Jana Revedin erzählt von den Schicksalsjahren Venedigs – und ihrer eigenen Familie
Für Peggy Guggenheim war sie die First Lady Venedigs. 1920: Die fünfundzwanzigjährige Margherita, die in ihrem Heimatstädtchen Treviso die Zeitungen austrägt, wird durch die Heirat mit dem adeligen Antonio Revedin zur First Lady Venedigs. Heute ist ihr Name vergessen: Doch Margherita verstand es, sich durch ihre unvoreingenommene Art zum Mittelpunkt einer sich neu erfindenden Stadt zu machen. Peggy Guggenheim wird ihre beste Freundin, und die Künstlerfeste auf der Terrasse des Hotel Excelsior, zu denen sie Greta Garbo, Coco Chanel, Clark Gable oder Pablo Picasso einlud, werden legendär.
„Wer ein bisschen von der Schönheit der Märchenstadt träumen möchte, der taucht mit Jana Revedins Roman in eine andere Zeit ein und legt das Buch erst aus der Hand wenn er diese faszinierende Lebensgeschichte zu Ende gelesen hat.“ WDR
Kundinnen und Kunden meinen
3.6/5.0
Juliane
Thalia Book Circle Community
5/5
18.12.2025
Buch (Taschenbuch)
Eine beinahe märchenhafte Erzählung
Was mich zuerst in den Bann zog? Das Cover, dieser wundervolle Blick von der Ponte dell‘Accademia auf den Canal Grande. Dann natürlich diese fast märchenhafte Geschichte von einer jungen, armen Zeitungsverkäuferin aus Treviso, die einen reichen Venezianer heiratet und ganz nebenbei das kulturelle und touristische Leben in der Lagunenstadt gestaltet. Ich hatte von Margherita Revedin bisher nichts gehört, obwohl ich Venedig-Liebhaberin bin und die Stadt schon einige Male besucht habe. Gerade erst von einer Reise in die Serenissima zurückgekehrt, lässt dieses Buch eine Bilderreise vor meinem inneren Auge entstehen. Die Gassen, Plätze und Orte, die Margherita entlang wandelt, entstehen in sehr bildhafter, eleganter Sprache beschrieben, vor meinen Augen. Die illustre Schar von Künstlern, Schriftstellern, Mäzenen und Förderinnen der schönen Künste ist wundervoll in Szene gesetzt. Es macht Spaß, dieser jungen Frau von Treviso über Paris bis nach Venedig zu folgen. Ihre tiefe Liebe zu dieser ganz besonderen Stadt wird mit jedem Satz deutlich. Ihre persönliche Geschichte ist auch nicht frei von Schatten, doch diese werden eher gestreift. Ob das an der familiären Beziehung der Autorin zur Hauptfigur liegt? Doch diese Verbindung macht das Geschriebene noch berührender, beinahe intim. Die Krankheit des Sohnes Luigi, die aufreibende Geburt des jungen Antonio und schließlich Margheritas eigene Entwicklung berühren mich sehr. Wie kann es sein, dass so eine faszinierende Frau, die so viel für die Stadt und die Kultur erreicht hat, beinahe aus der Geschichte verschwunden ist? Ein wirklich bewegendes Schicksal, das Mut macht, zum Träumen anregt und mich für einige wundervolle Stunden nach Venedig entführt.
Bewertung
5/5
09.07.2023
Buch (Taschenbuch)
Am Ende feuchte Augen
Ich habe den Roman während und nach einem Kurztrip nach Venedig zur Architekturbiennale gelesen und er hat mich von der ersten Seite an gefesselt! Der Schreibstil von Revedin ist so lebendig und malerisch. Die (letztendlich auch traurige) Geschichte um Margherita und das Ende des Buches liessen meine Augen nicht trocken. Eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe!
Bewertung
4/5
12.04.2022
Buch (Taschenbuch)
Eine Ode an Venedig
Dies ist jetzt der zweite Roman von Prof. Dr. Jana Revedin. Ich bin erstaunt, dass eine Frau, die nach wie vor an Universitäten lehrt und zwei Töchter hat, so etwas profanes wie Romane schreibt. Allerdings sind ihre Romane keine einfachen Romane, sondern Romanbiografien. Und in ihrer Art unterscheiden sie sich schon deutlich von der Reihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“, die auch im Aufbau Verlag erscheinen.
