Nicht nur Putins Militärapparat, auch seine Propagandamaschine läuft seit dem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 auf Hochtouren: Im Netz führt die russische Regierung einen Cyberkrieg gegen unliebsame Zivilisten, Politiker und Institutionen aus dem In- und Ausland. In ihrem Debüt Putins Armee der Trolle legt die preisgekrönte - und wegen ihrer kritischen Berichterstattung verfolgte - finnische Investigativjournalistin Jessikka Aro die Strategien hinter der Propagandaschlacht des Kremls offen. Sie schildert, wie vom russischen Staatsapparat orchestrierte Internettrolle systematisch gegen Oppositionelle, Medienhäuser und NGOs hetzen und nahezu unbemerkt an der Destabilisierung westlicher Demokratien arbeiten, etwa durch das bewusste Anheizen politischer Unstimmigkeiten innerhalb der Europäischen Union sowie die massive Beeinflussung der Wählerwahrnehmung im Vorfeld der US-Wahlen 2016 oder des Brexit-Referendums. Aros schockierende Schilderungen, in die Insiderberichte und ihre eigenen traumatischen Erfahrungen mit den Trollen Putins einfließen, lassen keinen Zweifel daran, dass Russland in Form von Internet-Spionage, Social-Media-Trolltum und Deepfakes alle Register des Cyberkriegs zieht, um Fehlinformationen zu verbreiten und seine Feinde auszuschalten. Eine unverzichtbare Lektüre für alle, die die Netz-Propaganda des Kremls als elementaren Bestandteil russischer Kriegsführung verstehen und ihr etwas entgegensetzen wollen.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
5/5
27.03.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sollte man gelesen haben
Das russische Propaganda allgegenwärtig ist, lässt sich nur schon nach einem kurzen Blick in den Kommentarspalten verschiedener Diskussionsforen im Internet aufzeigen.
Ein wichtiger Beitrag zum Kampf gegen russische Desinformation, die allzu oft ihre Wirkung gezeigt hat.
Das die finnische Autorin in ihrem Heimatland um ihr Leben fürchtet, zeigt nur allzu wahrhaftig, dass die Tentakeln von Putin Kritiker der Machenschaften dieses erbarmungslosen Regimes am liebsten zum Stillschweigen bringen möchten.
Eine absolute Pflichtlektüre.
Kunde
aus Bodensee
5/5
04.12.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unverzichtbares Werk im Informationszeitalter des Internet
Dass es Hass und Hetze im Internet und sozialen Medien gibt, ist nichts neues und überrascht auch nicht. Was der Autorin und vielen anderen Menschen, die gegen Falschmeldungen und Propaganda kämpfen, widerfahren ist und immer noch anhält, überrascht dann doch etwas. Weil das, was ihnen widerfährt, kein Zufall ist, sondern systematisch erfolgt. Es zeigt, dass die Arbeit, die sie leisten und die gravierenden Einschränkungen, die sie in ihrem Privatleben in kauf nehmen, Wirkung zeigt. Denn sie haben in ein Hornissennest gestochen.
Frau Aro hat durch ihre Arbeit viele interessante Menschen kennengelernt, deren Geschichten sie, neben ihrer eigenen, erzählt. Menschen die für ein kleines Stück Gerechtigkeit kämpfen. Gegen Desinformation, für die Freiheit und den Erhalt von Demokratie.
Zum einen zeigt es schonungslos Lücken in der aktuellen Gesetzgebung auf, die noch nicht auf das Informationszeitalter des Internet und der Verbreitung von Lügen, Hass und Hetze ausgerichtet ist.
Zum anderen führt es vor Augen, dass die Menschen auf der ganzen Welt ihre Medienkompetenz stärken müssen, wenn sie weiter in Freiheit leben möchten. Wer Informationen kontrolliert, kontrolliert indirekt die Gedanken der Menschen. Jeder sollte sich bewusst machen wie Qualitäts-Journalismus funktioniert was für Regeln es dafür gibt und, dass man, wenn man die Regeln kennt, relativ einfach den Wahrheitsgehalt von Informationen selbst abschätzen und einordnen kann.
Mit dem Hintergrundwissen des Buches wirkt es schon fast ein bisschen bedrohlich, wenn man bedenkt, dass in immer mehr europäischen Demokratien populistische Parteien an Fuß fassen. In manchen Ländern wurde bereits erfolgreich die Pressefreiheit eingeschränkt, in dem unabhängige Qualitätsmedien mundtot gemacht wurden.
Der Großteil der Menschen in Europa lebt auf einer Insel der Glückseligkeit. Vieles ist selbstverständlich. Doch jedem muss bewusst sein, dass es Freiheit nicht zum Nulltarif gibt. Wie fragil das ganze System ist, zeigt das Buch. Es gibt viele mutige Menschen die für guten, ehrlichen Journalismus kämpfen. Doch sie kämpfen gegen Windmühlen, die so viel mehr Ressourcen und Budget haben. Deshalb benötigen sie Unterstützung.
Fazit:
Buch lesen und darüber sprechen. Sprechen sie mit Freunden, Bekannten und Kollegen über Falschmeldungen, Hass und Hetze. Und wie Propaganda heute funktioniert. Sind unabhängige Journalisten und Medien erst einmal erfolgreich als Lügenpresse denunziert und das Vertrauen weg, ist es ein leichtes die Demokratie nach und nach auszuhöhlen.
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