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Hunger Roman. Neu übersetzt von Ulrich Sonnenberg nach der Erstausgabe von 1890, mit einem Nachwort von Felicitas Hoppe

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25,00 €

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

11.01.2023

Verlag

Manesse

Seitenzahl

256

Maße (L/B/H)

20,5/13,3/2,6 cm

Gewicht

376 g

Farbe

Seidengrau / Anthrazit

Originaltitel

Sult

Übersetzt von

Ulrich Sonnenberg

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7175-2560-8

Beschreibung

Rezension

»Wir schauen in einen Seelenzustand, und dieser Seelenzustand ist verzweifelt, aussichtslos, und gleichzeitig ist es ein erschreckend lustiger Roman […], eine existentielle Groteske « ("ZDF, Das Literarische Quartett, Thea Dorn")
»Kein Grund, ›Hunger‹ nicht zu lesen, vor allem in der neuen Übersetzung durch Ulrich Sonnenberg. Denn Hamsun hat mit seinem Erzähler zehn Jahre vor der Jahrhundertwende eine Urfigur des 20. Jahrhunderts geschaffen.« ("Deutschlandfunk Kultur, Fabian Wolff")
»Einer der stärksten Texte der Moderne. ... Auch wegen Felicitas Hoppes Nachworts lohnt sich die Lektüre der Neuausgabe.« ("Die Presse (A), Anne-Catherine Simon")
»Wie der spätere Literaturnobelpreisträger den körperlichen und psychischen Verfall seines Hungerkünstlers inszeniert, das macht ›Hunger‹ zum Meilenstein.« ("Bayern 2, kulturWelt, Andrea Mühlberger im Gespräch mit Felicitas Hoppe")
»Diese Sprache ist die reinste Musik […] « ("ZDF, Das Literarische Quartett, Ijoma Mangold")
»Wenn es eine Abteilung im Himmel für Übersetzer gibt - und das wurde schon gelegentlich vermutet - dann hat sich Ulrich Sonnenberg spätestens mit dieser Arbeit einen Logenplatz gesichert.« ("NDR Kultur, Annemarie Stoltenberg")

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

11.01.2023

Verlag

Manesse

Seitenzahl

256

Maße (L/B/H)

20,5/13,3/2,6 cm

Gewicht

376 g

Farbe

Seidengrau / Anthrazit

Originaltitel

Sult

Übersetzt von

Ulrich Sonnenberg

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7175-2560-8

Herstelleradresse

Manesse Verlag
Neumarkter Str. 28
81673 München
DE

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  • Buecherbriefe

    5/5

    01.04.2023

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Der schleichende Niedergang…