Ihr ersten Roman „Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus“ über Ise Frank, spätere Ise Gropius, erschien 2019, als das Bauhaus seinen 100. Geburtstag feierte. Bei dem Roman hatte ich das Gefühl, dass die biografische Seite für die Autorin wichtiger gewesen ist als die erzählende Seite. Trotzdem gefiel mir das Buch sehr gut. Der neue Roman „Margherita“ ist anders. Er ist einfach mehr Roman.
Das Buch beginnt wie eine Aschenputtel-Geschichte im Jahr 1920. Margherita, die mit ihren zwei Schwestern und ihrer Mutter in Treviso in einem Kloster lebt, nachdem der Vater die Familie mittellos zurückgelassen hat, hilft ihrer großen Schwester, die eine Lizenz hat, Zeitschriften zu verkaufen. Margherita ist sehr interessiert und liest so viel es geht in den Zeitungen. So ist sie informiert und bildet sich weiter. Dies kommt ihr zugute, wenn sie die Zeitungen austrägt. So hat sie z.B. auch den Conte Antonia „Nino“ Revedin kennengelernt, der ihr später einen Antrag machen wird. Sie heiratet also in die Adelskreise hinein. Aber der Conte unterscheidet sich selbst von den anderen Adeligen. Er hat schon früh mit seinem Vater dafür gesorgt, dass es seine Angestellten besser haben, als es zu der Zeit üblich war. Er wird verdächtigt ein Sozialist oder sogar Kommunist zu sein. Da er nun auch noch eine Bürgerliche heiratet, zieht sich die sogenannte bessere Gesellschaft von dem Ehepaar Revedin zurück. Das ist den beiden aber egal, denn sie haben Visionen. Sie wollen Venedig zu neuer Größe verhelfen und planen einen neuen Natur- und Kulturtourismus.
Bevor Margherita heiratet, wird sie von der Familie Revedin für ein halbes Jahr nach Paris geschickt, wo sie von Eugenia Errázuriz, einer Förderin moderner Künste und einer Stilikone, unter die Fittiche genommen wird. Diese beiden Frauen werden ein Leben lang Freundinnen und Vertraute sein. Hinzu kommt noch Peggy Guggenheim, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich weiß, was sie mit ihrem geerbten Geld anfangen will. Diese drei Frauen kennen viele Künstler aus den unterschiedlichsten Kunstsparten. Und sie laden sie nach Venedig ein. Dadurch wird Margherita im Prinzip die Gründerin der Biennale für die Filmfestspiele.
Privat lässt sich die Ehe zwischen Margherita und Nino gut an. Es kommt der Sohn Luigi zur Welt, der von beiden Eltern früh viel Wissen aufschnappt. Doch er erkrankt schwer. Und Nino verzettelt sich in immer mehr Unternehmungen. 1936 kommt es zu einer großen Katastrophe und das Buch springt in das Jahr 1962. Wir folgen Margheritas Geschichte noch bis zur Geburt ihres Enkelsohns. Dann bricht die Geschichte abrupt ab und es folgt ein Ausklang, der noch einmal fünf Kapitel enthält. Dieser Ausklang ist die Geschichte, wie Jana Revedin ihren späteren Ehemann Antonio kennenlernt und dadurch auf die Geschichte seiner Großmutter stößt.
Am Anfang der Geschichte dachte ich erst, dass es sich um einen reinen Roman handelt. Ich hatte im Klappentext überlesen, dass es die Geschichte ihrer eigenen Familie ist. Ich bin zwar über die Namensgleichheit gestolpert und habe daraufhin bei Google nachgeschaut, aber nichts gefunden. Erst durch den Ausklang ist mir klar geworden, dass es auch dieses Mal eine Romanbiografie ist.
Vom flüssigen Schreibstil hat mir dieses Buch besser als „Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus“ gefallen. Es liest sich mehr wie ein Roman. Allerdings fehlt mir etwas. Die Autorin erzählt zwar das Leben der Großmutter ihres Mannes, aber sie lässt wichtige Jahre aus. So erfahren wir en passant, dass ihr Ehemann wohl Geschäfte mit Mussolini gemacht hat. Aber wie tief er darin verstrickt ist, erfahren wir nicht. Wir erfahren auch nicht, wie die Familie die Zeit Mussolinis und des 2. Weltkriegs überlebt hat. Das hätte mich schon sehr interessiert.
