»Du wirst noch an mich denken«
Liebeserklärung an eine schwierige Mutter | "Faszinierende Mischung aus Zeit- und Familiengeschichte". Christine Westermann
»Eine faszinierende Mischung aus Zeit- und Familiengeschichte.« Christine Westermann
Der eindringliche Blick auf eine Familie, die deutsche Geschichte schrieb: Bonhoeffer-Dohnanyi
Als Dorothee Röhrig auf ein altes Foto ihrer Mutter stößt, setzt sich ein Gedankenkarussell in Bewegung: Was weiß sie eigentlich über diese Frau, deren Vater kurz vor Kriegsende hingerichtet wurde und zu der sie zeitlebens ein ungewöhnlich enges und doch kontrolliert-distanziertes Verhältnis hatte? Und was hat diese Geschichte mit ihrer eigenen zu tun? Mit Empathie und Offenheit erzählt Dorothee Röhrig vom widersprüchlichen Verhältnis zu ihrer Mutter, der fremden Vertrauten, und von der Rolle der Frauen in einer Familie, die deutsche Geschichte schrieb: Bonhoeffer-Dohnanyi. Eine einfühlsame Reflexion über die Beziehung zwischen den Generationen, über die Schwierigkeit, mit quälenden Erinnerungen zu leben, und über den Versuch eines späten Kennenlernens.
»Ihr gelingt ein gleichermaßen fesselndes wie psychologisch nuanciertes Familienporträt« Denis Scheck, ARD Druckfrisch
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Gertie G.
aus Wien
5/5
02.04.2023
eBook (ePUB 3)
Annäherung an eine schwierige Mutter
Dass das Verhältnis zwischen Müttern und Töchtern oft nicht ganz einfach ist, ist hinlänglich bekannt. Doch das zwischen der Autorin und ihrer Mutter hat eine besondere Dimension. Dorothee Röhrigs Mutter Barbara ist die Tochter von Christine Bonhoeffer und Hans von Dohnanyi. Hans von Dohnanyi und sein Schulfreund Klaus Bonhoeffer sind Mitglieder der Widerstandsgruppe gegen Adolf Hitler. Bärbel ist achtzehn, als ihr Vater hingerichtet und die Mutter im Gefängnis ist. Beides hinterlässt tiefe Spuren in der Seele der jungen Frau, die sie als Kriegstraumata an ihre Tochter Dorothee weitergibt.
„Du wirst noch an mich denken“ - diesen Glaubenssatz hat die Autorin hunderte Male von ihrer Mutter gehört und manchmal wenig damit anzufangen gewusst.
Dorothee Röhrig nähert sich in diesem Buch nicht nur ihrer Familiengeschichte, sondern auch ihrer Mutter an, die sie eher kühl, zurückhaltend und distanziert erlebt hat. Über die Ereignisse im Jahr 1945 hat sie nie gesprochen.
Anhand von Fotos und wenigen schriftlichen Aufzeichnungen versucht die Autorin den Platz ihrer Mutter sowohl in der Familie generell und in ihrem eigenen Herzen neu zu positionieren. Es fällt ihr schwer, nur anhand von Dokumenten die gesamte Persönlichkeit von Bärbel zu erfassen. Fragen können, nach Bärbels Tod nicht mehr gestellt und beantwortet werden.
Als Tochter hat man ein bestimmtes Bild seiner Mutter vor Augen, das von Liebe und noch vielmehr von Kränkungen gezeichnet ist. Behutsam, aber mit einer emotionalen Ehrlichkeit erzählt die Autorin in diesem Buch über das widersprüchliche Verhältnis zu ihrer Mutter, einer Mutter, die vertraut und fremd zugleich war.
Fazit:
Diesem interessanten Buch einer Mutter-Tochter-Beziehung gebe ich sehr gerne 5 Sterne.
Bewertung
5/5
28.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dorothee Röhrig schreibt in diesem...