    Der schleichende Niedergang eines Mannes Knut Hamsun lässt seinen namenlosen Ich-Erzähler durch das winterliche Kristiana irren und präsentiert uns rein äußerlich eine recht handlungsarme und sprachlich beinahe schon rohe Erzählung über den schleichenden Niedergang eines verzweifelten Mannes. Schon bald nach Beginn der Handlung verliert er seine Wohnung und ist gezwungen, im Wald zu übernachten. Um seine knappe Börse aufzubessern, versucht er seinen knappen Besitz beim Pfandleiher zu versetzen: neben seiner Weste (immerhin nähert sich im Roman zu diesem Zeitpunkt bereits der Winter!) und seiner Matratze versucht er am Ende sogar verzweifelt die Knöpfe seines Mantels zu Geld zu machen. In dem verzweifelten Versuch, seine Würde zu bewahren, sabotiert er sich dabei allerdings immer wieder selbst. Anstatt sich seinen Zustand einzugestehen, versucht er sich sogar noch eine überlegene Stellung anzudichten. So ist es ihm natürlich nicht möglich, um Geld zu betteln und wenn er doch auf diese Weise an Geld gelangt, versucht er es so schnell wie möglich loszuwerden. Erhält er dann doch einmal Geld auf eine in seinen Augen angemessene Art und Weise, dann quartiert er sich umgehend in Zimmer ein, die er langfristig auf keinen Fall halten kann und gönnt sich Speisen, die angesichts seines Zustandes bald schon den gleichen Weg hinaus wie hineinnehmen. Aber auch dieses Geldes wird er bald überdrüssig und schwingt sich zum Wohltäter auf, der seine Reichtümer den Notleidenden verschenkt – nur um dann selbst wieder in dem tragischen Kreislauf aus Hunger und Geldnot zu landen. Seinen Lebensunterhalt versucht er sich dabei als Autor drittklassiger Texte zu verdienen - körperliche Arbeit kommt aufgrund seiner schmalen Statur sowieso nicht infrage. Auch wenn es ihm tatsächlich mal gelingt, einen Text in einer Zeitschrift unterzubringen, wird schnell deutlich, dass Artikel schreiben (jedenfalls in seinem gegenwärtigen Zustand) keine langfristige Lösung darstellen kann: Mal versucht er es mit einer pseudo-philosophischen Abhandlung, ein anderes Mal sieht er sich als nächster großer Theaterautor, vergisst aber bei jeder neuen Szene vorherige wichtige Bestandteile. Komödie oder Tragödie? Die Geschichte bewegt sich dabei auf dem schmalen Grat zwischen Komödie und Tragödie und bedient oftmals beide Ebenen gleichzeitig. Auch wenn ich nicht mit Astrid Lindgren gehen mag, die den Roman vornehmlich als Komödie begriff, so kann man vielen Szenen eine gewisse Komik nicht absprechen. Auf der anderen Seite gibt es Szenen, die uns selber den Magen verdrehen, beispielsweise wenn unser Protagonist nach tagelangem Hungern einen Knochen erbetteln kann, an dem noch Fleischreste hängen und den Inhalt einfach nicht im Magen behalten kann. Doch woher kommt dann die Faszination für diesen Roman zustande? Das liegt zum einen sicherlich daran, dass Knut Hamsun bis zum Schluss wichtige Punkte offenlässt. Ist unser Protagonist einfach nur hungrig oder tatsächlich wahnsinnig (geworden)? Sind die Begegnungen mit den anderen Figuren wirklich echt oder nur Teil seiner manischen Zustände? Diese Offenheit lässt jedenfalls genug Raum, um unterschiedlichste Meinungen vertreten zu können – also ein idealer Schauplatz für Kritiker, Professoren und (Hobby-)Psychologen gleichermaßen. Zum anderen spricht die Handlung natürlich auch einen voyeuristischen Teil in uns an (RTL und Konsorten lassen grüßen) – gleichermaßen fasziniert wie angewidert beobachten wir den Niedergang des Protagonisten und laben uns an seinem Unglück. (s.o.) Vorläufer des modernen Romans? Kennzeichnend für diesen Roman ist die Erzähltechnik des Bewusstseinsstroms. Hamsuns vermischt dazu Gedanken, Beobachtungen und Monologe in scheinbar ungeordneter Reihenfolge zu einem großen Ganzen. Diese inneren Bewusstseinsinhalte stehen dabei in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen zeitlichen Abläufen. Wenige Sekunden der Handlung können also ganze Seiten des Romans einnehmen und den Leser in eine verworrene Gedankenwelt abtauchen lassen. Gerade diese Verworrenheit, diese unablässigen Wechsel von manischen und klaren Gedanken und Handlungen lässt die Schilderungen des Hungerzustandes so realistisch erscheinen. Mit dem Gebrauch dieser Technik sollte sich Hamsun als Pionier erweisen – eine ganze Reihe berühmter Autoren sollte sich später auf ihn als Vorbild und Inspiration berufen – so etwa Kafka, Joyce oder Woolf, um nur einige Beispiele zu nennen. Fazit Hunger von Knut Hamsun ist ein Roman, der den Leser sofort in den Bann zieht und auch nach der Lektüre noch nachhaltig beschäftigen wird. Selten wurde das Hungern in literarischer Form so abstoßend und faszinierend zugleich dargestellt. Komik und Tragik gehen Hand in Hand und lassen den Leser ra(s)tlos zurück, unzählige Szenen brennen sich ein – ein Klassiker, der auf keinem Bücherregal fehlen darf!

