Endlich: Der Roman »Die Hauptstadt«, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis, erfährt in »Die Erweiterung« seine FortsetzungZwei Brüder, nicht leibliche Brüder, sondern »Blutsbrüder«, verbunden durch einen Schwur, den sie im polnischen Untergrundkampf gegen das kommunistische Regime geleistet haben, gehen nach dessen Zusammenbruch getrennte Wege. Der eine, Mateusz, macht nationale Karriere und wird schließlich polnischer Ministerpräsident. Der andere, Adam, ging nach dem EU-Beitritt Polens nach Brüssel und arbeitet in der Europäischen Kommission in der Generaldirektion für Erweiterung. Er ist eingebunden in Verhandlungen mit Albanien, das Kandidaten-Status hat. Während die Vorbereitungen für die Westbalkankonferenz im polnischen Poznan auf Hochtouren laufen, bittet Adam Mateusz um Unterstützung, doch der beginnt das Beitrittsgesuch Albaniens zu unterminieren. Aus der einstmals tiefen Verbundenheit wird eine unversöhnliche Feindschaft von europäischer Dimension. Auf einer vom albanischen Ministerpräsidenten organisierten Kreuzschifffahrt auf der SS Skanderbeg, zu der er Regierungschefs der Balkanstaaten, EU-Außenminister und Vertreter der Europäischen Union eingeladen hat, treffen die beiden wieder aufeinander. Was dann passiert, steht längst nicht mehr in ihrer Macht.Der politische Konflikt der beiden Blutsbrüder ist aber nur der Rahmen, innerhalb dessen sich eine Vielzahl von Schicksalen entscheidet, kühne Pläne und große Lebensanstrengungen auf die Probe gestellt werden, bis es zum Showdown kommt, auf dem schwankenden Boden eines albanischen Schiffs.Ungekürzte Lesung mit Burghart Klaußner19h 17min
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Heike
aus Draßburg
5/5
20.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannung und Information in fesselndem Roman
Der zweite Teil der geplanten Trilogie ließt sich genauso spannend wie " Die Hauptstadt". Obwohl durch viele Handlungsstränge verschachtelt. behält man durch den klaren, flüssigen Schreibstil des Autors immer den Überblick. Das Buch ist eine tolle Alternative für Menschen, denen rein historische Abhandlungen zu trocken sind.
Denn neben Verbrechen und Intrigen bekommt man gut recherchierte historische Fakten über Europa frei Haus.
Ich habe den Roman mit großem Interesse gelesen und bei guter Unterhaltung viel gelernt.
Edith Berger
aus Graz
5/5
17.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
großes Lesevergnügen
Es ist der französische Präsident, der die Beitrittsambitionen Albaniens per Veto vom Tisch wischt. Eine enttäuschende Situation für das kleine Land. Wurden gerade mit dieser Zukunftsaussicht die Wahlen gewonnen. Strategisch platzierte Drohungen mit China als zukünftigem Handelspartner sollen einen gewissen Druck, zumindest Geneigtheit für Albanien als Mitgliedsland erzeugen. Als dann aus dem Kunsthistorische Museum in Wien der Helm des albanischen Nationalhelden Skanderbeg entwendet wird, werden die Schuldigen auch sofort dort vermutet.
Ingrid
aus Düsseldorf
5/5
11.01.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Beschreibt einen Teil der Steuerung des Schiffs Europa mit beigemischtem Sarkasmus
Im Roman „Die Erweiterung“ wirft Robert Menasse einen Blick auf den langwierigen Prozess entsprechender Anwärterländer, die der Europäischen Union beitreten möchten. Beispielhaft wählt er Albanien als Beitrittskandidaten aus. So wie im Buch des Autors „Die Hauptstadt“ ein Schwein für besondere Aufmerksamkeit sorgt, ist es diesmal ein Helm, zu dem es immer wieder zu einem Zwischenspiel kommt, ganz zum Amüsement der Lesenden. Die auf dem Helm angebrachte Figur eines Ziegenkopfs zeigt sich auf dem Cover als Galionsfigur des albanischen Kreuzfahrtschiffs, das zum Ende der Geschichte hin von Bedeutung ist.