Ebenfalls fehlte mir, dass sie die Persönlichkeiten, die Margherita näher kennenlernt, genauer beschreibt. Über Eugenia Errázuriz, Peggy Guggenheim erfahren wir einiges. Über Ernest Hemingway und Giuseppe Arrigo Cipriani, dem Gründer und Inhaber von Harry‘s Bar in Venedig ein wenig, über Greta Garbo und Charlie Chaplin so gar nichts. Da lässt sie einfach die Namen fallen. Und mich hätte auch noch mehr interessiert, was es genau mit den Filmfestspielen der Biennale und Margherita auf sich hat. Da bleibt das Buch für meinen Geschmack zu sehr an der Oberfläche.
Der Schreibstil ist gut. Man kann das Buch flüssig lesen, wobei mir manche Sätze zu hochgestochen erschienen. Und sie flicht gerne italienische Sätze in die Handlung mit ein. Nicht jeder wird übersetzt.
Im Endeffekt hat mich die Geschichte Margheritas fasziniert. Und Jana Revedin hat ein sehr interessantes Bild Venedigs entworfen, was mich nun verlockt, dieser Stadt einmal einen Besuch abzustatten. Doch irgendwie bin ich am Ende unbefriedigt geblieben, weshalb ich zwischen 3 und 4 Sternen geschwankt habe. Der Unterhaltungsfaktor hat mich veranlasst, dass das Buch trotzdem 4 Sterne bekommen hat. Ich würde die Geschichte gerne vertiefen, finde allerdings keine weiteren Bücher über die Familie Revedin.
Bewertung
2/5
14.03.2023
Buch (Taschenbuch)
Misslungener Roman, der seine Protagonistin eher uninteressanter als interessanter macht
Als grosse Venedig-Liebhaberin hatte ich dieses Buch schon lange auf meiner Liste. Für den letzten Venedig-Besuch habe ich es nun endlich gekauft. Was für eine Enttäuschung! Nach 40 Seiten hätte ich es am liebsten in die Ecke geschmissen. Wenn ich nicht Zeit zu lesen und sonst nichts dabei gehabt hätte, hätte ich es nicht zu Ende gelesen.
Die Autorin hat versucht, aus dem Leben der Grossmutter ihres Mannes einen Roman zu machen. Offenbar hatte sie viel Material aus dem Familienarchiv und öffentlichen Quellen zur Verfügung. Es ist aber überhaupt nicht gelungen, dies in einen spannenden Roman zu verpacken. Die Dialoge lesen sich, als hätte die Autorin informative Inhalte aus historischen Quellen etwas halbherzig in Anführungszeichen gesetzt und ihren Personen in den Mund gelegt. Die reden alle entsetzlich gestelzt und in unmöglichen Schachtelsätzen wie in Fachbüchern, um Informationen und Sachverhalte zu vermitteln. Ein grosses Anliegen der Autorin war offenbar, Wiederholungen zu vermeiden, sodass die Personen oft reden wie Absätze aus Reiseführern oder Artikeln, wo man nicht zu oft "Venedig" sagen darf es dann immer wieder mal mit "die Lagunenstadt" oder "die Serenissima" ersetzen muss. Zusätzlich hat sie es peinlich genau vermieden, gewöhnliche Inquit-Formeln wie "sie / er sagte" zu verwenden und schreibt immer Sachen wie ".'....', wusste Luigi die Antwort auswendig" oder '"'...', hatte Margherita die Antwort parat".
Bekannte Persönlichkeiten, mit denen Margherita Revedin in ihrem Leben Kontakt hatte (wie Peggy Guggenheim, Coco Chanel, Pablo Picasso etc.) werden als eine schier endlose Namedropping-Phalanx ohne tiefergehende Einsichten angeführt. Das Ganze wirkt wie ein "Guckt mal, wen die Grossmutter meines Mannes alles kannte"-Katalog.
Der Roman erzählt in grossen Zeitsprüngen und bleibt sehr an der Oberfläche. Die Personen haben mich weder interessiert noch berührt. Offenbar wurde Margherita von der alteingesessenen venezianischen Gesellschaft geächtet, weil sie aus dem einfachen Volk kam. Dieser Aspekt allerdings wird bloss mal erwähnt, dabei hätte das doch viel Material für eine interessante Handlung geboten. Stattdessen verfolgen wir sie ständig nur dabei, wie sie mit der Handvoll Personen, die ihr zugetan sind, anstrengende Konversationen führt, in denen alle Protagonisten sich viel Mühe geben, den Leser*innen historische Sachverhalte vorzutragen.