  • Buecherbriefe

    5/5

    01.04.2023

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Meisterwerk

    Knut Hamsun versetzt uns mit seinem Roman nach Kristiana, dem heutigen Oslo. Dort wartet unser namenloser Protagonist schon seit Langem auf seinen Durchbruch als Schriftsteller – bislang beschränken sich seine Erfolge auf wenige drittklassige Kolumnen in viertklassigen Zeitschriften. Sein Einkommen reicht nicht einmal im Ansatz aus, um ein ordentliches Leben zu führen. Daher ist er die meiste Zeit dazu gezwungen, hungernd und ohne festen Wohnsitz durch die Straßen der Stadt zu schleichen und unter den unmöglichsten Bedingungen an seinen Texten zu feilen. Doch umso stärker er der Außenwelt seinen Zustand zu verbergen versucht, desto mehr verfällt er der Verzweiflung und dem Wahnsinn. Kann er sich aus diesem Zustand herauskämpfen oder wird er Opfer seines eigenen Hungerwahns? Der schleichende Niedergang eines Mannes Knut Hamsun lässt seinen namenlosen Ich-Erzähler durch das winterliche Kristiana irren und präsentiert uns rein äußerlich eine recht handlungsarme und sprachlich beinahe schon rohe Erzählung über den schleichenden Niedergang eines verzweifelten Mannes. Schon bald nach Beginn der Handlung verliert er seine Wohnung und ist gezwungen, im Wald zu übernachten. Um seine knappe Börse aufzubessern, versucht er seinen knappen Besitz beim Pfandleiher zu versetzen: neben seiner Weste (immerhin nähert sich im Roman zu diesem Zeitpunkt bereits der Winter!) und seiner Matratze versucht er am Ende sogar verzweifelt die Knöpfe seines Mantels zu Geld zu machen. In dem verzweifelten Versuch, seine Würde zu bewahren, sabotiert er sich dabei allerdings immer wieder selbst. Anstatt sich seinen Zustand einzugestehen, versucht er sich sogar noch eine überlegene Stellung anzudichten. So ist es ihm natürlich nicht möglich, um Geld zu betteln und wenn er doch auf diese Weise an Geld gelangt, versucht er es so schnell wie möglich loszuwerden. Erhält er dann doch einmal Geld auf eine in seinen Augen angemessene Art und Weise, dann quartiert er sich umgehend in Zimmer ein, die er langfristig auf keinen Fall halten kann und gönnt sich Speisen, die angesichts seines Zustandes bald schon den gleichen Weg hinaus wie hineinnehmen. Aber auch dieses Geldes wird er bald überdrüssig und schwingt sich zum Wohltäter auf, der seine Reichtümer den Notleidenden verschenkt – nur um dann selbst wieder in dem tragischen Kreislauf aus Hunger und Geldnot zu landen. Seinen Lebensunterhalt versucht er sich dabei als Autor drittklassiger Texte zu verdienen - körperliche Arbeit kommt aufgrund seiner schmalen Statur sowieso nicht infrage. Auch wenn es ihm tatsächlich mal gelingt, einen Text in einer Zeitschrift unterzubringen, wird schnell deutlich, dass Artikel schreiben (jedenfalls in seinem gegenwärtigen Zustand) keine langfristige Lösung darstellen kann: Mal versucht er es mit einer pseudo-philosophischen Abhandlung, ein anderes Mal sieht er sich als nächster großer Theaterautor, vergisst aber bei jeder neuen Szene vorherige wichtige Bestandteile. Komödie oder Tragödie? Die Geschichte bewegt sich dabei auf dem schmalen Grat zwischen Komödie und Tragödie und bedient oftmals beide Ebenen gleichzeitig. Auch wenn ich nicht mit Astrid Lindgren gehen mag, die den Roman vornehmlich als Komödie begriff, so kann man vielen Szenen eine gewisse Komik nicht absprechen. Auf der anderen Seite gibt es Szenen, die uns selber den Magen verdrehen, beispielsweise wenn unser Protagonist nach tagelangem Hungern einen Knochen erbetteln kann, an dem noch Fleischreste hängen und den Inhalt einfach nicht im Magen behalten kann. Doch woher kommt dann die Faszination für diesen Roman zustande? Das liegt zum einen sicherlich daran, dass Knut Hamsun bis zum Schluss wichtige Punkte offenlässt. Ist unser Protagonist einfach nur hungrig oder tatsächlich wahnsinnig (geworden)? Sind die Begegnungen mit den anderen Figuren wirklich echt oder nur Teil seiner manischen Zustände? Diese Offenheit lässt jedenfalls genug Raum, um unterschiedlichste Meinungen vertreten zu können – also ein idealer Schauplatz für Kritiker, Professoren und (Hobby-)Psychologen gleichermaßen. Zum anderen spricht die Handlung natürlich auch einen voyeuristischen Teil in uns an (RTL und Konsorten lassen grüßen) – gleichermaßen fasziniert wie angewidert beobachten wir den Niedergang des Protagonisten und laben uns an seinem Unglück. (s.o.) Vorläufer des modernen Romans? Kennzeichnend für diesen Roman ist die Erzähltechnik des Bewusstseinsstroms. Hamsuns vermischt dazu Gedanken, Beobachtungen und Monologe in scheinbar ungeordneter Reihenfolge zu einem großen Ganzen. Diese inneren Bewusstseinsinhalte stehen dabei in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen zeitlichen Abläufen. Wenige Sekunden der Handlung können also ganze Seiten des Romans einnehmen und den Leser in eine verworrene Gedankenwelt abtauchen lassen. Gerade diese Verworrenheit, diese unablässigen Wechsel von manischen und klaren Gedanken und Handlungen lässt die Schilderungen des Hungerzustandes so realistisch erscheinen. Mit dem Gebrauch dieser Technik sollte sich Hamsun als Pionier erweisen – eine ganze Reihe berühmter Autoren sollte sich später auf ihn als Vorbild und Inspiration berufen – so etwa Kafka, Joyce oder Woolf, um nur einige Beispiele zu nennen. Gelungener Anhang Der Anhang hingegen kann wie gewohnt überzeugen. Neben einem Nachwort von Felicitas Hoppe finden wir noch einige hilfreiche Anmerkungen (die das fehlende Leseband schmerzlich vermissen lassen!) und Hinweise zur Übersetzungsgeschichte des Romans. Im Nachwort selbst outet sich Felicitas Hoppe als Fan des Romans und berichtet von ihren eigenen Leseerfahrungen – auch wenn sie die kritische Hintergrundgeschichte zu weiten Teilen ausspart. Zudem bietet sie mit einem kurzen Überblick über die Rezeption und den Einfluss dieses Werkes auf nachfolgende Autoren einen interessanten Überblick über die Bedeutung des Autors in der Literaturgeschichte. Insgesamt handelt es sich also um ein gelungenes und lesenswertes Nachwort. Fazit Hunger von Knut Hamsun ist ein Roman, der den Leser sofort in den Bann zieht und auch nach der Lektüre noch nachhaltig beschäftigen wird. Selten wurde das Hungern in literarischer Form so abstoßend und faszinierend zugleich dargestellt. Komik und Tragik gehen Hand in Hand und lassen den Leser ra(s)tlos zurück, unzählige Szenen brennen sich ein – ein Klassiker, der auf keinem Bücherregal fehlen darf!

