Louis Chabos wächst in einem Kinderheim in Mailand auf. Nachdem er in Napoleons Russlandfeldzug den Krieg kennengelernt hat, möchte er nur noch eins: endlich zu einem menschenwürdigen Leben finden und Teil einer Familie werden. In Graubünden erlangt er ein kleines Stück des erhofften Glücks. Doch das verspielt er, als die Sehnsucht nach dem unbekannten Vater ihn nach Paris ruft und er zwischen Prunk und Schmutz seine Bestimmung sucht.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Bewertung
5/5
19.06.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das fiktive Leben des Louis Chabos
»Sein Sohn« erzählt das fiktive Leben des Louis Chabos, der 1794 als Baby in ein Mailänder Waisenhaus gebracht wird. Die Kosten der Unterkunft wurden bei der Abgabe gleich für die folgenden 18 Jahre beglichen. Dies ist der Start in ein ereignisreiches Leben, an dem uns Lewinsky teilhaben lässt.
Poetisch, mit kräftigen Worten schildert der Autor den Werdegang des Protagonisten und gibt eidetische Einblicke in das Leben des frühen 19. Jahrhunderts.
In einem spektakulären Plot zieht er als Vagabund umher, landet im Gefängnis, kann fliehen und nimmt an Napoleons Russlandfeldzug teil und danach folgt die Suche nach den Eltern, seinen Wurzeln, seiner Herkunft. Und das ist auch das große Thema des Romans:
Die Suche nach den eigenen Wurzeln, die Zweifel und Nöte, die eine unbekannte Herkunft mit sich bringt. Aber dieses Buch zeigt auch, dass es nicht unbedingt Erlösung bringt, die eigene Abstammung dann aufzuklären. Die Begegnung mit der Mutter ist mehr als verstörend und die weitere Suche nach dem Vater führt zu einem Ergebnis, dass Louis enttäuscht und wütend macht. So wütend, dass er einen entsetzlichen Plan fasst, der wiederum uns Leser verstören könnte. Wohlgemerkt könnte und nicht kann, denn Lewinsky fädelt Louis Beweggründe so geschickt in die Geschichte ein, dass wir sein Handeln nachvollziehen können – es sogar für die logische Auflösung halten. Mehr kann ich dazu nicht sagen, ich will ja nicht spoilern.
Eindrucksvoll empfand ich auch die Schilderungen der Zustände im Kinderheim und die der Schrecken des Krieges. In all diese Begebenheiten sind historische Fakten sorgsam eingearbeitet. Das gibt dem Roman einen besonderen Reiz, wenn man sich etwas in der Geschichte jener Zeit auskennt, allerdings tut es der Geschichte keinen Abbruch, wenn man geschichtlich uninteressiert ist.
Lewinskys Erzählweise ist beeindruckend. Die schnellen und häufigen Wechsel des Sprachtempos, aber immer stimmig mit der Handlung, schaffen eine eigene Spannung. Es war wieder eines jener Bücher, die ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Dieser Roman wirkt auch nach dem Lesen nach, es ist vor allem die unbeirrbare, hartnäckige Suche nach der eigenen Herkunft, die mich noch immer beschäftigt.
