Schon immer hatte die junge Archäologiestudentin Leo das Gefühl, anders zu sein. An ihrem 20. Geburtstag offenbart ihr ihre Großmutter ein Geheimnis: Leo stammt von einem alten Schamanenvolk aus dem Mittleren Osten ab, das den Geier als heiliges Wesen verehrte. Auf der Suche nach ihren Wurzeln reist die junge Frau nach Anatolien zu einem rätselhaften Steintempel ihrer Ahnen, der sie langsam die Besonderheit ihrer Herkunft verstehen lässt. Als die Grabstätte in höchste Gefahr gerät, besinnt sich die Erbin der Vogelmenschen auf ihre erstaunliche Gabe und ruft die Geier um Hilfe an
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Identität und Schicksal
Bewertung (Mitglied der Book Circle Community) am 25.10.2023
Bewertungsnummer: 2052193
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch von Federica de Cesco ist für mich etwas schwer einzuordnen… Was sind Fakten, was Fiktion? Was Mythos und was das reale Leben? - Und doch: in jedem Leben ist beides in irgendeiner Weise verwoben - und manches findet man völlig ‘beknackt’ - bis es einen dann packt. Auf der Suche nach der eigenen Identität ist man oft enger mit dem ‘Schicksal früherer Zeiten’ verwoben, als man denkt - und mitunter einem lieb ist…
Da ist Leo, Archäologiestudentin in Lausanne, der Vater Jan dort im selben Fach Professor. Mit 20 wird sie von ihrer Grossmutter Katja in ein ‘Familiengeheimnis’ eingeführt - wobei man als Lesende/r nicht genau mitbekommt, worum es geht - bei der zweiten Ausführung desselben Themas wird Katja ausführlicher und bettet die Geschichte und den Mythos der sogenannten ‘Vogelmenschen’ in einen riesigen geschichtlichen Abriss hinein, der in der prähistorischen Zeit wurzelt. - Was es allerdings mit ‘der Familie’, insbesondere mit ‘Leo’ zu tun hat, wird auch da nicht näherhin klar.
In London trifft Leo in einem Museum auf ‘Kenan’, der Sohn ausgewanderter Türken, die Mutter Jesidin, er angehender Künstler. Seelenverwandtschaft wird irgendwie spürbar zwischen den beiden. Als Jan in den Sommerferien zur Ausgrabung nach ‘Göbekli Tepe’ ins kurdische Gebiet der Türkei reist, um die voran geschrittenen Ausgrabungen zu begutachten und zu begleiten, reisen Tochter und Freund mit.
An dieser Stelle wird der Roman sehr politisch: de Cesco bringt die ganze Thematik der Kurden, Jesiden und Türken aufs Papier, der Islamismus und seine ‘Gotteskrieger’. Hier werden sich auch die Ereignisse überschlagen - und genau darin, im Grunde genommen auf dem Höhepunkt ‘des Horror’, findet Leo den Zugang und Mut ihr tieferes, ererbetes Familiengeheimnis für einen Augenblick Ewigkeit zu leben… Hier trifft sich Realität und Mythos auf eigenartige und beklemmende Weise - was soll man/ich davon halten?! Ist so etwas möglich?! - Es wird dem Lesenden überlassen zu erahnen, dass es zwischen Himmel und Erde mehr als das Erklärbare gibt…
Etwas schwach finde ich den abschliessenden ‘Epilog’ - fast ein wenig à la Märchen (und wenn sie nicht gestorben sind…. - nur etwas differenzierter und ausführlicher).
Ein Buch, das in den Gedanken offen bleibt, auch wenn man es schon längst geschlossen hat….
