Alfa Ndiaye kämpft im Ersten Weltkrieg für die französische Kolonialmacht gegen die Deutschen – ein »Schokosoldat«, wie die Kameraden ihn nennen. Als Alfas Kindheitsfreund in seinen Armen verblutet, wird er von Wut und Rache gepackt. Wie ein Wahnsinniger stürzt er sich in die Schlacht gegen den deutschen Feind. Anfangs feiert die Kolonialmacht ihren schwarzen Helden, später verstößt sie den furchtlosen „Wilden“. In diesem kraftvollen, hypnotischen Roman fragt David Diop nach der Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten und setzt den Senegalsoldaten ein Denkmal – wofür er u. a. den International Booker Prize 2021 gewonnen hat.
»Ein wichtiges und beeindruckendes Buch.« Deutschlandfunk
» Atemberaubend!« L’Humanité
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Bei der Wahrheit Gottes Der…
Bories vom Berg aus München am 19.08.2024
Bewertungsnummer: 2877514
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Bei der Wahrheit Gottes Der zweite Roman des französisch-senegalesischen Schriftstellers David Diop mit dem bezeichnenden Titel «Nachts ist unser Blut schwarz» erregte 2018 in Frankreich große Aufmerksamkeit, er wurde mit dem Prix Goncourt des lycéens ausgezeichnet. In Übersetzung folgte dann 2021 auch noch der britische International Booker Prize. In Deutschland hingegen blieb er weitgehend unbeachtet. Was erstaunlich ist, denn dieser Kurzroman ist eine literarisch anspruchsvolle Abrechnung mit dem Krieg, hier mit dem bis dato schrecklichsten, dem Ersten Weltkrieg. Wie der Autor in seiner «kurzen historischen Anmerkung» erklärt, ist er durch 1998 veröffentlichte Feldpostbriefe französischer Soldaten auf das Thema aufmerksam geworden. Über Feldpost von Senegalschützen, von denen bei den großen Schlachten gegen die Deutschen ca. 30.000 getötet wurden, gibt es hingegen keine Informationen. Ihnen fiktional eine Stimme zu geben war sein Ansporn für diesen Roman. Als der senegalesische Protagonist Alfa Ndiaye im Kugelhagel eines Angriffs seinen neben ihm liegenden, durch einen Bauchschuss schwer verletzten Freund töten soll, kann er das nicht, so sehr der todgeweihte Freund ihn auch bittet. Die von den weißen Kameraden «Schokosoldat» genannten Senegalesen haben für den Nahkampf statt dem Bajonett alle eine Machete, mit der sie die Gegner niedermetzeln sollen. Sein bester Freund aus Kindheitstagen fleht ihn an, aber er kann ihn nicht von seinem Leiden erlösen, kann ihm nicht die Kehle durchschneiden! Als der Freund wenig später qualvoll gestorben ist, schleppt er ihn unter Lebensgefahr durch das Niemandsland zum französischen Schützengraben zurück. Dieses Erlebnis, seine Ohnmacht der Tötung auf Verlangen gegenüber, macht ihn derart wütend, dass er fortan wie ein Racheengel über das Schlachtfeld zieht, feindliche Soldaten tötet und jeden Abend mit dem Gewehr eines Deutschen zurückkehrt, - und mit einer abgetrennten Hand von ihm. Die bewahrt er dann, ähnlich dem Skalp bei den Indianern, als Trophäe auf. Er bekommt einen Tapferkeits-Orden, der ihm rein gar nichts bedeutet, sein Antrieb ist Rache. Bei der vierten Hand beginnt die Bewunderung der Kameraden und des Kommandanten in Abscheu umzuschlagen, und bei der siebten schickt ihn der Kommandant schließlich, gegen Alfas Willen, in einen vierwöchigen Heimaturlaub. Eine längere Rückblende gilt seiner Jugendzeit in einem Dorf im Senegal, die von der Entführung seiner Mutter überschattet wurde. Ihr Schicksal blieb ungeklärt, ein Trauma, das ihn lebenslang verfolgen wird. Eine weitere Rückblende gilt der ersten Liebe des Ich-Erzählers, der sich sechzehnjährig in ein gleichaltriges, schönes Mädchen verliebt, das seine Liebe zwar erwidert, sich ihm aber nie hingegeben hat. Vier Jahre später, am Abend vor seiner Abreise an die Front, wurde im Kreis der Freunde Abschied gefeiert. Die Schöne verließ nach einem tiefen Blick in seine Augen schon früh das Fest. Er folgte ihr, sie ging in den Wald, wo sie sich ihm hingab. Ein letzter Liebesbeweis, sie würden sich wahrscheinlich nie wiedersehen. Denn die jungen Männer hatten nur geringe Chancen, überhaupt je wieder heimzukommen, und Alfa würde nach Dakar gehen und studieren. Sowohl von seiner Thematik her als auch von seiner Stilistik ist dieser grausam anmutende Roman über Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten alles andere als leichtverdaulich. Kann man seine Menschlichkeit verlieren? Hat allein die rasende Wut den Protagonisten in den Wahnsinn getrieben? David Diop hat sich für die Innenschau als stilistisches Mittel entschieden, «um den Schock eines Senegalschützen zu veranschaulichen», wie er im Nachwort schreibt. Dementsprechend ist dessen simple Sprache sprunghaft, kurzatmig, traumatisch, zudem auch mit in Schleifen ständig wiederholten Phrasen durchsetzt. Von denen ist «Bei der Wahrheit Gottes …» die häufigste. Verstörend zu lesen, aber bereichernd und sogartig mitreißend bis zum Ende!
Auswirkungen wie der Krieg Menschen verändert
J. Kaiser am 26.02.2022
Bewertungsnummer: 1664498
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Klapptext: Alfa Ndiaye kämpft im Ersten Weltkrieg für die französische Kolonialmacht gegen die Deutschen. Ein Schokosoldat, wie die Kameraden ihn nennen.
Fazit: Die beiden Freunde Alfa Ndiaye und Mademba Diop kämpfen gegen die Deutschen. Diese Geschichte schildert eines der dunkleren Kapitel der Kolonialherrschaft. Dass viele der Schwarzafrikaner ihr Leben in diesem Krieg gelassen haben, ist bekannt. Was die Menschen dachten und fühlten hat niemanden interessiert. David Diop beschreibt in diesem Roman über ein Thema, welches verdrängt wurde. Der Krieg lässt Menschen Dinge tun, welche man sich fast nicht vorstellen kann. Man liest wie nach dem Tod von Mademba sein Freund Alfa nur noch von blinder Wut getrieben wird. Der Roman ist kurz, aber prägnant geschrieben und auch so zu Lesen. Das Buch empfehle ich sehr. Nach dem Lesen halt der Inhalt sicher nach. Bei mir war das so.
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