Dem albanischen Ministerpräsidenten dauert es viel zu lange bis er die Genehmigung für den Beitritts seines Landes erhält. Schließlich hat er dafür bei seiner Wahl geworben und möchte nun Erfolge nachweisen. Einer seiner Berater schlägt vor, dass der Besitz des Helms des Nationalhelden Skanderberg, der sich bedauerlicherweise in einer Ausstellung in Wien befindet, ihm Anerkennung beim Volk bringen würde. Es gibt Schwierigkeiten bei der Rückgabe und daher beschließt man, ein Duplikat anzufertigen. Der Helm und seine Zweitausgabe geraten immer mehr ins Rampenlicht und werden zu einem Objekt der Begierde außerhalb der Regierungsreihen, während man sich im Gefolge des Regierungschefs weitere Gedanken über das Für und Wider seiner Bedeutung macht.
Robert Menasse schaut tief in die Ansichten seiner Charaktere hinein. Es sind nicht nur die Figuren, die in der Gegenwart agieren, sondern der Autor betrachtet sie als Personen, die sich aus ihrer Herkunft und ihrem Werdegang entwickelt haben. Er zieht die Verbindungen zu vergangenen und gegenwärtigen Freundschaften, zu Bekannten und Familienmitgliedern aus denen Abhängigkeiten sowie Anrechte entstanden sind.
Die Beschreibungen von Robert Menasse sind überspitzt dargestellt, aber an die Gegebenheiten angelehnt. Es sind viele Fakten, die er in den Roman einfließen lässt, beispielweise gibt es den Helm tatsächlich. Beitrittsverhandlungen zur Europäischen Union dauern aufgrund hoher Anforderungen an die Länder sehr lange. Mit einer gehörigen Portion Ironie, aber auch mit fundiertem Wissen stellt der Autor einen Ausschnitt aus dem aufwändigen Prozess nach. Er vermittelte mir mit manchmal weitschweifenden Schilderungen Zusammenhänge in der Europapolitik.
Nach seinem Roman „Die Hauptstadt“ ist es Robert Menasse erneut gelungen einen Teil der Steuerung des Schiffs Europa vielschichtig und mit beigemischtem Sarkasmus darzustellen. Um seine Handlungsstränge baut er einen Rahmen, der bis in die Vergangenheit reicht und an den Rändern weitläufige Verknüpfungen von Figuren und zwischenstaatlichen Handlungen der europäischen Länder aufspannt. Gerne empfehle ich das Buch weiter.
Circlestonesbooks.blog
5/5
11.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Facettenreich, genial,…
Facettenreich, genial, lesenswert „So geht Politik. Im Grunde ist Politik ein Spiel mit Kulissen, es ist wie im Theater: Vorne hast du symbolische Handlunge, dahinter die Technik.“ (Zitat Pos. 1276) Inhalt Begonnen hat alles mit dem Helm des Skanderbeg. Es ist ein ungewöhnlicher Helm mit einem Ziegenkopf auf dem Helmscheitel, zu sehen im Weltmuseum in Wien und ein Symbol für die Geschichte der Skipetaren in Europa. Der Ministerpräsident von Albanien hatte vor seiner Wahl versprochen, sich dafür einzusetzen, dass Albanien Mitglied der Europäischen Union wird. Nun sollen auf Grund der Weigerung Frankreichs nicht einmal die Beitrittsverhandlungen aufgenommen werden. Genau das ist der Moment, in dem Ismael Lani, sein Pressesprecher, den Ministerpräsidenten an Skanderbeg, ihren Nationalhelden, erinnert und Fate Vasa, Künstler und ebenfalls enger Berater des Ministerpräsidenten, die Idee aufnimmt und weiterführt. Albanien fordert die österreichische Regierung auf, den Helm zurückzugeben, was abgelehnt wird. Doch kurz darauf wird der Helm aus dem Museum in Wien gestohlen und rückt so in der Mittelpunkt der Ereignisse rund um die geplante Balkan-Konferenz über eine mögliche EU-Erweiterung. Themen