der Autorin ganz meisterhaft erarbeitet, das Verschwinden von Alex und die Suche nach ihm bleibt bei weitem nicht das einzige Drama in der Geschichte (mehr möchte ich dazu nicht sagen, ich möchte nichts spoilern). Durch die beiden Zeitebenen und die verschiedenen Perspektiven, die sie gekonnt miteinander verwebt, zeigt sich, dass dieses Gefühl die Protagonistinnen über 20 Jahre lang nicht loslässt. Ihr Leben wurde durch das Geschehen und das damit verbundene Trauma beeinflusst, Misstrauen und Zweifel an ihren eigenen Erinnerungen sind bei allen präsent. Die Charaktere sind gründlich und dreidimensional ausgearbeitet, ich konnte mich tatsächlich in alle gut einfühlen. Auch die dysfunktionale Familie, die die Autorin gekonnt beschreibt, ist mir nicht fremd. Die psychologischen Komponenten des Romans hat sie hervorragend eingeflochten und so aus einem eigentlich einfachen „coming of age“ Roman mit rebellischen Teenagern, die sich ausprobieren wollen, einen Thriller geschaffen. Zwei große Geheimnisse liegen wie Schatten über dem Leben des Schwestern-Quartetts, wirklich glücklich ist keine geworden, egal, wie sehr sie versuchen, es sich einzureden. Für mich war der vielschichtige und vielseitige Roman ein wahrer Lese-Genuss, den ich Freunden von Krimis/Thrillern mit dem gewissen Etwas und etwas psychologischem Tiefgang gerne weiterempfehle. Von mir fünf Sterne.
Bewertung
5/5
25.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannende Story, schöne Erzählweise
Ich war selbst bisher zwei Mal auf Langeoog und fand es so schön, beim Lesen wieder auf die Ostfriesische Insel zu reisen. Anschauliche Beschreibungen, die einen von der Couch holen!
Ich hatte mit vielen Punkten und Wendungen der Geschichte nicht gerechnet, es war einfach spannend und die Handlung nicht absehbar.
Auch die Schwestern werden anschaulich beschrieben, man kann mitfühlen, sich teilweise mit verschiedenen Charakterzügen identifizieren. Das ist sowohl bei den Orten und den Ortsbeschreibungen als auch bei den Personen von der Autorin super gut gemacht. Man ist in der Geschichte, man fühlt sie!:)
Sandra von Siebenthal
aus Romanshorn
5/5
12.06.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Sommer, der alles veränderte
„Es ist, als hätte es diesen Sommer nie gegeben, obwohl nach drei Wochen Inselurlaub ihr ganzer Familienalltag auf dem Festland ein anderer geworden war, und niemand bereute es laut.“
Vier Schwestern treffen sich für die Beisetzung der Urne ihrer Mutter auf Langeoog, der Insel, welche in der Kindheit die schönsten Erlebnisse beheimatete, bis zu einem Sommer, in dem ein Erlebnis alles mit einem Schlag verändert. Waren die vier vorher ein eingeschworenes Team, gingen sie danach innerlich und mehr und mehr auch äusserlich getrennte Wege.
„Sie hat es sich geschworen, nie wieder einen Fuß auf Langeoog zu setzen. Nie wieder. Und jetzt, da sie so nah dran ist, beginnen wieder die Lügen.“
Bei diesem Zusammentreffen brechen alte Wunden auf, Vorwürfe, die im Raum stehen, werden ausgesprochen, die Erinnerung wird wieder lebendig. Doch: Hat sie sich in den einzelnen Köpfen wirklich richtig eingenistet?
Stine Volkmann erzählt die Geschichte der vier Schwestern auf zwei Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven. Immer wieder pendeln wir beim Lesen so zwischen der Gegenwart der erneuten Zusammenkunft und der Vergangenheit der Kindheit hin und her, erfahren mehr über die einzelnen Charaktere, ihre Beziehung untereinander und den Sommer, welcher das Leben der ganzen Familie nachhaltig geprägt hat. Langsam fügt sich Stein für Stein das Mosaik zusammen, bis am Schluss die ganze Wahrheit auf dem Tisch liegt.
Gedanken zum Buch
„Wie immer, wenn es um ihre Familie geht, steigt die altbekannte Wut in ihr auf, sie spürt Machtlosigkeit, fühlt sich wie so oft ungehört und ungesehen“
Familien sind Systeme mit eigenen Dynamiken, in welchen jeder eine bestimmte Rolle innehat. Diese Rollen zu durchbrechen, fällt schwer, sie brennen sich über viele Jahre ein und werden auch sorgfältig aufrechterhalten, da sie das System von innenheraus stützen. Nicht immer ist jeder mit seiner Rolle zufrieden, oft kommt es zu Streit, zu Eifersucht, zu negativen Gefühlen, mit denen jeder einzelne anders umgeht.
„Vielleicht sollte sie davonlaufen. Niemals wieder Eltern oder Schwestern haben. Niemals wieder so zerbrechen.“
Die einen können sich anpassen und kommen so gut zurecht, andere rebellieren und gehen auf Konfrontation, die dritten fliehen.
