Ist es gegenwärtig überhaupt statthaft, über deutsche Hysterie und Russophie zu schreiben? Erklären zu wollen, warum einerseits jeder Krieg ein Verbrechen ist, auch der in der Ukraine, und andererseits jeder Krieg Ursachen hat, die tief in der Vergangenheit wurzeln. Das macht die Sache nicht besser und das Elend nicht kleiner. Aber dieses Wissen hilft, um Vernunft und Logik walten zu lassen. Es nützt auch, um sich der Kriegspropaganda, die beide Seiten verbreiten, kritisch zu widersetzen. Der Politikwissenschaftler Stefan Bollinger analysiert, warum das Verhältnis zwischen uns Deutschen und den Russen so ist, wie es ist. Und warum es besser wäre, einfach mal die Luft anzuhalten und ein wenig nachzudenken. Mit seiner aktuellen Publikation greift er in die laufende Diskussion ein und liefert Argumente gegen eine vereinfachende, emotionsgeladene Wahrnehmung.
Der Historiker und Autor Stefan Bollinger hat den Schreckensruf »Die Russen kommen!«, der einst in den Hochzeiten des Kalten Krieges fast alle Westdeutschen um den Schlaf brachte, zum Titel seines Buches gemacht. Damit will er wohl zeigen: Wir stecken wieder mitten in einem Kalten Krieg, und im Osten des Kontinents ist er schon nicht einmal mehr kalt. Und, ja, die Russen machen Krieg, und sie rücken seit dem 24. Februar 2022 nach Westen vor. Bollinger zeigt sich bei der Beurteilung dieses Konflikts wissend. Er stellt souverän und überzeugend argumentiert dar. Er folgt weder der Kriegspropaganda Moskaus noch der Kiews – denn wir müssen nüchtern registrieren, dass beide Seiten Propaganda betreiben. Aber bar historischer Kenntnisse und objektiven Wissens folgen wir hierzulande gern einseitig emotionalen Darstellungen. Gefühle treten an die Stelle von Sachlichkeit.
Der Historiker Stefan Bollinger fragt: Wo ist die Zeitenwende zu verorten, die der Bundeskanzler im Februar ausmachte? „Ganz gewiss nicht am Beginn des Ukrainekrieges im Februar 2022. Denn dieser hatte eine lange politisch-militärische Vorgeschichte“, schreibt Bollinger. Irgendwann brachte der letzte Tropfen das Fass zum Überlaufen. Bollinger untersucht nicht nur den letzten Tropfen, sondern die vielen Tropfen davor, die das Fass füllen.
Manuela404
5/5
18.07.2022
Buch (Taschenbuch)
Ein höchst spannendes Buch zur aktuellen politischen Lage!
Stefan Bollinger gibt einen tollen Einblick in die Hintergründe der deutsch-russischen Beziehungen. Vieles davon habe ich noch gar nicht gewusst und ich fand seine Einstellung, sich nicht von Emotionen leiten zu lassen, sehr angenehm. Für alle, die das heutige Kriegsgeschehen besser verstehen wollen.
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