und Genre In diesem Roman geht es um Europa und die Europäische Union, um die Politik mit ihren Spielchen und Intrigen, aber auch um gesellschaftliche und persönliche Konflikte, Freundschaft, Familie, Beziehungen. Ein Kernthema ist die wechselvolle Geschichte des Westbalkans. Charaktere Auch in diesem Roman bringt der Autor seine unterschiedlichen Figuren auf den Weg, einige völlig unabhängig voneinander, andere gemeinsam, oder ihre Wege kreuzen sich im Laufe der Handlung. Mit charmant-bissiger Eleganz definiert er Charaktere, ihre Wünsche, Träume, oder den Verlust derselben. „Wir sind, sagte er, auf der Stelle tretend einen Schritt weiter.“ (Zitat Pos. 5861) Handlung und Schreibstil Die Geschichte spielt während der Jahre 2019 und 2020 und wird ergänzt durch Rückblicke in Form von Erinnerungen und Erzählungen über Ereignisse, die in der Vergangenheit stattgefinden haben. Wir folgen den Hauptfiguren, die abwechselnd im Mittelpunkt der Handlung der einzelnen Kapitel stehen. Der Autor lässt sich Zeit, er schickt seine Figuren los, zeigt sie auch in ihrem persönlichen Umfeld, lässt uns an ihren Alltagsproblemen, Zweifeln und Sehnsüchten teilhaben, gleichzeitig führt er uns mit kritischem Witz durch die vielen Facetten der europäischen Politik. Doch der Schein trügt. Gerade hat man es sich noch im unterhaltsamen Lesevergnügen gemütlich gemacht, neugierig, mal schmunzelnd, mal nachdenklich, folgen wir den Entscheidungen und Wirrnissen der einzelnen Figuren, da wenden sich die Ereignisse und es beginnt ein rasanter Showdown. Fazit Was mit „Die Hauptstadt“ begann, wird mit diesem facettenreichen Roman, der auch sprachlich begeistert, genial und großartig weitergeführt.
Juti
aus HD
4/5
08.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
zweites Epos über die EU Irre…
zweites Epos über die EU Irre Gegensätze ziehen sich durch Europa. Die einen – wie Albanien – wollen in die EU und verändern ihre Justizsystem, um die Vollmitgliedschaft zu erreichen. Die anderen – wie Polen – sind in der EU und haben beim Abbau des Rechtsstaates kaum noch was zu befürchten. Am besten gefällt mir die österreichische Ironie des Autors. So heißt der Vierte Teil: „Wenn das Lose abblättert vom Besinnungslosen.“ (385) Und besonders witzig, ist die falsche Lösung eines Rätsels, weil der Schreiber Raskolnikow anstatt Dostojewski für den Autor von Schuld und Sühne hielt. (357f) Ich habe versucht das Rätsel nachzuzeichnen und bin leider auf gewisse Unstimmigkeiten getroffen. Gelungen ist die Wahl des Zentralsymbols, des Helms von Skanderbeg, der als Christ in einem mehrheitlich muslimischen Land die Albaner einte. Zunächst wird das Original aus einem Wiener Museum und dann die Kopie gestohlen. Gelungen ist auch die Kreuzfahrt auf der SS Skanderbeg, was natürlich zu gewissen Nazivergleichen verleitet, wobei SS nur für „Streamship“ steht. Auf dem Schiff sind alle hochrangigen Politiker der EU vereint und dann bricht ein Virus an Bord aus. Überflüssig fand ich dagegen die Reise nach Nordalbanien. Mühsam sind wie im ersten Teil „die Hauptstadt“ die vielen handelnden Personen. Auch die Liebesgeschichte zwischen dem österreichischen EU-Beamtem Karl Auer und Baya Muniq ist zu ausführlich. Vermutlich sollte die Schwierigkeit von Antikorruptionsgesetzen gezeigt werden. Alles in allem aber eine gelungene Satire. Das Thema EU ist Menasses Alleinstellungsmerkmal. 4 Sterne
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