Dorothee Röhrig schreibt in diesem Buch ihre außergewöhnliche Familiengeschichte, und gleichzeitig ist es auch eine Liebeserklärung an ihre Mutter, die vertraut und doch fremd zugleich war. Wer geschichtsinteressiert ist, für den ist diese Biographie genau das richtige. Großartig
Lesefuchs - Bücher mit Herz
aus Bargteheide
5/5
23.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine wunderbare Annäherung an die Mutter
Als ich dieses Buch in einer Verlagsvorschau entdeckte, sprachen mich das Cover und der Titel „Du wirst noch an mich denken“ sofort an. Als ich dann auch noch las, dass die „schwierige“ Mutter die Tochter des Widerstandskämpfers Hans von Dohnanyi und die Nichte von Dietrich Bonhoeffer ist, war für mich klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen musste. Trotzdem hat es dann vom Erscheinungstermin am 16.02.2023 bis zum Juli 2023 gedauert, bis ich die Zeit und Ruhe für dieses Thema fand.
Als ich angefangen habe dieses Buch zu lesen, war ich erst einmal ein wenig über den Inhalt, bzw. wie Dorothee Röhrig die Geschichte erzählt, erstaunt. Ich hatte ausgeblendet, dass sich das Buch hauptsächlich mit Beziehung der Autorin (geb. 1952) und ihrer Mutter Barbara Bayer (geb. von Dohnanyi), genannt Bärbel, beschäftigt. Ich ging davon aus, dass es mehr um die Zeit gehen würde, in der Barbara Dohnanyi als junges Mädchen miterleben musste, wie ihre Mutter Christiane von Dohnanyi (geb. Bonhoeffer) und ihr Vater Hans von Dohnanyi von den Nationalsozialisten verhaftet und der Vater kurz vor Kriegsende hingerichtet wurden. Und eben der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, wo die Widerständler gegen die Nationalsozialisten lange Zeit als Vaterlandsverräter betrachtet wurden. Darin geht es in diesem Buch zwar auch, aber dies ist nicht das Hauptthema. Das Hauptthema ist tatsächliche die Beziehung zwischen der Autorin und ihrer Mutter.
Dorothee Röhrig erzählt ihre Geschichte chronologisch anhand ihrer eigenen Geschichte. Sie erzählt, wie sie aufgewachsen ist, was sie für ein Verhältnis zu ihren Eltern und ihren Großmüttern hatte. Sie erzählt auch davon, was für Erwartungen ihre Eltern an sie hatten und wie schwer es ihr gefallen ist, diesen Erwartungen gerecht zu werden, bzw. sich ein eigenes Leben aufzubauen. Die Autorin wusste von der Geschichte ihrer Großeltern und ihrer Mutter, auch wenn die Mutter darüber wenig gesprochen hat. Es waren immer mehr Andeutungen. Und oftmals hat ihre Mutter diese Gespräche, wenn ihre Tochter es dann einmal gewagt hatte zu fragen, einfach abgewiegelt. Mir tat es beim Lesen der Geschichte der Autorin sehr weh, mitzuerleben, wie ihre Mutter mit ihr umgegangen ist. Das Buch wird zwar im Untertitel als „Liebeserklärung an eine schwierige Mutter“ bezeichnet, aber ich empfinde es eigentlich nicht als Liebeserklärung. Es ist auch keine Abrechnung mit der unnahbaren Mutter, sondern der Versuch einer Annäherung an die Mutter und einer Aufarbeitung der eigenen Kindheit und Jugend.
Mich hat diese Geschichte sehr bewegt, denn ich habe viele Parallelen zu meiner eigenen Kindheit und Jugend darin gefunden, obwohl sowohl meine Mutter als auch ich jeweils gute 10 Jahre jünger sind als Barbara Bayer und Dorothee Röhrig. Für mich ist das Buch eine sehr interessante Beschreibung der Generation der Kriegskinder, Nachkriegskinder und Kriegsenkel. Ich habe darin viele der preußischen Tugenden wiedergefunden, die diesen Generationen meiner Meinung nach das Leben sehr schwer gemacht haben und noch machen, wie z.B. Pflichterfüllung, keine Gefühle zu zeigen, zu funktionieren, nicht zu hinterfragen und zu gehorchen. Noch heute bin ich hin- und hergerissen zwischen dem Gefühl der Verantwortung meiner Mutter eine gute Tochter zu sein und mein eigenes Leben zu leben. Beides harmoniert nicht wirklich und ich habe oftmals deswegen ein schlechtes Gewissen. Dieses Buch hat mir dabei geholfen, die immer wiederkehrenden Muster zu erkennen.