Als gegen Schluss des Romans Margheritas Sohn Luigi seine Frau vor seiner Mutter versteckt und sie aus obskuren Gründen zur Geburt des Kindes in eine Kurklinik auf dem Lido bringt statt in ein Krankenhaus mit richtiger Geburtsabteilung und dann selber zu einem Fussballspiel geht, haben mich diese irrigen Anwandlungen dieser Familie schon gar nicht mehr interessiert - zumal sie sich nachher vollkommen reibungslos in Wohlgefallen auflösen und aus dem sperrigen Verhältnis von Mutter, Sohn und Schwiegertochter dann mit einem Schlag eine heile Familie wird.
All dieses Material, das der Autorin aufgrund ihrer Heirat mit Margheritas Enkel zur Verfügung stand, wäre besser in einer sachlichen und informativen Biographie aufgehoben gewesen. Der Versuch, dies in eine Romanhandlung zu verpacken, ist vollkommen misslungen. Einen Gefallen hat Jana Revedin ihrer Schwieger-Grossmutter damit wohl eher nicht getan - die Person der Margherita Revedin erschien mir nach Beenden des Romans uninteressant und farblos. Viel Name Dropping und wenig Tiefgang.
Circlestones Books Blog
5/5
22.07.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein biografischer Venedig-Roman
„Wir feiern dich, ma belle, ausschließlich dich! Nicht die Mittel, nicht den Rahmen, nicht die Statisten.“ (Zitat Pos. 1153)
Inhalt
Margherita wird 1920 fünfundzwanzig Jahre alt, der Conte Antonio „Nino“ Revedin ist sechsunddreißig, als er Margherita in Treviso kennenlernt und ihr bald darauf einen Antrag macht. Vor der Hochzeit verbringt sie ein halbes Jahr in Paris, besucht Kunstgalerien und lernt aufstrebende, junge Künstler kennen, die auch zur Hochzeit kommen, Coco Chanel, Alberto Giacometti, Elsa Schiaparelli, Jean Patou, Eugenia Errázuriz. Diese Freundschaften prägen sie und regen ihre Ideen an, als sie gemeinsam mit ihrem visionären Ehemann Nino erste Schritte für einen neuen Kultur- und Naturtourismus plant und sie beginnen, Venedig und den Lido zu einem weltoffenen, modernen kulturellen Zentrum zu machen. So lernt sie auch Peggy Guggenheim kennen. Dann kommt das Jahr 1936 und dieses Jahr verändert alles, nicht nur in politischer Sicht. Doch Margherita ist stark, kreativ und sie gibt nie auf – das hat sie mit der Stadt Venedig gemeinsam.
Thema und Genre
Dieser Roman verbindet Fiktion und Realität, indem er die Geschichte der adeligen Familie Revedin, und damit auch des modernen Venedig, mit fiktiven Ereignissen verbindet. Ein Thema ist das bewegte Leben von Margherita Revedin, doch vor allem geht es um das lebendige Künstlerleben zwischen Paris und Venedig, beginnend in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, um die Entstehung der Filmfestspiele und der Architektur-Biennale.
Charaktere
Margherita stammt aus einfachen Verhältnissen und wird Zeit ihres Lebens vom alteingesessenen venezianischen Adel geschnitten. Doch dies stört sie nicht, denn sie sucht nicht die alten Traditionen, sondern sie blickt in die Zukunft und erkennt auch das Potential der neuen Zeit. Die bekannten Künstler*innen des Kreises um Margherita sind in ihren Eigenheiten beeindruckend real und stimmig geschildert.
Handlung und Schreibstil
Die Autorin erzählt das Leben von Margherita Revedin, der Großmutter ihres Ehemannes und damit verbunden auch die Geschichte des modernen Venedig ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Jahre zwischen wichtigen Ereignissen fasst sie zusammen, indem sie am Beginn eines neuen Kapitels kurz beschreibt, wie viele Jahre inzwischen vergangen sind. Damit vermeidet sie mögliche Längen und man verfolgt die Geschichte mit Spannung, die nicht nachlässt, sondern ihren steten Sog behält. Die letzten Kapitel, die sie mit „Ausklang“ tituliert, spielen 1987 und es schließt sich der Kreis.
Fazit
Ein biografischer Generationenroman über die europäische Kunst- und Kulturszene im 20. Jahrhundert, verbunden mit der jüngeren Geschichte der Stadt Venedig. Die Autorin nimmt uns mit in die prächtigen Palazzi am Canal Grande und das elegante Ambiente des Lido. Es ist ein Vergnügen, dieses interessante, einfühlsam und lebendig geschriebene Buch zu lesen, nicht nur für begeisterte Venedig-Kenner.
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