Zum Captain befördert steht der junge Seemann Edmond Dantès kurz vor der Hochzeit mit der zauberhaften Mercédès. Sein reicher Freund Mondego gönnt ihm das Glück aber nicht. Besessen von Neid und Eifersucht fädelt er eine schreckliche Verschwörung gegen Edmond ein, so dass Edmond verhaftet und in die Gefängnisfestung Château d'If gesperrt wird. Nur die Liebe zu seiner Geliebten Mercédès sowie die weisen Ratschläge seines Zellennachbars Abbé Faria lassen den Unschuldigen die Demütigung überstehen. Nach 13 qualvollen Jahren gelingt ihm die waghalsige Flucht auf die Insel Monte Cristo, wo er dank einer Schatzkarte von Abbé Faria zu unermesslichem Reichtum gelangt. Als Graf von Monte Cristo kehrt er mit neuer Identität in seine Heimat zurück und muss feststellen, dass Mercédès jetzt die Frau des Mannes ist, der ihn verraten hat. Getrieben von der Rache an den Männern, die ihn verdammt haben, ist Edmond bereit, in der Stunde der Vergeltung alles aufs Spiel zu setzen.
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Die alte Rachefabel – fabelhaft neu erzählt
Bewertung aus Hamburg am 02.03.2023
Bewertungsnummer: 1891768
Bewertet: BluRay (Blu-ray)
Der gefühlt zwanzigsten Verfilmung von Alexandre Dumas‘ Abenteuerklassiker „Der Graf von Monte Christo“ – vom deutschen Verleih seinerzeit kurz „Monte Cristo“ betitelt, war 2002 im Kino vergleichsweise mäßiger Erfolg beschieden. Das sollte aber niemanden davon abhalten, den hierzulande nach langer Wartezeit endlich auch auf Blu-ray erschienenen Streifen im Heimkino zu genießen.
Tatsächlich ist Regisseur Kevin Reynolds hier ein großartiger, temporeicher Kostümfilm gelungen, der jedoch ebenso ruhige Momente von anrührender Traurigkeit entfaltet, insbesondere in den Szenen, die sich der tragisch beladene Liebe von Edmond Dantès und seiner Verlobten Mercédès zuwenden.
Nahezu alle Verrisse, mit denen der Film bis heute bedacht wird, machen ihm die fehlende Werktreue zur literarischen Vorlage zum Vorwurf. Der Rezensent hingegen möchte die Neuinterpretation des Stoffs von Drehbuchautor Jay Wolpert ausdrücklich verteidigen. Tatsächlich entfaltet sich die Geschichte anfangs durchaus so, wie man den Stoff erinnert: Die aus Neid, Eifersucht und Karrieredenken seiner Feinde geborene Intrige gegen den jungen Aufsteiger Dantès, seine Leidenszeit im Kerker, die Begegnung mit dem Abbé Faria, die Flucht aus Chateau d‘If sowie die Wendung zu plötzlichem Reichtum spielen sich trotz mancher Kürzungen und einigen Ausschmückungen weitgehend ab wie im Roman. Erst die Planung und Ausführung der Rache des Grafen ist größtenteils neu erdacht. Gerade weil das Script hier die ausufernden Handlungsstränge und die Figurenvielfalt der Vorlage radikal beschneidet, hält der Film auch in dieser zweiten Hälfte, die vor allem in der mondänen Pariser Gesellschaft spielt, durchgehend den Spannungsbogen. Dabei gelingt ihm noch ein weiteres Kunststück, denn trotz aller Veränderungen bleibt der schmale moralische Grat, auf dem der selbst ernannte Racheengel Monte Cristo wandelt, deutlich erkennbar: Wie in der Erzählung trifft seine Vergeltung nicht nur die aufgespürten Feinde sondern sie bedroht ungeplant auch das Leben Unschuldiger.
Auch das Filmende wird, da einmal mehr abweichend vom Roman, häufig kritisiert, doch auch hier ist die angeschlagene Stimmung durchaus vielschichtig. Dass die Handlung dabei eine von Männern diktierte Gesellschaftsmoral, in der auch Dumas gefangen war, hinter sich lässt, gereicht ihm einmal mehr zum Vorteil, oder anders gesagt: Auch Frauen könnte der hier gewählte Ausgang des Dramas gefallen.
„Monte Cristo“ verzichtet auf wirklich große Schauspielstars, ist aber in allen Rollen ausgezeichnet besetzt. Ausstattung, Kostüme und stilvolle Kameraarbeit entführen den Zuschauer mühelos ins frühe 19. Jahrhundert, dazu kommt eine großartige Filmmusik von Edward Shearmur, der einen Reigen vom festlichen Walzer bis hin zum kargen, schmerzgetränkten Requiem entfaltet.
Kleinere Schludrigkeiten darf man dem Film natürlich ankreiden, den Unterhaltungswert, den er als Ganzes hat, schmälern sie nicht. Da wird zum Beispiel anfangs ein um den Finger gewickelter Bindfaden zum symbolischen Verlobungsring – so weit, so hübsch: Dass das dünne Bändchen viele Jahre später an gleicher Stelle wie unberührt prangt, darf man hingegen als, Verzeihung, Seemannsgarn abtun. An anderer Stelle übertreiben es die Autoren mit der naiven Unschuld des jungen Dantès, wenn dieser sich vorm befragenden Staatsanwalt als Analphabet bekennt. Immerhin wurde er gerade frisch zum Kapitän eines Frachtseglers befördert, und selbst im frühen 19. Jahrhundert mussten Anwärter hierfür ausreichend lesen und schreiben können.
Im Direktvergleich zur alten 2003 gemasterten DVD bietet die vorliegende Blu-ray auf einem 55-Zoll-Bildschirm das merklich bessere Bild, egal ob man nun eine helle Landschaftstotale oder bei Kerzenlicht aufgenommene Nahaufnahmen betrachtet: Das HD-Upgrade lohnt sich auf jeden Fall.
Die umfangreichen Extras der alten Veröffentlichung wurden übernommen, dazu gibt es noch ein zusätzliches Featurette und zur Vorfreude auf den Film kann sogar in einem Booklet geblättert werden. Magnifique!
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