Alex und Merridy wissen, was es bedeutet, schwere Schicksalsschläge zu erleiden. Er verlor seine Eltern bei einem Unfall, sie trauert um ihren verschwundenen Bruder. Die beiden treffen und verlieben sich, heiraten sogar, doch ihr inniger Kinderwunsch bleibt unerfüllt. Da tritt eines Tages wie aus dem Nichts ein junger Mensch in das Leben des Paares: der schiffbrüchige Teenager Kish. Ist er die Erfüllung von Alex' und Merridys Wunsch nach einem heilen Familienleben oder stellt sich alles als Illusion heraus?-
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3.5/5.0
Roland Freisitzer
aus Wien
4/5
25.05.2009
Buch (Taschenbuch)
Eine Liebe mit Hindernissen in Tasmanien
Nicholas Shakespeares Roman Sturm" ist ein beeindruckender Lesestoff. Die Entwicklung der Liebe von Merridy und Alex ist spannend und auf den 542 Seiten großteils überzeugend erzählt.
Alex (dessen Eltern früh durch einen tragischen Unfall ums Leben gekommen sind) trifft Merridy (deren Bruder vor vielen Jahren fast spurlos verschwunden ist und der vermeintlich tot ist), eine Verwandte seiner Verflossenen Tildy und verliebt sich in sie.
Ray Grogan, der berüchtigte Stadtcasanova bemüht sich um Merridy, sein Werben endet aber mit einer schmerzenden Niederlage.
Das und die beiden dunklen Ereignisse im Leben von Merridy und Alex sind die Keimzellen dieses Romans.
Tildy heiratet Ray, Merridy heiratet Alex und während Tildy sofort schwanger wird, scheint es Merridy und Alex nicht vergönnt zu sein, Kinder zu bekommen.
Nicholas Shakespeare entwickelt das Innen- und Außenleben seiner Protagonisten auf beeindruckende Weise, vor allem die unterschiedlichen Wertvorstellungen der beiden Paare werden schön vorgeführt. Die trügerische Kleinstadtidylle am Ende der Welt in Tasmanien, Tildys und Rays Ehe, die von Tildys regelmäßigen Schwangerschaften und Rays Erfolg als Immobilienmakler sowie seinen unzähligen Affairen geprägt ist, wie auch Merridys fleißige und bald auch erfolgreiche Austernzucht als Flucht vor der Tristesse und der auf fast jeder Seite spürbar stärker werdenden Unsicherheit ihrer Liebe zu Alex liefern eine perfekte Kulisse zu dieser vermeintlich ungetrübten Liebesgeschichte; bis Merridy und Alex in einem verheerenden Sturm einen jungen Mann vor dem Ertrinken retten.
Durch den jungen Kish (dessen Vergangenheit scheinbar krimineller Natur ist) brechen unterschwellige Ängste und Sehnsüchte aus, dadurch gewinnt der Verlauf der Geschichte auch rapide an Spannung und Tempo, bis alles wie ein Kartenhaus in sich zusammenbricht.
Nicholas Shakespeare entwickelt seinen Roman auf unterschiedlichen Ebenen, was sich spannend liest, auch wenn einiges durch die für meinen Geschmack zu perfekte Konstruktion (nichts bleibt unverbunden und unaufgelöst; sogar der in der Schulzeit von Alex im Auftrag von Ray gedemütigte Mitschüler taucht knapp vor dem Höhepunkt des Romans auf und erteilt Alex die Absolution und erlöst ihn somit von seinem schlechten Gewissen) vorhersehbar wird. Die Dialoge waren mir ein wenig zu oft einfach flapsig und klischeehaft, was möglicherweise aber auch der Übersetzung anzurechnen ist.
Die Idee, immer wieder konsequent mit den Geschehnissen scheinbar unverwandte Zeitungsausschnitte in den Text einzufügen ist vielleicht nicht die Neuheit schlechthin (man erinnere sich an den Springschnur hüpfenden und zählenden Jungen in Peter Greenaways Film Drowning by Numbers"), bricht den Fluss des Romans aber jedes Mal schön auf und ist eine Bereicherung der Erzählperspektiven.
Fazit: ein wirklich spannender, schön geschriebener Roman, ein wahrer Page-Turner, bei dem man einiges über Australien und Tasmanien, und noch mehr über die Austernzucht lernen kann. Eine etwas neurotische aber doch sympathisch überzeugende Liebesgeschichte, der man gerne folgt.
So ist Sturm" anspruchsvolle Unterhaltung im besten Sinne des Wortes.
Bewertung
aus Wien
3/5
04.11.2011
Buch (Taschenbuch)
Passender Titel zum Inhalt, aber das war's auch schon
Worum es in diesen Buch geht, liest sich weiter oben in der Beschreibung. Klingt an sich alles recht spannend. Die eigentliche Handlung zieht sich dann jedoch sehr zäh dahin, man liest und liest, erwartet Spannungsmomente. Aber: Es ist nie so richtig packend, nie so richtig erotisch (eher pseudoerotisch) und sprachlich darf man sich auch keine Höhepunkte erwarten. Es fehlt auf jeden Fall das gewisse Etwas, das wow-Gefühl bzw. einfach das Gefühl, das es sich ausgezahlt hat, die Zeit zum Lesen dieses Buches zu investieren. Statt dessen stellte sich viel mehr ein "Puh, so viele Seiten noch, soll ich echt noch weiterlesen?!"- bzw. am Ende dann der "Aha, das war's jetzt?!"-Effekt ein.
Einzig: Der Titel "Sturm" passt grandios zum Inhalt. Theoretisch hätte das Buch mit diesem Inhalt auch wirklich total packend werden können. Es hapert jedoch an der literarischen Umsetzung, die das Lesen teilweise recht mühsam machen.
Warum ich dieses Buch dann dennoch gelesen habe?
*) Weil mich der Klappentext angesprochen hat/ich vom Klappentext her dachte, dass es ein richtig spannend-interessantes Lesevergnügen werden würde und
*) Weil ich bei jedem Mal des Lesens gehofft habe, dass es doch ab jetzt endlich interessant werden müsste. Vor allem ab dem Kapitel, in dem der Schriffbrüchige ins Haus trudelt, dachte ich mir, dass die laaaange in Details versinkende Vorgeschichte ab jetzt bestimmt ein Ende hat und die Story so richtig aufschlussreich wird.
Ich habe mich getäuscht.
Fazit: Ein dickes Buch mit dünner, voraussehbarer Handlung.
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