Keine leichte Kost! Schon als…
Yvonne von lesehungrig aus Oberfranken am 14.11.2020
Bewertungsnummer: 2734914
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Keine leichte Kost! Schon als Kind habe ich die Bücher von Federico de Cesco verschlungen. Ihr gelang es immer spielend, mich mit ihren Geschichten zu faszinieren und in andere Welten zu entführen. „Das Erbe der Vogelmenschen“ weckt unzählige Gedankengänge in meinem Kopf und ich starte mit einigen Erwartungen in die Story. Zur Handlung: Leo erfährt auf unorthodoxe Manier von ihrer Herkunft und der hierdurch einhergehenden Bestimmung. Damit kann sie zunächst nicht umgehen und wozu gewisse Fähigkeiten in der heutigen Zeit nutze sein sollen und wie diese aussehen, hat sie keinen Schimmer. Die Figuren: Leo wohnt mit ihrem Vater am Genfer See. Sie studiert in Lausanne Archäologie. Ihr Vater ist ebenfalls Archäologe. Leo ist fokussiert und hinterfragt ihr Leben lang alles. Blitzgescheit und mit der Weisheit eines alten Menschen ausgestattet, wirkt sie auf ihr Umfeld oft befremdlich. Neben Leo sind alle weiteren Figuren wichtige Nebenfiguren. Da ist Kenan, ein britischer Student der Panflöte spielt und eine Begabung fürs Malen besitzt. Leos Großmutter, Katja, erinnert mich an Vics Urgroßmutter, Poupette, aus La Boum. Sie ist mindestens so exaltiert wie diese alte Dame und schenkt mir einige Lacher. Zur Umsetzung: Die Handlung setzt an Leos 20. Geburtstag ein und nimmt mich mit. Leo bekommt von ihrer Großmutter einen Türkis geschenkt, dem sie einen Namen geben muss. Ich habe lange überlegt, welchen er bekommen wird. Am Ende benennt sie ihn und ich habe einen Kloß im Hals und wünsche mir, es hätte ein anderer sein dürfen. Doch alles kommt, wie es kommen muss. Das Sprachbild ist überwiegend distinguiert und der Schreibstil wechselt von passiv zu aktiv, was sich prima ergänzt. In diesem Buch steckt alles, was ich nicht eine Sekunde erwartet habe. Die Liebesgeschichte, die sich zart zwischen Kenan und Leo anbahnt, steht dabei in hinterer Reihe. Den Vordergrund nehmen Fakten grausamer Schicksale, erdachte Vergangenheiten und Weisheiten ein. Es liest sich rau, direkt, poetisch, prägnant und ohne einen Hauch von Kitsch. Die Erzählform ist von einer Eloquenz geprägt, die es mir manchmal schwer macht, ihr zu lauschen. Es ist zu authentisch und ich fühle mich nicht immer wohl dabei. Ausgrabungen finde ich schon immer aufregend und hier komme ich voll auf meine Kosten. Ich habe Geschichtsunterricht auf spannungsvolle Art erhalten und jedes Wort davon verschlungen. Philosophische Gedanken über Religionen fließen ebenso hinein, wie die Verbrechen, die im Namen verschiedenster Glaubensrichtungen verübt wurden und immer noch werden. Schwere Kost auf hohem Niveau umgesetzt. Alles ist erstklassig recherchiert und de Cesco schickt mir immer wieder eine Gänsehaut über den Rücken. Was mir weniger gefällt: Eindeutig zu kurz kommen mir die Emotionen zwischen den Figuren. Sie sind alle zu abgeklärt und geben keinen Zentimeter mehr als nötig von sich preis. In manchen Momenten distanziert sich de Cesco mit ihrer Erzählstimme, was unter Umständen der Schwere der Thematik geschuldet ist. Mein Fazit: „Das Erbe der Vogelmenschen“ behandelt brandheiße Themen über unterdrückte Minderheiten, den Gräueltaten an ihnen und die latente Gefahr von Islamisten, die gegenwärtiger denn je ist. Mittendrin steckt Leo, eine junge Frau, auf der Suche nach ihren Wurzeln. Federico de Cesco verpackt eine kleine Lovestory in jeder Menge historischer Geschichte, aktuellem Zeitgeschehen und kostbaren Erkenntnissen. Der Spagat zwischen Vergangenem und dem Jetzt ist ihr prima gelungen. Von mir erhält das Buch 4 markante Sterne von 5 und eine absolute Leseempfehlung.
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