franzosenleser
aus KN
5/5
19.06.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
»Sein Sohn« erzählt das…
»Sein Sohn« erzählt das fiktive Leben des Louis Chabos, der 1794 als Baby in ein Mailänder Waisenhaus gebracht wird. Die Kosten der Unterkunft wurden bei der Abgabe gleich für die folgenden 18 Jahre beglichen. Dies ist der Start in ein ereignisreiches Leben, an dem uns Lewinsky teilhaben lässt. Poetisch, mit kräftigen Worten schildert der Autor den Werdegang des Protagonisten und gibt eidetische Einblicke in das Leben des frühen 19. Jahrhunderts. In einem spektakulären Plot zieht er als Vagabund umher, landet im Gefängnis, kann fliehen und nimmt an Napoleons Russlandfeldzug teil und danach folgt die Suche nach den Eltern, seinen Wurzeln, seiner Herkunft. Und das ist auch das große Thema des Romans: Die Suche nach den eigenen Wurzeln, die Zweifel und Nöte, die eine unbekannte Herkunft mit sich bringt. Aber dieses Buch zeigt auch, dass es nicht unbedingt Erlösung bringt, die eigene Abstammung dann aufzuklären. Die Begegnung mit der Mutter ist mehr als verstörend und die weitere Suche nach dem Vater führt zu einem Ergebnis, dass Louis enttäuscht und wütend macht. So wütend, dass er einen entsetzlichen Plan fasst, der wiederum uns Leser verstören könnte. Wohlgemerkt könnte und nicht kann, denn Lewinsky fädelt Louis Beweggründe so geschickt in die Geschichte ein, dass wir sein Handeln nachvollziehen können – es sogar für die logische Auflösung halten. Mehr kann ich dazu nicht sagen, ich will ja nicht spoilern. Eindrucksvoll empfand ich auch die Schilderungen der Zustände im Kinderheim und die der Schrecken des Krieges. In all diese Begebenheiten sind historische Fakten sorgsam eingearbeitet. Das gibt dem Roman einen besonderen Reiz, wenn man sich etwas in der Geschichte jener Zeit auskennt, allerdings tut es der Geschichte keinen Abbruch, wenn man geschichtlich uninteressiert ist. Lewinskys Erzählweise ist beeindruckend. Die schnellen und häufigen Wechsel des Sprachtempos, aber immer stimmig mit der Handlung, schaffen eine eigene Spannung. Es war wieder eines jener Bücher, die ich gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Dieser Roman wirkt auch nach dem Lesen nach, es ist vor allem die unbeirrbare, hartnäckige Suche nach der eigenen Herkunft, die mich noch immer beschäftigt.
Bewertung
aus Baden-Baden
5/5
26.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Auf und Ab des Louis Chabon
Dass Charles Lewinsky ein versierter Geschichtenerzähler ist, beweist er erneut mit seinem aktuellen Roman „ Sein Sohn“. Obwohl dieser nicht den Umfang von „ Melnitz“ oder „ Der Halbbart“ hat, die zwei erfolgreichsten Bücher des Autors, so erzählt er doch ein pralles Menschenleben von der Geburt bis zum Tod.
Die Figur des Louis Chabon ist historisch verbürgt, wie wir in einer kurzen Anmerkung am Ende des Buches erfahren. Allerdings weiß man außer seiner Abstammung kaum etwas von ihm. Charles Lewinsky blieb also genug Freiraum, um seine Phantasie spielen zu lassen.
Im Dezember 1794 kommt Louis als Sohn einer Köchin zur Welt. Kurz darauf wird er in einem Waisenhaus in Mailand abgegeben; sein Kostgeld war schon für 18 Jahre im Voraus bezahlt. Louis ist ein schwächliches Kind, das unter den Schikanen der größeren Jungs zu leiden hat. Aber er hat Glück und kommt mit zwölf Jahren in Dienst zu einem alten Marchese. Der bringt ihm zuerst Manieren bei und vermittelt ihm später eine Portion Selbstbewusstsein.
Doch nach dem Tod seines Gönners muss Louis seinen eigenen Weg finden. Es folgen harte Zeiten, in denen Louis auf der Straße lebt und sogar ins Gefängnis kommt.
Schließlich meldet er sich freiwillig zur Armee und zieht mit Napoleons Truppen nach Russland. An Seele und Leib versehrt kehrt er zurück.
Trotz allem ist das Glück erneut auf seiner Seite, denn er trifft Menschen, die es gut mit ihm meinen. In Graubünden, wohin ihn die Suche nach seinen Eltern getrieben hat, wird er endlich sesshaft. Als angesehener Bürger lebt er einige Jahre glücklich mit seiner Frau , der gemeinsamen Tochter Mia und Laurin, einem Findelkind.
Doch dann findet sich ein Hinweis, dass sein Vater Frankreichs „ Bürgerkönig“ Louis Philippe ist. Jener war auf seiner Flucht vor den Wirren der Französischen Revolution für kurze Zeit unter dem Namen Chabon als Französischlehrer in Reichenau und hat eine junge Köchin geschwängert.
Als der König auf Louis Briefe nicht reagiert, beschließt dieser, selbst nach Paris zu reisen, in der Hoffnung, seinen Vater zu treffen. Doch in Paris wütet die Cholera.