  • Bewertung

    Thalia Book Circle Community

    3/5

    10.02.2023

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Anstrengend und herausfordernd...

    1890 erschien die Erstfassung des ersten Romans des norwegischen Autors (1859-1952), der 1920 den Literaturnobelpreis erhielt und noch später politisch sehr umstritten war wegen seiner offen zur Schau getragenen Sympathie mit der deutschen Besatzungsmacht während des Zweiten Weltkriegs. “Hunger” entstand vor dem Hintergrund eigener Erlebnisse des Autors, der 1886 in Kristiania (früherer Name von Oslo) arbeitslos eine schwere Hungerzeit durchzustehen hatte. Mit diesem Roman gelang Knut Hamsun der literarische Durchbruch. Die Neuauflage des “Klassikers” entspricht lt. Verlag besagter Erstfassung, die später immer wieder Veränderungen unterlag.   “Es war zu der Zeit, als ich hungrig in Kristiania umherging, dieser sonderbaren Stadt, die niemand verlässt, bevor er von ihr gezeichnet worden ist.” (S. 5)   Erzählt wird hier aus der eindringlichen Ich-Perspektive eines namenlosen Schreibers, der versucht sich durch das Einreichen kleiner Zeitungsartikel in Kristinia über Wasser zu halten. Er haust in einer schäbigen Kammer, wird von seinen Schulden aufgefressen und verliert schließlich sein Obdach. Tagelang streift er durch die Straßen ohne etwas zu essen zu haben und kommt dem Wahnsinn (zu) nahe. Das ist im Wesentlichen auch schon die Handlung. Im Fokus steht die innere Verfassung des Hungernden, seine wild springenden Gedanken und Empfindungen, zahllose demütigende Begegnungen und Ereignisse, die zunehmend untrennbare Verwebung von Realität und Halluzinationen. Von optimistisch zu hoffnungslos, fröhlich oder dankbar zu beschämt oder verächtlich - stetig wandelt sich das Erleben im Sekundentakt. Von himmelhochjauchzend zu zu Tode betrübt innerhalb von einer Sekunde - und gleich wieder zurück, bis man beim Lesen das Gefühl erhält, gleich mit verrückt zu werden. Dies sorgt für besagte Eindringlichkeit und Intensität, und nicht umsonst gilt der Roman als Meilenstein in der Entwicklung der Erzähltechnik des sog. “Bewusstseinsstroms” (Wiedergabe einer scheinbar ungeordneten Folge der Bewusstseinsinhalte eines Charakters). Autoren wie Kafka, James Joyce oder auch Virginia Woolfe ließen sich davon inspirieren. Insofern hat der Roman zurecht seinen “Klassiker”-Status. Doch muss einem jedes Buch gefallen, das unter diesen Begriff fällt? Wohl kaum. Ich jedenfalls fand den Roman nicht nur anstrengend zu lesen, ich war auch zunehmend genervt von der Lektüre. Das Verhaltensmuster des zudem sehr unsympathisch gezeichneten Ich-Erzählers wiederholt sich immerzu, eine Entwicklung findet nicht statt. Der ständige konsequente Wechsel der Zeitebene zwischen Präsens und Perfekt, teilweise auch innerhalb desselben Satzes, erhöhte den Lesefluss auch nicht gerade. “Ein ergreifendes und hinreißend lustiges Buch über den Hunger … ein größeres Leseerlebnis habe ich wohl nie gehabt.” Das hat wohl Astrid Lindgren nach der Lektüre des Romans verkündet. Leider erschloss sich mir der Humor in keinster Weise, ich habe ihn überhaupt gleich an keiner Stelle entdecken können. Schade eigentlich. Spannend fand ich dann allerdings die Verbindung zu Astrid Lindgren und ihrer Pippi Langstrumpf, die womöglich nur deshalb so viele Lügengeschichten auftischt, weil die Autorin damals so begeistert von Hamsuns skurrilem Werk war, dessen “Held” selbst ständig Lügengeschichten erzählt. Na, dann - hatte der Roman doch eine positive Auswirkung. Dieses Detail ist übrigens im umfassenden Nachwort von Felicitas Hoppe zu erfahren, das ich insgesamt leider als sehr gewollt intellektuell-geschraubt empfand, stellenweise ebenso unverständlich (wenn auch auf eine andere Weise) wie den Roman davor. Ein Roman, dem ich den “Klassiker”-Status zubillige, zu dem ich persönlich jedoch badauerlicherweise keinen Zugang fand.   © Parden

