Es scheint ein Samstagabend wie jeder andere zu sein: Der schwarze Arbeiter Fred Daniels ist auf dem Weg nachhause zu seiner hochschwangeren Frau, Rachel, den Wochenlohn in der Hosentasche. Als ihn plötzlich drei Polizisten anhalten und verhaften, geht er noch von einem Missverständnis aus, aber als sie ihn eines Mordes beschuldigen, ahnt er langsam, in was für einen Albtraum er geraten ist. Schläge, Kreuzverhör, psychische Manipulation entfremden ihn von der Welt und der Realität, er unterschreibt ein Geständnis, das ihm in einem schwachen Moment und unter falschen Versprechungen vorgelegt wird. So bleibt ihm nur die Flucht in den Untergrund - in das dunkle, nasse Labyrinth der Kanalisation.
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
chuckipop
aus Bünde
3/5
23.12.2022
Hörbuch-Download
Packender Beginn, danach leider Flaute...!
"Der Mann im Untergrund" von Richard Wright ist als ungekürztes Hörbuch mit einer Laufzeit von 6 Stunden, 48 Minuten beim Argon Verlag erschienen und wird gesprochen von Patrick Abozen und Timo Weisschnur.
Zum Inhalt: Fred Daniels, ein Schwarzer, ist auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Plötzlich wird er von drei Polizisten verhaftet und auf die Wache gebracht, wo sie ihn verhören und unbedingt dazu bringen wollen, einen bestialischen Doppelmord zu gestehen, der im Nachbarhaus seiner Arbeitgeber passierte.
Die methoden sind brutal und Daniels unterliegt übelster Polizeiwillkür. Er wird psychisch und physisch gezielt geschwächt und dann dazu gebracht, ein Geständnis zu unterschreiben...!
Dann gelingt ihm die Flucht, und anstatt heim zu seiner schwangeren Frauzu können, taucht er in das Dunkel der Kanalisation unter...
Meine Meinung:
Ich muss sagen, der Beginn hat mich sehr erschüttert und bewegt, tatsächlich hatte ich ordentlich Tränen in den Augen, vor Wut, Mitleid und Trauer. Die Situation fand ich beklemmend und von Richard Wright so lebendig geschildert, dass alles authentisch und höchst nachvollziehbar herüberkam.
Allerdings änderte sich das für mein persönliches Empfinden nach Daniels´Abtauchen in den Untergrund schlagartig. Warum? Weil der Mann durch das Verhör so fertig, so kaputt und verwirrt war, dass er überhaupt nichts mehr hinbekommen hat, nicht mal mehr, zusammenhängende Sätze von sich zu geben. Dann seine Flucht, und zack, als wäre ein Schalter umgelegt worden, war er im Untergrund klar und dachte rational handelte und beherrscht und stets überlegt. Das war in meinen Augen unrealistisch und nicht glaubwürdig.
Die weiteren Geschehnisse und Freds Erfahrungen, der heimliche Blick aus der Kanalisation in viele unterschiedliche Bereiche, war interessant, hat mich aber nicht wirklich mehr gepackt.
Das Ende war unbefriedigend und die zweite im Hörbuch enthaltene Geschichte habe ich dann nach wenigen Minuten abgeschaltet, das wurde mir zu religiös.
Drei Sterne für den großartigen Einstige, die Leistung der Sprecher und das Grundthema der Erzählung.
Die beiden Sprecher haben ihren Job sehr gut gemacht und haben mir gut gefallen.
Erschreckend, wie seinerzeit die Polizei mit Schwarzen umsprang in den USA, das ist ja sogar heutzutage noch nicht ganz vom Tisch. Auch kamen die Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit des Schwarzen sowie die völlige Gleichgültigkeit der Weißen gegenüber seines Schicksals sehr gut heraus.
#DerMannimUntergrund #NetGalleyDE! #DankeNetGalleyDE!
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
3/5
25.05.2022
Hörbuch-Download
Wichtiges Thema, leider noch heute, konnte mich aber nicht packen ..
Der Mann im Untergrund
Richard Wright
aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence,
gesprochen von Patrick Abozen und Timo Weisschnur
Der schwarze Arbeiter Fred Daniels erhält am Ende der Woche seinen Lohn und geht zur Bushaltestelle, um nach Hause, zu seiner hochschwangeren Frau, zu fahren.
Aufgehalten wird er von drei weißen Polizisten, die ihn beschuldigen, die Nachbarn seiner Arbeitgeberin kaltblütig ermordet zu haben. Fred streitet alles ab, er sei noch nie im Hause der Nachbarn gewesen und einen Doppelmord könnte er, ein treuer Kirchgänger, schon gar nicht verüben.
Die Polizisten hören ihm nicht zu, inhaftieren ihn, foltern und manipulieren ihn so lange psychisch und physisch, bis er ein Schuldgeständnis unterschreibt.
Fred kann flüchten, hebt einen Kanaldeckel an und versteckt sich in der Kanalisation.
In diesem zweitem Teil des Buches verliert er seine Unschuld und kommt zu einer überwältigenden Einsicht, die ihn im dritten Teil des Buches zu den Polizisten zurückführt.
Der afroamerikanische Autor Richard Wright (1908-1960) war einer der einflussreichsten Schriftsteller seiner Zeit in Amerika. Der Roman wurde bereits 1941/42 geschrieben, jedoch zunächst von seinem Verleger abgelehnt. Heute erscheint dieser Roman erstmals in ungekürzter Fassung.
