Es ist Samstag, und samstags geht Jonathan im Supermarkt einkaufen. So wie er von Montag bis Freitag zur Arbeit geht. Bei einer Umfrage zu sozialem Verhalten konnte er drei Kontakte nennen. Dass ihn jetzt aber die Kassiererin auf seinen heutigen Geburtstag aufmerksam machen muss, gibt ihm zu denken. Nur - die Hitze lähmt seit Wochen, und nun fällt noch der Strom aus. In Jonathans Kühlschrank macht sich fauliger Geruch breit, draußen erliegt das Leben. Als es auch bei der Wasserversorgung Probleme zu geben scheint, entfaltet die Hitzewelle ihre magische Dynamik: Jonathan trinkt Sherry mit den Nachbarn, die Begegnung an Kasse 18 fängt an, ihn näher anzugehen, und auf seinem Balkon geschieht ein kleines Wunder.Lakonisch und mit feinem Humor erzählt Fabienne Maris von einer unerwarteten Verwandlung, die ganz im Stillen losbricht, langsam Fahrt aufnimmt und dank eines ungewollten Rauschs in eine wahre Ausschweifung mündet. Ein ebenso überraschendes wie zauberhaftes Debüt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
5/5
08.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eintauchen in die Welt der kleinen Augenblicke - Lesenswert!
Die Autorin schafft es kunstvoll, die Leser mit wenigen, subtilen Sätzen mitten in das Leben von Jonathan zu setzen. Überrascht, wie das mit knappen Sätzen so überzeugend gelingt, findet man sich eingetaucht in einer Welt der kleinen Augenblicke. Jeder für sich ähnelt einem Bild, auf dem es immer noch etwas mehr zu entdecken gibt. Früher als Jonathan spürt man, dass die Hitze für ihn eine Überraschung bereit hält. Und das zärtlich-schöne Ende macht Mut auf das Leben … und der Autorin hoffentlich auf ein nächstes Buch.
Renas Wortwelt
4/5
09.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Warmherzige Entwicklungsgeschichte
Noch ein in diesem Jahr erschienener Roman, der in einem heißen Sommer spielt. Aber ein heißer Tipp!
Im Mittelpunkt des Romans steht Jonathan, der zu Beginn der Handlung 35 Jahre alt wird. Er ist ein sehr einsamer, sehr stiller Mensch, ein Mann mit festen Gewohnheiten. So geht er samstags in den Supermarkt, sonntags holt er sich die Zeitung und Brot im Laden nebenan. Er schlägt die Zeit tot mit Kreuzworträtseln und mit Fernsehsendungen.
Im Supermarkt an seinem besagten Geburtstag begegnet er der Kassiererin Laura, die ihn fasziniert, die er nicht mehr aus seinen Gedanken bekommt. Während er dennoch weiter seinen Gepflogenheiten folgt, seiner Arbeit auf der Behörde nachgeht, auch wenn es nichts zu tun gibt, ist es in der Stadt mörderisch heiß. Die Hitze flirrt auf den Straßen, die Bäume und Blumen vertrocknen, die Menschen leiden. Und immer wieder fällt der Strom aus.
Aufgrund dieser Problematik gerät Jonathan in Kontakt mit seinen Nachbarn, die er zwar kennt, weil fast alle schon ewig im Haus wohnen, nur kommuniziert hat er bislang fast gar nicht mit den Menschen in den anderen Wohnungen. Doch nun wird er durch die Umstände zum Handeln verleitet, lernt andere Menschen kennen und er trifft Laura wieder.
Während die Hitze immer mehr zunimmt, die Stromausfälle häufiger werden und schließlich auch noch die Wasserversorgung bedroht ist, taut Jonathan immer mehr auf. Dazu tragen auch seine behördlich verordneten Besuche bei einer Therapeutin bei, die ihn dazu bringen, über seinen Lebensstil zu reflektieren.
Der Debütroman der noch jungen Schweizer Autorin ist die bezaubernd warmherzig erzählte Geschichten einer Entwicklung, einer „Menschwerdung“. Ohne Schmalz, ohne Kitsch, aber auch ohne zu werten oder zu urteilen, dafür aber mit großer Zuneigung zu ihrem Protagonisten schildert sie die Verwandlung des Einsiedlers zu einem teilhabenden jungen Mann.
Wunderbar ist hier besonders das Bild des wachsenden Grüns auf seinem Balkon, mit üppigem Tierleben zwischen den Ranken – ein absolut gelungenes Symbol für das zunehmende Leben im Leben des Jonathan.
Einzig die etwas mystisch anmutende Szene kurz vor Ende des Romans, eine Art Rausch, ist mir etwas zu künstlich, etwas zu übertrieben, sie passt irgendwie nicht zum Rest der Schilderungen, der Handlung. Die die Entwicklung des Protagonisten in gut dosierten und nachvollziehbaren Schritten darstellt. So kann es überzeugen. Bitte gerne mehr von dieser Autorin.
Fabienne Maris – Hitzewelle
atlantis, Juli 2022
Gebundene Ausgabe, 157 Seiten
Bewertung
3/5
18.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Leichte Lektüre
"Hitzewelle" ist keine grosse Literatur, aber auch nicht wirklich schlecht. Es lässt sich einfach und schnell lesen, da weder Sprache noch Geschichte kompliziert sind. Eine nette, anspruchslose Lektüre.
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