Mit viel Tempo erzählt Charles Lewinsky seine Geschichte, das muss er, wenn er auf nicht mal 400 Seiten ein ganzes, äußerst ereignisreiches Leben unterbringen will. Denn die Lebensgeschichte des Louis Chabon bietet Stoff und Dramatik genug, die Figuren hätten das Potential für mehr.
Aber Charles Lewinsky erzählt zwar streng chronologisch ( wenn man vom Eingangskapitel absieht, das mit dem Schlusskapitel eine Klammer bildet ), doch er beschränkt sich auf einzelne Episoden, greift in kurzen Kapiteln schlaglichtartig Schlüsselszenen auf.
Die Geburt des Jungen ist eine Lehrstunde der Gynäkologie, Anschauungsunterricht für angehende Ärzte. Was es heißt, im 18. Jahrhundert in einem Waisenhaus aufzuwachsen, wird danach auf wenigen Seiten geschildert. Und dann gelingt es dem Autor, mit kurzen Szenen die Schrecken und die Unsinnigkeiten eines Krieges ausdrucksvoll darzustellen. Drastisch beschreibt Lewinsky, welche furchtbaren Auswirkungen das „ Jahr ohne Sommer“ für die einfache Bevölkerung hatte und was sich in den Straßen von Paris während der Cholera abspielte. Bei all dem geschichtlichen Hintergrund lassen sich immer mal wieder Bezüge zur Gegenwart herstellen, ohne dass der Autor darauf explizit verweisen muss.
Neben dem anschaulichen Gesellschaftsportrait ist „ Sein Sohn“ aber v.a. ein Entwicklungsroman. Als Leser begleitet man den Protagonisten auf seinem Weg. Man leidet mit ihm, will ihn bewahren vor falschen Entscheidungen. Gerade zum Ende hin, als die Vatersuche für ihn zu einer fixen Idee wird und Louis sein ganzes Glück aufs Spiel setzt. Andererseits kann man verstehen, dass die Kenntnis der eigenen Wurzeln wichtig für ihn sind. Zur wirklichen tragischen Figur wird Louis am Schluss. Das Bewusstsein seiner Selbst kommt im Grunde zu spät. „ Louis war kein Kind mehr. Er war Louis Chabons. Der Mann von Seraina. Der Vater von Laurin und Mia. Er brauchte diesen König nicht.“
Auch die zahlreichen, z.T. skurrilen Nebenfiguren, die manchmal nur einen kurzen, aber prägnanten Auftritt haben, bleiben im Gedächtnis.
Lewinsky erzählt sinnlich und in einer schönen Sprache. Pointierte Dialoge, Sätze voller Weisheit und Humor tragen außerdem zur Lesefreude bei.
„ Sein Sohn“ ist ein packendes und berührendes Porträt eines Menschen und einer ganzen Epoche, spannend und unterhaltsam, ein absolutes Lesevergnügen für jeden.
Erneut ist es Charles Lewinsky hervorragend gelungen, eine weitestgehend erfundene Lebensgeschichte packend zu erzählen und gleichzeitig glaubwürdig in einen hochinteressanten historischen Hintergrund einzubinden. Gerne vertieft man sich in die Französische Revolution und ein Europa, wie es sich vor rund 200 Jahren entwickelte.
begine
aus Lemwerder
5/5
29.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Große Erzählkunst
Der Schriftsteller Charles Lewinsky fesselt den Leser in seinem Roman, Sein Sohn.Der Roman spielt zu Napoleons Zeiten.
Besonders eindrucksvoll erfahrt man von den Zuständen eines Waisenheims in Mailand. Dort wächst Louis Chabos auf.
Nach seiner Teilnahme in Napoleons Heer macht er sich auf die Suche seiner Eltern.
Es gibt immer wieder Hinweise, denen er nachläuft.
Als er in Graubünden eine Familie gründet, hoffte ich, er verzichtet auf den Vater.
Sein Leben ist ein auf und ab, von sehr arm zu verhältnismäßig wohlhabend.
Der Autor schaltet unser Kopfkino ein. Das Buch ist nie langatmig, sondern ein brillante Inszenierung.
Der Roman ist ein außerordentlicher Lesegenuss.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für dein Feedback
Wir nutzen dein Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte habe Verständnis, dass wir dir keine Rückmeldung geben können. Falls du Kontakt mit uns aufnehmen möchtest, kannst du dich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.