Ausgezeichnet mit dem Pulitzerpreis und dem Geschwister-Scholl-Preis
»Ein literarischer Essay über Familie, Verlust und Trauer - und schon jetzt eines der herausragenden Bücher des Jahres.« Jobst-Ulrich Brand, Focus
Hisham Matar wuchs als Kind in Libyen auf, doch die Diktatur unter Gaddafi hat seine Familie früh zerstört. Er selbst lebt seit langem in England, sein Vater wurde in das berüchtigtste Gefängnis von Libyen verschleppt. In dem kurzen Zeitfenster nach Gaddafis Sturz und vor dem neuen Bürgerkrieg kehrt Hisham Matar in seine Heimat zurück, um endlich vor Ort nach seinem Vater zu suchen. Sein Buch ist ein bewegendes Dokument.
Ausstattung: Pepper: Ausgezeichnet mit dem Pulitzerpreis
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Ergreifend, erschütternd,…
buch_akzente am 10.01.2025
Bewertungsnummer: 2923596
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ergreifend, erschütternd, brillant geschrieben, verdienter Pulitzer- und Geschwister-Scholl-Preis für diese Autobiographie. Libyen. Weiß jemand von euch mehr über Libyen, als dass es da einen Gaddafi gab? Ich ehrlicherweise nicht. Aber nun, nach der Lektüre weiß ich mehr und bin entsetzt über das Martyrium dieses Volkes. Der Autor wird im Jahr 1970 geboren, als sein Vater Jaballah Matar kurz nach der Machtübernahme Gaddafis als Diplomat in New York tätig ist. Libyen war von 1951 bis 1969 unter König Idris ein Königreich gewesen. Und zunächst noch voller Hoffnung auf eine Demokratie in seinem Land, bemerkt Jaballah jedoch schnell, wie sehr er sich in Gaddafi getäuscht hat und wird zum heftigsten Unterstützer des Widerstandes. So ist er nach nur wenigen Jahren Aufenthalt mit seiner Familie in seinem Heimatland gezwungen, mit ihr zu fliehen. Zuerst fliehen sie nach Kenia und anschließend nach Kairo. Von dort wird Jaballah 1990 mit Hilfe der ägyptischen Regierung nach Libyen entführt und in das berüchtigte Gefängnis Abu Salim gebracht. Zu dieser Zeit studiert sein Sohn Hisham, der Autor, in England. 22 Jahre später, im Jahr 2012, nach der Revolution und Gaddafis Sturz reist dieser mit seiner Frau nach Libyen, um seinen Vater zu suchen bzw. Klarheit über dessen Schicksal zu bekommen. An diesem Punkt startet Matars Bericht. Ich wurde beim Lesen hineingezogen in ein Leben voller Trauer, Wut, Verzweiflung und mit einem beherrschenden Gefühl der Heimatlosigkeit, des Abgetrenntseins von Heimat und dem Rest der Familie, aber auch in ein Leben voller Hoffnung, dass der Vater vielleicht doch noch lebt. Hoffnung für Libyen. Hoffnung auf Demokratie, auch wenn schon alle Zeichen auf einen Bürgerkrieg hindeuten. Dabei erfahren wir über die Geschichte des Großvaters von der Kolonialisierung durch Italien, vom Genozid an mehreren 100.000 Menschen und der Ausbeutung des Landes auf Befehl von Mussolini. Ich hatte davon noch nie gehört oder gelesen. Wusstet ihr davon? Matars eindrückliche, bestechend klare, versierte und auch poetische Sprache vermag es, uns in seine Person zu versetzen, in seine Gedanken und Gefühle: "Im Auto unterwegs von Adschabiya nach Bengali ... begriff ich, dass ich all die Jahre das Kind, das ich einmal war, in mir getragen hatte, seine Sprache und Eigenschaften, die ungeduldigen, durstigen Zähne, die in das kalte Fleisch der Wassermelone bissen." "Seit wir Libyen verlassen hatten, war Wut wie ein vergifteter Strom durch mein Leben geflossen und hatte sich bis in die Verästelungen meiner Anatomie gegraben." "Wenn ich darüber nachdenke, was mit ihm geschehen sein mag, spüre ich, wie sich ein Abgrund in mir öffnet. Ich versuche, mich an den Wänden festzuklammern, doch sie sind rau und unsicher, aus weichem Lehm, der im Regen wegbricht, und die Öffnung ist rund, wie bei einem Brunnen. Unser Brunnen." Bei seiner Reise durch seine Heimat befragt Matar mit viel Einfühlungsvermögen Familienmitglieder, die ebenfalls eingekerkert waren, aber wieder freigelassen wurden, in der Hoffnung, etwas über seinen Vater und dessen Verbleib zu erfahren. So erlangen wir Kenntnis über die unfassbaren Haftbedingungen und Geschehnisse im Abu Salim Gefängnis. Hisham Matar lässt uns in seine arabische, heimat- und vaterlose, sowie -suchende Seele schauen. Er legt alles frei. Und das ergreift den Leser im Innersten. Diese Autobiographie ist große Literatur, in meinen Augen ein Meisterwerk und sollte unbedingt gelesen werden. Lesen, lesen, lesen!!!
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