Eine sehr interessante Lektüre, die bei mir den Wunsch geweckt hat, mich weiter mit dem Leben der Familien Bonhoeffer und von Dohnanyi zu beschäftigen. Und als eine Kundin mich nach dem Briefwechsel zwischen Hans und Christiane von Dohnanyi fragte, der leider nur noch antiquarisch erhältlich ist, sind mir diese drei Bücher zum Thema aufgefallen, die ich allerdings selbst noch nicht gelesen habe:
- Sabine Friedrich, „Die Nacht hat zwölf Stunden“, DTV, 978-3-423-28242-0, 2021, EUR 24,00
- Elisabeth Sifton und Fritz Stern, „Keine gewöhnlichen Männer“, C. H. Beck Verlag, 978-3-406-65373-5, 2013, EUR 18,95
- Cornelius Bormann, „Die Grunewald-Gefährten – Freunde im Widerstand gegen Hitler“, Osburg Verlag, 978-3-95510-330-9, 2023, EUR 26,00
Sehr empfehlen kann ich außerdem noch:
- Sabine Friedrich, „Wer wir sind“, DTV, 978-3-423-28003-7, 2012, EUR 29,90
Wer sich mit dem nicht immer einfachen Thema „Mutter-Tochter-Beziehung“, aber auch mit dem Thema „Widerstand gegen die Nationalsozialisten“ beschäftigen möchte, wird in diesem Buch fündig. Sehr interessant, sehr persönlich, gut zu lesend und erhellend.
Giselas Lesehimmel
aus Landshut
4/5
10.09.2024
Buch (Taschenbuch)
Meine Meinung: Mama, wir…
Meine Meinung: Mama, wir haben uns verpasst Dorothee nimmt uns auf eine spannende Reise mit, die mehrere Generationen umfasst. Ausgelöst wird sie durch ein entdecktes Foto, welches sie mit ihrer Mutter zeigt. Das Familien-Schicksalsdrama lässt einen nicht kalt. Vielmehr vermag es, Gänsehaut zu bescheren. In einer bildlichen Sprache lässt sie uns an ihrem Familienleben teilhaben. Mal in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit. Das Familienporträt, das dadurch entsteht, könnte deutlicher nicht sein. In den Erzählungen von Dorothee dürften sich viele gleiche Jahrgänge wieder finden. Sehr intensiv ist die Geschichte um Dorothee und ihre Mutter. Die nie gesagten Worte um die Nazizeit liegen schwer auf der Seele. Die nie ausgetauschten innigen Umarmungen hinterlassen einen bitteren Geschmack im Mund. Das alles ist nicht selten in der damaligen Zeit. *Traurigkeit verschließt ja die Menschen, weil sie so viel mit sich zu tun haben.* (Seite 43) Zu ihrem Vater hatte Dorothee stets einen innigen, wenn auch seltenen Kontakt. Der Geschäftsmann war ständig unterwegs. Nie vergisst sie das gemeinsame Klavierspielen und Theaterbesuche mit ihm. Ihre Mutter zeigte sich eher von der strengen und unnahbaren Seite. Beim Einen Einkaufen zeigt sie jedoch stets viel Freude. Ebenso beim Familienfeste organisieren. Kommentar von ihr fand ich wirklich hart. Um dessen Bedeutung möchte ich nichts verraten. Es würde Euren Lesegenuss mildern. *Ein Kind ist keine richtige Familie.* Wieder einmal werden wir mit den Ungerechtigkeiten aus dem 2. Weltkrieg konfrontiert. Wieder einmal ziehe ich meinen Hut vor den Menschen, die den Juden geholfen haben. In dieser Biografie sind die Helden Dorothees Großeltern mütterlicherseits. Die Familienfeste haben mir besonders gut gefallen. Sämtliche Verwandte und Bekannte haben sie bereichert. Auch zu den Bediensteten hatte man einen guten Draht. Großmutters Spruch bei Ungereimtheiten ist fast schon legendär: *Leg es zum Übrigen!* *Du wirst noch an mich denken* hört Dorothee sehr oft von ihrer Mutter. Einer Mutter, die stets das Zepter in der Hand hielt. Die stets allgegenwärtig war. Dorothee Röhrig schaffte es dennoch, ihre eigene Identität zu finden und dennoch die Liebe zu ihrer zu bewahren. Fazit: Diese sehr intensive Erzählung zeigt, wie wir über Generationen hinweg mit unseren Familiengeschichten verbunden sind. Danke Dorothee Röhrig, dass sie uns daran teilhaben lassen. Einen Dank auch, an die grüne Kiste, mit ihren Briefen und Fotos.