Leider ist "polizeiliche Gewalt“ in Amerika noch immer hochaktuell #blacklivesmatters und daher auch ein wichtiges Thema, jedoch konnte mich der Roman nicht ganz einfangen.
Begonnen hat er so eindrücklich, dass ich Fred am liebsten zur Hilfe geeilt wäre, aber für mich verlor sich die Spannung, als er in die Kanalisation floh. Die erlebten Geschichten im Untergrund wurden mir lang, trotz der sehr guten Sprecher des Hörbuchs.
Dennoch 3 Sterne für den spannenden Einstieg ins Buch, das gute Cover und das wichtige Thema, was bestimmt viele Leser finden wird.
yellowdog
4/5
25.05.2022
Hörbuch (Audio)
Kurzroman + Essay
Richard Wright, der schon 1960 starb, gilt zu Recht als bedeutender Autor, auch wenn er heute vielleicht nicht mehr so bekannt sit wie James Baldwin.
Das Buch ist in den vierziger Jahren geschrieben, aber thematisch auch heute noch leider sehr aktuell. Es geht um Polizeigewalt in den USA gegen schwarze Menschen.
Hier ist der 29jährige Fred Daniels Opfer der Polizeigewalt. Er wird ohne begründeten Verdacht nur aufgrund seiner Hautfarbe festgenommen und des Mordes beschuldigt. Die Polizisten misshandeln ihn und er unterschreibt ein Geständnis.Später kann er entkommen und es folgen einige absurde Passagen mit surrealen Kontext.
Der Text wird so vorgetragen, dass man Freds Schicksal gut nachvollziehen kann. Ich denke, das Buch funktioniert gerade als Hörbuch gut.
Nach dem titelgebenden Text folgt noch ein sehr interessanter Essay mit dem Titel „Erinnerungen an meine Großmutter“, der Bezüge zu Der Mann im Untergrund enthält. Ein starkes Essay.
Das Hörbuch wird mit einem Nachwort und einer Anmerkung abgeschlossen.
Sursulapitschi
2/5
22.05.2022
Hörbuch (Audio)
Surreal
Nach dem Hören dieses Werkes bin ich ein klein wenig ratlos, auch wenn die zwei Stunden Anhang mit Erläuterungen verschiedenster kluger Menschen und nicht zuletzt die „Erinnerungen an meine Großmutter“ ein klein wenig Licht ins Dunkel bringen.
Ich hatte eigentlich mit einem anrührenden Buch zum Thema Rassismus gerechnet, das ist hier aber wohl nicht das Hauptanliegen.
Es geht um einen jungen schwarzen Mann, der auf seinem Heimweg von weißen Polizisten festgenommen wird. In der Gegend ist ein Mord geschehen und Fred bietet sich als Täter geradezu an. Mit aller Brutalität versuchen sie, ihn zu einem Geständnis zu zwingen.
Bis dahin erfüllt das Buch durchaus die Erwartungen, auch wenn die Figuren etwas einfach gestrickt sind. Die Polizisten sind brutal und böse, Fred ist simpel naiv und erfüllt das Klischee vom „dummen Schwarzen“ in jeder Hinsicht.
Fred kann fliehen und versteckt sich in der Kanalisation und ab da wandelt sich das Geschehen zu einem Alptraum aus Gedanken, Visionen und merkwürdigen Vorkommnissen. Er gräbt sich durch Keller verschiedenster Orte, beobachtet Dinge von unten, begeht Diebstähle, nicht aus Habgier sondern aus Faszination dafür, dass er wie ein Geist ungesehen in das Leben anderer eingreifen kann. Vergessen ist seine Situation, seine Frau, sein ganzes Leben.
Die Anmerkung des Autors, dass er beim Schreiben an seine streng religiöse Großmutter gedacht hat, die Adventistin war, hilft bei der Frage „Was soll das?“, macht es aber nicht besser. Er sagt, er wollte zeigen, wie ein „Leben auf Distanz zur Umwelt“ aussehen kann, nur wenn er möchte, dass wir durch seinen Text Verständnis dafür aufbringen können, dann muss er den Leser geschickt an das Thema heranführen. Hier taucht ein Mann ab und dreht durch, das ist, bei aller Sympathie für die Großmutter, eher befremdlich als nachvollziehbar. Und wenn mir das Ganze religiöse Emotionen nahebringen soll, dann komme ich dadurch eher zu der Erkenntnis, dass Religion wohl eine spezielle Form von Wahrnehmungsstörung ist.
Richard Wright hat dieses Buch in den 40er Jahren geschrieben, es ist aber damals durchgefallen und bislang nicht veröffentlicht worden. Vielleicht sollte man akzeptieren, dass nicht jedes Wort aus der Kladde eines Genies genial sein muss, auch dann nicht, wenn es beim Schreiben an Platons Höhlengleichnis gedacht hat.
Das Hörbuch wird wacker gelesen von Patrick Abozen und Timo Weisschnur und dauert 6 Stunden, 48 Minuten, wobei die letzten ca. zwei Stunden Erläuterungen zum Werk sind. Wahrscheinlich ist es höchst interessant für Literaturwissenschaftler oder Bewunderer des Autors. Für mich war es ein recht holpriger Weg, einen neuen Autor kennenzulernen, aber immerhin habe ich gelernt, was Jazzprosa ist.
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