  • MaWiOr

    aus Halle

    5/5

    17.04.2023

    Buch (Taschenbuch)

    Gleich mit seinem ersten…

    Gleich mit seinem ersten Roman „Hunger“, der 1890 erschien, gelang dem norwegischen Schriftsteller und späteren Literaturnobelpreisträger (1920) Knut Hamsun (1859-1952) der literarische Durchbruch, obwohl der Verkauf eher ein Fiasko war. Im Mittelpunkt steht ein hungernder, vagabundierender und namenloser Schriftsteller, der mühsam, aber meist erfolglos kleine Feuilletons an Zeitungen zu verkaufen sucht. Die Handlung beschränkt sich darauf, dass der Erzähler etwas zu Papier bringt, damit zu einem Redakteur geht, der ihn aber hinhält, so, dass er über Tage und Wochen keinen Pfennig Geld in der Tasche hat, die Miete nicht mehr zahlen kann, sodass er hungernd und obdachlos durch die Stadt Kristiania (das spätere Oslo) streift. Eindrucksvoll schilderte Hamsun den körperlichen und seelischen Verfall des erfolglosen Protagonisten. Daneben brandmarkt Hamsun die um sich greifende Industrialisierung, die das menschliche Zusammenleben immer schwieriger macht. Sein Romanheld irrt durch diese neue Welt mit fiebriger Nervosität. Der Roman ist gewissermaßen eine Suche nach Nähe, nach Aufmerksamkeit und nach dem Sinn des Lebens. Die vorliegende Reclam-Ausgabe ist eine Übersetzung des Klassikers von Julius Sand-meier aus dem Jahre 1921, die behutsam modernisiert wurde. Sehr informativ und lesenswert das kluge Nachwort der Autorin und Übersetzerin Gabriele Haefs, die sich mit Hamsuns Sympathien für die deutschen Nationalsozialisten auseinandersetzt.

  • Bewertung

    5/5

    25.10.2020

    eBook (ePUB)

    Im Labyrinth der Gedanken

    Fast schon lustig, Hamsuns Hungerkünstler dabei zuzusehen, wie er durch Oslo irrt, wahllos fremde Menschen anblafft, Knöpfe und durchlöcherte Decken ins Pfandhaus bringt und dem ständigen Wechselspiel euphorischer Hochs und niederschmetternder Tiefs augenscheinlich hilflos ausgeliefert zu sein scheint. Wenn es nicht gleichzeitig so traurig wäre, diesen Lebensunfähigen scheitern zu sehen. Mitzuerleben, wie sich seine Fantasie und die Realität zu einer breiigen Masse vermischen, wie er sich in den Dreck wirft, sich durchfüttern lässt wie ein Straßenköter und im nächsten Moment zu stolz ist, ein Almosen anzunehmen und es gleich wieder verschenkt … Ein psychologischer Albtraum, ein literarisches Meisterwerk!

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