Giselas Lesehimmel
aus Landshut
4/5
10.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mama, wir haben uns verpasst
Meine Meinung:
Mama, wir haben uns verpasst
Dorothee nimmt uns auf eine spannende Reise mit, die mehrere Generationen umfasst. Ausgelöst wird sie durch ein entdecktes Foto, welches sie mit ihrer Mutter zeigt. Das Familien-Schicksalsdrama lässt einen nicht kalt. Vielmehr vermag es, Gänsehaut zu bescheren. In einer bildlichen Sprache lässt sie uns an ihrem Familienleben teilhaben. Mal in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit. Das Familienporträt, das dadurch entsteht, könnte deutlicher nicht sein.
In den Erzählungen von Dorothee dürften sich viele gleiche Jahrgänge wieder finden. Sehr intensiv ist die Geschichte um Dorothee und ihre Mutter. Die nie gesagten Worte um die Nazizeit liegen schwer auf der Seele. Die nie ausgetauschten innigen Umarmungen hinterlassen einen bitteren Geschmack im Mund. Das alles ist nicht selten in der damaligen Zeit.
*Traurigkeit verschließt ja die Menschen, weil sie so viel mit sich zu tun haben.* (Seite 43)
Zu ihrem Vater hatte Dorothee stets einen innigen, wenn auch seltenen Kontakt. Der Geschäftsmann war ständig unterwegs. Nie vergisst sie das gemeinsame Klavierspielen und Theaterbesuche mit ihm. Ihre Mutter zeigte sich eher von der strengen und unnahbaren Seite. Beim Einkaufen zeigt sie jedoch stets viel Freude. Ebenso beim Familienfeste organisieren. Kommentar von ihr fand ich wirklich hart. Um dessen Bedeutung möchte ich nichts verraten. Es würde Euren Lesegenuss mildern.
*Ein Kind ist keine richtige Familie.*
Wieder einmal werden wir mit den Ungerechtigkeiten aus dem 2. Weltkrieg konfrontiert. Wieder einmal ziehe ich meinen Hut vor den Menschen, die den Juden geholfen haben. In dieser Biografie sind die Helden Dorothees Großeltern mütterlicherseits.
Die Familienfeste haben mir besonders gut gefallen. Sämtliche Verwandte und Bekannte haben sie bereichert. Auch zu den Bediensteten hatte man einen guten Draht. Großmutters Spruch bei Ungereimtheiten ist fast schon legendär:
*Leg es zum Übrigen!*
*Du wirst noch an mich denken* hört Dorothee sehr oft von ihrer Mutter. Einer Mutter, die stets das Zepter in der Hand hielt. Die stets allgegenwärtig war. Dorothee Röhrig schaffte es dennoch, ihre eigene Identität zu finden und dennoch die Liebe zu ihrer zu bewahren.
Fazit:
Diese sehr intensive Erzählung zeigt, wie wir über Generationen hinweg mit unseren Familiengeschichten verbunden sind. Danke Dorothee Röhrig, dass sie uns daran teilhaben lassen. Einen Dank auch, an die grüne Kiste, mit ihren Briefen und Fotos.
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