Christine Westermann, preisgekrönte Journalistin und Bestsellerautorin, genießt mit ihren Buchempfehlungen großes Vertrauen bei einem breiten Publikum. Bücher sind aus ihrem heutigen Leben nicht wegzudenken, sie sind für sie Fenster in ein fremdes Leben. Dabei war ihr Weg zu den Büchern kein selbstverständlicher, eher ein Hindernislauf. Elegant, ehrlich und mit wunderbarer Selbstironie erzählt Christine Westermann, wie sie zu den Büchern (und Thomas Mann) fand – und begibt sich dabei auf eine fesselnde Zeitreise in ihre eigene, von Brüchen gezeichnete Familiengeschichte.
Eine Bibliothek mit Leiter wünscht sich Christine Westermann. Damit sie auch mal an die Bücher in der obersten Reihe kommt. An den Zauberberg von Thomas Mann aus dem Regal der Eltern zum Beispiel, an den sie sich lange nicht gewagt hat. Mit welchen Büchern ist sie aufgewachsen, welche sind noch heute eng mit ihrem Leben verknüpft? Warum hat Lesen lange Zeit nur eine kleine Rolle in ihrem Leben gespielt? Warum ist sie aus allen Wolken gefallen, als sie gefragt wurde, ob sie Lust habe, Buchempfehlungen fürs Radio zu machen? Wie schreibt man eine Empfehlung und warum soll es bei ihr nie ein Verriss sein?
Christine Westermann schreibt über die Lust zu lesen. Und damit eng verbunden über die Neugier auf das Leben der anderen. Mit ihrem neuen Buch erlaubt sie einen Einblick ins eigene Leben. Und in die vielen Bücher, die darin vorkommen.
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Noch mehr als im gedruckten…
LichtundSchatten am 18.02.2023
Bewertungsnummer: 2794408
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Noch mehr als im gedruckten Buch wird in der Hörfassung ein melancholischer Grundton sichtbar, der Frau Westermanns Büchervorlieben steuert. Sie ist auf der Suche nach einem intakten Familienleben und schätzt Bücher, die dies im weitesten Sinne problematisieren und lösen. Sie blickt gerne in andere Leben - wer würde dieser Leidenschaft nicht ebenso frönen? Mein Konsum des ÖRR tendiert schon seit Jahrzehnten gegen null. Frau Westermann hatte ich ab und an beim Lit. Quartett gesehen. Mit Hans-Joachim Friedrichs beendete ich die ZDF Nachrichten und der WDR war und ist für mich schwer erträglich. Hans-Joachim Friedrichs war der letzte Journalist, der verstand, um was es ging. Mir neutrale Informationen geben, so dass ich selbst ein Urteil bilden kann. Christine Westermann lernte wohl bei Herrn Friedrichs bzw. schätzte ihn. Genau das merkt man diesem Buch an. Sie setzt ihre Meinung nicht als absolut, sondern erzählt, warum sie ein Buch gut findet, ganz entspannt. Ich habe es mit großem Gewinn gehört und war besonders angetan von der Idee des Zauberberg. Sie wollte ihn endlich lesen und lässt es bis zum Schluss offen, ob sie es geschafft hat. Frau Westermann will keine negativen Bewertungen abgeben, sondern gute Bücher an den Mann, die Frau bringen. Ich kann das gut verstehen. Keine Zeit für negative Kritik, sondern Förderung der guten. Die Menge lässt nicht nach, im Gegenteil. Besonders in Erinnerung bleibt mir die Stelle, als sie vom ZDF endlich einen Tisch fordert - für das Literarische Quartett. Ohne Tisch müsse man auf die Beine und andere Dinge blicken, die aber niemand sehen will. Wie Recht sie hat. Ich meide alle Talkshows, in denen die Teilnehmer angestrengt top down einsehbar auf Stühlen sitzen.