«Wer nichts ersehnt, wird nicht enttäuscht.»
Und dann gibt es die, welche schweigen, die sich immer weiter in sich zurückziehen und resignieren, weil sie die Hoffnung auf eine wie auch immer geartete Besserung aufgegeben haben. Auch das ist wohl eine Flucht, die Flucht in die Verweigerung, für die der betroffene aber einen hohen Preis zahlt.
«Ich falle aus der Welt.»
Das Resultat dieser Verweigerung ist die Entfremdung – die von der Welt um einen und auch die von sich selbst, kann man doch ohne die Welt nicht existieren, nicht auf eine zufriedenstellende und lebenswerte weil sinnvolle Weise.
„Wer ist sie in der ganzen Geschichte?“
Wir erzählen uns Geschichten, die wir für unser Leben halten, sagte einst Max Frisch. Wir konstruieren aus der Vergangenheit eine Geschichte, die wir als unsere Lebensgeschichte in uns und nach aussen tragen. Was wir oft nicht bedenken, ist, dass Erinnerungen einerseits selektiv sind, andererseits wandelbar durch die Zeit. Was wissen wir wirklich? Was haben wir nur gedacht und durch die Wiederholung des Erzählens plötzlich zu einer Tatsache erhoben? Wovon wissen wir nur aus dritter Hand, dies aber so tief, dass wir glauben, es erfahren zu haben? Und was, wenn die Geschichte sich ändert, weil wir auf einen Irrtum aufmerksam werden? Was bedeutet das für die eigene Identität? Was verändert das für das Sein und das Selbstbild? Für die Verortung in der Welt, im eigenen Leben?
Stine Volkmann erzählt die Geschichte von vier Schwestern, doch stecken in dieser Geschichte ganz viele Fragen aus dem Leben: Was bedeutet Familie? Darf man lügen? Wie geht man mit einer Lüge um, und wie mit Schuld? Wer bin ich und wer bin ich in dieser Welt? Was, wenn die Welt sich ändert und ich keinen Platz mehr in ihr finde? Wie gehen wir mit Erinnerungen um?
Entstanden ist ein mitreissender Roman mit authentischen Charakteren, einem guten Spannungsbogen in einer flüssig lesbaren Sprache, der gegen Ende etwas an Tempo verliert. Das Ende selbst ist an Pathos und Kitsch leider kaum zu übertreffen, doch die Geschichte bis dahin mag das tragen, so dass es doch eine klare Leseempfehlung ist.
Fazit
Die grossen Fragen des Lebens in Romanform, die Geschichte von vier Schwestern, die in einem Sommer ihr Familiengefühl und irgendwie sich selbst verlieren, bis sie das Leben wieder zusammenbringt und sie einen Umgang mit der Vergangenheit finden müssen. Eine klare Leseempfehlung.
J. Kaiser
5/5
28.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wem kann man trauen?
Die vier Schwestern, Jenni, Mona, Sonja und Kaja, waren vor zwanzig Jahren, zum letzten Mal auf Langeoog. Zurück sind die vier wegen der Bestattung ihrer Mutter. Die vier sind inzwischen erwachsene Frauen. Doch die Erinnerungen sind bald einmal erneut da. Ausgelassene Strandtage, Mutproben und erste Küsse haben sie hier erlebt. Doch auch die Auseinandersetzungen ihrer Eltern über die Frage nach Schuld und Sühne. Die Schwestern haben ein dunkles Geheimnis, das sie bis heute verstummen liess. Man liest hier eine sehr bewegende und spannende Familiengeschichte. Die Rückkehr der vier Schwestern auf die Insel wird von diesem Geheimnis überschattet. Gelüftet wird dieses Geheimnis erst jetzt, als die vier erneut auf die Insel kommen. Das Lesen ist spannend und fesselnd zugleich. Die Protagonisten sind alle sehr gut beschrieben. Es ist eine Familiengeschichte, die sehr bewegt. Empfehlenswert.
begine
aus Lemwerder
5/5
24.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vier Schwestern
Die Journalistin und Drehbuchautorin Stine Volkmann hat den spannenden Roman Das Schweigen meiner Schwestern geschrieben.
Er ist so spannend, das ich ihn mir gut als Film vorstellen kann.
Die Schwestern Jenni, Mona, Sonja und Kaja waren vor 20 Jahren das letzte Mal auf Langeoog, davor war die Familie jedes Jahr da.
Dann gab es familiäre Probleme und die Schwestern hatten ein Geheimnis. Kaja war damals erst sechs Jahre alt, sie war traumatisiert.
Die Schwestern haben sich in der Zeit selten gesehen.
Sonja hatte das Ferienhaus auf Langeoog geerbt.
Jetzt wurde die Urne der Mutter beerdigt. Kaja hatte die Mutter gepflegt,
Es kommt zu einer Aussprache der Schwestern , die nicht so gut ausging.
Die Autorin schildert die Lage der Mädchen und ihre Erlebnisse genau und direkt.Sie berichtet von den paar Tagen auf Langeoog und in Rückblicken von den Schicksalsschlägen von vor 20 Jahren.
Der Roman ist einfach brillant.
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