Eine interessante, unterhaltsa…
Circlestonesbooks.blog am 13.11.2022
Bewertungsnummer: 2787059
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine interessante, unterhaltsame Reise durch ein Leben mit Büchern „Das Leben der anderen, da möchte ich reingucken, das ist es vielleicht auch, was mich zu Büchern hinzieht. Lesen, wie es auch gehen kann mit dem Leben.“ (Zitat Pos. 129) Inhalt In fünfzehn Kapiteln, von denen jedes als Überschrift ein Zitat von einem Schriftsteller oder einer Schriftstellerinnen zum Thema Bücher trägt, schreibt Christine Westermann über ihr Leben. Ihre Geschichte beginnt mit den zwei sehr unterschiedlichen Bücherregalen ihrer Kindheit und Jugend, eines in der Wohnung ihrer Mutter und das andere in der Wohnung ihres Vaters. Sie schildert ihren Werdegang als Journalistin, wobei sie ursprünglich nicht damit gerechnet hatte, dass ihre beruflichen Wege sie zu den Büchern führen würden und dass es ihr gelingen würde, Menschen für Bücher zu begeistern. Ihr Schwerpunkt waren immer Romane, in denen es um Menschen, Familien, Beziehungen ging und siebenundvierzig davon stellt sie in diesem Buch vor. Sie hat nie negative Bewertungen geschrieben, ihr war und ist es wichtig, Bücher zu empfehlen und dabei zu erklären, warum ihr ein Roman gefallen hat und ihre Gedanken und Eindrücke während des Lesens zu schildern. Umsetzung Mir gefällt die ungewöhnliche Art, wie Christine Westermann ihr Buch aufgebaut hat. Viele Jahrzehnte lang hat sie sich buchstäblich um den dicken Wälzer hinter Glas im Regal herumgeschlichen, „Der Zauberberg“ von Thomas Mann. Als sie begonnen hat, an diesem Buch zu schreiben, hat sie auch begonnen, "Der Zauberberg" zu lesen, in kleinen Schritten, mit Unterbrechungen, knapp vor dem Scheitern und dies ist so etwas wie eine Rahmenhandlung zu den Geschichten ihres Lebens in Büchern. Christine Westermann berichtet über Erlebnisse während ihrer Lesereisen, über die vier Jahre als Mitglied des „Literarischen Quartett“, über ihre Sendungen in Radio und Fernsehen, ihre Kolumnen. Sehr spannend und interessant ist das Kapitel über ihre Teilnahme am Deutschen Literaturpreis als Mitglied der Jury. Ich konnte mir nie vorstellen, wie es funktioniert, im ersten Durchgang Hunderte von Büchern zu lesen, hier bekommt man einen Einblick und sieht die Arbeit der Jury und die komplizierten Auswahlverfahren der einzelnen Listen nun mit anderen Augen. Die siebenundvierzig in diesem Buch besprochenen Romane sind je nach Stichwort in die Texte eingebunden, im Anhang findet sich eine Liste aller Romane, geordnet in der Reihenfolge, in der sie im Buch vorgestellt werden. Das Kapitel fünfzehn beginnt mit folgendem Zitat: „Wenn der Funke nicht überspringt, ist nichts zu machen. Die Klassiker liest man nicht aus Pflicht oder Respekt, sondern nur aus Liebe.“ Italo Calvino (Zitat Pos. 2159). Damit schließt sich der Kreis zu Thomas Mann und dem Zauberberg. Fazit Eine unterhaltsame, interessante Zeitreise durch die Geschichten eines Lebens als Journalistin, Moderatorin, Autorin, Leserin und Vorleserin. Die Art, wie sie Bücher vorstellt, macht neugierig auf jene Romane, die man noch nicht kennt, die persönliche Wunschliste wird auch mit diesem Buch wieder länger – und bei mir der Vorsatz, trotzdem, den Zauberberg auch aus meinem Regal zu nehmen und endlich zu lesen.
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